I want to hold your hand - Wie Himbeereis um Mitternacht
von jujube58
Wieder einmal ein großes Dankeschön an ginnymileyweasley und auch an missevans! Eure Kommentare haben mich sehr gefreut.
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Wie Himbeereis um Mitternacht
Wenn du ganz genau weißt, dass da jemand ist, der dir zuhört, der dich versteht, der dich tröstet, der dich mag, dann hast du einen Schatz im Leben, der unendlich wertvoll ist. Das ist so, wie um Mitternacht in die Küche zu schleichen und mit dem liebsten Menschen der Welt kichernd auf dem Boden zu sitzen und Himbeereis zu essen.
Ich habe so einen Menschen. Rose ist wirklich die beste Freundin der Welt.
Sie ist immer da, wenn ich sie brauche. So wie jetzt.
„Lily, was ist los?“
Sie sieht ganz verschlafen aus, aber trotzdem funkeln ihre Augen hellwach.
„Potter?“
Ich kann nur stumm nicken.
„Was ist denn los Mäuschen?“
Blitzschnell hat sie sich aufgesetzt und meine Hand genommen.
Sie hört mir zu, egal, wie spät es ist.
„Rosie, wenn du schlafen willst, ist das schon in Ordnung. Ich wollte dich eigentlich auch gar nicht wecken, aber…“
Irgendwo in mir drin steigt ein verzweifelter Schluchzer auf, der sich den Weg über meine Lippen bahnt. Ihre schokoladenbraunen Augen werden ganz groß und schauen mich besorgt an.
„Lily, was ist los? Ist was Schlimmes passiert? Was hat er schon wieder gemacht?“
Sie nimmt mich in den Arm und wartet ab, bis ich wieder halbwegs zu meiner Stimme gefunden habe.
„Oh Gott. Ich kann es selber noch gar nicht glauben! Es… es kann einfach nicht wahr sein. Hilfe!“
„Lily, erzähls mir. Na los, so schlimm kann es gar nicht sein! Auf jeden Fall nicht schlimmer, als das eine Mal, als du Snape mitten im Korridor ein riesiges Geweih verpasst hast und Professor McGonagall direkt daneben stand.“
Sie muss grinsen bei der Erinnerung an diesen Tag.
„Doch Rosie. Viel schlimmer! Schlimmer als das Nachsitzen und die Lacher der anderen. Ich mag es gar nicht laut aussprechen.“
Entsetzt sieht sie mich an.
„Ich, nein, das kann nicht sein! Das darf nicht sein! Ich habe Ja gesagt!“
Sie versteht mich; selbst wenn ich anfangen würde Chinesisch zu reden, würde sie aus meinem Kauderwelsch schlau werden.
„Nein! Lily! Das kann nicht sein! Was hat er mit dir gemacht?“
Geschockt starrt sie in mein Gesicht.
„Keine Ahnung. Er hat mich so angeguckt. Irgendwie – bittend, als würde ihm das ganz viel bedeuten. Und traurig, so als hätte er sich schon gegen eine Enttäuschung gewappnet innerlich. Wusstest du, dass er echt schöne Augen hat? Die sehen aus, als würden sie von innen her schmelzen. Oder Feuer spucken, wie ein überbrodelnder Vulkan.“
Erschrocken schlage ich mir die Hand vor den Mund.
Sie findet jedes Mal tröstende Worte, wenn ich wieder einmal mein eigenes Leben ruiniert zu haben scheine.
„Ach, Lily. Es ist doch wirklich kein Weltuntergang. Das ist schon in Ordnung. Und er sieht ja auch nicht schlecht aus, da hättest du die wirklich einen schlimmeren Typen aussuchen können!“
„Rose! Es ist James Potter! Ich habe James Potter ein Date zugesagt und ich weiß, wie seine Augen aussehen! Das ist ein guter Grund mich umzubringen! Ich meine, James Potter!“
In mir steigt das dringende Bedürfnis hoch laut schreiend auf den Astronomieturm zu rennen und von ihm runterzuspringen.
„Quatsch. Wenn das ein Grund wäre, sich umzubringen, dann säße ich nicht mehr neben dir. Immerhin habe ich auch ein Date mit Potters Zwilling überlebt. Er aber nicht so gut…“
Hinter ihren Augen steigt ein hämisches Flackern auf und ihr Mund verzieht sich zu einem teuflischen Grinsen. Fehlt nur noch, dass sie ihre Fingerspitzen aneinander legt und ‚Ausgezeichnet’ flüstert.
„Du meinst also, wenn ich das Date überleben sollte, dann kann ich danach allen erzählen, wie schrecklich es war? Wie grässlich Potter ist? Hm… Gar keine so schlechte Idee. Würde ihm vielleicht ganz gut tun, wenn sein Ego etwas angeknackst würde…“
Auch ich muss jetzt grinsen, bis –
„Aber Rosie. Was ist, wenn es gar nicht so schlimm wird? Ich meine… er ist vielleicht wirklich nicht so schrecklich, wie ich immer dachte. Vielleicht hat Alice ja Recht? Was mache ich dann?“
„Dann, liebste Lily, hast du dich in ihn verliebt. Dann wirst du dich freuen, dass ich dich davon abgehalten habe, dich aus dem Fenster zu schmeißen. Dann wirst du glücklich sein, dass du Ja gesagt hast. Dann bist du ein Wir.“
„Nein, sag so was nicht Rosie!“
„Hey, das ist doch nicht schlimm! Jeder Mensch verliebt sich irgendwann. Ich mochte John am Anfang auch nicht unbedingt und jetzt sind wir zusammen. Also stell dich nicht so an.“
Freundlich lächelt sie mich an, so ein ganz bestimmter, wissender Ausdruck in ihren Augen, der mir irgendwie Angst macht.
Sie steht zu mir, selbst wenn ich mich selber nicht mehr sehen kann.
„Stell dir mal das Gerede der Leute vor, wenn ich auf einmal mit James Potter ausgehe. Was die dann wohl denken? Und wie seltsam das für dich sein muss, wenn du auf einmal mit der komischen Lily Evans befreundet sein musst, über die alle reden und die keiner mehr mag und…“
„Lily! Hol mal wieder Luft! Das ist doch lächerlich. Ich werde immer deine Freundin sein. Du hast schon viel schlimmere Sachen gemacht, als mit James Potter auszugehen. Mir war es sicherlich viel peinlicher, als du mir vor versammelter Mannschaft und besonders vor John erzählt hast, wie schrecklich ich doch sei und dass ich nie meine dreckigen Socken wegräumen würde. Was im Übrigen nicht stimmt.“
Schelmisch zwinkert sie mir zu.
„Ganz ehrlich, das kann an Peinlichkeit nicht überboten werden! Du und Potter, das werde ich schon überstehen. Selbst, wenn ich ihn nicht unbedingt mag.“
Ich habe einen Schatz in meinem Leben, für den ich dankbar bin. Ob ich mich beim Date mit James Potter bis auf die Knochen blamiere oder ich mich in ihn verliebe, ob Griechenland die Quidditchweltmeisterschaft gewinnt oder ich in all meinen UTZ ein T bekomme, ob Dumbledore in Badehose zum Frühstück in die Große Halle kommt oder ich irgendwann als zahnlose Verrückte mit 500 Katzen in einem verdreckten Häuschen ende, das ist egal, denn ich weiß, dass Rose immer für mich da sein wird.
Und das ist sogar noch besser, als Himbeereis um Mitternacht.
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