
von Kreacher Potter
Es war bereits später Vormittag, als Arthur langsam zu sich kam. Wohlig grunzend drehte er sich in den weichen Kissen des großen Bettes auf den Rücken und sah sich um. Die neue Suite im Tropfenden Kessel, so viel konnte er von hier aus sehen, bestand aus einem Schlafzimmer mit einem riesigen Himmelbett in der Mitte, zwischen dessen unzähligen Kissen er Molly selbst mit einem Kompass kaum wieder gefunden hätte. Dazu erlaubte ein Quietus-Zauber, dass man auch im lauten London nachts bequem die Fenster geöffnet lassen konnte. Das angrenzende Wohnzimmer bestand an einer Seite aus einer großen Bücherwand mit Kamin und passenden Leder-Clubsesseln und auf der anderen aus einer raumgreifenden Sofalandschaft mit einer wohlgefüllten Hausbar. Vervollständigt wurde die Suite durch ein Badezimmer mit großer Dusche und einer runden, in den Boden eingelassenen fünf-Personen-Badewanne, die herrliche Blubberbläschen beim Baden aufsteigen ließ, wie Arthur fand.
Er genoss diesen Luxus, den er Molly und sich dieses besondere Wochenende einmal gönnte. Durch die Tür zum Wohnzimmer erspähte er sie mit einem Buch auf dem Sofa sitzend, sichtlich darum bemüht, sich zu entspannen. Es dauerte auch in ihren seltenen Urlauben immer lange, bis seine Frau die Annehmlichkeiten genießen konnte, ohne von morgens bis abends den Tag zu organisieren. Als ob sie seinen Blick gefühlt hatte, drehte sie den Kopf zum Schlafzimmer, sah ihn zwischen den Kissen auftauchen und sagte: „Guten Morgen, mein Schatz. Gut geschlafen? Was macht Dein Kopf?“
„Danke, gut bis hierher.“ Er schwang die Beine aus dem Bett und beorderte seine Schlappen herbei.
„Das ist gut. Nach Deinem gestrigen Konsum von Feuerwhisky hätte ich erwartet, dass Du heute größere Startschwierigkeiten hast.“ Sie wandte sich wieder ihrem Buch zu.
Er schwankte leicht und hielt sich am Bettpfosten fest. „Nein, es ist Alles gut!“ Er schlang sich einen Bademantel, weiß mit dem Logo des Tropfenden Kessels und dem Slogan Ihre erste (und einzige) Adresse in London! auf dem Rücken, um die Schultern, als es an der Tür klopfte. „Frühstück!“
Arthur spurtete zur Tür, öffnete sie nur einen Spalt, nahm der jungen Hexe das Frühstückstablett ab, ohne ihr einen Blick in die Suite zu ermöglichen und sagte leise: „Wir möchten heute nicht gestört werden.“
Sie zwinkerte ihm vielsagend zu, schob den Kaugummi in die andere Backe, die Nase drehte sich rechts herum, und hob die linke Hand mit dem ausgestreckten Daumen. „Alles klar! Ich gebs weiter!“
„Danke!“ Arthur zog den Kopf zurück und die Tür hinter sich zu.
Hinter ihm erklang die Stimme seiner Frau: „Ich habe hier gerade einen interessanten neuen Spruch gelesen, Schatz. Fingere luxuria heißt er.“
„Ach, ja?“
„Ja, doch, es heißt hier, man könne damit Innenräume viel problemloser größer und schöner gestalten, als mit dem alten Amplificatio.“
„Das klingt gut!“ Arthur wurde ein wenig warm im Gesicht.
„Kann es sein, dass Du gestern vielleicht doch das billigste Zimmer gemietet hast? Eine Suite ist immerhin sehr selten unter dem Dach, neben den Gesindezimmern, oder?“ ihre Stimme hatte nichts an Freundlichkeit verloren.
Er zögerte. „Ich gehe dann mal duschen, okay?“
„Natürlich! Ich decke den Tisch für das Frühstück. Und nachher, denke ich, werde ich mir, von dem gesparten Geld, doch noch den neuen Badeanzug kaufen.“
Arthur schluckte und verschwand im Badezimmer.
Beim Frühstück, auf dem zur Winkelgasse gelegenen Balkon, wurde das Thema nicht mehr angeschnitten und Arthur begann den Tag wieder zu genießen. Der Himmel hatte sich heute leicht bezogen, aber es begann schon wieder sehr warm zu werden.
„Was wollen wir denn heute unternehmen, Schatz?“
Sie schaute von der Zeitung hoch, in der sie gerade die Berichte der gestrigen Gala studierte. Erst blickte sie in den Himmel und dann ihren Mann an. „Ich werde mir heute einen schönen Tag mit Einkaufengehen und Eisessen mit den Kindern bei Fortescues machen und Du wirst ins Büro müssen.“
„Blödsinn!“ sagte er entrüstet. „Heute ist Feiertag, da brauche ich nicht ins Ministerium.“
Sie warf noch einen Blick in den Himmel und lächelte vielsagend. „Du wirst schon sehen!“
„Bist Du unter die Hellseher gegangen?“ fragte er ärgerlich, als ihn von hinten ein großer Flügel streifte und die Eule des Ministers, ein arroganter schwarzer Vogel mit einem weißen Fleck, in Form eines Ordens, auf der Brust, auf dem Geländer des Balkons landete. Sie spuckte, wie es Arthur schien, verächtlich einen Brief auf den Tisch und flog wieder weg, ohne einen Dank auch nur zu erwarten.
„Der ist Kingsleys Amt auf jeden Fall zu Kopf gestiegen!“ Arthur riss den Brief auf. „Verdammt! Kingsley bestellt mich für zwölf Uhr in sein Büro. Dann muss ich mich wohl fertig machen.“
Er gab seiner Frau einen Kuss. „Du hattest, wie immer, recht, aber gib es zu, Du hattest die Eule schon gesehen.“
Sie grinste. „Natürlich, sie ist ja auch unverkennbar.“
Eine halbe Stunde später war Mr. Weasley über das Flohnetzwerk in das Ministerium gelangt, wo Reinigungszauberer bereits die Stühle weggeräumt und die Halle wieder verkleinert hatten. Die große Pyramide stand jetzt direkt unter der großen Landkarte und leuchtete wunderbar aus sich selbst heraus. Arthur musste Kingsley seinen Respekt zollen, die Idee mit der Pyramide war wirklich großartig. Schnell begann er mit einer kleinen Suche nach den Namen seiner Lieben, bevor er sich auf den Weg nach oben machte.
Nur Minuten später ging er durch verwaiste Flure und an leeren, unaufgeräumten Büros vorbei. Heute arbeiteten nur die Wenigsten. Selbst beim Minister stand die Tür offen, Kingsley hatte sich über seinen Schreibtisch gebeugt und rief ihn herein, sobald er ihn bemerkte.
„Danke, Arthur, dass Du so schnell kommen konntest.“ Er blickte an ihm herunter. „Du hast zwar heute frei, aber muss es deswegen Bademantel und Latschen sein? Nun, gut.“ Er runzelte die Stirn, wandte sich ab und griff sich ein Pergament von dem Stapel, der in der Regel Ärger bedeutete. Ein Wink mit dem Zauberstab ließ die Tür zuschlagen.
Arthur setzte sich, so unverfänglich wie möglich guckend und hörte fast schon sein Herz klopfen.
„Dein Sohn Percy ist entschieden über das Ziel hinaus geschossen, Arthur.“
Mr. Weasley war so erleichtert, dass es bei dieser Hinrichtungsvorführung nicht um ihn ging, dass er fast lachen musste. „Ja, ja! Das kennen wir von ihm!“
„Das ist nicht komisch!“
Arthurs Gesicht fror wieder ein.
„Dieser Trottel hat im Laufe der letzten Woche die IB-Bilder an alle Zaubererhaushalte liefern lassen und die letzten sogar noch gestern Abend.“
Mr. Weasley holte schon Luft, um einzuwerfen, dass er daran nichts Verwerfliches sähe, wurde aber durch einen stechenden Blick Kingsleys davon abgehalten.
„Wir hatten vorher abgesprochen, dass die Familien die Wahl zwischen zwei oder drei unterschiedlichen Landschaftsgemälden haben sollten.“ der Minister knirschte mit den Zähnen. „Percy aber, kam dann ohne Absprache auf die Idee, alle IB-Bilder als hundertprozentige Kopien berühmter Bilder zu verschicken.“
Mr. Weasley ahnte langsam, auf was der Minister hinaus wollte und auch, wie er dabei ins Spiel kam.
„Und nun kommst du!“ Kingsley Shacklebolt bohrte einen Finger in Arthur Weasleys Brust. „Ich weiß nicht, was Dich gestern geritten hat, Mundungus wieder laufen zu lassen und ich werde es auch nicht fragen, aber eben dieser Mundungus Fletcher hatte natürlich nichts Eiligeres zu tun, als seine Kopie der Mona Lisa zu nehmen und zu versuchen, sie dem nächst besten Muggel-Kunsthändler zu verkaufen. Dem reichte dann ein kurzes Telefonat nach Paris, um festzustellen, das die echte Mona Lisa noch dort hängt.
Also haben sie Mundungus später sturzbesoffen in irgendeiner Kneipe festgenommen, haben ihm Alles abgenommen und in ein Muggel-Gefängnis verfrachtet.“
„Das sollte doch kein Problem sein, ihn da wieder heraus zu holen.“
„Das ist es aber immer noch nicht. Die Kopien, die Dein Sohn gemacht hat, sind so echt, dass es jetzt zwei echte Mona Lisas gibt.“
„Autsch!“
„Ja. Es ist zum In-Den-Tisch-Beißen. Percy habe ich, zur Strafe, für das ganze Wochenende zum Putz- und Räumkommando eingeteilt und ab Montag wird er alle Bilder wieder verändern. Mundungus werden wir für eine gute Weile im Muggel-Gefängnis verrotten lassen und Du wirst die Geschichte mit der Fälschung beim Premierminister wieder ausbügeln!“
Arthur, der schon vor einer ganzen Weile den Kopf eingezogen hatte, atmete jetzt beruhigt wieder aus.
„Und wenn Du schon dabei bist, etwas zu erklären,“ er griff sich einen anderen Zettel vom gleichen Stapel, „kannst Du vielleicht auch dieses erklären: Warum beschwert sich der Premierminister der Muggel bei mir, dass die Muggel zwar jetzt ein Welle der Zufriedenheit und des Glücks erleben, die sich über das ganze Land ausbreitet, dass es aber gerade bei Begrüßungen in der letzten Zeit immer häufiger zu starken Schwindelanfällen kommt.“ Der Minister hatte seine Stimme jetzt deutlich erhoben und stützte sich mit beiden Fäusten auf den Schreibtisch. „Außerdem haben Hexen und Zauberer beobachtet, wie mit eben diesen Begrüßungen der Muggel offensichtlich eine Erinnerung an Harry Potter weiter gereicht wird, die jetzt schon beachtliche Ausmaße angenommen hat und zum Teil zu fünf-minütigem Händeschütteln führt.“
Mr. Weasley war bei den letzten Sätzen knallrot geworden. „Da ist mir wohl etwas entglitten.“
„Was denn wohl?“
Arthur druckste herum. „Also, als wir nach dem letzten Kampf ein paar Tage in Hogwarts übernachtet haben und Harry schon verschwunden war, da fiel mir in der Bücherei eines unserer alten Zauberspruchbücher wieder in die Hände. Darin war auch der Invenite, mit dem man Andere dazu bringen kann, ihr Wissen weiter zu geben. Der hat aber nie so richtig funktioniert, weil der Spruch in einer Reihe von Empfängern schon nicht mehr wirkt und das Wissen so nur direkt an den Absender weiter gereicht werden konnte.“
Mr. Weasley redete sich jetzt in Begeisterung. „Also habe ich den Spruch so modifiziert, dass sowohl das zu suchende Objekt, wie auch der Zauber selber immer weiter gereicht wurden. Und damit das möglichst schnell passiert habe ich das Ganze mit einem Glücksgefühl kombiniert und heraus kam der Felicis Invenite.“
„Lass mich raten, der Spruch wurde nie vom Zauberergamot freigegeben?“
„Äh, nein. Und ich war mir auch nicht ganz über die Menge an Daten im Klaren, die damit übertragen werden.“
„Kannst Du ihn zurückholen, oder wann hört das Ganze auf?“
„Nein, leider nein. Er kommt erst zu mir zurück, wenn er Harry gefunden hat.“
„Beim Merlin! Ich sollte Dich auch zum Putzdienst einteilen!“ brüllte Kingsley.
`Nun muss eine kleine Notlüge helfen!´ dachte Mr. Weasley. „Dafür habe ich, mit meiner Familie, die beste Idee der ganzen Harry-Suche, äh, umgesetzt.“
„Oh, nein!“
„Doch! Wir sind doch bisher immer daran gescheitert, dass Harry mit nichts magischem Kontakt hatte und wir Ihn deswegen nicht aufspüren konnten. Also haben wir ihm eine Eule geschenkt.“
Der Minister begann zu strahlen. „Ihr habt sie registrieren lassen und dann zu ihm geschickt. Guter Gedanke!“
Arthur perlte der Schweiß auf der Stirn. „Damit hat sich der Felicis Invenite hoffentlich auch bald erledigt.“
„Das könnte klappen. Doch, das war ein guter Gedanke!“
Kingsley Shacklebolt zerknüllte den Zettel und schnippste ihn in die Luft, wo er in winzige, glühende Funken zerplatzte und verschwand.
„Genieße Dein Wochenende, Arthur, Montag machen wir weiter! Du hältst mich doch auf dem Laufenden?“
„Natürlich, Kingsley!“ sagte Arthur, schon im Rückwärtsgang aus dem Büro heraus. „Dir auch ein schönes Wochenende.“
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