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Fanfiction

110 Begebenheiten aus Lily Evans Leben - 2. Liebe

von jujube58

Ein riesiges Dankeschön an alle, die mir ein Review hinterlassen haben (ich antworte auch noch per PN) und an die, die diese Geschichte überhaupt angeklickt haben!
Ich wünsche euch viel Spaß auch mit dem zweiten OS und hoffe natürlich, dass er euch gefällt.
Liebe Grüße, jujube
_________________________________________________


Liebe



Die Liebe ist wie ein großer Vogel, ein Adler vielleicht. Jeder bewundert sie. Ihre Schönheit, ihre Grenzenlosigkeit. Fliegt sie auf dich zu, nähert sie sich, macht sie einem im ersten Moment Angst. Sie scheint bedrohlich, erschreckend, so verlangend. Doch hat man den Schreck überwunden und sich auf sie eingelassen, ist sie Geborgenheit, Vertrauen und Sicherheit. Es ist, als würde der Adler seine Flügel schützend um dich legen. Dich in Sicherheit wiegen, dass dir nichts passieren kann. Und dann nimmt er dich mit auf seine Reise durch die Lüfte, fliegt mit dir ans Ende der Welt. Er hält dich sicher und geborgen, fängt dich auf, bevor du fällst und zeigt dir bisher Unentdecktes.

Schon immer habe ich die Liebe bewundert. Zuerst bei meinen Eltern, die auch nach mehreren Jahren Ehe noch so unglaublich glücklich miteinander sind. Sie strahlen diese Freude aus, die nur blindes Vertrauen in den anderen ermöglicht. Das Wissen, sich aufeinander verlassen zu können.
Dann habe ich über die Liebe gelesen. Romeo und Julia. Pyramus und Thisbe. Elizabeth und Mr Darcy. Es gibt so viele Liebespaare in der Literatur. Romeo und Pyramus haben sich umgebracht, als sie dachten, ihre jeweilige Geliebte sei tot. Bedingungslose Liebe bis ans Ende. Das Wissen, ohne den anderen nicht leben zu können.
Auch in der Schule habe ich manchmal wahre Liebe gesehen. Neben den vielen Affären und kurzen Beziehungen, gibt es auch Pärchen, die einfach füreinander bestimmt zu sein scheinen. Zwei Jahrgänge über mir waren Alice Walkin und Frank Longbottom. Seit ihrem dritten Jahr sind sie zusammen und glücklich. Sie waren das Traumpaar von Hogwarts und wollen bald heiraten.
All diese Menschen bewunderte ich, die ihre wahre Liebe gefunden haben, die glücklich mit jemand anderem sind. Ich freute mich für sie und wünschte mir, dass auch ich irgendwann den Menschen treffen würde, mit dem mich ebenso viel verbindet.

Es ist nicht so, dass ich nie eine Beziehung hatte. Doch es war immer nur ein kurzes Verliebtsein, ein vorübergehendes Gefühl der Zuneigung. Keinem einzigen Jungen habe ich jemals gesagt, dass ich ihn liebe, und es auch von keinem zu hören bekommen. Außer einem. James Potter verfolgt mich seit der vierten Klasse mit Fragen nach einem Date. Ich kann nicht sagen, dass ich ihn nicht mag. Eigentlich wollte ich gerne mit ihm ausgehen, doch da er als einer der größten Scherzkekse der Schule bekannt ist, habe ich abgesagt. Wieso sollte er gerade mir ausgehen wollen. Ich entspreche nicht gerade dem klassischen Schönheitsideal mit meinem Leichenteint und der roten Wallemähne. Außerdem bin ich nicht unbedingt cool, sondern werde eher als die kleine Streberin gesehen, die jedes Buch in der Bibliothek gelesen hat und in Zaubertränke fast mehr weiß als der Lehrer.
Ich hatte Angst. Angst, nur ein Notnagel für eine Nacht zu sein. Angst, dass er es nicht ernst meinen könnte. Und ich hatte Angst vor einer richtigen Beziehung. Zu dem Zeitpunkt, als er mich das allererste Mal fragte, war ich noch völlig unerfahren in der Hinsicht. Meinen ersten Kuss hatte ich beim Flaschendrehen auf einer Party von Sirius Black erhalten. Einen ganz kurzen, bei dem sich unsere Lippen kaum berührt hatten.
Ich habe mir eingeredet, ihn zu hassen, habe mich selber zu schützen versucht. Doch ganz tief in mir drin, wusste ich immer, dass da mehr war. Aber ich wollte nicht eine weitere verkorkste Beziehung von James Potter sein. Wenn, dann wollte ich die Einzige sein. Ja, ich weiß, ziemlich unwahrscheinlich. Doch wahre Liebe darf Forderungen stellen, aber war es wirklich wahre Liebe?

Doch irgendwann in der siebten Klasse, änderte sich dieses Gefühl. James Potter wurde erwachsen, nahm seine Schulsprecherpflichten ernst und nervte mich nicht mehr mit seiner ständigen Fragerei. Viel mehr ließ er mich in Ruhe, sodass ich von selbst auf ihn zukommen konnte. Und jedes Mal, wenn ich in seinen haselnussbraunen Augen dieses verschmitzte Funkeln sah, zog sich mein Herz zusammen. Stundenlang konnte ich ihn einfach nur ansehen, während er redete und lachte.
Wir wurden Freunde, sehr gute Freunde. Er tröstete mich, als meine Eltern starben. Er war immer da und stellte keine Fragen. Egal zu welcher Tages- und Nachtzeit konnte ich zu ihm kommen. Er nahm mich dann einfach in den Arm und ließ mich jedes seiner T-Shirts vollweinen, bis es mir irgendwann besser ging.
Ich fing an, seine Nähe und Wärme zu vermissen, hatte er mir doch die Sicherheit gegeben, dass mir in seinen Armen gar nichts zustoßen könnte. Bei ihm war ich vollkommen geborgen und durfte einfach ich selbst sein.
Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten und ihn geküsst. Das war der Moment, in dem ich wusste, dass ich auch die Liebe gefunden hatte, die ich so lange bei anderen Menschen bewundert, aber auch immer ein wenig gefürchtet hatte. Es ist die wahre Liebe, die, die auch Forderungen stellen darf. Und ich weiß, dass ich die Einzige sein werde, so, wie ich es mir immer gewünscht habe.
Der Adler hat seinen Schwingen um mich gelegt, hält mich ganz fest. Er nimmt mich mit auf seine Reise, hebt mich hoch in die Lüfte und trägt mich sicher durch alle Gewitter und Stürme.
Nie wieder wird er mich absetzen, das weiß ich sicher. Denn wenn der Adler dich einmal gefunden hat, dann lässt er dich so schnell nicht los.


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