
von Kraehenfeder
Kapitel 31 – Das Chaos innendrin
Die Tür hatte sich immer noch nicht wieder geöffnet.
Archie schwamm wilde Kreise und versuchte immer wieder, Sirius dazu zu bewegen, sich ihm zu widmen, aber dieser blieb einfach nur auf der Couch sitzen und starrte seine Wohnungstür an. Seine geschlossene Wohnungstür. Jetzt hatte er’s wohl endgültig verbockt. Draco war schon verschwunden gewesen, als Sirius – halbbekleidet – im Treppenhaus angekommen war. Es schien auch nicht so, als sei er sich nur mal kurz abregen gegangen und hätte die Absicht gehabt, wieder zu kommen.
Obwohl er vollkommen nüchtern war, fiel es Sirius schwer, die Ereignisse Revue passieren zu lassen, die zu seiner Situation geführt hatten. Gerade eben war er doch noch mit Draco in seinem Schlafzimmer gewesen und jetzt… war Draco weg.
Merlin, ja! Weil er in einem vorübergehenden Zustand geistiger Verwirrung James’ Namen gestöhnt hatte. Sirius vergrub aufstöhnend das Gesicht in seinen Handflächen und verwünsche diese Erkenntnis mit plötzlicher Heftigkeit.
„Scheiß auf’s Nüchternsein“, murmelte er halblaut und sprang auf. Er warf einen kurzen Blick zu Archie, dessen runde Fischaugen ihn anstarrten und schüttelte den Kopf. „Lass gut sein, Kumpel.“ Dann machte er sich auf die Suche nach der Flasche Whiskey, die mit Sicherheit noch irgendwo hier war.
Den kurzen Stich eines schlechten Gewissens verdrängte er. Was brachte ihm denn aller Alkohol-Entzug wenn Draco weg war? Der Junge würde nicht wiederkommen, so viel stand fest. Vielleicht ließ er sich schlagen, sich vergewaltigen – aber er würde nicht… Sirius riss die Flasche beinahe aus dem Schrank und schraubte den Verschluss auf.
Das brennende Gefühl, mit dem der Alkohol seine Kehle hinunter rann, kam ihm vertraut und beruhigend vor. Möglicherweise kamen und gingen die Menschen, vielleicht änderte sich alles – aber diese Konstante blieb. Zur Hölle also mit allen antiken Philosophen, die sagten, dass alles fließt. Er selbst wusste es besser, dachte er melancholisch, als er sich zurück auf Archies Couch sinken ließ.
„Das war dumm, oder?“, murmelte er leise, ehe er die Flasche erneut ansetzte. Dieser Schluck Whiskey war wohl etwas tiefer gewollt als gekonnt, denn Sirius spuckte die Hälfte der klaren Flüssigkeit hustend wieder aus. Archie schien das gar nicht gern zu sehen, verzog sich in die unterste Ecke seines Sofas – wie er es immer tat, wenn er sich von seinem Herrchen abgestoßen fühlte.
Sirius beschloss einfach hier sitzen zu bleiben und die Tür weiterhin anzustarren. Tat er das mit genug Willenskraft, musste sie einfach aufgehen und Draco in all seinem strahlenden Glanz offenbaren. Irgendwann heute Nacht würde er schon kommen.
Doch mit jeder Stunde um die der Himmel vor seinem Fenster dunkler wurde, musste Sirius erkennen, dass es diesmal wohl nicht so einfach war. Der Zeiger umrundete das Ziffernblatt einmal mehr und die Flasche Whiskey in seiner Hand wurde immer leerer. Er wollte schlafen – jedenfalls, dachte er, dass er das wollte. Irgendwie zumindest. Sein Körper begehrte nach Ruhe, aufgepeitscht von Erkältung und Alkohol und inzwischen wieder heruntergefahren zu einem Level absoluter Lethargie. Doch Sirius’ Verstand schien anderer Meinung zu sein.
Ohne, dass er etwas daran ändern konnte, wirbelten in seinem Kopf alle möglichen Erinnerungen an Draco durcheinander. Wie aus einer Ironie des Schicksals fiel hier nie der Name James, kein einziges Mal.
Als der Morgen hereinbrach und rotes, ekelhaftes Licht im Zimmer verteilte, erhob sich Sirius schwankend. Nicht ganz Herr seiner Sinne stolperte er ins Bad. Ohne einen einzigen Blick in den Spiegel zu riskieren, hielt er sein Gesicht unter den Wasserstrahl seiner Dusche und wartete ab. Ob er nun zwanzig Minunten oder zwei Stunden dort gestanden hatte, wusste er nicht. Doch die Sonne war wirklich hervor gekrochen, als er sich wieder zurück in sein Wohnzimmer schleppte. Er warf einen angewiderten Blick auf das Obst, das Draco in einer Schale auf der Theke gelagert hatte, ehe er die Augen schloss und apparierte.
In Harrys Hausflur angekommen, atmete er auf. Möglicherweise war Sirius nicht ganz nüchtern, aber er wusste sehr gut, dass aufgrund seines massiven Konzentrationsmangels er sonst wo hätte landen oder vielleicht zersplintert sein Ziel hätte erreichen können.
Fortuna schien ihm jedoch hold zu sein, denn es war ganz offensichtlich Harrys Wohnung. Das bewiesen allein die vielen Fotos von Terry, die sich auf einer Kommode reihten. Wo hatte der Junge die bloß alle her? Manche davon waren noch in Hogwarts-Zeiten aufgenommen worden und zeigten einen strahlenden Boot, der einen Schal seines Hauses schwenkte. Wieso besaß er so was nicht? Er hatte gar kein Foto von Draco. Idiot, der er war, hatte er sich nie die Mühe gemacht eines zu schießen. Er musste Andromeda danach fragen. Schließlich… war ein Foto vielleicht alles, was er je wieder von diesem bescheuerten, kleinen Slytherin sehen würde.
Sirius seufzte, ging unsicheren Schrittes auf die nächste Tür zu und trat ein. Das erste was er sah, waren die Umrisse Harrys auf seinem Bett. Das Fenster des Schlafzimmers war abgedunkelt und der Besitzer dieser Räumlichkeiten schien gar keine Notiz davon zu nehmen, dass er nicht mehr allein war. Die Matratze gab unter seinem Gewicht nach, als Sirius sich zu Harry setzte.
Dessen Augen standen offen, blickten jedoch an die Decke, als sähe er durch den weißen Putz hindurch.
„Harry?“, fragte Sirius leise und räuspete sich, als er bemerkt, wie heiser seine Stimme klang. Heiser von was? Alkohol? Sicherheitshalber tastete er seine Wangen ab, als würde er feststellen wollen, ob er vielleicht geweint hatte. Hatte er nicht. Natürlich nicht. Harry hatte Recht. Sein Herz war ein einziger Steinklumpen.
„Harry?“, wiederholte er leise.
Sein Patensohn regte sich nicht. Sirius wollte ihn gerade noch einmal ansprechen, als er mit leiser, kratziger Stimme antwortete: „Ich will nicht mit dir reden.“
„Ich…“
„Ich will mit niemandem reden.“ Harrys Stimme klang wie die eines Fremden. Bröckelig, schwach.
„War jemand hier um nach dir zu sehen?“ Sirius hasste sich selbst dafür, aber – in diesem Moment fragte er sich, warum er hier her kam auf der Suche nach jemandem der ihm zuhörte und jemanden fand, der selbst Hilfe benötigte.
Nicht, dass ihm das nicht hätte klar sein müssen, aber das ignorierte er. Es musste ja schließlich einen Grund geben das Schicksal anzuklagen.
Er wusste auch, wie egoistisch dieser Gedanke war, aber was machte das jetzt noch für einen Unterschied? Außer Draco hatte es ja doch nie jemanden interessiert, ob er egoistisch war. Und Draco war weg. Sirius holte tief Luft.
„Ich will niemanden hier haben“, meldete sich Harry dann wieder zu Wort.
Sirius starrte auf seinen Patensohn hinab und gab sich einen Ruck. „Du brauchst Hilfe, Harry.“
„Ich brauche Terry.“
Oh, Merlin.
„Terry ist tot, aber du lebst.“
„Geh weg.“
„Harry, bitte, hör mir zu…“
„GEH WEG!“
Sirius zuckte erschrocken zurück und stolperte über einen am Boden liegenden Schuh. Wie von Sinnen war Harry bei diesen letzten Worten aufgesprungen, hatte seinen Patenonkel mit überraschend starken Händen gegen die Brust gestoßen und Sirius das erste Mal wirklich angeblickt.
Dass ihm der irre, weggetretene Ausdruck in Harrys grünen Augen besser gefiel als die Leere, konnte Sirius nicht gerade behaupten. Beides war nicht normal und definitiv nicht gesund.
„Leg dich doch noch ein bisschen schlafen, hm, Harry?“ Sirius trat langsam wieder an das Bett heran und warf einen kritischen Blick auf den schlanken, jungen Körper, der wieder in sich zusammen gesackt war – als hätte dieser Ausbruch seine vorhandene Energie restlos aufgebraucht. Er beobachtete, wie Harry sich zurück in die Kissen sinken ließ und zog die Decke über ihn. Als darauf keine Reaktion erfolgte, wandte er sich zur Tür und lehnte sich draußen im Flur gegen die Wand.
Es war ja wirklich nicht so, als hätte er nicht auch schon allein genug Probleme. Und er hatte keinen Tropfen Alkohol. Einen abschätzenden Blick zu Schlafzimmertür werfend drehte sich Sirius in Richtung von Harrys Küche. Irgendetwas hatte der hier sicher auch. Während er die Schränke seines Patensohns nach etwas Angemessenen durchwühlte, arbeitete Sirius’ Verstand jedenfalls stellenweise an einer Lösung des Problems. Eigentlich sollte er sofort ins St. Mungos apparieren und jemand um Hilfe bitten. Andererseits – so konnte er sich dort nicht blicken lassen. Das würde ihn wahrscheinlich den Job kosten.
Seufzend lehnte er die Stirn gegen den Schrank in Harrys Küche und griff sich blindlings die Flasche, die er gerade entdeckt hatte. Um ein Haar wäre sie ihm aus der Hand geglitten, aber streckte gerade noch rechtzeitig die andere Hand aus um sie abzufangen.
Er starrte die Flasche einen Moment an – billiger Muggel-Wodka. Remus. Er musste zu Remus und mit ihm über Harry reden. Der Werwolf würde kaum erfreut sein, ihn mit einer Flasche Alkohol bei sich auftauchen zu sehen… Seufzend stellte Sirius den Wodka also auf die Anrichte, schloss die Augen und apparierte.
Irgendeine höhere Macht schien es heute gut mit ihm zu meinen, jedenfalls was sein kleines, klägliches Leben anging. Direkt vor Remus Lupins Haustür schlug er die Augen wieder auf. Manchmal passierte es ihm im vollkommen nüchternen Zustand, dass er Meter entfernt von der eigentlich angepeilten Stelle erschien – heute klappte es auf den Zentimeter genau. Mit einer langsamen Bewegung klopfte er an die schwere Holztür, hörte dahinter einen Mann rufen und wartete auf die sich nähernden Schritte.
Wenige Sekunden später öffnete sich die Tür und ein überraschter Remus Lupin streckte den Kopf heraus.
„Sirius?“
„Kann ich rein kommen?“
Zögernd schob der Werwolf die Tür auf. „Was ist los? Du siehst beschissen aus.“
Sirius zog die Mundwinkel nach unten. „Danke, genau das hab’ ich jetzt hören wollen.“
„Hast du getrunken?“ Misstrauisch schloss der einstige Rumtreiber seine Wohnungstür wieder und starrte seinen Freund an.
„Geht dich nicht’s an.“
„Dann kannst du ja auch wieder gehen?“, kam die gereizte Antwort und Sirius hob entschuldigend die Hände.
„So meinte ich das nicht. Mach dir über mich keine Gedanken – ich bin wegen Harry hier.“
„Du siehst nicht so aus, als ob ich mir keine Gedanken machen müsste. Was ist mit Draco? Wo ist er?“
„Keine Ahnung“, meinte Sirius betont akzentuiert. „Und es interessiert mich auch nicht.“
„Ärger im Paradies?“
„Moony“, knurrte Sirius. Diesmal war er es, der sich zur Tür wenden wollte, aber Lupin hielt ihn auf.
„Nicht, ich habe es so nicht gemeint. Aber du siehst wirklich nicht gesund aus. Habt ihr euch gestritten?“
„Draco ist gegangen.“
„Was ist passiert?“
Sirius starrte seinen einstigen Schulkameraden an. Was sollte er sagen? Ich habe den Namen unseres besten Freundes gestöhnt, anstatt den Dracos? Wohl eher nicht.
„Ich habe einen Fehler gemacht. Wieder einmal.“
Remus seufzte und deutete auf sein Wohnzimmer. „Setzen wir uns doch?“
„Ich möchte nicht drüber reden.“
Die beiden Männer starrten sich einen Moment lang an, dann nickte der Werwolf langsam. „Aber du weißt, dass du zu mir kommen kannst, wenn du Probleme hast, ja? Pass auf was du machst und… Lass die Finger vom Alkohol.“
Sirius seufzte. Was wollte dieser Mensch eigentlich von ihm? Plötzlich interessierte es ihn wieder. Ganz klar. Was Draco wohl gerade machte?
Immer wieder stellte sich ihm die Frage, ob Draco wieder zu Lucius zurückgekehrt war. Er schüttelte den Kopf.
„Also“, meinte Sirius extra laut, wie um seine Gedanken zu übertönen. „Harry.“
„Was ist denn mit ihm?“ Remus fuhr sich durch die Haare und blickte ziemlich offensichtlich auf die Uhr.
„Deinen Besuch bei Teddy oder sonst wem wirst du heute wohl verschieben müssen.“
Der Kopf des Werwolfs ruckte herum.
Sirius lehnte sich gegen die Anrichte, verschränkte die Arme vor der Brust und starrt auf den Boden. „Ich glaube, Harry braucht Hilfe. Ich war gerade eben bei ihm und sein Zustand ist… grenzwertig.“
„Wunderbar, kenne ich ja schon zwei“, murmelte Lupin sarkastisch.
„Lass es gut sein, Moony. Ich glaube, wir sollten über den Vorschlag des Heilers nachdenken.“
„Du willst Harry einliefern lassen?“ Etwas fassungslos schnappte Remus nach Luft, doch Sirius nickte ruhig. Naja, einigermaßen ruhig. Er spürte, dass der verfluchte Alkohol seine Wirkung in seinem Organismus schon wieder tat – ein Schluck zu viel war es wohl gewesen, wenn er schon wieder spürte, wie er nach mehr lechzte.
„Entweder ist er vollkommen apathisch oder er flippt aus. Du kannst es gerne ausprobieren, ich habe ihn gerade besucht. Ihn in wissende Hände geben ist das Beste, was für ihn tun können.“ Müde fuhr er sich mit den Händen über das Gesicht.
„Scheiße.“ Lupin seufzte.
„So kann man es auch sagen“, meinte Sirius mit leiser Belustigung.
„Und ich soll ihn dort hin bringen?“
„Hör her, Moony. Du weißt, dass ich so da nicht auftauchen kann. Ich bin momentan nicht ganz auf der Höhe, aber…“
Ein trauriger Blick traf ihn.
„Was?“, fauchte Sirius.
„Manchmal fürchte ich, dass du gar nicht mehr ganz auf die Höhe kommen wirst, wenn das so weiter geht. Ich weiß ja nicht, ob du heute schon mal in den Spiegel geguckt hast, aber du siehst selbst so aus, als könntest du Hilfe gebrauchen. Ich weiß ja nicht, was zwischen dir und Draco vorgefallen ist, aber vielleicht solltest du mal versuchen mit ihm darüber zu reden und zu retten, was zu retten ist...“
Sirius starrte seinen langjährigen Freund einen Moment wortlos an, dann drehte er sich herum und schritt auf die Tür zu. Kurz davor blickte er zu Remus Lupin zurück, der mit gesenkten Schultern in seinem Hausflur stand – wie einer der Menschen, auf denen mehr Schicksal lastete, als sie ertragen konnten.
„Danke“, murmelte Sirius, dann war er auch schon durch die Tür.
In der Überzeugung sein Glück nicht unnötig herausfordern zu müssen, entschied er sich, erst einmal ein Stück zu Fuß zu gehen – seine Erkältung war eh abgetötet worden, von was auch immer. Und ein bisschen frische Luft konnte nur gut tun.
Remus hatte Recht. Dieser Erkenntnis traf ihn… nun, überraschend. Er konnte nicht daheim sitzen und darauf warten, dass Draco zu ihm zurückkehrte. Er musste selbst handeln.
Tief einatmend schlug er den Weg in die Winkelgasse an. Er würde den Blonden einfach nach der Arbeit abpassen und ihn um ein Gespräch bitten. Wenn sie ihn Ruhe darüber gesprochen hatte, würde Draco verstehen, dass das alles nur ein großes Missverständnis gewesen war.
Mit neu erwachtem Optimismus ließ sich Sirius auf einer Bank vor dem Eissalon nieder, in dem Draco arbeitete. Wenn er das richtig im Kopf hatte, würde es keine halbe Stunde mehr bis zum Schichtwechsel dauern.
Sirius blies nachdenklich weiße Wolken in die kalte Luft. Als Dracos Stimme von drinnen ertönte, wollte er schon erfreut aufspringen. Er hatte sogar schon zwei Schritte nach vorn gemacht, ehe er die Gestalt bemerkte, die ihren Arm gerade um Dracos Schulter gelegt hatte: Dean Thomas!
Ungläubig stand Sirius da und starrte dieses ungleiche Pärchen an. Das konnte doch nicht wahr sein? Was tat dieser Fatzke denn bitte mit Draco?
„… ich freue mich auch schon.“ Dracos Wangen hatten diesen wunderbaren Rotton angenommen. Er sah müde, aber ziemlich gesund aus und drehte gerade den Kopf. Als Sirius seinen Blick traf, blieb der Junge abrupt stehen und der Ältere beobachtete, wie der schmierige Tätowierer sich langsam herum drehte. Deans Blick schweifte wieder zu Draco, der die Lippen zu einer schmalen Linie zusammengepresst hatte, und zurück zu Sirius, der langsam die Hände zu Fäusten ballte, versuchend die heiße Flamme der Eifersucht zu zügeln.
„Lass uns gehen, Dean“, murmelte Draco, fasste Thomas am Arm und wollte ihn an Sirius vorbeiziehen, aber der stellte sich dem dreisten Jungen in den Weg. „Black…“, seufzte der Blonde und wandte den Blick ab.
„Was soll das?“, presste Sirius verletzt hervor und deutete auf Dean, wie er auf ein Stück Müll deuten würde. „Ein läppischer Streit und du suchst dir was anderes? Wieso hätte ich mir das denken können? Typisch Malfoy!“
„Black, ich glaube es ist besser wenn du uns in Ruhe lässt“, meinte Dean bestimmt, während Draco nur schweigend daneben stand.
Sirius lachte hysterisch auf. „Uns?“ Er hielt sich eine Hand auf den Bauch und täuschte einen für den Rest der Winkelgasse hörbaren Lachanfall vor. „Okay, ich hab mich prima amüsiert. Jetzt komm mit nach Hause.“
Draco schnaubte auf. „Schön, dass du dich amüsierst, aber ich finde das hier nur peinlich. Eigentlich finde ich dich peinlich.“
Sirius stand für einen Moment der Mund offen, dann schüttelte er sich. „Peinlich? Du bist total theatralisch abgehauen, anstatt mich anzuhören, Draco!“
„Oh, jetzt kennst du meinen Namen wieder?“, fragte Draco verkrampft lächelnd. „Wie schön…“ Er seufzte übertrieben lieblich auf.
„Mach dich nicht… Das war ein… Versehen, ja?“
Draco schüttelte den Kopf.
„Ich war aber nie in James verliebt!“
Dean machte große Augen.
„Dann überleg mal, warum du seinen Namen stöhnst, wenn es nicht um sowas geht“, blaffte Draco ihn an. „Weil du in deine verdammte Vergangenheit verknallt bist, wetten?“ Er rammte den Zeigefinger so fest in Sirius‘ Brust, dass der einen Schritt zurücktaumelte. „Und da gibt es mich eben nicht!“
„Draco…“ Sirius wollte Draco an der Schulter fassen, aber der wich zurück. „Bitte, hör mir doch… Ich hab das doch nicht so gemeint. Ich wollte dir nicht wehtun.“
„Dein Unterbewusstsein will’s aber“, zischte Draco und packte Dean am Arm, versetzte Sirius so einen Stich ins Herz. „Und dein Unterbewusstsein kotzt mich an. Lass mich in Ruhe, klar? Ich hab dir genug Chancen gegeben…“ Er schüttelte beinahe resignierend den Kopf. „Wir gehen…“
„Und wohin?“ Sirius stellte sich den beiden wieder in den Weg. „D-Du wohnst bei mir, Draco. Und ich lasse meine Wohnung nicht zu eurem Liebesnest umfunktionieren!“
„Liebesnest?“ Dean schüttelte schnell den Kopf.
„Halt die Klappe!“, verlangte Draco und wurde rot vor Scham. „Musst du mich jetzt auch noch in aller Öffentlichkeit bloßstellen? Geh einfach.“
„Aber…“
„Geh!“
„Nein, Draco, erst wenn wir geredet…“
„Black, vielleicht lässt du ihn doch erstmal eine Weile in Ruhe.“
„Halt du dich da raus, Thomas!“, schnauzte Sirius. „Und Pfoten weg!“ Er packte Dracos Hand, die sich fest in Deans Unterarm gekrallt hatte, und versuchte den festen Griff zu lösen.
„Hallo?“
„Hör auf! Du tust mir weh!“ Draco schlüpfte schnell hinter Dean und machte sich kleiner, um sich aus Sirius‘ Blickfeld zu stehlen.
„Ähm…“
„Du hast den doch gar nicht nötig! Ich kann dich viel besser beschützen!“ Immer wenn Sirius einen Schritt hinter Dean machen wollte, tat Draco einen in die entgegengesetzte und lugte hochrot um Dean herum.
„Und beschützt du mich auch vor dir?“, fragte er leise. Dean machte schon wieder ein komisches Gesicht und Sirius hätte ihm am liebsten Selbiges eingeschlagen.
„Ich wollte dir doch nicht…“ Sirius schüttelte den Kopf und setzte einen fast flehenden Blick auf. „Sei nicht so kindisch und komm nach Hause.“
„Ich habe ein neues Zuhause“, gab Draco zurück.
„Was?“
„Er wohnt bei mir“, mischte Dean sich ein.
„Was?!“ Erneut die Hände zu Fäusten ballend wandte Sirius sich Dean zu. „Du hässliches Kriechtier!“ Er holte aus und wollte seine Faust mit voller Wucht und geballten Hass – vielleicht auch auf sich selbst? – dem Künstler-Tätowier-Heini namens Thomas ins Gesicht rammen, aber der duckte sich reflexartig und stattdessen bekam Sirius‘ eigentlicher Punching-Ball einen neuen Schlag ins hübsche Gesicht. Draco gab ein dumpfes Geräusch von sich, als Sirius‘ Faust ihn direkt auf die Zwölf traf, taumelte zurück und plumpste auf den Boden. Sirius erstarrte sofort und Thomas nutzte das aus um sich bei Draco einzuschleimen, beziehungsweise ihm aufzuhelfen. Die blasse Haut war blutüberströmt, aber von wo genau die rote Flüssigkeit kam konnte Sirius nicht sagen. Draco hielt sich die komplette Hand vor die Mundpartie, weshalb seine Worte sehr dumpf klangen, als er auf Deans „Alles okay?“ antwortete.
„Gehd phon…“ Draco warf Sirius einen kühlen Blick zu. „Normalerweife kann er daff beffer… Aber für nen guden Flag had er wohl pfu viel getrunken.“
„Trotzdem sieht es böse aus…“ Dean versuchte Dracos Hand herunterzubekommen, was Sirius knurren ließ. „Lass mich doch mal…“
„Nimm deine dreckigen Pfoten von ihm! Sofort!“, schnauzte Sirius. „Außerdem wollte ich ihn gar nicht treffen!“
„Nur dein Unterbewusstsein?“ Sirius bekam einen abschätzigen Blick von Dean geschenkt, bevor der Draco fest an sich presste und mit dem überrascht glotzenden Jungen in seinen Armen disapparierte.
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