
von Kreacher Potter
Im Haus zurück, konnte er noch einen Hauch von Rosies Parfüm, einem etwas schweren und süßen Duft in der Luft wahrnehmen. Es war ein überraschend schöner Vormittag gewesen.
Ohne hinzusehen, drückte er die Tür zu und lehnte sich dagegen. Er sog weiter den Duft ihres Parfums ein und merkte, wie sehr es ihn reizte. Es betörte seine Sinne mehr, als er bisher wahrgenommen hatte. Oder hatte Rosie ihn so gefangen genommen, dass er ihren Geruch gar nicht bemerkt hatte?
Der Vormittag war für ihn einigermaßen anstrengend gewesen, das gestand er sich klar ein. Er hatte sich die ganze Zeit besonders konzentrieren müssen, Alles so unverfänglich, wie möglich, zu erzählen, aber auch das Erzählte war für einen normalen Menschen schon dramatisch genug, wie ihm jetzt klar wurde.
Er stieß sich von der Tür ab und ein leichtes Schwindelgefühl ließ ihn merken, wie müde ihn das heiße Wetter, das Schwimmen und letztlich das lange Gespräch, das er trotzdem so sehr genossen hatte, gemacht hatte. Er begann zwar offensichtlich sich zu erholen, aber er würde noch eine ganze Weile brauchen, um seine alte Form zurück zu erlangen. Mit etwas weichen Knien ließ er sich in den Schaukelstuhl fallen, der ihn mit einem sanften Knarren auffing.
Hier, vor dem Fenster, war der Geruch von Rosies Parfum wieder etwas stärker und er erkannte deutlich, wie angenehm ihm ihre Gegenwart war. Selbst die eigentlich peinliche Situation, als er nackt im See gewesen war, hatte sie in ruhiger Gelassenheit akzeptiert, als ob ihr so etwas täglich passieren würde. Sie war natürlich neugierig geworden, als sie seine Narben gesehen hatte, das war ja ganz normal, aber er hatte nicht das Gefühl ausgefragt worden zu sein. Sie war eher wie eine Freundin für ihn gewesen.
Er gähnte herzhaft. Das leise Schaukeln machte ihn schläfrig. In ihrer Art erinnerte ihn Rosie etwas an Hermine, sie war wissbegierig, aber auch wieder sehr taktvoll, wenn sie merkte, dass sie ihm zu nahe trat. Im Einschlafen hatte er noch ihr Bild vor Augen, mit ihren braunen, leicht gelockten Haaren und den rehbraunen Augen. Jetzt merkte er, dass er sie gerne länger im Arm gehalten hätte.
„Rosie ...“ murmelte er und schlief endgültig ein.
Der Traum wurde immer dunkler und dunkler, bis das gleißende Sommerlicht endgültig einem fahlen Mondschein gewichen war. In schnellen Sprüngen durchlebte er mit Rosie, Ron und Hermine noch einmal sein letztes Jahr, das im direkten Duell gegen Riddle geendet hatte.
Die Erinnerung an Rosie gab ihm Kraft, die Entscheidung zu treffen mit Ron und Hermine nach den Horkruxen zu suchen. Rosie war in den langen Stunden bei ihm, wenn er den Horkrux an der Kette um den Hals trug und Düsternis und Schwermut ihm das Leben schwer machten. Ihre Vitalität gab ihm die Kraft weiter zu machen, als Ron sie verließ und als sein Zauberstab zerbrach. Und letztendlich war es die Erinnerung an Rosie und seine Eltern, die ihm die Kraft gab, sein Leben am Ende aufzugeben und trotzdem zu überleben.
Dieser Traum war ein Strudel von düsteren Eindrücken und gewalttätigen Bildern und immer wieder sah er das schöne Gesicht von Rosie über Allem. Doch dann begann sich Alles zu verändern. Die Nacht war vorbei und der Morgen dämmerte. Rosies Gesicht wurde auf unerklärliche Weise jünger und jünger, bis sie zu einem sechzehn-Jährigen Mädchen wurde, mit blasserer Haut, großen Augen und feuerroten Haaren. Und dann wusste er plötzlich wieder, welches Bild ihm in dieser schweren Zeit wirklich Halt gegeben hatte.
„Ginny!“ rief er noch im Schlaf und erwachte schweißgebadet. Er brauchte ein paar Minuten um wieder in die Realität zurück zu finden.
Draußen war es jetzt nicht mehr ganz so strahlend schön, eine dünne schleierartige Wolkenschicht hatte sich über den Himmel ausgebreitet und die leichte Brise, die die Blätter der Bäume zum Tanzen brachte, hatte sich gelegt. Im Haus wurde es merklich stickiger und Harry verspürte den dringenden Wunsch nach draußen zu gehen. Über die schöne Erinnerung des Vormittags hatte sich das graue Gewand des Verlustes von Ginny gelegt.
Er griff sich das nächstbeste T-Shirt und ein Paar Schuhe, trat auf die Veranda und atmete tief durch. Doch auch hier spürte er die Schwüle eines nahenden Sommergewitters. Wo er auch hinsah, verfolgte ihn Ginnys Bild in den Augenwinkeln und ein leichter Anflug von Panik drohte ihn zu überwältigen. Sie schien hinter Bäumen und Hecken zu stehen, oder sich in Gräben, oder hinter dem Haus zu verstecken, doch wenn er genauer hinsah, konnte er sie natürlich nicht entdecken.
Kurz entschlossen stürmte er ins Haus zurück, verriegelte Türen und Fenster, steckte Geld und Schlüssel ein und machte sich in Richtung Dorf auf den Weg. Er brauchte dringend einen Tapetenwechsel und dafür gab es nichts Besseres als einen Spaziergang.
In seinen Gedanken breitete sich die Erinnerung an Hogwarts und die schöne, aber zu kurze Zeit mit Ginny aus. Doch das Hogwarts, das eine Heimat und Zuflucht für ihn gewesen war, hatte sich verändert. Seit dem Tag des Sieges über Voldemort war es für ihn nur noch dunkel und rußgeschwärzt. Das Hogwarts, das er wollte, mit einer ausgelassenen Jugend, mit vielen Freunden, mit Raum für Heiterkeit und Spaß, war für ihn doch immer nur der Kampf um Anerkennung und auch das nackte Überleben gewesen. Er hatte nie wirklich dazu gehört, sondern war immer nur eine berühmte Skurilität gewesen, die man für einen bestimmten Zweck benutzt hatte. Es war gut, dass er gegangen war, denn eigentlich hatte er dort nichts verloren, da er ohnehin nie ein Teil von Allem gewesen war.
Ginny!
Er hatte den kühleren Wald schon hinter sich gelassen und spürte wieder die schwüle Hitze auf der Haut. Doch in seinen Gedanken hatte plötzlich nur Ginny Platz und ihr Bild schaffte es, dass sich Hogwarts rauchschwarze Silhouette wieder in ein von der Sommersonne beschienenes Schloss verwandelte. Und mit jedem Schritt, den er tat, der ihn von dem Haus weg und ins Dorf führte, klärten sich seine Erinnerungen an seine Vergangenheit und er begann wieder, sich auch an die schönen Dinge zu erinnern. Trotz Allem war ihm klar, dass er diese Zeit und auch Ginny ganz bewusst aufgeben musste, um mit der Zaubererwelt endgültig zu brechen und die schönen Erinnerungen mischten sich mit der Trauer der Wehmut.
Beim Laden von Mrs. Figgs angekommen, holte er sich schnell und ohne sich auf ein Gespräch einzulassen, eine Zeitung und setzte seinen Weg durch das Dorf fort. Er konnte jetzt langsamer gehen und schlenderte fast gemächlich an dem immer noch abgesperrten Anwesen des Schmieds vorbei. Von den Polizeifahrzeugen war keines mehr da und der Hof schien seltsam unwirklich, wie er so verlassen da lag.
Dort nahm er dieses Mal die linke Abzweigung, von der er hoffte, dass sie ihn im großen Bogen aus dem Dorf hinaus und wieder von hinten an den See heranführen würde. Als jetzt hinter ihm der Linienbus nach Upper Idlington heran dröhnte, bemerkte er erst, wie ausgestorben und still das Dorf heute wirkte. Als ob nicht nur die Menschen und Tiere sich vor dem Gewitter versteckten, sondern sogar die Häuser sich vor dem drohenden Unheil ducken wollten.
Von Ferne ließ sich schon ein leichtes Donnergrollen erahnen und Harry ging unwillkürlich einen Schritt schneller. Hinter dem Haus des Schmieds kamen nicht mehr viele Häuser auf dem Weg bis zum Ortsausgang. Gleich nach der Kurve versteckte sich ein kleiner Kiosk mit Poststelle in einem großen und alten Bauernhaus, sonst fanden sich nur noch ein paar kleinere, modernere Wohnhäuser, die in ihrem Stil so gar nicht zu dem Rest des Dorfes passten.
Er schritt kräftig aus und ließ die letzten Häuser schnell hinter sich, als er plötzlich auf der linken Seite einen Feldweg fand, der in einiger Entfernung wieder in den Wald zu führen schien. Der Weg bestand ebenfalls nur aus fest gestampftem Lehm mit ausgefahrenen Fahrspuren, die auch hier nur von Pferdefuhrwerken zu stammen schienen.
Er bog in den Weg ein und fand sich umgeben von Kornfeldern auf der linken und hohen Maisfeldern auf der rechten Seite, in die jetzt mit einer heftigen Böe der Wind hinein fuhr und heftige Wellen verursachte.
Das vorher entfernte Donnergrollen kam näher, doch Harry beschloss das Wagnis einzugehen, trotzdem diesen Weg zu wählen. Auch wenn er ihn noch nicht kannte, war Harry der Meinung, dass er ihn von der groben Richtung her, wieder zurück bringen müsste. Dazu kam, dass er über die jetzt heftig wogenden Felder in einiger Entfernung schon deutlicher den Waldrand ausmachen konnte.
Er schritt zügig voran und betrachtete mit einiger Sorge den Himmel, der immer dunkler wurde, gleichzeitig sank die Temperatur und ließ ihn frösteln. Wie um ihn zu verunsichern, machte der Weg immer wieder kleinere und größere Kurven, so dass er sich dem Waldrand deutlich langsamer näherte, als er es erhofft hatte. Schließlich bog er um die letzte Kurve und erblickte das, auf dieser Seite des Sees, baumumsäumte Ufer und direkt vor ihm, kaum hundert Meter hinter dem Waldrand, eine große Lichtung.
Erste Tropfen begannen zu fallen und Harry sprintete den Weg entlang in den Wald mit seinen hoffentlich schützenden Bäumen. Aber erst, als er schon direkt vor der Lichtung stand, konnte er erkennen, dass auf deren Rückseite ein großes Herrenhaus stand. Es hatte zwei Stockwerke, sah sehr imposant aus und ein paar Stufen führten zu einem erhöht liegenden Eingang in der Mitte des Gebäudes. Flankiert wurde das Herrenhaus von einer großen Stallung auf der einen und einem Pförtnerhaus auf der anderen Seite der großen Rasenfläche. Mehrere hohe, leere Steinkübel, eine umgekippte Statue im Hintergrund und eine ungepflegte Rasenfläche hinterließen hingegen einen etwas verwahrlosten Eindruck.
Mit ohrenbetäubendem Krachen schlug ein Blitz in der Nähe ein, dem ein Sturzbach an Regen folgte. Trotz der Bäume war Harry in Sekunden durchweicht und stand trotzdem starr vor Staunen vor dieser kleinen Burganlage, die er in dieser Größe hier gar nicht erwartet hätte. In diesem Moment sah er Mr. Moresley ein schweres Motorrad hinter dem Herrenhaus hervor und auf die Stallungen zuschieben.
Sofort dachte er, dass es für den alten Mann doch eine Qual sein müsse, dieses schwere Motorrad zu bewegen und rief ihm zu: „Warten Sie Mr. Moresley, ich helfe Ihnen!“ Doch ein weiterer, naher Blitz, gefolgt von einem lauten, grollenden Krachen, verschluckte seine Worte und bevor Harry noch richtig reagieren konnte, hatte Mr. Moresley den Vorplatz schon überquert und war in den Stallungen verschwunden. Der Regen prasselte in Strömen. Harry lief noch ein paar Schritte auf die Stallungen zu, das Wasser rann in Bächen von ihm herab, doch Mr. Moresley tauchte nicht wieder auf. Wahrscheinlich hatte er ihn noch nicht einmal bemerkt.
Da erblickte Harry unverhofft auf der linken Seite des Vorplatzes, vor den Stallungen einen anderen Weg, von dem er annahm, dass er ihn zu seinem Häuschen auf der anderen Seeseite führen würde. Er löste sich von seiner Starre und entschloss sich, kurzer Hand, nach Hause, ins Trockene, zu laufen. Mr. Moresley wollte ja doch lieber keinen Besuch haben, bestimmt schon gar keinen, der so nass war.
Hier im Wald war der Boden von dem starken Regen noch nicht so aufgeweicht, wie zwischen den Äckern, aber auch hier begann er schon weicher und rutschiger zu werden.
Harry war überglücklich schon nach kurzer Zeit, hinter einer Wegbiegung, sein Häuschen zu sehen. Doch das letzte bisschen gute Laune verflüchtigte sich ziemlich plötzlich, als er den Polizeiwagen sah, der vor seiner Haustür parkte.
Ohne den Inspector, der allein darin saß, zu beachten, rannte er auf seine Tür zu, hastete die Treppen hinauf und schüttelte sich unter dem Dachvorstand das Wasser aus den Haaren.
Hinter sich hörte Harry eine Wagentür schlagen und er begann, ohne sich umzusehen, die Haustür aufzuschließen.
„Mr. Porter, haben Sie einen Moment Zeit für mich?“ Der Inspector hastete hinter ihm die Treppe hinauf.
Harry drehte sich um, deutete auf seinen triefnassen Körper und sagte: „Sehe ich so aus? Aber das ändert wahrscheinlich sowieso nichts.“
„Lassen Sie uns `reingehen.“ Inspector Peters deutete befehlsgewohnt auf die Tür.
Trotzig zog Harry die Tür wieder zu und ging auf der Veranda um das Haus herum, auf die Rückseite, wo er sich auf der Bank niederließ. Der Inspector trabte widerwillig hinterdrein und lehnte sich, weil er nicht so dicht neben Harry auf der kleinen Bank sitzen wollte, an die Wand.
Der Regen prasselte mit voller Wucht auf den windgepeitschten See, ab und zu zuckte noch ein Blitz herunter, doch der immer später einsetzende Donner ließ ahnen, dass das Schlimmste vorüber sein würde. Von Harry tropfte das Wasser unentwegt auf die Bodenplanken und er ignorierte den Inspector, so lange, wie es möglich war.
„Haben Sie mir mittlerweile etwas zu erzählen, Porter?“ raunzte ihn der Inspector schließlich an.
„Nein,“ sagte Harry mürrisch. Er legte die durchweichte Zeitung mit der Titelseite nach oben neben sich. Der ICC titelte: Polizei ratlos und Tötungsart weiterhin unbekannt. „Und wenn ich das hier richtig lese, haben Sie immer noch keinen Täter, keine Idee und keinen Mord! Da frage ich mich doch, was Sie ständig von mir wollen.“
„Was wollten Sie beim alten Moresley? Ich glaube, dass Sie mich anlügen und hier viel mehr Leute kennen, als Sie zugeben.“
„Ich war überhaupt nicht bei ihm, sondern habe lediglich einen Spaziergang gemacht und bin, wie man sieht, vom Gewitter überrascht worden.“
Der Inspector ging darauf nicht weiter ein. „Wissen Sie, mir ist da zu Ohren gekommen, dass sie im letzten Antiterrorkrieg in der Abwehr waren. Und man weiß ja, dass Ihr im Geheimdienst darauf gedrillt wurdet, auf viele Arten zu töten.“
Daher wehte also der Wind. Harry wurde sauer, da hatte also heute Morgen noch jemand gelauscht.
„Da wüsste ich doch gerne, wer Ihr Informant gewesen ist.“ knurrte Harry.
Der Inspector lehnte sich nach vorne und stützte sich mit seinen Händen auf Harrys Armlehne, so dass sein Gesicht fast Harrys Nase berührte. „Es ist völlig egal, woher ich meine Informationen habe. Ich frage mich nur, warum Sie mir davon nicht vorher etwas erzählt haben.“
„Vielleicht, weil es nicht stimmt.“ Harry rückte auf der Bank rückwärts vom Inspector weg.
„Das werde ich schon noch herausgekommen. Die Anfrage an das Innenministerium habe ich schon gestellt. Nächste Frage, woher kommen Sie? Die Dursleys haben jedenfalls noch nie etwas von Ihnen gehört!“
Unwillkürlich musste Harry bei der Vorstellung grinsen, wie das Gespräch wohl abgelaufen war.
„Ihren Ausweis haben Sie ja wahrscheinlich auch noch nicht wieder gefunden?“
„Nein!“ antwortete Harry knapp.
„Ich könnte Sie verhaften lassen!“ bebte der Inspector vor Zorn. „Und ich tue es im Moment nur noch nicht, weil der Geheimdienst Sie vermutlich ganz schnell wieder herausholen würde.“
Der Inspector richtete sich wieder auf und begann auf und abzugehen. „Trotzdem würde mich als Nächstes interessieren, woher Sie das ganze Geld haben, das Sie hier in Ihrem Urlaub so ausgeben.“ Das Wort Urlaub sprach er mit einem deutlich abfälligen Ton.
„Wie kommen Sie denn jetzt da drauf?“
„Nach Ihren Worten uns gegenüber“, er zückte sein kleines Notizbuch, „waren Sie bisher Schüler, haben keine näheren Verwandten, haben nicht gearbeitet. Also woher kommt das Geld?“
„Das habe ich von meinen Eltern geerbt.“ antwortete Harry wahrheitsgemäß.
„Und können mit 18 Jahren ohne Betreuer frei darüber verfügen?“
„Ja, genau so ist es. Inspector, ich weiß nicht, ob Sie es noch nicht gemerkt haben“, Harrys Stimme wurde auch wieder aggressiver, „aber Sie haben immer noch Nichts gegen mich in der Hand, bis auf einen blöden und durch Nichts begründeten Verdacht. Also erwarte ich, dass Sie mich jetzt in Ruhe lassen.“
„Ok, Porter. Ich werde gehen, aber Sie können sicher sein, dass ich weiter graben werde und wenn ich grabe, dann finde ich auch etwas. Auf jeden Fall lasse ich Sie weiterhin durch Sergeant Cook beschatten.“ Mit diesen Worten drehte er sich um, lief ums Haus und sprang in sein Auto. Der Wagen schleuderte bei der Anfahrt heftig und entfernte sich dann in Richtung Dorf.
`Danke für die Warnung!´ dachte Harry. Er sah an sich herunter. Die nassen Sachen klebten kalt an seinem Körper und er beeilte sich, den Schlüssel aus seiner Hosentasche zu angeln.
Drinnen riss er sich die nassen Klamotten vom Leib, hängte sie auf den Wäschetrockner und rubbelte sich so lange trocken, bis ihm wieder warm wurde. Er war dankbar dafür, dass das Haus einen guten Teil der Wärme gespeichert hatte, denn draußen war es durch den anhaltenden Regen schon empfindlich kühl geworden.
Kaum wieder angezogen, griff er sich eine der abgewaschenen Tassen, kochte sich einen heißen Tee und wärmte sich daran die Hände. Er stellte sich vor das Fenster zum See und sah zu, wie der Regen niederprasselte, als wollte er Alles nachholen, was er in den letzten Wochen versäumt hatte.
Harry huschte noch einmal kurz nach draußen, denn er hatte bei der Umrundung des Hauses an der Seitenwand aufgestapeltes, trockenes Brennholz gesehen, von dem er sich einen Arm voll holte und mit der Zeitung von gestern ein warmes Feuer im Kamin entzündete.
Er ließ sich mit seiner Tasse Tee auf das erstaunlich bequeme Sofa fallen, angelte hinter seinem Rücken eine alte Schokofroschkarte, die ihn gestört hatte, aus einer Sofaritze und warf sie vor sich auf den Tisch.
„Die würde Ron freuen!“ seufzte er.
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