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Fanfiction

I want to hold your hand - Raintears

von jujube58

Der Titel ist inspiriert durch das Lied "Raintears" vom belgischen MĂ€dchenchor Scala.
Wenn es sich jemand anhören möchte: Hier

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Raintears



Ich sitze am Fenster. Die Regentropfen laufen die Scheibe hinunter. Es ist grau draußen, Wolken tĂŒrmen sich am Himmel. Tipp. Tapp. Tipp. Tapp. Ein kleiner Tropfen nach dem anderen. Wie TrĂ€nen, die der Himmel weint. Wie TrĂ€nen, die aus meinem Innersten zu kommen scheinen. TrĂ€nen, die jede eine andere Geschichte erzĂ€hlen.

Ein kleiner, dicker Tropfen. Auf halben Weg das Glas hinunter teilt er sich. Was einst zusammengehörte, ist nun getrennt. Entfernt sich immer weiter, nĂ€hert sich kurz wieder an, um dann endgĂŒltig auseinander zu gehen
Petunia und ich. Eine wunderschöne Kindheit. Dann der Scheidepunkt: der Brief aus Hogwarts. Sie lĂ€sst mich fallen, geht ihren eigenen Weg. In den Ferien versuchen Mum und Dad uns wieder nĂ€her zu bringen, doch wir stoßen uns ab. Unwiderruflich getrennt – getrennt auf ewig.

Aus der Luft klatscht ein kleiner Tropfen auf die Scheibe. Gewaltsam durch den Wind getrennt von seinem vorherigen WeggefÀhrten. LÀuft alleine den weiten Weg bis zur Fensterbank, irrt in Schlangelinien umher und versucht nicht die Orientierung zu verlieren.
Meine Eltern und ich. Sie haben mich alleingelassen. Mich alleine auf weiter Flur herumtorkeln lassen. Mich aus großer Höhe auf den Boden prallen lassen. Aber es ist nicht ihre Schuld. Sie wollten es nicht. Eine höhere Macht hat uns auseinander gerissen. Ich taumle weiter durch die Welt, immer dabei nicht die Orientierung zu verlieren.

Zwei kleine HimmelstrĂ€nen, die nebeneinander laufen. Erst weit entfernt, dann nĂ€hern sie sich. Bleiben in einer Spur, aber vereinigen sich nie. Dann eine andere Schnittstelle. Weiter unten am Fenster. Der eine Tropfen Ă€ndert den Kurs, der andere folgt kurz, kehrt dann aber wieder auf den alten Weg zurĂŒck.
Severus und ich. Kennen gelernt haben wir uns kurz vor Hogwarts. Erst lebten wir in unterschiedlichen Welten. Ich in der Muggelwelt, liebevoll großgezogen von meinen Eltern. Er in der Zaubererwelt, vernachlĂ€ssigt und ungeliebt. Anfangs schienen die Unterschiede nichts auszumachen. Wir waren Freunde. Beste Freunde. Dann rutschte Severus immer mehr auf die dunkle Seite. Ich wollte ihn zurĂŒckholen, doch es gelang mir nicht. Unsere Wege trennten sich. Er kam auf die schiefe Bahn, ich versuchte den richtigen Wegweisern zu folgen.

Drei Tropfen, die sich auf halber Strecke vereinigen. Sie werden zu einer großen, dicken Kugel, die sich bestĂ€ndig einen Weg hinab bahnt. Nichts kann sie trennen, sie bleibt zusammen, bis sie das Ende erreicht.
Meine Freundinnen und ich. Alice und Mary. Am Gryffindortisch haben wir uns getroffen. Aus uns wurden beste Freundinnen. Beste Freundinnen, die nichts auseinander bringen kann. Beste Freundinnen, die zusammenkleben, wie Pech und Schwefel. Auf sie kann ich mich verlassen. Mit jedem Kummer kann ich zu ihnen kommen. Über jeden blöden Witz mit ihnen lachen. Wir sind eins. Uns kann niemand etwas anhaben.

Aus gegenĂŒberliegenden Fensterecken laufen zwei TrĂ€nen aufeinander zu. Sie berĂŒhren sich fast in der Mitte, fließen dann jedoch wieder auseinander. Entfernen sich, um sich dann letztendlich wieder zu nĂ€hern. Die Spur, die sie auf der Scheibe hinterlassen, bildet ein fast perfektes Herz. Die linke Seite etwas flacher als die rechte, so als ob dieser Tropfen schon frĂŒher die NĂ€he des anderen wieder angestrebt hĂ€tte. Am Ende vereinigen sie sich und laufen das restliche StĂŒck Scheibe gemeinsam hinunter.
James und ich. Das erste Mal sahen wir uns im Zug. Da hatten wir beide noch einiges gemeinsam: unsere Neugierde. Doch dann nervte er mich, störte in jeder erdenklichen Situation durch seine bloße Anwesenheit. Eines Tages beschloss er, dass er mich mochte und versuchte deshalb mir nĂ€her zu kommen. Ich lehnte ab. Nach langer Zeit erkannte ich es. Ich liebte ihn. Wir kamen zusammen und werden den Rest unseres Lebens miteinander verbringen. Wir sind fĂŒreinander bestimmt.

Ich sitze am Fenster. Die Regentropfen laufen die Scheibe hinunter. Es ist grau draußen, Wolken tĂŒrmen sich am Himmel. Tipp. Tapp. Tipp. Tapp. Ein kleiner Tropfen nach dem anderen. Wie TrĂ€nen, die der Himmel weint. Wie TrĂ€nen, die aus meinem Innersten zu kommen scheinen. TrĂ€nen, die jede eine andere Geschichte erzĂ€hlen.
Doch dann bricht die Sonne durch die Wolkendecke. Die Tropfen werden weniger, die TrÀnen versiegen.
„Komm Lily, lass uns nach draußen gehen. Auf den nassen Wiesen laufen.“ Meine Sonne ist da. GlĂŒcklich folge ich James hinaus.


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