I want to hold your hand - Folgenschwer
von jujube58
Dankeschön an ginnymileyweasley - deine Kommentare zaubern mir immer wieder ein freudiges Lächeln aufs Gesicht!
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Folgenschwer
Kennst du das? Du bist ganz normal in der Stadt unterwegs und betrittst deinen Lieblingsladen. Eigentlich brauchst du nichts, aber gucken kann man ja mal. Du gehst zwischen den Kleiderständern umher, guckst dir hier und da mal was an, das dir gefallen könnte. Und dann, dann sticht es dir ins Auge. Dieses eine Teil. Fast bist du erschlagen davon: toller Schnitt, super Farbe und sogar in deiner Größe da. Aber irgendwie kannst du dich nicht entschließen es mitzunehmen, um es anzuprobieren. Immer wieder wirfst du vorsichtige Blicke darauf, redest dir dann ein, dass du es ja eigentlich auch nicht brauchst – und verlässt den Laden wieder.
Einige Tage später bist du erneut unterwegs. Auf der Suche nach einer neuen Hose, weil die alte leider ein Loch hat. Natürlich gehst du in deinen Laden, da findest du ja schließlich fast immer was, was dir gefällt. In den verschiedenen Ständern suchst du nach einer tollen Hose, wirst sogar fündig. Und auf dem Weg zur Umkleidekabine siehst du es wieder. Dieses eine Teil. Unentschlossen stehst du davor, die Hand zuckt zum Bügel. Mit den Fingern streichst du einmal sachte über den Stoff, kritisch betrachtest du es noch einmal. Willst dich fast schon wieder abwenden, aber irgendetwas in dir gibt sich einen Ruck. Du nimmst es mit und probierst es an.
‚Eigentlich gar nicht so schlecht’, schießt es dir durch den Kopf. Vor dem Spiegel drehst und wendest du dich, betrachtest dich auch von hinten, lockerst die Haare noch mal auf, lächelst dir selber zu. Dann kommt der unvermeidlich Augenblick, dieser eine, alles entscheidende Moment: Du überlegst dir, wann du so ein Teil schon mal anziehen solltest. Eigentlich ist es für die Schule zu kurz, für abends fast schon ein bisschen zu lang, im Winter sowieso viel zu kalt und im Sommer gibt’s schon wieder die neuen Kollektionen. Chance vertan. Beinahe wehmütig ziehst du es wieder aus, dieses nutzlose Kleidungsstück, das du im Grunde nie tragen könntest, solltest du es dir kaufen. Also landet es bei den anderen Sachen, die von vielen Leuten als unpassend erachtet wurden. Schluss aus, vorbei. Aus lauter Frust findest du nicht mal eine Hose, die dir gefällt, obwohl du sie nötig brauchst.
Dennoch lässt es dich nicht los. Jedes Mal, wenn du am Laden vorbeigehst, kommt es dir wieder in den Sinn. Dieses eine Teil. Jedes Mal aufs Neue nimmst du es mit in die Umkleidekabine. Jedes Mal aufs Neue findest du andere Gründe, es nicht zu kaufen. Es lässt dich blass wirken; die Farbe ist zu knallig; irgendwie trägt es auf; hinten ist eine Naht ein wenig aufgeribbelt; es ist zu teuer; es steht dir nicht.
Irgendwann beschließt du, eine Freundin zu Rate zu ziehen. Sie soll dir ihren fachkundigen Rat geben. Immerhin kennt sie dich schon lange und würde dich auch niemals anlügen, wenn du in etwas schrecklich aussehen würdest. Oder doch? Und du erinnerst dich wieder an diesen grausigen Pullover, den du dir in der zweiten Klasse so sehr gewünscht hast, bis deine Mutter endlich nachgegeben und ihn dir gekauft hat. Da hat sie auch begeistert getan und dir hinterher, als du den Pulli ebenfalls nicht mehr mochtest, gestanden, dass sie ihn schon immer hässlich gefunden hatte.
In dir steigen Zweifel auf. Dieses eine Teil. Sollst du es dir kaufen? Ist es das, was du ganz sicher willst? Und als du dich endlich entschließt, dass es dir das Geld wert ist, dass du es wirklich haben möchtest und dass es das richtige ist, da ist es weg. Nicht mehr da. Ausverkauft. Nicht mehr zu haben. Dieses eine Teil.
Kennst du das?
Mir ging es oft so. Aber leider nicht nur beim Einkaufen, sondern auch in meinem Leben. Und es ging immer um das eine „Teil“, immer und immer wieder.
Ich weiß gar nicht mehr genau, wann es angefangen hat, wann das erste Mal war, dass ich ihn sah. Ich konnte ihn nicht übersehen. Er sprang mir ins Auge – und zwar fast im wortwörtlichen Sinn. Vor meinen Augen gab James Potter den Kasper, weil er mich überreden wollte mit ihm auszugehen. Ich zögerte, eilte ihm doch ein Ruf voraus, der mich nicht so ganz von seinen Qualitäten überzeugen konnte. Du kannst es dir wahrscheinlich schon fast denken, ich habe abgelehnt, habe mich entschieden, dass er es nicht wert war eine Chance zu erhalten, während der er mich womöglich hätte verzaubern und überzeugen können.
Anfangs war es mir egal. Ich hatte einen Entschluss gefasst und stand zu meiner Meinung. Egal, wie viel er rumhampelte.
Dann habe ich mich verliebt, in einen Ravenclaw namens Thomas. Er war ein Jahr über mir, sah unglaublich gut aus und war noch dazu intelligent und charmant. Ich wollte ihn unbedingt, wollte ein Date mit ihm. Aber James war immer noch da. Und eigentlich ja auch ganz süß, mit seinen schwarzen Haaren und den haselnussbraunen Augen. Ich versuchte es. Versuchte, ihn zu verstehen. Versuchte über seine Streich zu lachen. Versuchte, ihn nett zu finden.
Dann kam der unvermeidlich Augenblick, dieser eine, alles entscheidende Moment: Ich versuchte, mir uns beide vorzustellen. Und es ging einfach nicht in meinen Kopf rein. James Potter, der tolle Quidditchstar, der Lehrerschreck, der Mädchenschwarm, und ich, Lily Evans, die besessene Leseratte, die Streberin, die Unnahbare. Der umschwärmte James Potter und die etwas seltsame Lily Evans. Es war einfach zu absurd, zu unvorstellbar.
Deswegen habe ich mich erneut entschieden. Und zwar gegen Potter. Nur leider blieb während dieser Zeit, die ich für eine Entscheidung brauchte, auch mein Interesse an Thomas auf der Strecke. Jungs nervten einfach und erschwerten einem das Leben noch zusätzlich.
Aber danach habe ich mich geärgert. Wenigsten versuchen hätte ich es ja können, mit Potter. Wenn es nichts gewesen wäre, tja, Pech gehabt, c’est la vie. Ich hätte eine Lektion fürs Leben gelernt und gut wäre gewesen. Doch Pustekuchen.
Immer wieder versuchte ich seine Annäherungsversuche positiv zu sehen. Und immer wieder kam in meinem Kopf diese Blockade, die mich daran hinderte, seiner Bitte nach einem Date nachzukommen. Ich war entnervt und wurde bei meinen Absagen so manches Mal auch ein bisschen lauter. Ich fand immer wieder einen, scheinbar, guten Grund, warum ich nicht mit James Potter ausgehen wollte.
Eines Tages hat sich meine Freundin Mary in das Geschehen eingemischt und mir geraten, dass ich James entweder komplett vergessen oder endlich annehmen müsste. Irgendwie gefiel mir Variante 1 besser, sodass ich mich entschloss mir einen anderen Freund zu suchen.
Ein totales, komplettes, allumfassendes Fiasko. So würde ich die Beziehung zu Ethan heute beschreiben. Einen langweiligeren, anhänglicheren und nervigeren Freund kann man sich nicht vorstellen. Ich machte Schluss und war sicher, dass James der Richtige für mich sei. Aber der war vergeben.
Wie gesagt, so war es nicht nur ein Mal bei mir, in ganz verschieden Situation. Erst zögerte ich zu lange und dann war das, was ich wollte, weg. Nicht mehr da. Ausverkauft. Nicht mehr zu haben. Und ich trauerte.
Doch eines Tages ging die Beziehung zwischen James und Amy in die Brüche. Und das Spielchen zwischen uns von Vorne los. Er wollte meine Aufmerksamkeit, aber ich wollte ihn ignorieren, wohl wissend, dass er Amy gerade erst verlassen hatte. Ich fand einen anderen Typen süß, aber er war immer im Hintergrund anwesend, was mich nervös und unentschlossen machte. Er bat um ein Date, aber ich lehnte ab, weil ich mir nicht vorstellen konnte mit ihm zusammen zu sein. Ich fragte unsicher Mary um Hilfe, aber er wendete sich langsam schon wieder von mir ab, da ich zweifelte, ob Marys Ratschlag, ihm zu sagen, dass ich ihn mochte, nicht wieder in einem völligen Desaster enden würde.
Aber irgendetwas in mir gab sich einen Ruck. Irgendetwas in mir konnte auf einmal über James Potter Scherze lachen, ihn nett anlächeln und mein Herz ein wenig flattern lassen, wenn er in der Nähe war. Irgendetwas in mir sagte mir, dass ich in ihn verliebt war. Irgendetwas in mir sagte schließlich ja, um nicht wieder enttäuscht dazustehen, weil ich zu lange gezögert und abgewägt hatte, obwohl ich ganz genau wusste, dass er das war, das ich wollte. Irgendetwas in mir hat dafür gesorgt, dass ich die glücklichste Frau der Welt wurde. Weil ich den Entschluss fasste, dass James Potter, der tolle Quidditchstar, der Lehrerschreck, der Mädchenschwarm, und ich, Lily Evans, die besessene Leseratte, die Streberin, die Unnahbare;dass der umschwärmte James Potter und die etwas seltsame Lily Evans, dass schwarze unordentliche Haare über haselnussbraunen Augen und dunkelroten Wellen über smaragdgrünen Mandelaugen gut zusammenpassen.
Und hier stehe ich heute, neben ihm vor dem Traualtar. Sehe das pure, grenzenlose Glück in seinen Augen und weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.
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Meine Figur spiegelt sich auf den Gesichtern vieler Kinder, die man trifft. Sogar wenn man normal gekleidet ist, starren sie einen an wie ein Alien.
Tom Felton