110 Begebenheiten aus Lily Evans Leben - 7. Unschuld
von jujube58
Lange genug hat es ja gedauert, aber jetzt kommt eine weitere Begebenheit aus Lily Evans' Leben. Vielen Dank mal wieder für die Reviews und das viele Lob für die Eden-Umsetzung! Danke, danke, danke!
Viel Spaß mit dem nächsten OS und liebe Grüße :)
jujube
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Unschuld
Von klein auf wurde ich immer als das liebe, brave Mädchen gesehen. Das Mädchen mit dem Unschuldslächeln und den grünen Augen, die Steine zum Erweichen bringen können.
Als Petunia und ich mit unserem Ball das Wohnzimmerfenster unserer Nachbarn eingeworfen haben, ist unsere Mum mit uns zu ihnen rüber gegangen, damit wir uns entschuldigen konnten. Mrs Smith war am Anfang gar nicht erfreut. Aber als ich sie mit großen, von Tränen ganz wässrigen Augen angeguckt und mit zitternder Stimme gestottert habe, dass es uns wirklich, wirklich Leid tue, hat sie sich zu mir runtergebeugt, mir den Kopf getätschelt und gesagt, dass es doch gar nicht so schlimm sei und dass so etwas jedem mal passieren könne. Sie hat uns ins Haus gebeten und Tuney und mir Bonbons geschenkt und sich den halben Nachmittag mit Mum darüber unterhalten, was für süße, wohlerzogene Mädchen wir doch wären.
Als der blöde Ethan mich in der Grundschule immer wegen meiner Haarfarbe aufgezogen hat und ich ihm ein Bein gestellt habe, hat meine Lehrerin seinen Anschuldigungen nicht geglaubt, sondern meinen Beteuerungen, ich hätte Ethan nicht mal gesehen. Ethan hat dafür eine Strafarbeit bekommen, er solle andere Kinder nicht grundlos beschuldigen, und musste sich bei mir entschuldigen.
Als Petunia und ich bei Rumtoben im Wohnzimmer meiner Tante ihre große Glasvase vom Couchtisch gefegt haben, ist Tante Susan ziemlich sauer geworden. Aber als ich bei ihren Worten anfing zu weinen, hat sie Petunia streng angeschaut und gesagt, sie, als die Größere, hätte so verständig sein müssen, dass wir im Wohnzimmer nicht hätten Fangen spielen dürfen. Dann hat sie uns beide in den Garten geschickt, nicht ohne mir noch einmal zu versichern, dass sie nicht wirklich sauer sei. Petunia hat sie nur einen weiteren strengen Blick geschenkt.
Als meine beste Freundin Rose und ich in der dritten Klasse von Professor Slughorn erwischt wurden, wie wir in die Küche schlichen (Rosies Schwester Sarah hatte uns in den Sommerferien erzählt, wie man dorthin gelangt), haben ein Augenaufschlag und ein liebes Lächeln gereicht, um ihn davon zu überzeugen, dass wir uns wirklich nur verirrt hätten. Obwohl Rose sich sicher ist, dass es Professor Slughorn einfach nur zu peinlich war uns getroffen zu haben, weil er bestimmt selber gerade den Hauselfen einen Besuch hatte abstatten wollen und er dabei „erwischt“ wurde.
Ja, ich gebe zu, ich habe das so einige Male in meinem Leben ausgenutzt. Ich bin bei Weitem nicht das liebe, brave Mädchen, das im weißen Sommerkleidchen still und leise mit seinen Puppen spielt, Schmetterlinge bewundert, Blumenkränze bindet und keiner Fliege etwas zu Leide tun kann. Mal ganz davon abgesehen, dass ich aus dem Alter fürs Puppenspielen auch ein wenig raus bin. Immerhin bin ich 17, volljährig in der Zaubererwelt und in der Muggelwelt immerhin schon fast.
Aber es ist auch viel leichter durchs Leben zu kommen, wenn die Leute einen positiven Eindruck von dir haben. So hätte Professor McGonagall bei mir nie angenommen, es sei Absicht gewesen, dass ich nach Mitternacht noch auf den Fluren herumgelaufen bin, obwohl ich längst hätte schlafen sollen. Sie hat mir die Geschichte, ich hätte Geräusche gehört und mich als Vertrauensschülerin verantwortlich gefühlt nachzugucken, ohne großes Gerede abgenommen. Ein James Potter oder Sirius Black wäre dafür zu Strafarbeiten verdonnert worden, selbst wenn sie wirklich nur hätten nachsehen wollen, was auf dem Korridor passierte. Bei stellt sich schon als erstes Problem, dass sie keine Vertrauensschüler sind.
Ein guter Ruf bei Erwachsenen kann einem das Leben wirklich erleichtern. Und das deiner Freunde auch. In Hogwarts gelten James Potter, Sirius Black, Remus Lupin und Peter Pettigrew als die ultimativen Krawallmacher, Nervensägen, Regelbrecher und unangefochtene Strafarbeitenkönige. Sie nennen sich selbst die Rumtreiber und tun alles, um ihr Image auch noch zu unterstützen.
Dagegen stehen Lily Evans, die immer ihre Hausaufgaben hat, fleißig lernt und überhaupt eine freundliche Musterschülerin ist, und die liebenswürdige Rose Jenkins, die aus einer angesehenen Zaubererfamilie kommt, später magisches Recht studieren möchte, engagiert und ehrgeizig ist. Dass gerade diese beiden Mädchen hinter dem Rücken der Lehrer ein wenig aufmüpfiger sind, als man es sich vorstellen mochte, auf die Idee wäre niemand gekommen.
Gut so, denn das hätte wahrscheinlich das Ende unseres guten Bildes in Augen der Professoren bedeutet. Und doch haben wir so manchen Streich und so manches kleine Chaos zu verantworten, das uns aber nie angehängt worden wäre.
In besagter Nacht, in der ich auf dem Korridor erwischt wurde, haben wir den Porträts einen Verwechslungszauber auferlegt, der sie vergessen ließ, wohin sie gehörten. Damit stürzten wir das halbe Schloss ins Chaos, weil besonders die Erstklässler keine Orientierung mehr hatten. Professor McGonagall fragte mich einzig und allein, ob ich den Scherzkeks gesehen hätte, verdächtigte die Rumtreiber, konnte ihnen jedoch nichts anhängen und musste wutschnaubend einsehen, dass ihr der Täter entwischt war.
Und auch mit den Stinkbombenangriffen auf Filch, den Hausmeister, den verzauberten Speisen am Slytherintisch und den mit Froschlaich gefüllten Knallbonbons wurden wir nie in Verbindung gebracht. Viel mehr erhielten wir auch noch Unterstützung vom Lehrkörper der Schule, da jede unserer Bitten um die Erlaubnis, in die Verbotene Abteilung der Bibliothek zu dürfen, als Beschaffung zusätzlicher Informationen für Hausaufgaben angesehen wurde. Natürlich haben wir uns die auch geholt, aber unser grandioses Wissen über Schrumpftränke, Wachstumsflüche, Zehennägelzauber und die Möglichkeit die Rüstungen zum Singen zu bringen, verdanken wir sicherlich keinem Schulbuch.
Immer wurden Rose und ich nur gefragt, ob wir jemanden die Tat hätten ausführen sehen. Uns verdächtigt hätte niemand, schließlich sind wir die Musterschülerinnen, die Braven, die Opfer. Oh ja, das können wir gut, das Opfer der Streiche spielen. Man muss einfach nur so tun, als wäre man vollkommen überrumpelt von der Situation, ein wenig ängstlich gucken und dann langsam wütend werden, auf den, der es gewagt hat, so etwas Schreckliches zu tun.
Wie gesagt, ich gebe zu, dass ich diesen Vorteil über die Jahre wohl ein wenig ausgenutzt habe. Ein bisschen überstrapaziert. Wie ein Gummiband, das irgendwann ausgeleiert ist und nicht mehr in seine ursprüngliche Form zurück will.
Genau heute ist es passiert. Der vorletzte Schultag vor den Sommerferien. Die Rumtreiber haben, ganz traditionell, am letzten Tag des Schuljahres ihren großen Auftritt. Es gehört schon dazu, dass man einen Streich erwartet, sogar Professor Dumbledore plant das mittlerweile fest mit ein, da bin ich mir ganz sicher.
Zumindest dachten Rosie und ich, es wäre doch lustig, wenn wir einfach einen Tag vor den Rumtreibern auch ein wenig Verwirrung stiften. Und so haben wir unseren Plan, kurz vor dem Abendessen eine riesige Wasserbombenflut von der Decke der Eingangshalle losgehen zu lassen, in die Tat umgesetzt. Ich meine, immerhin ist es im Juni ja schon warm und so wie der Rumtreiberstreich traditionell zum letzten Schultag gehört, gehört ein fauler Nachmittag am See in der Sonne traditionell zum vorletzten.
Und ich muss sagen, es hat geklappt. Und die Schüler fanden die Idee scheinbar auch gar nicht so schlecht. Zumindest liefern sich die Häuser gerade eine ausgiebige Wasserschlacht in der Eingangshalle. Aber Professor McGonagall scheint nicht so wirklich zum Lachen zumute zu sein. Sie winkt gerade mit bösem Adlerblick vier, mir nur allzu bekannte Jungs zu sich und beginnt lautstark sie auszuschimpfen. Was sie sich wohl dabei gedacht hätten, so eine Schweinerei zu veranstalten und ob sie sich vorstellen könnten, was das für eine Akt werden würde, alles wieder wegzumachen.
Rose guckt mich von der Seite nur betreten an. Ich glaube, es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mein Verhalten überdenken sollte. Jahrelang habe ich davon profitiert, dass andere Menschen für meine Vergehen beschuldigt wurden. Jahrelang durfte ich das Unschuldslamm spielen. Jahrelang habe ich mich nicht darum gekümmert. Aber jetzt sehe ich, wie die Rumtreiber bei Professor McGonagalls Worten immer kleiner werden. Jetzt sehe ich, wie James Potters Blick hilflos durch die Halle huscht. Oh Gott, er schaut hilflos! James Potter! Ich weiß auch nicht genau warum, aber als sein Blick mich trifft hole ich tief Luft und stapfe dann mit entschlossenen Schritten auf meine Hauslehrerin zu. „Professor, ich glaube, sie beschuldigen die Falschen. Ich war es.“ „Und ich“, ertönt eine Stimme hinter mir. Rose. Ich lächle. Unsere Lehrerin starrt uns nur ungläubig an. Ebenso, wie die vier Jungen.
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Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Unerschöpflich detailversessen und zum Schreien komisch ist Joanne Rowlings Fantasie.
Mannheimer Morgen