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Fanfiction

110 Begebenheiten aus Lily Evans Leben - 3. Sonnenuntergang

von jujube58

Ein kleines Osterei für euch :) Viel Spaß damit!
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Sonnenuntergang


Sie sitzen auf dem blauen Sofa im Wohnzimmer. Worte hängen im Raum wie dunkle Rauchschwaden. Sie nehmen die Luft zum Atmen. Alles ist düster. Die Welt scheint still zu stehen. Sie halten sich im Arm. Ganz fest. So, als ob sie auf diese Weise vor allem Unheil schützen könnten. Als ob ihnen nichts geschehen könnte. Ein kleiner Junge beginnt zu schreien, durchbricht die Trance. Immer noch scheint es laut nachzuhallen: „Es tut mir Leid!“. Ein unendliches Echo, wie ein Todesurteil. Und draußen vor dem Fenster geht die Sonne unter, taucht die Welt in einen rotgoldenen Schimmer.

Am Dienstag hatte sie ein Brief erreicht. Professor Dumbledore bat darin um ein Treffen am Wochenende, da er etwas Wichtiges mit ihnen zu besprechen hätte. Sie hatten sich ein wenig gewundert. Was konnte er von ihnen wollen? Ordensangelegenheiten wurden normalerweise mit der ganzen Gruppe besprochen und beim letzten Einsatz war auch nichts Ungewöhnliches passiert. Doch hatten sie zugestimmt und ihren ehemaligen Professor zu sich eingeladen.
Die ganze Woche rätselten sie, da auch ihre Freunde Alice und Frank eine ähnliche Botschaft bekommen hatten. Es war seltsam und langsam machte sich ein Gefühl der Unruhe, eine böse Vorahnung, in ihnen breit.
Aufgeregt, wie damals bei ihren UTZ-Prüfungen, warteten sie darauf, dass es endlich vier Uhr wurde. Nervös lief Lily immer wieder durch die Räume des Hauses, rückte hier ein Kissen zurecht und pflückte dort ein trockenes Blatt von der Zimmerpflanze. James wanderte mit dem schlafenden Harry auf dem Arm durch das Wohnzimmer. Zur vollen Stunde klingelte es pünktlich an der Tür und Professor Dumbledore trat ein. Seine blauen Augen, die normalerweise so viel Lebensfreude und Tatendrang ausstrahlten, wirkten müde, sein ganzer Körper schien erschlafft, so als würde er eine schwere Last mit sich herumschleppen. Besorgt musterte Lily den alten Mann, bot ihm dann einen Kaffee an, während James das Baby in sein Bettchen im oberen Stockwerk brachte.

Seinen Kaffee in der Hand, begann Dumbledore mit ernster Stimme zu sprechen. „Ich wundert euch sicherlich, warum ich mit euch sprechen wollte. Es tut mir furchtbar Leid, aber es muss sein, zu eurer und vor allem zu Harrys Sicherheit. Vielleicht erinnert ihr euch, dass ich einen neuen Wahrsagelehrer suchen musste. Vor einigen Monaten traf ich mich mit einer Bewerberin, die mir eigentlich gänzlich ungeeignet schien. Aber ich wollte ihr die Möglichkeit geben, sich zumindest vorzustellen. Während des Gesprächs verfiel sie in eine Art Trance und sprach eine Prophezeiung aus.
Ein Kind, werde Ende Juli Eltern geboren werden, die Lord Voldemort dreimal die Stirn geboten haben. Und dieses Kind werde die Macht haben, Voldemort zu besiegen, mit einer Kraft, die dieser nicht kenne. Leider wurden wir belauscht, ein Spion Voldemorts hat diesen Teil der Vorhersage mitbekommen und seinem Meister sicherlich davon berichtet. Voldemort weiß also, dass irgendwo ein Kind ist, das ihn besiegen kann, und wird sich nun wahrscheinlich auf die Suche begeben.
Zwei junge Paare, die Voldemort dreimal gegenüberstanden und überlebt haben, haben einen Sohn bekommen, der Ende Juli geboren wurde. Frank und Alice Longbottom und ihr.“
Sie sahen sich an. Fassungslos. Ihr Sohn, ihr kleiner Harry, sollte den dunkelsten Magier aller Zeiten besiegen können? Nein, das konnte, das durfte nicht sein! Und Voldemort sollte auf der Suche nach ihnen sein? Lily öffnete den Mund, unfähig auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.
„N-n-nein! Das… das darf nicht, das kann nicht, sein!“ Flehend blickte sie den alten Zauberer, der ihr gegenüber saß, an. Tränen bahnten sich den Weg über ihre Wangen. Mit der Hand tastete sie nach der ihres Mannes, der mit versteinerter Miene und starren Blick stocksteif auf dem Sofa saß.
„Es tut mir Leid. Ich wollte es euch mitteilen. Ihr sollte darüber nachdenken, wie ihr euch schützen könnt. Der ganze Orden wird hinter euch stehen, doch es ist alles sehr riskant. Ich schlage den Fideliuszauber vor, bei dem ein Geheimniswahrer euren Aufenthaltsort bewahrt. Nur wer von ihm erfährt, wo ihr zu finden seid, kann zu euch kommen. Alle anderen offenbart sich euer Haus nicht mehr, vor ihnen seid ihr sicher und geschützt.“
Dumbledores Worte dröhnten in ihren Köpfen. Schutz. Vor Lord Voldemort konnte man sich nicht schützen. Harry! Ein erstickter Schrei entrang sich Lilys Kehle. Gehetzt lief sie in Harrys Zimmer. Friedlich lag er in seinem Bettchen, die Hände zur kleinen Fäustchen geballt und einen Zipfel seines Teddybären im Mund. Er strahlte Ruhe aus, Frieden. Lily schluchzte auf, drückte ihr Baby an sich und sank zu Boden.
James kam. Setzte sich neben sie und nahm sie in den Arm. „Komm, Lily. Professor Dumbledore wartet noch unten.“ Seine Stimme klang rau und belegt.
Mit langsamen Bewegungen, Harry im Arm und James direkt hinter sich, stieg Lily die Treppe wieder hinab. Auf dem Sofa erkannte sie die große Silhouette des Schulleiters von Hogwarts. Mitleidig blickte er sie an, seine Augen erzählten ihnen, dass er sich so sehr wünschte, dass all dies nicht passiert wäre. Er wartete, bis sie sich wieder gesetzt hatten, bevor er mit sanfter Stimme sagte: „Ich werde euch jetzt allein lassen. Denkt über meinen Vorschlag nach. Ich weiß, ihr werdet Zeit brauchen, um eure Gedanken zu ordnen, aber dennoch bitte ich euch, euch im Laufe der Woche bei mir zu melden. Wie gesagt, wir werden alles tun, damit euch nichts geschieht, damit Harry unversehrt bleibt. Was immer ihr tun wollt, denkt an euren Sohn!“
Er erhob sich etwas schwerfällig und wandte sich dann zur Tür. Auf der Schwelle drehte er sich noch einmal zu der kleine Familie auf dem Sofa um. „Es tut mir Leid!“

Sie sitzen auf dem blauen Sofa im Wohnzimmer. Worte hängen im Raum wie dunkle Rauchschwaden. Sie nehmen die Luft zum Atmen. Alles ist düster. Die Welt scheint still zu stehen. Sie halten sich im Arm. Ganz fest. So, als ob sie auf diese Weise vor allem Unheil schützen könnten. Als ob ihnen nichts geschehen könnte. Der kleine Junge beginnt zu schreien, durchbricht die Trance. Immer noch scheint es laut nachzuhallen: „Es tut mir Leid!“. Ein unendliches Echo, wie ein Todesurteil. Und draußen vor dem Fenster geht die Sonne unter. Taucht die Welt in einen rotgoldenen Schimmer.


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