
von Kreacher Potter
Mit großen Schritten eilte Mr. Weasley mit gesenktem Haupt und einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen durch den Vorraum des Ministers zum Ausgang. Hier waren gerade alle Mitarbeiter damit beschäftigt, Namenszettel an große Steine zu heften und diese vorsortiert auf mehrere Lastkarren zu verteilen. Auch jetzt war der Weg durch den Mittelgang wieder eindeutig der gefährlichste, aber Arthur war so in Gedanken versunken, dass er das Risiko gar nicht erkannte, mit großen Schritten durch den Saal eilte und, zum allgemeinen Erstaunen, unverletzt auf der anderen Seite ankam.
Er nahm den Fahrstuhl in seine zwei Etagen tiefer gelegene Abteilung. An einem ringförmigen Gang, von vielen Kerzen erleuchtet, waren hier zu beiden Seiten die Büros und Verhörräume angeordnet, letztere mit direkten Kaminverbindungen zum Zellentrakt. Er grüßte freundlich nach allen Seiten und eilte den Gang entlang zur rückwärtigen Seite, an der sein großes Büro gelegen war.
„Chef, einen Moment, bitte!“ Marcia Dillingsworth, die aus dem Sekretärinnenbüro den Fahrstühlen gegenüber trat, musste fast rennen, um mit ihm Schritt zu halten. Mr. Weasley hielt inne und sah sie fragend an. „Guten Morgen, Marcia.“
Sie lächelte verschämt, als sie ihn, leicht außer Atem erreichte. „Ich hoffe, Ihr Gespräch mit dem Minister heute Morgen war nicht zu ärgerlich?“ fragte sie diplomatisch.
„Nein, nein, es ist Alles in Ordnung.“ Arthur drehte sich um, ging in Richtung seines Büros und sprach dabei weiter, „obwohl ich dem Minister lieber bessere Nachrichten überbracht hätte.“ Marcia hastete mit kurzen Trippelschritten hinter ihm her und hoffte, dass Mr. Weasley ihren neuen, nach der letzten Mode extrem engen und figurbetonten, roten Umhang bemerken würde.
Das tat dieser auch, er blieb unvermittelt stehen, drehte sich zu ihr um und wurde fast von Marcia zu Boden geschleudert, die nur mit Hilfe eines an der Wand montierten Kerzenleuchters so eben noch zum Stehen kommen konnte. Er blickte aufmerksam an ihr herunter und schüttelte den Kopf: „Das kann nicht bequem sein! Wie können Sie so arbeiten?“
Sie rückte kurz mit der rechten Hand ihre Frisur zurecht. „Ich dachte, das wäre mal etwas anderes, als diese langweiligen braunen Dienstumhänge.“
„Äh, ja,“ Mr. Weasley war leicht verwirrt und fragte sich, ob Molly so etwas, wie diesen Umhang gemeint haben konnte, als sie beiläufig erwähnte, dass es Mitarbeiterinnen von Arthur gäbe, die gerne mehr für ihn täten, als nur seine Post zu bearbeiten.
Mit strengerem Ton als gewöhnlich fuhr er deshalb fort. „Ich brauche als nächstes nacheinander in meinem Büro: Jeremiah Pickering, wegen Harry Potter; Hupert Lloyd wegen des Bankraubes; John Calvin zum Bericht über die Übergriffe und hinterher erinnern Sie mich bitte rechtzeitig daran, dass ich um ein Uhr in der Winkelgasse sein muss.“
„Selbstverständlich!“ sie notierte sich die Aufträge. „Vorher wartet aber noch Mr. Percy Weasley in Ihrem Büro und Mr. Fletcher besteht darauf, direkt von Ihnen vernommen zu werden.“
„Beim Merlin, das auch noch!“ Mr. Weasley dreht sich um und nahm den unterbrochenen Weg in sein Büro wieder auf. „Wenn es sein muss, dann eben so.“ Er ließ eine etwas unglücklich blickende Marcia Dillingsworth zurück, die gedankenverloren über ihren Umhang strich und sich auf den Weg in ihr Büro machte.
Arthur riss die Tür von seinem Büro auf, in dem sein Sohn schon steif auf einem Stuhl vor seinem Schreibtisch saß und das dort befindliche Chaos missbilligend beäugte. „Guten Morgen, Percy!“ sagte er erfreut über den Anblick seines Sohnes.
„Guten Morgen, Vater!“ Percy erhob sich und nahm seinen Vater etwas förmlich kurz in den Arm.
„Setze Dich doch!“ Arthur Weasley umkurvte seinen Schreibtisch, ließ sich in seinen Sessel fallen und stellte fest, dass der auseinander genommene Boxermotor ihm die komplette Sicht versperrte. Mit einem Wink des Zauberstabes schwebte der Gerümpelstapel in eine Ecke seines Büros und ein weiterer reinigte die Oberfläche des Schreibtisches von fast allen Benzin- und Ölflecken.
„Alte Hobbys!“ sagte er entschuldigend.
„Was macht Deine InformationsBild-TransportVorrichtung? Schafft Ihr das bis heute Abend?“
Percy, der jetzt in Arthurs ehemaliger Abteilung gegen den Missbrauch von Muggelartefakten arbeitete, die mittlerweile, nach der Aufspaltung, auch zur stolzen Abteilung zur Sichtung von Muggelideen (stASi) aufgewertet worden war, nickte stolz.
„Ja, wir haben viel erreicht. An alle uns bekannten Zaubererhaushalte sind die Bilder bereits mit Eulenpost verschickt worden, die, je nach Wunsch, unterschiedliche Motive zeigen. Ein weißes Gegenstück haben wir hier im Ministerium in der Halle bereits aufgebaut, einen ausgedienten alten Photoapparat ausgeschlachtet und davor gestellt, so dass das Bild seiner Linsen direkt auf unsere Leinwand fällt. Mit Hilfe einer modifizierten Version von Hermines Münzzauber werden wir mit Beginn der Veranstaltung das Bild mit Ton an jede IB-Adresse übertragen, die wir gespeichert haben. Die Muggel machen das auch so ähnlich.“
„Wirklich beeindruckend, Percy! Und die Muggel übertragen unsere Gala auch?“
„Nein, natürlich nicht!“ entfuhr es Percy etwas entsetzt, „damit meine ich, dass sie das Ganze mit Technik machen, oder wie das heißt.“ Er machte eine Pause.
„Wo war ich? Ach, ja: Es war natürlich schwierig, dem Minister das dafür nötige Gold abzuschwatzen, aber da war Dein Argument, Vater, sehr wichtig, dass wir damit die Einigkeit und Zufriedenheit durch bessere Informationen in der Zaubererwelt wieder herstellen können.“
„Wirklich sehr beeindruckend, Percy!“ sagte Mr. Weasley noch einmal, dem im Moment nicht ganz klar war, auf was Percy hinaus wollte.
Percy wurde etwas verlegen. „Leider konnte ich von dem Minister nicht die ganze Summe bekommen.“ Eine unangenehme Pause machte sich breit.
„Ja?“
„Also habe ich eigenmächtig mit Sponsoren verhandelt.“ Jetzt war es heraus und Percy hielt, über sich selbst erschrocken, den Atem an.
„Du hast was getan?“
„Ich habe eigenmächtig mit Sponsoren für das Projekt gesprochen.“
„Was, beim Merlin, sind Sponsoren?“
„Geldgeber, Vater.“ Percy spürte, wie er im Moment wieder auf vertrauteres Terrain zurück fand. „Wenn man Etwas nicht selbst finanzieren kann, weil die Kassen vom Krieg gegen Voldemort leer sind, kann man sich jemanden suchen, der das Projekt unterstützt.“
„Und was heißt das in diesem Falle genau?“
„Nun ja, der Tagesprophet hat Interesse daran, über IB-TV, wie wir kurz sagen, gegen Entgelt regelmäßig Schlagzeilen und Werbung zu übertragen. Zum Beispiel abends um acht Uhr, wenn die meisten Hexen und Zauberer ohnehin zu Hause sind und zum Abendbrot gerne die aktuellsten Nachrichten hätten.“ Percy lächelte seinen sprachlosen Vater beifallheischend an. „Man hat vor, dafür mit dem Ministerium eine gemeinsame Firma zu gründen: Die Magische Bildübertragungs Compagnie.“ Er senkte den Kopf. „Würdest Du bitte mit dem Minister darüber reden? Ich fürchte, auf mich ist er derzeit nicht gut zu sprechen, aber wir brauchen das Gold.“
Es blieb eine Weile still, während Mr. Weasley das Gehörte verdaute. Er war wirklich nicht erbaut davon, dass sein Sohn so eigenmächtig gehandelt hatte, wollte aber zum Einen seinen eben wieder gewonnenen Sohn nicht wieder verschrecken und zum Anderen, hörte sich das Projekt wirklich viel versprechend an.
„Ich werde es tun.“ sagte er einem strahlend lächelnden, erleichterten Percy, „aber erst nächste Woche. Das muss reichen. Mit der großen Ehrengala heute Abend, haben wir alle genug um die Ohren.“
Percy sprang auf und schüttelte die Hände seines Vaters glücklich. „Danke, Vater, danke!“ Dann rannte er vor Erleichterung förmlich aus dem Büro. „Bis heute Mittag, Vater!“
„Ja, bis heute Mittag. Und grüße Penelope von uns.“ Doch die letzten Worte hatte Arthur schon wieder gegen eine verschlossene Tür gesprochen.
Er lehnte sich hinter seinem Schreibtisch zurück und musste zu seinem Leidwesen feststellen, dass er Percys Anliegen nicht vollständig verstanden hatte und er sich damit, wohl oder übel, noch einmal würde beschäftigen müssen.
Es klopfte an der Tür und ohne ein „Herein!“ abzuwarten, öffnete Marcia mit einer großen Tasse Tee und einem Schälchen mit Keksen in der Hand die Tür und schloss sie hinter sich mit einem gekonnten Hüftschwung.
„Selbst gebacken!“ bemerkte sie, als sie die Schale vor ihm auf den Schreibtisch stellte. Mit einem missbilligenden Blick auf den Schrotthaufen in der Ecke und den entsprechenden Flecken auf der ansonsten hochglänzenden Holzoberfläche murmelte sie mit ihrem Zauberstab in der Hand ein paar unverständliche Worte und die Flecken verschwanden.
Arthur war ehrlich beeindruckt. „Wie haben Sie denn das gemacht?“
Sie lächelte gespielt schüchtern. „Och, das war doch gar Nichts. Nur ein neuer Spruch, der letztens in der neuen Hexenwoche stand.“
Sachlicher fuhr sie fort, ein paar Notizen konsultierend: „Mr. Pickering lässt sich entschuldigen, durch die Gala heute Abend, sind einige seiner Mitarbeiter zum Sicherheitskommando abgeordert worden und er muss heute den ganzen Tag selbst vor der Karte verbringen. Er hat aber leider auch noch keine neuen Erkenntnisse.
Draußen wartet aber jetzt Master Calvin.“
„Oha, so schnell! Das wird unangenehm, wissen Sie?“ Mr. Weasley atmete zweimal tief durch, während Marcia ihm einen mitfühlenden Blick zukommen ließ.
„Gut, dann herein mit ihm.“ Mr. Weasley griff sich die oberste der schwarzen Aktenmappen, schlug sie auf und begann zu lesen.
„Natürlich, Chef.“ Marcia Dillingsworth entschwand lautlos nach draußen, ohne dass sie ihre Enttäuschung über die mangelnde Beachtung ihrer neuen Garderobe vollständig verbergen konnte.
„Sie können jetzt rein, John.“ herrschte sie den kleinen, untersetzten Mann an, der ohnehin schon den Eindruck machte, ständig den Kopf einzuziehen.
Mr. Weasley ignorierte das Eintreten von John Calvin vorsätzlich und las ungerührt in der Akte. John Calvin blieb eingeschüchtert neben der Tür stehen und wusste offensichtlich nicht, was er jetzt tun sollte. Die zufallende Tür ließ Arthur Weasley aufblicken und seine Miene verdüsterte sich.
„Setzen Sie sich John!“ Er deutete mit der Akte auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. „Ich habe gestern Abend diese Akte auf Ihrem Schreibtisch gefunden. Unter einem großen Stapel von Altpergament.“
„Ja?“
„Es ist eine Sammlung von Berichten und Beschwerden, die an das Ministerium gesandt worden sind, weil es immer häufiger in Selbstjustiz gewalttätige Übergriffe auf Zauberer und sogar Muggel gibt, die für Schwarzmagier oder Anhänger Voldemorts gehalten werden. Warum wurde ich, als Sicherheitschef darüber nicht informiert?“
„Äh, das sind doch nur Kleinigkeiten, das wollte ich nächste Woche erledigen, da wollte ich Sie gar nicht behelligen.“ sagte John Calvin verschämt.
„Kleinigkeiten?“ donnerte Arthur. „In diesem Sammelordner befinden sich siebenundvierzig Anzeigen aus den vergangenen vier Wochen nur aus Ihrem Bezirk Sommerset. Sie haben das bewusst verschlampt, Sie haben dort eine gefährliche Situation eskalieren lassen, die Bürger dort müssen den Eindruck haben, dass es die ZeMaS gar nicht mehr gibt. Sie werden noch heute Nachmittag dort hin apparieren und nicht zurückkommen, bevor nicht jeder einzelne Fall aufgeklärt ist!“
„Aber dann verpasse ich ja die Gala heute Abend!“ versuchte Mr. Calvin aufzubegehren.
„Das ist mir, ehrlich gesagt, vollkommen egal, nachdem Sie das Ministerium und mich durch Ihre Faulheit in eine solche Lage gebracht haben. Was haben Sie sich nur dabei gedacht?“
„Ich hielt das nicht für so wichtig und dann musste ja auch die Statistik fertig gemacht werden und ich hatte aus den vergangenen zwei Jahren noch ganz viel Urlaub zu bekommen.“ Er druckste herum. „Und da wollte ich Morgen eigentlich mit meiner Frau in die Ferien verreisen. Deswegen kann ich die Fahrt nach Sommerset jetzt gar nicht machen.“
„Ihr Urlaub ist gestrichen und Sie können sich freuen, wenn Sie noch einen Job haben, wenn Sie wieder im Ministerium ankommen.“
„Ja, Sir.“
„Sie können gehen.“
John Calvin verließ den Raum mit noch tiefer eingezogenem Kopf.
`Hoffentlich habe ich dieser Niete jetzt einen ausreichen starken Rüffel verpasst, sonst muss ich ihn tatsächlich noch entlassen. Keine Ahnung, ob ich das übers Herz bringe.´ dachte Mr. Weasley, machte einen Vermerk und ließ die Akte aus dem Zimmer in den Postausgang schweben.
Ein großer Schluck von seinem Tee, der nun eine ausreichend kühle Trinktemperatur aufwies, beruhigte seine Nerven.
Arthur hatte keine Zeit wieder seine Gedanken zu sammeln, als Marcia schon Hupert Lloyd, den Spezialisten für das Bankwesen in der Abteilung für Wirtschaftskriminalität, ankündigte. Hupert war ein groß gewachsener Magier mit sehr aristokratischem Aussehen, der bei Arthur immer einen gewissen Minderwertigkeitskomplex verursachte. Elegant durchmaß er den Raum und setzte sich mit einem gewinnenden Lächeln Mr. Weasley gegenüber.
„Guten Morgen, Arthur.“ sagte er und angelte in der kleinen Aktenmappe nach seinen Notizen.
„Guten Morgen!“ hauchte Marcia Dillingsworth von der Tür her und schloss sie eiligst hinter sich, als sie Mr. Weasleys mahnenden Blick auf sich spürte.
„Guten Morgen, Hupert.“ antwortete er geschäftsmäßig. „Was gibt es Neues im Zusammenhang mit den Banküberfällen?“
„Im Prinzip nur ein paar Kleinigkeiten, Arthur. Ja, ja, die lieben Kleinigkeiten, wie viele haben die schon zu Fall gebracht!“ er gluckste in sich hinein. „Also, der Bankraub von Puddenham hat uns zum Ersten mal ein bisschen weiter gebracht. Auch hier, wie bei allen Einbrüchen vorher, gab es keine Einbruchsspuren, so dass man wieder vermuten muss, dass der oder die Täter Insiderkenntnisse der Banken hatten. Davon geht auch die Muggelpolizei aus, mit der wir über den Polizeichef dort in engem Kontakt stehen. Das ist ein Mr. Francesco Jailer, ein gebürtiger Spanier, der aber schon seit kurz nach der Geburt in England lebt.
Oder aber, dass der oder die Täter Zauberer sind, die direkt in den Tresorraum apparieren, aber das konnte ich dem Mann ja kaum sagen, was?“ Hupert Lloyd lachte kurz auf. Er hielt seine Notizen etwas weiter von sich entfernt, direkt unter Mr. Weasleys Schreibtischleuchter. „Schlechte Beleuchtung hast Du hier, Arthur.
Also weiter: Neu war aber jetzt in Puddenham, dass wir genau feststellen konnten, dass nur die Tresorfächer eines Mieters geplündert worden waren.“
„Ach?“ Arthur war erstaunt.
„Ja, aber es kommt noch besser! Wir haben uns mit Vergissmichs auf den Weg gemacht und alle anderen Banken untersucht, bei denen eingebrochen worden war. Bei allen Banken das gleiche Ergebnis: Es gab immer nur einen Mieter und es war bei allen Banken der gleiche!“
„Wer?“ fragte Mr. Weasley.
„Du wirst es nicht glauben: Gringotts!“
„Das glaube ich nicht!“
„Sage ich ja! Ganz offensichtlich hat Gringotts einen Teil seiner Galleonen ausgelagert, möglicherweise um sie den Zugriffen Voldemorts im letzten Krieg zu entziehen, oder aber um ihre Gewinne vor der Steuer zu verschleiern. Ich werde da mal die Kollegen der Finanzverwaltung drauf ansetzen.“
Arthur dachte an sein Gespräch mit Percy und der aktuellen Finanznot und nickte zustimmend.
„Das heißt,“ sagte er, den Faden aufnehmend, „der Täter...“
„Oder: Die!“
„... oder die Täter wussten ganz genau, was sie tun und wo sie es tun müssen. Das heißt weiter, dass der Täter...“
„Oder: Die!“
„... oder die Täter wahrscheinlich in den Reihen von Gringotts zu finden sind.“
„Genau, meine Meinung. Deshalb bin ich gestern Nachmittag dort gewesen und habe mit den Kobolden vom Vorstand gesprochen, habe ihnen meine Erkenntnisse und Theorien dargelegt und...“
„Und?“
„Und Nichts. Sie haben es sich erstaunlich ruhig angehört und dann gesagt, dass es dann ja wohl ein Problem der Kobolde wäre und die Zauberer damit nichts zu schaffen hätten.“
„Sie haben Dich raus geschmissen!“ sagte Arthur seufzend. „Das war zu erwarten.“
„Ja, war es. Aber ich musste es wenigstens versuchen.“ Mr. Lloyd ordnete kurz seine Notizen, steckte sie in seine Mappe und stand auf.
„Aber wir bleiben am Ball, Arthur!“ wandte sich um und ging ohne einen Gruß aus dem Zimmer.
„Das finde ich gut!“ antwortete Mr. Weasley dem jetzt leeren Stuhl noch mechanisch, bis er gewahr wurde, dass er wieder allein war.
`Was für ein Vormittag!´ dachte er und fing an sich ein paar Notizen über die bisherigen Gespräche zu machen, wobei das lästigste gleich kommen würde.
Kurze Zeit später klopften zwei Sicherheitsmagier an die Tür und meldeten, dass der Gefangene in das Verhörzimmer nebenan gebracht worden sei. Dort ließen sie Mundungus Fletcher, von einer Ganzkörperklammer gefangen, stocksteif und fluchtsicher schweben.
„Danke sehr! Ich übernehme ab hier und werde mich nachher wieder bei Ihnen melden, meine Herren.“ Damit komplementierte Arthur die beiden Beamten wieder hinaus, betrat den Nachbarraum durch eine verborgene Tapetentür und löste die Klammer, worauf hin Mundungus Fletcher wie ein nasser Sack zu Boden fiel.
„Mache Dich nicht lächerlich, Dung. Setze Dich dort auf den Stuhl.“
„Sieh da, da findet sich doch auch für mich ein Plätzchen.“ sagte Mundungus erfreut.
„Rede keinen Unsinn. Aber Du bringst mich auf eine Idee!“
Arthur Weasley nahm sich einen Notizblock und schrieb ein Memo für die Personalabteilung, dass John Calvin in Zukunft am Besten in der Ablage-Abteilung aufgehoben sei, aber im Vollzugsdienst nicht einsetzbar wäre. Das Memo machte sich unverzüglich auf den Weg und flatterte durch den Postausgangsschacht aus dem Zimmer.
„Nun zu Dir, Mundungus.“
„Was soll ich denn jetzt schon wieder angestellt haben?“ jammerte der. „Ständig werden mir irgendwelche Verbrechen in die Schuhe geschoben ...“
„Die Du auch alle begangen hast!“ vollendete Mr. Weasley den Satz. „Du wurdest gestern Nachmittag festgenommen, als Du versucht hast, den Rest einer Charge von 10.000 schwarzen Schals zu verkaufen.“
„Das ist doch kein Verbrechen!“ ereiferte sich Mundungus. „Jeder Mensch kann doch zu jeder Zeit Schals verkaufen. Das hier ist Freiheitsberaubung!“
Arthur schaute seufzend zur Decke, er hatte eigentlich auch gar nicht erwartet, dass Fletcher seine Missetaten gestehen würde. Er schaute auf die Wanduhr und sah die Zeiger unerbittlich weiter kriechen.
„Zum Einen sind die Schals von Muggeln produziert und im Ministerium gibt es keine Handelsgenehmigung für Dich...“
„Das muss in den Wirren des Krieges verloren gegangen sein, Arthur. Du weißt doch, wie das hier noch vor vier Wochen ausgesehen hat.“
„Zum Zweiten“, fuhr Arthur Weasley unbeirrt fort, „hast Du die Schals noch nicht bezahlt.“
Wieder wurde er unterbrochen: „Das war auch so mit den Muggeln verabredet, dass ich erst bezahle, wenn ich die Dinger verkauft habe.“
„Womit ich zu Punkt drei komme: Es konnte nachgewiesen werden, dass Du zum Verkauf Magie eingesetzt hast. Du hast gegen Muggel Magie eingesetzt, um sie zu schädigen. Damit hast Du gegen das Geheimhaltungsabkommen der Zaubererwelt verstoßen!“
„Ich musste Magie einsetzen, wie hätte ich sonst im Hochsommer Schals verkaufen sollen?“
„Außerdem hast Du sie mit dem Bild von Harry Potter und dem Schriftzug „Britains Best“ versehen, ohne dass Du dafür eine Erlaubnis von Harry hast.“
„Wie hätte ich die auch haben können, der Junge ist doch verschwunden, was ich durchaus verstehen kann, wenn ich erleben muss, wie ich hier behandelt werde.“
„Die Bilder haben wir natürlich gestern Abend schon von allen Schals gelöscht, aber Mundungus, Du hast schon häufig genug Mist gemacht und jetzt bist Du zu weit gegangen. Unter der neuen Regierung wird wieder Recht und Gesetz herrschen, dafür sorge ich.“
„Ich habe überhaupt nicht gegen das Gesetz verstoßen, die alten Gesetzbücher sind doch beim großen Brand nach der Machtübernahme alle verbrannt. Also kann ich auch nicht dagegen verstoßen haben.“
„Dein Pech, dass wir alle Gesetzbücher aus Kopien wieder herstellen konnten. Du wirst vor den Zauberergamot kommen und dort wirst Du Dich dieses Mal nicht wieder heraus winden können.“
„Wieso denn Verbrechen, ich habe doch nur versucht dem Ministerium zu helfen. Indem ich Harrys Bild überall verbreite, muss er doch schneller gefunden werden.“ Er setzte ein schmieriges Grinsen auf, das Arthur beim besten Willen nicht ertragen konnte und sich abwandte.
Ohne auf den Einwand einzugehen, fuhr Arthur fort: „Deine Galleonen haben wir zur Begleichung Deiner Schulden eingezogen und die restlichen Schals sicher gestellt. Möchtest Du noch irgendetwas zu Deiner Verteidigung sagen?“
„Oh ja! Ist Dir eigentlich aufgefallen, Arthur, dass ich das gleiche Bild verwendet habe, wie Du?“
Einen Augenblick herrschte Schweigen im Raum bis Mr. Weasley eisig erwiderte: „Das Einzige, was ich noch für Sie tun kann, Mr. Fletcher, ist Sie bis zur Hauptverhandlung auf freien Fuß zu setzen. Danach sollten Sie sich nie wieder auf mich berufen.“
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