Forum | Chat | Galerie
 
Startseite | Favoriten
Harry Potter Xperts
Harry Potter Xperts
Startseite
Newsarchiv
Link us
Sitemap
Specials
Shop
Buch 7
Buch 6
Buch 5
Buch 4
Buch 3
Buch 2
Buch 1
Lexikon
Lustige Zitate
Gurkensalat
Hörbücher
Harry, A History
Steckbrief
Biographie
Werke
Erfolgsgeschichte
Interviews
Bilder
Harry Potter & Ich
JKRowling.com
Film 7, Teil 1 & 2
Film 6
Film 5
Film 4
Film 3
Film 2
Film 1
Schauspieler
Autogramme
Galerie
Musik
Videospiele
Downloads
Lesetipps
eBay-Auktionen
Webmaster
RSS-Feed
Geburtstage
Gewinnspiele
Twitter
Fanart
Fanfiction
User-CP
Quiz
Währungsrechner
Forum
F.A.Q.
Über uns
Geschichte
Impressum

Fanfiction

Partners in Crime - Spuren im Treibsand

von Kraehenfeder

Kapitel 49 – Spuren im Treibsand

„Tu dir selbst einen Gefallen und geh nun“, meinte Remus energisch. Seine Hände schoben Sirius an den Schultern zum Rand des Platzes. „Du schaffst es ja hoffentlich noch, alleine nach Hause zu apparieren?“
Die Blondine, die in einigen Metern Entfernung auf Remus wartete und die Sirius gänzlich unbekannt war, fing an ungeduldig hin und her zu laufen.
„Klar, dein Schätzchen erwartet dich ja schon sehnsüchtig“, meinte Sirius bitter und drehte sich ruckartig herum. So weit war es also gekommen.
„Hör auf damit, Sirius. Du hast dich selbst zum Affen gemacht – mal wieder. Gib mir nicht die Schuld daran, dass ich mich im Gegensatz zu dir zu benehmen weiß.“ Remus klang nicht wirklich wütend, eher resigniert. Wie Sirius diesen Tonfall hasste. Dean Thomas schlug ihn gegen die Wand, machte die Prellungen, die so zahlreich seinen Rücken zierten nur noch schlimmer – aber Remus einziges Thema war die zerstörte Hochzeitstorte.
Wahrscheinlich plante er in Gedanken schon seine eigene Trauung und überlegte, wie er Sirius am höflichsten ausladen konnte.
„Ja, sicher“, erwiderte Sirius nur, presste die Lippen zusammen und entfernte sich von den beiden. Er reagierte nicht auf Remus' Ruf, sich nicht so kindisch aufzuführen – er war eben gern kindisch.
Das mit Draco war wirklich ein Versehen gewesen. Er hätte sich selbst dafür schlagen können, schließlich hatte er sich doch geschworen, Draco nie mehr weh zu tun. Aber es schien sein Karma zu sein, dass es immer wieder geschah. Warum musste der Junge auch ständig ins offene Messer rennen?
Sirius seufzte, fuhr sich mit einer zitternden Hand durch das Haar und apparierte. In seiner Wohnung, die vollkommen im Dunkeln lag, angekommen, hielt er inne. Selbst das leuchten seines pinken Strauches war erloschen. Er traute sich kaum und streckte ganz langsam die Hand nach dem Lichtschalter aus.
Wieso erinnerte sich gar nicht daran, wann er das letzte Mal hier gewesen war und wirklich an seine Umgebung gedacht hatte? Merlin, wann hatte er den Pflanzen das letzte Mal Wasser gegeben?
Schluckend drückte er den Schalter hinunter. Als das Licht aufflammte, bereute er seine Entscheidung.
Die Sträucher in seinem Wohnzimmer waren eingegangen, jeder einzelne. Der pinke Strauch war nur noch ein verschrumpeltes, blassrosa Konstrukt aus dünnen Zweigen.
Die Bonsais auf seiner Fensterbank waren verdorrt und sahen irgendwie trostlos aus. Wie alles.
Der einzige Überlebende war der Regenbogen-Benjamini, die Pflanze, die Draco ihm geschenkt hatte. Sirius konnte nicht darüber nachdenken, ob das ein gutes Zeichen war – viel zu sehr schmerzte ihn die Erkenntnis, dass er schon wieder gute Freunde verloren hatte.
Nahm das nie ein Ende? Diese Pflanzen, sie waren schon viel länger da gewesen, als die Menschen, die ihm jetzt das Leben schwer machten.
„Archie?“, flüsterte Sirius und stolperte auf die Couch zu.
Der Fisch lebte.
Aber er schwamm nicht munter hin und her, wie er es sonst immer getan hatte – er trieb nur vor sich hin, bewegte kaum merklich seine Seitenflossen und starrte zu seinem Herrchen hoch. Jetzt erinnerte sich Sirius auch daran, wie er den Fisch gefüttert hatte. Er hatte achtlos ein bisschen des Fischfutters hineingeworfen, dann war er gegangen.
„Es tut mir leid, Kumpel“, murmelte Sirius. Wenn er auf Verständnis oder so etwas gehofft hatte, dann würde er wohl wieder einmal enttäuscht werden. Der Fisch blubberte kurz, dann drehte er sich um und schwamm davon.
Sirius seufzte, steckte sich die unzähligste Zigarette dieses Tages an und schlenderte in Richtung seines Schlafzimmers.
Eigentlich ging er fest davon aus, dass er eh nicht würde schlafen können, als er die Zigarette im Sand ausdrückte, aber kaum, dass er seine Klamotten auf dem Boden verteilt und sich in die Kissen gekuschelt hatte, fielen ihm die Augen zu. War er wirklich so müde gewesen?
Eine Stimme, die seinen Namen rief, weckte ihn. Verschlafen schlug er die Augen auf und sah in Dracos Gesicht.
Dieses Lächeln. Es sah so aus wie das unschuldige Lächeln von früher, das Lächeln aus der Zeit, als Draco ihn gerade erst kennen gelernt hatte. Sirius hätte ihn gern gefragt, was er hier machte, aber Draco ließ ihm keine Zeit dazu. Geschmeidig rutschte er neben Sirius unter die Decken und dann war da der Geschmack dieser süßen Lippen auf seinen eigenen.
Weiche Hände, die sanft über seinen Oberkörper fuhren und Sirius ein leises Keuchen entlockten.
„Ich liebe dich, Sirius...“, flüsterte Draco und Sirius spürte, wie etwas in ihm erblühte. Seine Hände fuhren an dem schlanken Körper auf und ab. Wieso hatte er nicht bemerkt, dass Draco nackt war?
Er fuhr mit der Zunge über das blasse Schlüsselbein, drückte die Oberschenkel auseinander, die bei sich bei seiner Berührung fast schon von selbst spreizten.
Sirius spürte keinen Widerstand, als er in ihn eindrang. Es gab keine Tränen, keine Schmerzen, nur das Gefühl, dass es genau so sein musste. Beine klammerten sich um seine Hüften und er drückte den Kopf gegen Dracos Hals, küsste die zarte Haut, die sich ihm darbot.
So sollte es immer sein. Das war das, was eigentlich für zwei Liebende vorgesehen war. Er bewegte sich, stieß mit der Hüfte nach vorn und hörte, wie Draco dieses süße, schmatzende Geräusch von sich gab, dass er an einem anderen Ort schon einmal gehört hatte.
Seine Stöße drückten den Körper unter ihm ein Stück auf den Kissen hoch, so dass feines, blondes Haar seine Wangen streifte.
Sirius atmete heftig, stützte sich auf den Unterarmen ab und stieß immer wieder nach vorn.
Als er kam, fühlte er etwas, dass er schon länger nicht mehr gespürt hatte: Glück. Glück in seiner reinsten Form, schien durch seine Adern zu pulsieren, ließ ihn laut keuchen, erbeben und schließlich mit einem Seufzen auf dem schweißnassen Körper unter ihm zusammenbrechen.
Einige Sekunden verstrichen, während sie so da lagen. Sirius wusste nicht was es war, aber irgendetwas weckte plötzlich das Bedürfnis in ihm, hoch zugucken. War Draco eigentlich gekommen? Vielleicht war es diese Frage, die ihn dazu verleitete, den Kopf zu heben.
Die Augen, die ihn anblickten, waren nicht grau. Sie hatten gar keine Farbe mehr, sie waren nur blutunterlaufen und hatten das weiß verdrehter Augäpfel. Das blonde Haar, das Haar, dass er gerade noch gestreichelt hatte, es wirkte verbrannt – rußgeschwärzt. Wie das Gesicht. Ein verzerrte Mund, Schnitte, als hätte jemand die reglosen Züge zu einem verunglückten Lächeln zwingen wollen. Dracos Züge. Dracos zerstörtes Gesicht, Dracos zerstörtes Leben.

Sirius erwachte mit einem lauten Schrei. Einen Moment lang blinzelte er in die Dunkelheit, dann ließ er schwer atmend den Kopf sinken und drückte ihn in das Kissen.
Wo war dieser Traum hergekommen? Wieso hatte er in seinen Alpträumen Sex? Er nuschelte ein ersticktes Stöhnen gegen sein Kissen. Er war im Traum gekommen, wie ein Teenager. Blind tastete er nach seinem Zauberstab, der irgendwo neben die Kissen gerollt war und führte mit geschlossenen Augen einen vorläufigen Reinigungszauber aus. Er musste unbedingt duschen gehen. Vielleicht bekam er so auch das Pochen in seinem Kopf weg, das der Schlaf nicht beseitigen konnte.
Sirius vermutete, dass das an den Zigaretten lag. Sein Entzug machte ihn unruhig, die Zigaretten kühlte ihn wieder ab – leider war er es nicht mehr gewohnt, so exzessiv zu rauchen.
Remus redete davon, eine Sucht mit einer anderen zu ersetzen, aber dafür interessierte sich Sirius momentan herzlich wenig. Zigaretten waren ja nun wirklich harmlos. Wenn sie nicht immer dieses ungemütliche Gefühl hinterlassen würden.
Kein richtiger Kopfschmerz, eher ein dumpfes, lästiges Klopfen hinter seinen Schläfen. Während er sich irgendwie dazu aufraffte aus dem Bett zu krabbeln und sich unter die Dusche zu bewegen, dachte Sirius darüber nach, was er heute machen würde.
Er könnte sich natürlich wieder auf seinen Beobachtungsposten vor Dracos Haus begeben, aber der heftige Husten, der ihn in der letzten Zeit öfters überfiel, sagte ihm, dass er vielleicht lieber doch ab und zu in warme Gebäude treten sollte. Deswegen würde er den einzigen Vorteil nutzen, den ihm dieser Traum beschert hatte: Roger Davies.
Das gestern Abend war wirklich dumm gelaufen. Aber Davies hatte sich ihm beim Aufdrehen der Dusche schlagartig als eine Lösung vieler seiner Probleme herausgestellt – er arbeitete im Ministerium. Er hatte Diggory gekannt. Er hatte Kontakte. Das erinnerte Sirius zwar auch daran, dass seine Krankschreibung bald auslief, aber er verspürte momentan kein Bedürfnis seinem Boss gegenüber zu treten – seinetwegen konnten sie ihn ruhig feuern.
Nachdem er aus der Dusche gestiegen war, führte kein Weg mehr daran vorbei, in sein Wohnzimmer zu treten und es genauer unter Augenschein zu nehmen. Der trostlose Eindruck hatte sich im trüben Morgenlicht verstärkt. Es war noch sehr früh, das Licht war mehr ein dämmriges Schimmern, aber es reichte aus um zu erkennen, dass er die Pflanzen wahrscheinlich alle wegwerfen konnte. Auch wenn er das wohl nicht übers Herz bringen würde. Sirius seufzte und starrte die Schale mit den Äpfeln an, die sein Frühstück sein könnten. Sie sahen relativ frisch aus, wahrscheinlich hatte Remus sie hier gelassen.
Er schüttelte sich und griff stattdessen nach einer Zigarette.
Wenn er ins Ministerium ging, musste er wohl einigermaßen darauf achten was er anzog, deshalb war er überrascht als er Sachen in seinem Schrank fand, die noch ziemlich ordentlich aussahen. Er hatte das dumpfe Gefühl, dass sein lieber Freund Remus manchmal ungefragt in seiner Wohnung ein und aus ging – vielleicht sollte er auch für ihn einen Bann darüber legen.
Früher hatte er es absichtlich so eingerichtet, dass seine engeren Bekannten – oder die Menschen, die er zwangsläufig aus Mangel an Freunden so bezeichnen musste – in seine Wohnung apparieren konnten. Er musste das aber mal überdenken.
Sirius fuhr sich noch kurz durch das Haar, dann apparierte er.

„Greenhow, Sie können die Akten nicht immer einfach auf meinem Schreibtisch abladen, ohne auch nur dazu zuschreiben, was Sie eigentlich von mir wollen!“ Davies warf einen ganzen Stapel von grauen Ordnern auf den Schreibtisch seines Sekretärin. Er wirkte aufgebracht, wohingegen seine Angestellte scheinbar die Ruhe selbst war und kaum auf seinen schnaubenden Chef achtete.
Sirius hatte den Eindruck, dass solche Szene hier wohl nicht außergewöhnlich waren.
„Tut mir Leid, Sir.“
„Das will ich aber meinen, Greenhow“, knurrte Davies, drehte sich auf dem Absatz herum und wollte schon in sein Büro zurück stürmen, als sein Blick auf Sirius fiel, der abwartend in einem Stuhl saß.
Es schien einen Moment zu dauern, ehe der Groschen fiel.
„Black?“, fragte Davies schließlich.
„Ja“, erwiderte Sirius, erhob sich lässig und winkte dem kopfschüttelnden Sekretär zu. Der Frau hatte ihn partout nicht durchlassen, noch hatte er Davies anrufen wollen. Stattdessen hatte er ihm geraten einfach zu warten.
Als bald darauf eine zierliche, schwarzhaarige Frau aus dem Büro seines Chefs spazierte, hatte Sirius verstanden.
„Willst du zu mir?“ Scheinbar schien Davies aufzufallen, mit was für einer dummen Frage er Sirius da gerade aus seinen Gedanken gerissen hatte, denn er winkte ab und öffnete seine Bürotür.
Sirius folgte ihm unaufgefordert in das chaotische Büro. Eigentlich stapelten sich überall irgendwelche Ordner, Hefte und Bücher – wahrscheinlich bezogen sich kaum die Hälfte davon wirklich auf die Arbeit, die in diesem Raum verrichtete werden sollte.
Naja, die Leute aus der Abteilung für magische Unfälle und Katastrophen pflegten selbst immer eine mittlere Katastrophe zu sein. Vorallem wenn sie für die Vergissmich-Zentrale arbeiten.
Davies schmiss sich in seinen Schreibtischstuhl und streckte die Beine aus.
„Es ist am besten, man macht alles selbst hier, in diesem Laden. Auf niemanden kann man sich verlassen. Also, Black, wie kann ich dir helfen? Gedächtniszauber notwendig?“
Sirius schluckte die Antwort die ihm auf der Zunge lag herunter. Er wollte Hilfe und Informationen von Davies, selbst sein Verstand realisierte noch, dass er es sich also nicht mit ihm verscherzen sollte.
„Darf ich mich setzen?“, fragte er stattdessen und deutete auf den Stuhl vor dem Schreibtisch.
„Ja, klar.“
Sirius hob eine Augenbraue, schob einen Stapelhefte beiseite – er sah die nackten Schenkel einer Frau auf dem Cover der unteren, als das tarnende Magazin über Kommunikation mit Muggeln verrutschte – und ließ sich dann auf den Besucherstuhl sinken.
„Wir hatten auf der Hochzeit gar keine Möglichkeit, uns richtig zu unterhalten.“
„Ja, ihr schient ein bisschen im Stress gewesen zu sein“, meinte Roger und klang dabei auch noch amüsiert. Überhaupt sah er ziemlich entspannt dafür aus, dass er sicherlich die ganze Nacht gefeiert hatte. Aber so jemand wie Davies konnte sich den Tag wahrscheinlich einteilen, wir er mochte.
„Unleidliche Angelegenheit“, meinte Sirius nur. „Darf man hier drin rauchen?“
„Tu dir keinen Zwang an.“
„Wow“, Sirius zog kopfschüttelnd eine Zigarette aus der Tasche. „Bei uns in der Abteiligung haben sie Kontrollen eingeführt.“
Davies grinste nur. „Sagen wir, wir haben Mittel und Wege gefunden, diesen Kontrollen zu entgehen.“
Sirius nickte, nahm einen tiefen Zug und sah dann gespielt nachdenklich aus dem Fenster. „Hast du nicht gestern erzählt, dass du Cedric gekannt hast?“
„Ja, wie gesagt, in der Schulzeit waren wir die besten Freunde. Aber der Krieg hat uns auseinander gerissen.“
Wie James und mich, dachte Sirius bei sich und seufzte innerlich.
„Wie verwunderlich, dass er sich gar nicht bei dir gemeldet hat. So weit ich weiß, ist er einfach plötzlich wieder hier aufgetaucht und hat sich im St. Mungos als Heiler beworben...“, plauderte Sirius daher, obwohl er das eigentlich gar nicht wusste.
„Naja, ich glaube, Cedric war danach ziemlich am Ende. Nach der ganzen Sache mit Askaban. Man hat mich ja nicht zu ihm gelassen, aber ich hatte nie die Möglickeit mit ihm darüber zu sprechen.“
Für einen kleinen, ganz kleinen Moment, besann sich Sirius auf einen anderen jungen Mann, der zu Unrecht in Askaban gesessen hatte und von dem der Rest der Welt geglaubt hatte, er sei schuldig. Er dachte an einen Menschen, der alles in diesem Gefängnis verloren hatte, nur weil man ihn als Sündenbock gebraucht hatte.
Aber dann rief er sich zur Ordnung. Er war unschuldig gewesen, Cedric hingegen drehte krumme Dinger bis zum Abwinken.
„Und, glaubst du, dass er es war?“
Davies starrte ihn befremdet an. „Bitte? Merlin, nein. Cedric war immer so sanft, der hätte niemals jemanden töten können. Ich meine...“ Er seufzte und drehte sich einmal mit seinem Stuhl. „Manchmal gab es diese Momente, wo er mir ein bisschen Angst gemacht hat.“
„Wieso das?“ Bemüht, seine brennende Neugier eher wie Interesse aussehen zu lassen, lehnte sich Sirius nach vorn und zog an seiner Zigarette.
„Vor dem Tod seiner Eltern war das selten. Da kam es höchstens ein oder zweimal vor. Aber danach, da... ich sag ja: Seine Rachepläne waren beeindruckend, aber sie nahmen sein ganzes Denken ein. Natürlich, er hatte seine Eltern verloren. Aber...“
„Was genau meinst du denn?“ Merlin, konnte der Typ sich nicht mal etwas präziser ausdrücken?
„Cedric wurde manchmal, ganz selten, so aggressiv. Richtig aggressiv, es dauerte immer nur ein paar Minuten, aber wenn du ihm in dieser Zeit in den Weg kamst – Bei Rowenas funkelndem Diadem, das war ein Wutanfall, der wirklich alles zetrümmert hat, was den Mut hatte, sich ihm entgegen zu stellen.“
„Auch Menschen?“
„Ähm, naja...“ Davies kratzte sich am Kopf, scheinbar fiel ihm auf, was er da gerade erzählte. „So schlimm war es auch wieder nicht. Später hatte Cedric seine Emotionen erst gar nicht mehr im Griff und dann wurde er irgendwann ruhiger und zog sich vollkommen zurück. Aber das ist doch verständlich, oder?“
Sirius nickte. „Sicher. Er hat etwas sehr traumatisches erlebt.“
Von dem man ihm heute nichts mehr anmerkt, dachte Sirius bei sich. Das war mit Sicherheit kein gutes Zeichen.
„Er hätte trotzdem nie jemanden töten können. Sonst wäre er ja wohl kaum Heiler geworden, oder?“, fügte Davies noch hinzu.
„Sicher“, wiederholte Sirius.
Scheinbar fühlte sich Davies dadurch genötigt, weiter zu reden. „Ich wollte... Also, vor ein paar Monaten habe ich mir mal seine Akten ansehen wollen. Einfach nur gucken, wie man den Fall abgeschlossen hat. Normal ist das für mich kein Problem, aber ich kam nicht dran. Jemand hat sie versiegelt. Und mit diesem Jemand will ich es mir eher nicht verscherzen...“
„Welcher Jemand?“ Musste man ihm wirklich alles aus der Nase ziehen? Davies gab zwar Auskunft wie ein Singvögelchen, aber seine Antworten waren nicht sonderlich selektiv.
„Nun, Lucius Malfoy hat dafür gesorgt, dass niemand aus dem Zaubereiminister persönlich die Akte öffnen darf. Ich frage mich, wie er das geschafft hat. Und warum.“
Sirius erstarrte. Da war sie wieder. Diese grell leuchtende Linie, die Malfoy Senior und Diggory verband. Er musste diese Akte sehen.
„Und was ist mit dir so, Black? Scheint dir ja auch nicht so gut zu gehen? Was hattest du für einen komischen Streit gestern Abend, mit Draco und Dean?“
Sirius schloss genervt die Augen. Es war an der Zeit, dieses Gespräch zu beenden, mal ganz davon abgesehen, dass der nächste, der ihm sagte, er sähe schlecht aus, aus dem Fenster fliegen würde.
„Ich glaube, ich muss jetzt...“
„Hab' eh komische Sachen über dich und den jungen Malfoy gehört.“ Davies stützte sich auf den Schreibtisch. „Gestern ist mir das gar nicht so eingefallen, aber da waren mal diese Artikel in der Hexenwoche.“
„Was habe ich in einer Welt verloren, in der jede zweite Mann die Hexenwoche liest?“
„Sie war meiner damaligen Freundin“, keifte Roger.
„Das ist doch noch nicht einmal zwei Wochen her, Davies.“
„Naja, Frauen nutzen sich schnell ab, nicht wahr?“, meinte er lachend. Merlin sei Dank bewahrte ein Memo, das hektisch in den Raum geflattert kam, Sirius davor, darauf etwas erwidern zu müssen. Es war ja nicht so, dass er nicht zeitweilig auch einen hohen Verschleiß an Frauen gehabt hatte – aber er hatte sie immerhin nicht als seine Freundinnen bezeichnet.
„Oh nein“, seufzte Roger. „Da gab es ein riesiges Missverständnis mit Muggeln. Mein Typ wird verlangt.“
Er sprang auf und griff nach seinem Mantel. „Schön, dass wir uns unterhalten haben. Vielleicht sehen wir uns ja wieder.“ Davies zwinkerte und Sirius schüttelte den Kopf.
Er beobachtete, wie der Mann verschwand und ihm einfach in seinem Büro zurückließ. Hatte er die blauen Augen übersehen oder war Davies einfach dumm genug, nicht zu fürchten, dass man sein Büro auseinander nahm?
Sirius schlenderte in den Vorraum.
„Manchmal ist er wirklich vernünftig...“, kommentierte die Sekräterin das Verhalten ihres Chefs.
„Ich schätze, das ist eher der Ausnahmefall?“, murmelte Sirius und rieb sich über das Gesicht. Er war schon wieder müde und erschöpft, wobei er nicht verstand, weshalb – er war doch praktisch gerade erst aufgestanden.
„Ich beiße die Hand, die mich füttert, nicht. Jedenfalls nicht zu offensichtlich...“, meinte die Frau und Sirius hob kurz einen Mundwinkel, ehe er sich rasch verabschiedete und den Aufzug betrat. Es war absolut klar, wohin er jetzt musste. In den Keller. Zu den Archiven. Es musste eine Möglichkeit geben, daran vorbei zu kommen.
Vor den Räumen, hinter denen sich die weitläufigen Archive verbargen, saß eine äußerst umfangreiche Frau. Sirius ahnte böses. Nun, es war verständlich, dass man nicht jedem Zutritt gewähren konnte, schließlich war hier jeder verzeichnet – jeder Name, alle Daten, die es zu erfassen gab. Es war der geheime Knackpunktk der Information. Nur Ministeriumsbeamten hatten Zutritt und wie man merkte, oft auch nur beschränkten.
Er zeigte seinen Ausweis und wollte gerade zum Sprechen ansetzen, als draußen auf dem Gang Lärm erklang. Hier unten befand sich auch die Mysteriumsabteilung, mit der er nur wenig gute Erinnerungen verband. Vor allem viel Schwärze, nachdem er dort bewusstlos geworden war. Aber auch das Bild seines Patensohnes, über den er jetzt besser nicht nachdachte.
„Was bei allen Geistern Hogwarts' ist dort draußen los, Sir?“, keifte die Alte.
„Tut mir leid, ich kann es Ihnen nicht sagen, Ma'am“, erwiderte er und verdrehte innerlich die Augen.
Schreie wurden laut, Flüche, Geklirre. Sowohl die Archiv-Dame als auch Sirius machten einen Schritt auf die Tür zu.
Flüche schossen umher, weil zwischen drei völlig überforderten, sehr jungen Ministeriumsbeamten eine ganze Horde Knallrümpfiger Kröter herumlief.
Sirius starrte dieses Schauspiel fassungslos an. Wie kamen diese Dinger bitte hier runter? Und warum arbeiteten im Ministerium eigentlich Menschen, die nicht einmal fähig zu sein schienen, mit diesen Tieren fertig zu werden?
Die Frau an seiner Seite dachte wohl ähnliches, denn sie drängte sich an ihm vorbei und rief ihm ein „Warten Sie hier, wenn Sie wollen, oder lassen Sie's. Ich werd' erstmal diesen Dummköpfen helfen, die Viecher wieder...“ - Der Rest ihres Satzes wurde von der Auseinandersetzung mit den Viechern verschluckt.
Sirius' Herz klopfte hektisch, während er sich umblickte. Jetzt oder nie. Während diese alte Glucke anwesend war, durften eigentlich keine Schutzzauber auf den Räumen liegen, auch nicht auf denen, die man scherzhaft Top-Secret nannte. Eigentlich war es ein schlechter Scherz, denn sie waren ja im Grunde hochgeheim. Sirius schluckte, schaute sich noch ein letztes Mal um, dann stieß er die Tür auf. Er fasste den nächsten, magischen Drucker ins Auge, der bei der Sektion „D“ stand und hastete in Richtung des Regals, in dem er die Akte hoffentlich vermutete.
Es kam ihm vor, als würde es Stunden dauern, bis er den Namen, den er suchte gefunden hatte.
Immer wieder blickte er sich um, befürchtete schon, Schritte zu hören, aber es kam niemand. Er riss den Ordner förmlich auf. Nur drei Blätter. Außer Atem legte er sie auf den Kopierer, zuckte bei den schrillen Geräuschen die das Ding von sich gab zusammen und verstaute die Kopien mehr schlecht als recht zusammen gefaltet in seiner Jackentasche.
Sein Herz klopfte immer noch im Staccato, als er die Akte zurück ins Regel schob und den Ausgang ansteuerte. Wenn die Alte schon zurück war, dann war er geliefert. Merlin sei Dank, war sie noch nicht da. Seine Schritte hallten lauter als sonst durch die Korridore und als er am Fuß der Treppe beinahe in Lucius Malfoy rannte, glaubte er einen Moment, wirklich los zu schreien.
Er musste seine Selbstkontrolle wiedererlangen.
Sicherer, als er sich fühlte, nickte er dem verhassten Mann zu. „Malfoy“, stieß er aus.
„Black“, erwiderte Lucius gedehnt und klopfte mit seinem Stock auf dem Boden herum. „Na sowas, was machst du denn hier?“
„Ich arbeite hier.“
„Ah.“
Er konnte es nicht wissen. So ein Schwachsinn. Woher sollte Malfoy wissen, was er gerade getan hatte?
Sirius hielt dem Blick aus den kalten Augen trotzig stand. Sie waren überhaupt nicht so wie die seines Sohnes.
„Weißt du, Black, ich habe in letzter Zeit einige Geschichten gehört, die mir nicht gefallen.“
„Geht mir ähnlich, Malfoy, geht mir ähnlich“, presste Sirius hervor und spürte, wie der alte Kampfeswille in ihm zum Leben erwachte. Warum konnte er diesem Idioten nicht einfach den Hals umdrehen?
„So, so.“
„Ja. So. Würdest du mir bitte aus dem Weg gehen? Ich würde jetzt gerne nach Hause, nachdem es hier schon einen bedauerlichen Zwischenfall mit Knallrümpfigen Krötern gegeben hatte.“
Ganz langsam trat Lucius zur Seite und ließ Sirius durch. Dieser fragte sich plötzlich, ob Malfoy auch auf dem Weg in die Archive war – und ob diese Bieste vielleicht sogar von ihm geschickt worden waren. Zuzutrauen wäre es ihm.
Merlin, es war unmöglich, sich vorzustellen, dass dieser Eisklotz Dracos Vater sein sollte. Draco war so naiv, so verletzlich.
Sirius seufzte, als er an die kalte Luft trat. Er würde jetzt nach Hause gehen und sich diese Akte angucken. Vielleicht würde er ja etwas finden.
Das sah sein Plan auch noch genau zwei Minuten vor, nämlich bis er die Ecke erreicht hatte. Zu diesem Zeitpunkt zitterte er schon am ganzen Körper, den dünnen Mantel fest um sich geschlungen. Hatte er eigentlich das Geld, sich einen neuen zu kaufen? Sirius stellte fest, dass selbst, wenn er es hatte, wovon er ausging, er keine Lust haben würde, so etwas aufwendiges zu tun.
Er hatte sich in letzter Zeit so gut wie gar nicht um seine Finanzen gekümmert, aber so wenig, wie er gearbeitet hatte, konnte nicht viel dasein. Naja.
Dann sah er Diggory. Er schlenderte mit abwesendem Gesichtsausdruck an der Straße entlang, das Haar zerzaußt, als sei er noch gar nicht richtig wach.
Das musste ein Zeichen sein. Sirius schlug seinen Kragen hoch und folgte ihm. Vielleicht war Cedric ja auf dem Weg zu seinem Kontaktmann. Vielleicht bekam er endlich die Chance, etwas Entscheidendes zu hören.
Leider wählte Cedric den Weg durch die Innenstadt und schon bald sah sich Sirius von Menschen umringt, die in weihnachtlicher Vorfreude Einkäufe machten. Weihnachten.
Dieses Jahr realisierte er noch weniger als sonst, dass es immer näher rückte. Es würde ein einsamer, kalter Tag werden, so viel war klar. Mit zusammen gebissenen Zähnen konzentrierte sich Sirius auf Cedrics Rücken. Nicht darüber nachdenken, nicht jetzt, zumindest.
Er wollte ihm gerade durch eine kleine Gasse folgen, als ein paar Meter entfernt eine Ladentür mit einem Bimmeln aufgingen.
Hinaus kamen Draco und Dean, beide lachend, in dicke Mäntel gehüllt. Draco trug einen schwarz Schal und lutschte an einer Art Zuckerwatte. Dean Hand lag schützend auf dem schmalen Rücken und schob ihn vorwärts, durch die Menge hindurch.
Sirius stand einfach da und starrte die beiden gebannt an. Draco sah so perfekt aus, so lebendig, die Wangen gerötet. Es war wie immer: Sirius konnte nicht anders, als einfach da zu stehen und zu zugucken.
Es dauerte noch ein paar Sekunden, dann wurde ihm klar, dass er zu einen nicht entdeckt werden wollte und zum anderen nicht deswegen hier war.
Hektisch blickte er sich um, doch Cedric war weg. Verdammt. Wie hatte ihm das passieren können? Sirius starrte die Straße hinauf und begann kurz entschlossen zu rennen.
Er würde ihn einholen. Ihn suchen. Er musste ja noch irgendwo hier sein, es gab ja schließlich keine Abzweigungen. Doch schon nach ein paar Schritten verspürte er ein ungewohntes Stechen in der Lunge.
Er bekam gar nicht richtig Luft. Wo war seine Kondition geblieben? Mit zusammengepressten Lippen wollte er weiter rennen, fing aber schließlich an zu taumeln. Weiße Sternchen tauchten vor dem Schwarz auf, das seine Augen bedeckte und er griff blindlings nach der Wand um sich gegen ein Haus zu lehnen.
Sein Atem ging keuchend, unregelmäßig und die kalte Luft schnitt ihm in die Lunge. Eins war klar, egal, wann er es wieder schaffen würde, die Augen zu öffnen – er hatte es mal wieder vermasselt. Cedric war weg.


Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.

Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel

Top-News
Suche
Updates
Samstag, 01.07.
Neue FF von SarahGranger
Freitag, 02.06.
Neue FF von Laurien87
Mittwoch, 24.05.
Neue FF von Lily Potter
Zitat
Wir haben immer schon gespürt, dass sich zwischen Ron und Hermine etwas entwickelt, obwohl ich und Emma uns dessen nicht bewusst waren. Doch in diesem Film gestehen beide sich das ein. Als Hermine mit Viktor Krum auf dem Weihnachtsball erscheint, kapiert Ron endlich, dass er etwas für sie empfindet.
Rupert Grint