110 Begebenheiten aus Lily Evans Leben - 8. Fahren
von jujube58
So, es ist vollbracht. Der achte OS ist fertig geworden. Ich wünsche ich viel Spaß damit und bin wirklich, wirklich gespannt, was ihr dazu sagt!
Liebe Grüße, jujube
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Fahren
Das Leben ist eine Zugfahrt ins Ungewisse. Sie beginnt an einem beliebigen Ort und die Endstation ist nicht bekannt. Jeder erlebt diese Fahrt anders, jeder beginnt sie woanders, jeder kommt woanders an. Jeder Bahnhof bedeutet Veränderungen, jeder Halt die Möglichkeit die Richtung zu wechseln. Neue Menschen steigen zu, andere wieder aus. Einige von ihnen werden Freunde, andere hätte man lieber nie getroffen. Doch niemals kann man sich aussuchen, wer sich zu einem gesellt. Um einige kann man kämpfen, damit sie noch eine weitere Station mitfahren, andere bleiben für immer. Manchmal steigt eine Person ganz unerwartet aus und schmeißt sich vor den Zug, stirbt, kann nie wieder in den Lebenszug eines anderen einsteigen.
Manche Menschen sitzen in einem Schnellzug, der sie ohne Halt von einer wichtigen Station zur nächsten bringt. Rasend, ohne einmal inne zu halten. Andere tuckern in einer Bimmelbahn durch die Landschaft mit Halten an jedem kleinen Bauernhof. Langsam, trödelig, träge. Viele steigen ab und zu um. Genießen mal die Ausflugszeit durch Wiesen und Bilderbuchdörfer, dann wieder eilen sie von einer wichtigen Verabredung zur nächsten.
Einige erreichen am Ende der Fahrt eine große Stadt, die sie sich aufgebaut haben. Erfolg, vielleicht aber auch Einengung zwischen den Hochhäusern und anonymen Fensterfronten. Für manche endet die Zugfahrt ihres Lebens auf dem Land, in einem kleinen Häuschen, ruhig und beschaulich. Jeder kann sein Lebenswerk betrachten, wenn er dem Zielbahnhof entgegenrollt. Er befindet sich an dem Ort, den man sich während seiner Reise aufgebaut hat.
Meine Zugfahrt begann am 31. Januar 1960 in einem kleinen Ort im Südwesten Englands. Ich stieg in einen Zug, in dem meine Mum, mein Dad und meine Schwester Petunia saßen. Sie zeigten mir die vorbeiziehende Landschaft vor den Fenstern, machten mir meinen Zug heimisch und gemütlich. Ich fuhr und fuhr, in einem beschaulichen Tempo durch eine wunderschöne, sonnenbeschienene Landschaft. Ab und zu hielt der Zug, manchmal mitten zwischen den Wiesen, manchmal in einem kleinen Örtchen, und Menschen stiegen zu. Meine Großeltern, Onkel, Tanten, Nachbarn, Freunde. Langsam begann mein Zug sich zu bevölkern.
Die erste Etappe der Fahrt war schön, sonnig eben. Spiele im Garten mit Petunia, Familienausflüge, Zoobesuche. Jeden Tag gab es etwas Neues zu entdecken, etwas Interessantes zu beobachten. Ich merkte, wie ich mich in bestimmten Situationen zu verhalten hatte und wie man am effektivsten das bekommt, was man haben möchte. Auf dem Spielplatz stritt ich mich mit anderen Kindern um die Schaufel im Sandkasten, zuhause spielte ich mit meiner Schwester zusammen mit Puppen.
Eine unbeschwerte Zeit, fröhlich und voller Möglichkeiten. Ich merkte, dass ich mich auf meine Eltern und meine große Schwester auf jeden Fall verlassen konnte, lernte die Welt kennen und genoss es, jeden Tag aufs neue mit dem Zug ein Stückchen weiterzufahren.
Der erste große Bahnhof, den ich ansteuerte hieß „Erster Schultag“. Hier änderte sich die Richtung meiner Reiseroute ein wenig. Die Welt vor den Zugfenstern wurde hügeliger, an einigen Tagen regnete es. Mit dem Halt schwappte eine riesige Welle an Menschen in meinen Zug. Lehrer, Mitschüler, Hausmeister. Einige blieben im Hintergrund, andere wurden zu Freunden. Eine erste Gewitterwolke bildete sich, als ich mich immer und immer wieder mit Ethan stritt, der beharrlich in meiner Nähe war, obwohl ich ihn am liebsten aus dem Fenster meines Zugabteils geworfen hätte. Doch kam immer wieder die heitere Sonne durch, die allen Kummer beiseite wischte. Gute Noten, Gummitwist im Pausenhof, ein Klassenausflug ans Meer. Und leicht wie eine warme Sommerbrise, die an der Küste beständig und erfrischend weht, meine Familie im Hintergrund. Ich wollte werden wie meine Schwester, liebte es, Zeit mit ihr zu verbringen. Ab und zu stritten wir uns, dann wurde aus der Brise ein kleiner Sturm, der für kurze Zeit die Landschaft ein wenig dunkler machte, sie dann aber wieder in besonders bunten Farben strahlen ließ, nachdem er sich gelegt hatte.
Mein Leben verlief völlig normal, so wie das eines jeden anderen Mädchens aus einer ganz normalen englischen Kleinfamilie. Ich war fleißig, lernte, half ohne allzu großen Aufstand im Haushalt und sollte im Sommer1971, nach Beendigung der Priamry School, auf dieselbe weiterführende Schule kommen, wie meine geliebte Schwester.
Doch hier fuhr mein Zug in einen Bahnhof ein, der mein Leben komplett auf den Kopf stellte. Bis heute weiß ich nicht, ob ich einfach den falschen Anschluss genommen habe oder ob er genau richtig war und alles andere falsch gewesen wäre. Anstatt geradeaus auf die nächsten, irgendwie schon vorbestimmten Bahnhöfe zuzufahren, bog eine scharlachrote Lok mit mir in eine scharfe Linkskurve, die alles verändern sollte.
„Tschüss, Mum, tschüss Dad!“ Eine Träne lief mir über die Wange. Es war der erste September und erst Weihnachten würde ich sie wieder sehen. „Weine nicht, Lily! Die Zeit wird bestimmt wie im Flug vergehen, da bin ich mir sicher. Und wenn der Winter vor der Tür steht, dann wirst du dich wundern, dass du schon so lange ausgehalten hast.“ Meine Mum nahm mich ganz fest in den Arm und drückte mich. Ich konnte ihr ansehen, dass es für sie nicht leicht war, sie wollte mich nicht gehen lassen. Schließlich war ich ihr kleines Mädchen.
Auch Dad umarmte mich, strich mir noch einmal übers Haar und grinste mich dann an. „Zu Weihnachten möchte ich dann aber wenigstens einen guten Trick sehen! Also sieh zu, dass du fleißig lernst und Spaß hast, okay?“ Ich nickte. So war er, mein Dad.
Petunia warf mir einen bitterbösen Blick voller Abscheu zu. Wir hatten uns gestritten. Sie wollte mit mir aufbrechen in ein unbekanntes Leben, aber sie konnte, sie durfte nicht. Deswegen entschied sie sich, mich zu hassen und mir die Reise so zu vermiesen. Es traf mich sehr. Sie war immerhin meine Schwester.
Ein gellender Pfiff hallte über den Bahnsteig, die scharlachrote Lok stieß weißen Dampf aus. Menschenmassen setzten sich in Bewegung, walzten auf die Türen des Zuges zu. „Lily, du musst gehen. Hab ganz viel Spaß und schreib uns!“ Eine letzte Umarmung, ein letzter Kuss von meinen Eltern, ein sehnsüchtiger Blick meiner Schwester. Dann stand ich im Gang des Waggons zwischen vielen, mir unbekannten Menschen. Ich zwängte mich zwischen ihnen hindurch und zerrte meinen schweren Koffer in ein leeres Abteil. Unter meinen Füßen begann der Boden zu vibrieren, ein Ruck ging durch den Zug. Langsam und schnaufend setzte er sich in Bewegung.
Ich drückte meine Nase an die Fensterscheibe und konnte gerade noch sehen, wie der Bahnsteig verschwand. Die Gleise beschrieben eine scharfe Kurve und ich sah alles, was ich kannte verschwinden.
Ich fuhr. Ich fuhr in ein Wunderland, voller Möglichkeiten, voller merkwürdiger Dinge, Schönheiten und Geheimnisse, das aber trotzdem nicht perfekt war, trotzdem finstere, angsteinflößende Wälder und unheimlichen Gestalten hatte, die hinter dunklen Ecken lungerten. Dennoch ein Wunderland, in dem die alten Märchen wahr zu werden schienen. Ein riesiges Schloss mit Geheimgängen, sprechenden Bildern und Unterricht in Hexerei und Zauberei. Ich fuhr nach Hogwarts. In mein neues Leben.
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Weil ich ein riesiger Fan von Gary Oldman bin, war ich bei unserem ersten Treffen völlig eingeschüchtert. Dabei ist er echt ein cooler Typ und ich habe mich in seiner Gegenwart sofort sehr wohl gefühlt.
Daniel Radcliffe