
von Kreacher Potter
Mr. Weasley hastete vom Tropfenden Kessel, vorbei an vielen noch geschlossenen Geschäften, an den Läden von Flourish und Blotts, Madam Malkins Anzüge für alle Gelegenheiten und dem Eulenkaufhaus, die schon wieder in alter Pracht renoviert worden waren, und Florean Fortescues Eissalon, der noch die letzten Stühle strich.
Hermine, Ron, Charlie und Bill standen in ihren buntesten T-Shirts und Hosen etwas außerhalb eines Pulks von Kindern und Erwachsenen vor Weasleys Zauberhafte Zauberscherze, hatten von Fortescues schon ein Eis ergattern können und winkten ihm hektisch zu. „Beeile Dich, Dad. Du schaffst es noch!“
Von der anderen Seite aus Richtung Gringotts und Olivander, bei dem eine Rauchfahne über dem Haus verkündete, dass hier wieder Zauberstäbe produziert wurden, stürmten Percy, Molly und Penelope herbei.
„Geschafft!“ sagte Arthur triumphierend, aber leise, als er die Gruppe knapp vor seiner Frau erreichte.
„Oh, hallo Arthur, mein Schatz!“ Molly fiel ihm etwas außer Atem in die Arme und musste erst einmal für einen Moment verschnaufen. Arthur sah sie nachdenklich an und fragte dann besorgt: „Du hast doch was?“
Alle scharten sich um sie und sie antwortete stockend und um Atem ringend: „Bei uns zu Hause, gerade bevor ich los musste, die Uhr, Harry, er ist wieder in Gefahr.“
Mr. Weasley wurde blass. „Verdammt, und wir können ihm nicht helfen, weil wir nicht wissen, wo er ist. Wir sind im Ministerium nämlich auch noch nicht weiter gekommen. Er schafft es irgendwie sich von allem Magischen fern zu halten.“
Molly Weasley und er sahen sich traurig an, doch dann straffte sich Molly Weasleys Figur wieder, auf keinen Fall wollte sie es zulassen, dass sich ein Schatten über den heutigen Tag legen sollte. „Sind denn schon alle da?“
Hermine sagte: „Da hinten kommen noch Ginny, Luna und Neville. Die haben sich auch noch ein Eis geholt. Dann müssten wir komplett sein.“
Die freudige Begrüßung musste etwas kürzer ausfallen, als geplant, da auf einmal vor dem Eingang im Sekundentakt Raketen nacheinander in den Himmel zischten und dort die Sekunden bis zur Eröffnung rückwärts zählten: 30....29.....28.... .
Bei 10 begann die Menge mit zu zählen und bei 0 brachen die Menschen in eine lautes „Hurra!“ aus, hörbar erleichtert, dass sie wieder ein Stückchen ihrer alten Welt zurück erhielten. Die bis dahin graue und schlichte Hausfassade, die nur mit einem peppigen Ladenschild auf das Geschäft aufmerksam machte, begann sich dramatisch zu verändern. Die Wände erstrahlten plötzlich in allen Regenbogenfarben und vom Dachfirst schossen Fontänen von Goldregen, die glitzernd auf die Zuschauer herab sanken und aussahen, als ob die Sommersonne persönlich herunter regnete. Über dem Eingang, der auf einer Ecke des Hauses gelegen war, schob sich ein großer kanariengelber Balkon aus der Wand, auf dem ein übermannsgroßer Clown in den Himmel wuchs und Süßigkeiten in die Menge warf.
Unten war die Zuschauerzahl jetzt so angewachsen, dass die Menge schon nicht mehr auf den Platz vor dem Gebäude passte, sondern auch begann, sich die Straße hinauf und hinunter zu verteilen. Dann trat George in einem lilafarbenen Anzug vor den Clown auf den Balkon und rief mit magisch verstärkter Stimme: „Hallo, Alle zusammen. Ich freue mich Euch heute hier zu sehen!“
Er machte eine kleine Pause und die Menge unter ihm wurde leise. „Viele konnten sich nicht vorstellen, dass ich nach Freds Tod alleine die Kraft haben würde, wieder unseren Laden zu eröffnen. Das Projekt weiter zu führen, das wir zusammen begonnen hatten.“
Mollys Hand umfasste Arthurs, Hermine nahm Ron von hinten in die Arme und in vielen Augen zeigten sich kleine Tränen.
„Doch was hätte Fred gewollt?“ In den Schaufenster begannen verzauberte Schokoladenkobolde in Lebensgröße rhythmisch auf Trommeln einzuschlagen und von zwei Seiten tanzten strahlend schöne Veela in sonnenblumengelben Kleidern und roten Haaren auf den Eingang zu. „Das hier hätte er gewollt und das hier auch.“ Hunderte von gleichzeitig gestarteten Raketen explodierten am Himmel und schufen über der Winkelgasse einen Dom aus Lichterstrahlen, der den Sommerhimmel erblassen ließ.
„Er hätte gewollt, dass wir leben! Und dass wir das Leben feiern. Er hätte es geliebt, wieder Spass und Glück unter die Menschen zu bringen.“
Durch den Lichterdom brachen dreizehn Hexen auf Besen in den Farben der Mannschaften der Quidditch-Landesliga und schlugen mit Treiber-Keulen bunte Quaffel über den Köpfen der Menge hin und her, bis sie schließlich dort explodierten. Aus jedem breitete sich eine Wolke von kleinen Papierschnitzeln aus, die sich erst verteilten, dann, wie von einer Sturmböe geblasen, alle zusammen stoben und einen riesigen Fred auf einem Nimbus 2000 bildeten, der durch die Mitte der Hexen nach oben stieß und über dem sich auflösenden Lichterdom in goldenen Funken explodierte.
Die Menschen ließ viele Ohs und Ahs hören und man spürte bei den meisten ihre Ergriffenheit. Doch was viele nicht sehen konnten, war, dass auch George die Tränen über die Wangen liefen. Trotzdem lachte er und rief: „Das Geschäft ist wieder für Euch da!“ Unter ihm rissen die Veela die Türen auf und brachten sich dann rechtzeitig vor der heranstürmenden Menge in Sicherheit.
„Kommt alle her!“ rief Molly Weasley der kleinen Gruppe zu, „George hat mir diesen alten Gummizauberstab gegeben. Fasst ihn an, na los!“
Der Zauberstab riss sie aus der Menge heraus, die bald schon in Reihen vor der Eingangstür warten mussten, und sie landeten bei George auf dem Balkon, der nicht nur nach draußen gewachsen, sondern durch eine Glastür auch genauso innen begehbar war. Sie standen über den Köpfen der Besucher, die sich an Regalen vorbei in den hinteren Teil des Ladens schoben, um an den Sektbrunnen zu kommen, oder ein paar Sandwiches zu essen. Andere stürmten als erstes die beiden Galerien und wurden oben mit einer großen Schale Berti Botts Bohnen Aller Geschmacksrichtungen und Kürbissaft belohnt.
Mitten in dem Chaos explodierten Böller, die kleine gelbe Kanarienvögel zwitschernd in die Luft entließen, wo sie ein paar Minuten lustig umher flatterten. Dann wieder flogen geflügelte Hüte durch den Raum, setzen sich auf die Köpfe der Besucher, die dann beim Wegflug für ein paar Minuten rote Haare hatten. Und schließlich explodierte mit lautem Krachen auf der zweiten Galerie ein Riesenböller, der einen gigantischen rosa Drachen freisetzte. Der Drache kreiste mehrmals tief über den Köpfen der Kunden, einige Mädchen duckten sich vergnügt kreischend in die Ecken der Regale, dann brüllte er einmal laut auf und flog durch die Ladentür nach draußen, wo er die wartenden Besuch erschreckte und zum Lachen brachte.
George, der mit seiner Mutter im Arm das Spektakel betrachte, hob ein Sektglas und sagte versonnen: „Das war Freds bester Böller, wir haben ihn Dolores Drachen genannt.“
„Oh George, das ist so schön geworden!“ sagte seine Mutter unter Tränen der Rührung. Alle umstanden und beglückwünschten ihn, ließen das Treiben unter sich vorbeiziehen, bis leider viel zu schnell eine Mitarbeiterin auf der Galerie auftauchte und George um Hilfe bat, weil die Angestellten dem Ansturm nicht mehr gewachsen waren.
„Es ist mein Tag!“ sagte er zu seiner Familie, setzte sein breitestes Grinsen auf und apparierte zu dem Kassentresen, gleich neben dem Sektspringbrunnen. Molly und Arthur sahen noch eine Weile zu, wie auch die Kinder, die sie in ihren Augen immer sein würden, sich in die Masse wagten, um das ein oder andere Schnäppchen zu machen. Dann apparierten sie wieder auf die Straße und schlenderten gemächlich zurück zum Tropfenden Kessel, in dem sie sich für heute Zimmer gemietet hatten, damit sie nach der Gala, mitten in der Nacht, nicht sofort zurück mussten.
Allerdings waren sie nur ein paar Schritte weit gekommen, als sich ihnen Ginny, Luna und Neville anschlossen. Ginny erklärte kategorisch, dass es in dem Gewimmel viel zu eng sei und dass sie in ein paar Tagen noch einmal hingehen wollte, wenn sich die Lage beruhigt hätte.
„Schade nur, dass Harry Nichts von alldem hier mitbekommt, obwohl wir das eigentlich Alles nur ihm verdanken.“ seufzte Molly traurig. „Und jetzt ist er auch noch in Gefahr und wir können nichts für ihn tun!“ Erschrocken hielt sie sich eine Hand vor den Mund und sah Ginny mit großen Augen an.
„Es tut mir leid, mein Kleines, ich wollte das Thema gar nicht ansprechen, aber es ist mir so heraus gerutscht.“
Ginny schluckte heftig und sagte mit belegter Stimme: „Das macht nichts, Mum. Ich werde irgendwann schon damit klar kommen.“
Neville, der mit Luna nur einen Schritt hinter den Weasleys gegangen war, fragte interessiert nach: „Und woher wisst Ihr, dass Harry in Gefahr ist?“
„Unsere Uhr“, antworte Arthur, „Molly hat einen Zeiger für Harry anbringen lassen.“ Und leise setzte er hinzu: „Schließlich wollen wir ja alle, dass er zur Familie gehört!“
Ginny schniefte. „Das ist aber auch schon Alles, was wir von ihm wissen. Er hat sich nirgendwo gemeldet, Niemand hat ihn gesehen, es kann ihn kein Zauber aufspüren, weil er mit nichts Magischem in Kontakt kommt und die Eulenpost kann ihn deswegen auch nicht finden.“
„Dann musst Du ihm eben eine Eule schenken!“ sagte Luna mit ihrer verträumt leisen Stimme. „Seine Eule würde ihn in jedem Fall irgendwann finden!“
„Aber ich kann ihm doch nicht eine Eule schenken, wenn ich nicht weiß, wo er ist!“ gab Ginny etwas patzig zurück.
„Das ist so nicht ganz richtig!“ An Lunas verträumter Stimme ließ sich nicht anmerken, ob sie den Anranzer überhaupt wahrgenommen hatte. Alle blieben erstaunt stehen. „Jeder, der eine Eule als Posteule kauft oder geschenkt bekommt, muss sie beim Ministerium als sein Eigentum und als Posteule registrieren lassen. Deswegen wissen die Eulen dann auch immer, wohin sie mit einem Brief fliegen sollen. Der Antrag dafür wird meist schon im Geschäft an der Kasse fertig gemacht!“
Ginnys Augen wurden immer größer. „Luna, Du bist genial! Ich bin gleich wieder da!“
Sie umarmte ihre Freundin und spurtete los.
„Heißt das etwa, dass es reicht, dass die Eule offiziell registriert wird, damit es dann Harrys Eule ist und sie dann Harry wieder finden kann?“ Arthur sah begeistert aus. „Das habe ich nicht gewusst!“
Alle diskutierten begeistert die neue Möglichkeit, die sich ihnen bot, bis Ginny aus Eulops Eulenkaufhaus trat. Sie trug eine wunderschöne ausgewachsene Eule auf dem Arm, die etwas kleiner als Hedwig und genauso weiß war. Nur an den Schwungfederspitzen und auf dem Kopf war sie dunkelbraun eingefärbt. „Ich habe sie Constanze getauft!“
Sie trug den Vogel, der ihre neue und einzige Hoffnung darstellte, in den Tropfenden Kessel. Dort schrieb Ginny eine Nachricht an Harry, die sie niemandem zeigte. Sie versiegelte den Brief mit einem Kuss und gab ihn Constanze mit ein paar geflüsterten Worten in den Schnabel. „Finde meinen Harry!“
Constanze neigte ihren Kopf, breitete ihre mächtigen Schwingen aus und flog, ohne zu zögern aus dem Fenster.
Kaum, dass die Eule in nördlicher Richtung abgeflogen war, sagte Arthur aufgeregt: „Wir sollten uns natürlich nicht zu viel Hoffnung machen, aber es ist ein kräftiger Schimmer am Horizont. Und ich werde mich jetzt gleich wieder ins Ministerium aufmachen und dort für besondere Wachsamkeit sorgen. Wir treffen uns nachher wieder hier!“
Es dauerte nicht lange, bis sich auch Hermine, Ron, Percy und Penelope der restlichen Gruppe angeschlossen hatten, die sich, wegen der Hitze, in den kühleren Biergarten zurückgezogen hatte. Bemerkenswerterweise hatte Percy Georges neues Nasdrehkaugummi probiert, das beim Kauen ab und zu die eigene Nase rotieren ließ. Lunas Idee wurde einhellig als der beste Vorschlag seit Beginn der Harry-Suche gefeiert und sie bekam von Hermine eine rote Pudelmütze aufgesetzt, die immer wieder blinkte und bei passender oder unpassender Gelegenheit „Ich bin genial!“ in das Gespräch einwarf.
Percy hielt es ebenfalls nicht lange im Biergarten. „Ich denke, ich sollte ins Ministerium apparieren, um Vater zu unterstützen.“
„Das ist eine gute Idee, mein Sohn, und sorge bitte dafür, dass Arthur vor der großen Gala trotzdem noch mit uns zu Abend isst.“
„Natürlich, Mutter! Bis nachher.“ sagte Percy und verschwand mit einen kleinen Knall.
„Manchmal nimmt er sich, glaube ich, ein bisschen zu wichtig, aber man muss ihn machen lassen, sonst wird er sehr ungnädig!“ bemerkte Penelope, was von den Anderen mit erstaunten Blicken quittiert, aber höflicherweise nicht kommentiert wurde.
Sie saßen den ganzen Nachmittag im Hof der Gaststube bei Tee und Keksen in der Sonne und redeten. Sie diskutierten, wie lange Constanze wohl brauchen würde, spekulierten wieder einmal darüber, wo Harry wohl sei und überlegten, ob Constanze direkt zu Harry fliegen würde, oder ob sie ihn auch suchen müsse. So verging der Nachmittag mit Tee und Keksen rasend schnell und pünktlich um sieben Uhr abends versammelten sich auch Arthur, George und Percy wieder am Tisch, um gemeinsam ein feierliches Abendessen zu genießen.
„Fast wäre ich heute nicht aus dem Geschäft heraus gekommen. Nur der Hinweis auf die Gala brachte dann die letzten eiligen Kunden aus dem Laden.“ bemerkte George gut gelaunt. „Aber morgen muss ich wieder mit der Produktion anfangen. In einigen Bereichen sind wir schon total abgebrannt.“
Es wurde ein unruhiges Essen, denn keiner wollte glauben, dass weder Mr. Weasley, noch Percy wussten, wie die Gala heute verlaufen sollte. Es hatte lediglich in der Einladung gestanden, dass einfache weiße Umhänge als Abendgarderobe gewünscht waren, weitere Informationen gab es nicht. Deswegen zog man sich nach dem Essen noch einmal um und apparierte in den Empfangsbereich der großen Eingangshalle des Ministeriums, deren Apparierschutz für den heutigen Abend aufgehoben war.
Die Halle war magisch vergrößert worden, so dass man in den vorderen Eingangsbereich mehrere Tausend Stühle hatte stellen können. Dort standen Helferinnen zum Empfang bereit und wiesen den Ankommenden den Weg zu ihrer Sitzreihe. Der hintere Bereich vor den Fahrstühlen war abgesperrt und lag vollständig im Dunklen.
„Hast Du die Karten mit?“ flüsterte Molly unauffällig zwischen zusammengebissenen Zähnen.
„Natürlich doch, ich habe alle Karten eingesammelt und sie hier in der Tasche.“ entgegnete Arthur, der mit freundlichem Winken, die vielen Bekannte und Freunde begrüßte die schon eingetroffen waren.
„Was soll das mit den weißen Umhängen?“ beschwerte sich Hermine rebellisch, als sie sich umsah. „Das sieht ja aus, wie im Krankenhaus!“
„Keine Ahnung“, entgegnete Ron, „aber es weiß ja sowieso Keiner, was hier heute Abend abgeht. Ich hoffe nur, es ist nicht so ein spießiges Ringelpietz mit Anfassen.“ Er schüttelte sich vor Grausen.
„Seid still!“ zischte Mrs. Weasley vor Ihnen. „Genießt lieber die feierliche Atmosphäre.“
Und Mr. Weasley setzte hinzu: „Das wird `ne ganz große Show, heute Abend! Kommt mit, wir müssen ganz nach vorn, in den Bereich für Ehrengäste.“
Tatsächlich begann sich, nach dem die meisten Hexen und Zauberer Platz genommen hatten, eine andächtige Stille auszubreiten. Dann ertönte ein tiefer Gongschlag, die Flammen der Fackeln wurden kleiner und vor dem Publikum erschien eine kleine Bühne mit einem Rednerpult, das von mehreren Leuchtern erhellt wurde.
In weiter Entfernung, viel weiter, als die Halle jemals lang gewesen war, zeichnete sich ein bläuliches Leuchten ab, das schnell größer wurde und sich als die Person des Ministers, ebenfalls in einer festlichen, weißen Robe, herausstellte, der in großen Schritten den Raum durchmaß. Er stieg von der Seite auf die Bühne, trat vor das Publikum an das Rednerpult, gebot denn auch den Letzten zu schweigen und begann zu sprechen:
„Meine Damen und Herren, Hexen und Zauberer, Hauselfen, Kobolde und andere magische Wesen. Ich begrüße Sie alle zu unserer Festveranstaltung zum Ende der größten Bedrohung, der die Welt der Zauberer und der Muggel jemals ausgesetzt war.
Heute, vor einem Monat, genau am achtundzwanzigsten Mai, begann die Nacht, in der die magische Welt gemeinsam gegen die Bedrohung aufstand und einem Leben in Angst und Terror ihren Widerstand entgegensetzte. Genau wie vor einem Monat, sind auch heute wieder alle Hexen und Zauberer und magischen Wesen, die dazu körperlich in der Lage waren, aufgestanden, aber heute sind Sie hierher gekommen. Sie sind hergekommen um zu feiern, um diejenigen zu feiern, die Sie befreit haben, vom Joch der Unterdrückung und um sich feiern zu lassen, denn Sie sind es selbst gewesen, die sich und andere befreit haben!“
Lichtkegel begannen über die Köpfe der Menge zu kreisen und Kingsley Shacklebolt machte eine kleine Pause, in der sich die Gäste erstaunt ansahen, mit diesem Redebeginn, hatte Niemand gerechnet.
„Sehen Sie sich ruhig um, denn heute sehen Sie die größte Versammlung von Hexen und Zauberern, die es, außerhalb eines Quidditch-Stadions, jemals gegeben hat.“ Er lächelte und machte noch eine kleine Pause, vereinzelte Lacher waren zu hören. Dann wurde er wieder ernst.
„Doch natürlich ist heute zuerst einmal der Tag, oder die Nacht, Derjenigen, die für unser weiteres Leben, ihres geopfert haben. Sie sollen nicht nur heute nicht, sie sollen niemals vergessen werden. Sie haben uns gezeigt, was wir erreichen können, wenn wir zusammen halten. Sie haben uns geÂzeigt, dass das Böse gegen uns gemeinsam keine Chance hat.“
Tosender Beifall brach los.
„Wir wollen und müssen uns in Zukunft daran erinnern, auch wenn wir diese schwarze Zeit am liebsten vergessen würden. Und wir werden unsere Kinder und Kindeskinder daran erinnern, damit sie aufmerksam bleiben und solche Teufel, wie Tom Riddle, als Teufel erkennen und bekämpfen.“
Erneuter Beifall unterbrach seine Rede.
„Aber auch dieses Erinnern werden wir gemeinsam tun. Wir werden gemeinsam ein Denkmal bauen! Die meisten von Ihnen haben in Ihrer Familie oder Freundeskreis einen, oder mehrere Tote zu betrauern. Und für jeden dieser Toten gibt es einen solchen Stein.“
Ein handgroßer, unregelmäßig geformter Stein erschien in seiner Hand.
„Für jeden Toten haben wir einen unter Ihnen ausgesucht, der stellvertretend für den Toten an unserer Pyramide des Lebens mitbaut. Und auf jedem Stein ist der Name des Toten verewigt, damit wir seiner immer gedenken.“
Im Schoß vieler Hexen und Zauberer erschienen auf einen Wink des Ministers mit seinem Zauberstab ebensolche Steine, jeder mit einer bläulich leuchtenden Nummer neben dem Namen.
„Ich bitte Sie nun, mir in der Reihenfolge der Nummern zu folgen.“
Links von der Bühne begannen, Meter für Meter, ein schmaler Weg auf den Fliesen aufzuleuchten, der tief in die dunkle Halle hineinführte. Minister Shacklebolt beschritt, würdevoll den Stein vor sich haltend, den Weg, bis vor ihm ein weiß umrandetes Quadrat aufleuchtet. Er stellte sich davor und sagte laut: „Ich erinnere mit diesem Stein an den Tod von Anathea Tobbs, die von Todessern in ihrem Haus ermordet wurde, weil sie sie nicht bewirten wollte.“
Vor ihm leuchtete eine blaue Fläche auf, auf die er den Stein platzierte. Dann schritt er ruhig auf einem anderen, bläulich leuchtenden Weg zurück, damit der Nächste seinen Stein setzen konnte und nahm dann still auf einem Stuhl neben dem Rednerpult Platz.
So unterschiedlich, wie die Menschen waren, die ihre Steine brachten, so unterschiedlich waren die Worte, die sie wählten. Einige schritten den langen Weg würdevoll und sprachen laut und voller Stolz, andere hingegen gingen gramgebeugt und flüsterten ihre letzten Worte, während sie ihren Stein einfügten. Es war eine beeindruckende Prozession von Menschen in weißen Gewändern, die alle in ihrer Trauer vereint waren.
Auch Winky war unter den Trauernden, die für Dobby einen großen Stein setzte, ebenso Kobolde und Zentauren.
Bald wurde klar, dass das Denkmal eine Pyramide werden sollte. Und immer noch sagten Hexen und Zauberer ihren Lebensgefährten, Kindern oder Freunden einen letzten Gruß, oder konnten bei Verschollenen, die sie nicht wirklich zu Grabe hatten tragen können, heute endlich weinen und ihren Frieden finden.
Für Fred Weasley ging, als eine der letzten, seine Mutter, die vor drückender Trauer kaum in der Lage war, allein aufzustehen. Doch die helfende Hand von ihrem Mann stieß sie brüsk zurück. Diesen Gang wollte sie ganz allein tun, jetzt hatte sie die Möglichkeit, ein letztes Mal von Fred Abschied zu nehmen.
Am Ende war es der Sockel einer Pyramide aus weißen Steinen, dem aber noch die Spitze fehlte und als Kingsley Shacklebolt wieder an das Rednerpult trat, leuchtete der Sockel hinter ihm grell auf und die Steine verschmolzen zu einem Ganzen.
„Ich danke Ihnen Allen.“
Ruhe kehrte wieder ein, nur unterbrochen von vereinzelten Schluchzern oder Nase schneuzen.
„Ich hatte sie heute Abend gebeten, nur in weißen Roben an der Gala teilzunehmen und ich denke, jetzt ist deutlich geworden, warum. Alle sind wir in unserer Trauer und vor dem Tod gleich. Es gibt kein Besser oder Schlechter, keinen Squib, Muggel oder Zauberer, keine Hauselfe, Kobold oder Zentauren mehr. Heute verneigen wir uns gemeinsam vor den Toten. Ich bitte Sie, sich für eine Schweigeminute zu erheben.“
Es war ein eindrucksvolles Bild, als man den größten Teil der magischen Welt in England aufstehen und sich verneigen sah.
Dann bat Minister Shacklebolt sich wieder zu setzen und fuhr in seiner Rede fort: „Doch wir haben nicht nur Tote zu beklagen, wir haben auch Lebende zu feiern. Lebende, die unsere Freiheit mit ihrem Mut, mit ihrer Kraft und ihrer Magie verteidigt haben. Ich meine Diejenigen, die bewusst den Todessern entgegen getreten sind, die nicht gewichen sind, auch wenn ein Sieg aussichtslos schien. Wir wollen hier diejenigen ehren, deren Verdienste für die Zaubererwelt in diesem Krieg herausragend waren.“
Eine große Rolle Pergament erschien vor ihm in der Luft, goldener Staub rieselte herab, dann entrollte sie sich und er begann die Namen der Kämpfer von Hogwarts zu verlesen.
Ron neigte sich zu Hermine und flüsterte ihr erregt zu: „Er hat unsere und Harrys Namen vergessen!“
„Pscht!“ zischte sie zurück.
„Alle diese magischen Wesen haben Außerordentliches geleistet. Für sie hat das Ministerium den Großorden für die Freiheit geschaffen.“ Er machte eine kurze Bewegung mit seinem Zauberstab und alle Hexen, Zauberer und Hauselfen in den ersten Reihen des Saales trugen plötzlich einen großen goldenen Orden über dem Herzen, der einen Zauberstab in einem Lorbeerkranz mit der Losung Freiheit! zeigte.
„Ich möchte die Ordensträger bitten sich zu erheben und sich dem Publikum zu zeigen. Das ist Ihr Applaus!“
Das Publikum stand ebenfalls auf und tosender Beifall brandete auf, durchsetzt mit gellenden Beifallspfiffen, Bravo- und Hurrarufen. Die Zeit dehnte sich ins Unermessliche und die Trauer war aus fast allen Gesichtern vertrieben, als Minister Shacklebolt allen Anwesenden dankte. Stühle scharrten und hie und da waren Gesprächsfetzen oder Gelächter zu hören, als Alle sich wieder setzten.
„Und auch für Sie alle, sollen Denkmalssteine gesetzt werden.“
Er schwenkte seinen Zauberstab und aus dem Nichts über dem Pyramidensockel senkten sich beschriftete silberne Steine herab, die die Pyramide nach oben vergrößerten, aber nicht vollendeten und sich ebenfalls unter einem gleißenden Leuchten verbanden.
„Darüber hinaus möchte ich an dieser Stelle an wirklich herausragende Persönlichkeiten erinnern, die unter den Verteidigern der Freiheit mehr als das Besondere geleistet haben. Ich ehre posthum mit dem Merlinorden Erster Klasse Albus Dumbledore und Severus Snape für ihren unermüdlichen, selbstlosen Einsatz gegen Riddle und seine mörderischen Schergen. Diese Halle wird in Zukunft umgestaltet, wie die große Halle in Hogwarts und den Namen Albus-Dumbledore-Halle bekommen.“
Unter lauten Beifall kamen zwei goldene Steine herab und bildeten zwei, der vier Ecken der letzten Pyramidenfläche unter der Spitze. Über dem Publikum schien sich die Decke der Halle zu heben und zeigte das Abbild des nächtlichen Londoner Himmels, dann erschienen über den Köpfen der Festgäste die typischen freischwebenden Kerzen, die den ganzen Saal in ein freundliches, warmes Licht tauchten.
„Außerdem verleihe ich den Merlinorden Erster Klasse an Hermine Granger und Ronald Weasley, weil sie Zeit Ihres Lebens in Hogwarts für das Gute und Gerechte gekämpft haben und schon als Kinder und Jugendliche mehr, als nur einmal mitgeholfen haben, Riddle aufzuhalten, bis er schließlich vernichtet werden konnte.“
Während dieser Worte schwenkte er abermals und die zwei fehlenden, goldenen Ecksteine gesellten sich zu den anderen auf die Pyramide und Hermine und Ron legte sich das tief rote Band mit dem goldenen Merlinorden um den Hals.
Die Lautstärke des heran brandenden Beifalls raubte Hermine und Ron schier den Atem, lachend und weinend fielen sie sich in die Arme und von allen Seiten wurde ihnen auf die Schultern geklopft.
„Wir haben den Merlinorden, wie Dumbledore! Wahnsinn!“ Rons Stimme kippte fast über und Hermine hätte ihn fast nicht verstanden.
Von den begeisterten Weasleys und ihren Freunden wurden die beiden vor lauter Freude umarmt, geküsst und hoch gehoben, bis der Beifall langsam nachließ.
Von Ferne drangen Glockengeläut und die schweren Klänge von Big Ben an ihre Ohren, dann das Explodieren von Feuerwerkskörpern. Zerberstende Raketen und ein wunderschönes Feuerwerk erschienen an der verzauberten Decke.
„Meine Damen und Herren, es ist jetzt Mitternacht in dieser Nacht des Gedenkens und Feierns und, wie Sie hören und jetzt auch sehen können, feiern die Muggel mit uns das Ende des langjährigen Terrorkrieges, wie sie es empfunden haben. Ich habe in diesem Zusammenhang mit dem Premierminister der Muggel für die Zukunft eine deutlich engere Zusammenarbeit verÂabredet. So endet nicht nur für uns, sondern für ganz Britannien die Zeit der Staatstrauer und für beide Welten ist der heutige Tag zum Feiertag erklärt worden.“
Beifall unterbrach zum wiederholten Male seine Rede.
„An dieser Stelle möchte ich den Premierminister Großbritanniens begrüßen, der den heutigen Abend mit uns gefeiert hat.“
In der vordersten Reihe stand ein älterer Mann in einem weißen Umhang auf, betrat das Podium und stellte sich neben den Minister an das Rednerpult. Verdutzter Beifall begleitete seinen Weg.
„Ich danke Ihnen für diesen freundlichen Empfang.
Ich möchte an dieser Stelle die Rede von Minister Shacklebolt übernehmen und eine letzte Ehrung für heute Nacht vornehmen. Es wurde mir von Ihnen gestattet diese Ehrung vorzunehmen, weil die Leistungen des zu Ehrenden weit über Ihre Welt hinaus und in unsere Welt hineinragen. Für das, was er geleistet hat, hätte er jeden Orden der Welt verdient und doch wäre ihm keiner gerecht geworden. Deswegen verneigen wir uns in Demut“, Shacklebolt und der Premierminister knieten auf ein Knie nieder und senkten das Haupt, „vor Harry Potter, der heute Abend leider nicht hier sein kann, und ernennen ihn übergreifend für meine Welt und Ihre zum Ehrenbürger.“
Der Beifall, der jetzt aufkam, war wahrlich ohrenbetäubend. Über der Pyramide erschien ein platingrauer Schlußstein mit dem Namen von Harry Potter und vollendete die Pyramide.
„Wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und möchten Sie jetzt einladen, mit uns zu feiern. Danke sehr!“
Ein nochmals kräftiger Applaus begleitete die beiden Minister von der Bühne, die daraufhin im Boden verschwand.
Etwas kitzelte Ginny plötzlich an der Nase und sie wedelte ungehalten vor ihrem Gesicht hin und her, bis sie eine kleine braune Feder zu packen bekam, die ihr aus dem Haar baumelte. Es muss eine von Constanzes Federn sein, vermutete sie und hielt sie wegen des dämmrigen Lichtes dichter vor die Augen. Da durchzuckte es sie wie ein Blitz, der Raum um sie herum versank in tiefer Schwärze und nur von Mondlicht beleuchtet stand ein Bett vor ihr. Sie hielt sich die Hand vor den Mund, um nicht zu schreien, denn im Bett lag Harry mit einem dicken, blutigen Verband um den Kopf.
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