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Fanfiction

In the aftermath of war - In the aftermath of war

von Silvereyes

In the aftermath of war

by Silvereyes




Es war ein bitterkalter Nachmittag Mitte Dezember, als Harry Potter mit dem Zauberstab auf den Backstein in der Mauer hinter dem Tropfenden Kessel klopfte, um damit den Durchgang zur Winkelgasse zu öffnen. Der knapp acht Monate alte Teddy Lupin quietschte vergnügt auf und versuchte nach dem Holzstab zu greifen, bevor Harry ihn lächelnd weg steckte und sich dann vergewisserte, dass die Mütze des warm eingepackten Jungen richtig saß, den er im Tragegurt vor sich her trug.
Grollend bewegten sich die Backsteine zur Seite, um den Weg in die Zaubererstraße freizugeben, die an diesem Nachmittag recht gut besucht war. Eilig trat Harry ein paar Schritte in die Gasse, bevor sich der Durchgang wieder schloss und blieb dann stehen, um das geschäftige Treiben zu beobachten. Noch vor ein paar Monaten hatte hier in dieser Gasse Düsternis und Trostlosigkeit geherrscht, viele Geschäfte waren von Brettern vernagelt oder verwüstet gewesen, doch nun, mehrere Monate nach Kriegsende, sah es wieder völlig anders aus.

Die Hexen und Zauberer hatten sich bald nach Voldemorts Tod daran gemacht, ihre Welt wieder aufzubauen. Geschäftsleute waren in die Winkelgasse zurückgekehrt und hatten ihre Läden wieder auf Vordermann gebracht und bei einigen anderen, wie bei Fortescues Eissalon zum Beispiel, hatten sich neue Besitzer gefunden, nachdem die alten Opfer des Krieges geworden waren.
Jetzt zur Weihnachtszeit erstrahlte die Winkelgasse in neuem Glanz, der die Menschen die Furcht und Hoffnungslosigkeit des Vorjahres noch ein wenig mehr vergessen ließ und Harry konnte sich nicht daran satt sehen. Er war zur Weihnachtszeit noch niemals in der Winkelgasse gewesen und seine Augen huschten hin und her, als wollten sie alles auf einmal aufnehmen.

Überall an den Fassaden der Häuser hingen geschmückte Girlanden aus Tannenzweigen und Stechpalmen, die Schaufenster waren weihnachtlich dekoriert mit allerlei magischen Spielereien, während hoch über den Köpfen der Einkaufenden die Illusion eines Weihnachtsmannes auf seinem Schlitten, gezogen von Rentieren, seine Kreise zog.
Direkt vor Gringotts, wo die Gasse sich zu einem kleinen Platz verbreiterte, stand ein riesiger Weihnachtsbaum, der über und über mit glänzenden Weihnachtskugeln, ewig brennenden Kerzen und kichernden Weihnachtselfen geschmückt war. Auf seiner Spitze thronte ein glitzernder Weihnachtsstern, der von innen heraus zu leuchten schien und selbst dem ein wenig trüben Nachmittag ein bisschen Glanz verlieh.
Neben Qualität für Quidditch gab es einen Erfrischungsstand, an dem heißes Butterbier, Eierpunsch und heißer Met verkauft wurde, um sich an einem kalten Einkaufstag aufzuwärmen. Der Duft von Gebäck zog durch die Gasse und ließ einem das Wasser im Mund zusammenlaufen, wenn einem der Geruch von Zimt und Äpfeln in die Nase stieg.

Obwohl in London schon Schnee gefallen war, hatten die Autos und die vielen Menschen, die die Metropole bevölkerten, ihn eher in einen gräulichen Matsch verwandelt, doch hier, in der Winkelgasse, herrschte ein wahres Winterwunderland. Die Dächer waren alle mit weißem, unberührtem Schnee gekrönt und auch der Boden, zwar fest getreten, war so weiß, wie Harry es sonst nur in Hogsmeade gesehen hatte.
„Da“, quietschte Teddy und fuchtelte mit seinen Händen, die in warmen Fäustligen steckten, herum, während er mit kugelrunden Augen den Weihnachtsmann in seinem Schlitten verfolgte.
„Das ist der Weihnachtsmann, Teddy und ich bin sicher, dass er dir auch was hübsches bringen wird“, lächelte Harry auf seinen Patensohn hinunter, der quirlig mit den Beinen strampelte und die Eindrücke, die er hier geboten bekam, wie einen Schwamm in sich aufsog.

Nochmal zog Harry Teddys Mütze zurecht und machte sich dann langsam auf den Weg Richtung Gringotts. Wenn er heute seine Weihnachtseinkäufe erledigen wollte, musste er sich noch Gold besorgen, auch wenn ihm ganz und gar nicht wohl dabei war, zu den Kobolden zu gehen, die seit dem Krieg nicht sehr gut auf ihn zu sprechen waren. Andererseits wunderte ihn das nicht wirklich, denn schließlich demolierte nicht jeder das halbe Gebäude mit einem Drachen, nachdem er erfolgreich in eines der am besten bewachten Verließe eingebrochen war.
Nur schaudernd erinnerte sich Harry an seinen ersten Besuch nach dem Krieg, als er sich Gold für seine Schulsachen besorgen musste, nachdem Hogwarts wie gewohnt zum ersten September seine Tore wieder geöffnet hatte. Unzählige Hexen und Zauberer hatten den ganzen Sommer daran gearbeitet, das Schloss so schnell wie möglich wieder bewohnbar zu machen und Professor McGonagall, die ihren rechtmäßigen Platz als Schulleiterin eingenommen hatte, bestand darauf, die eigentliche siebte Klasse des vergangenen Schuljahres, noch einmal zurück zu holen, um ihnen, wie sie sagte, vernünftigen Unterricht zu erteilen.

Als Harry im Sommer in Gringotts aufgetaucht war, hatte er schon gar nicht mehr daran gedacht, da ihm zu viel anderes durch den Kopf gegangen war. Doch die vier, mit Speeren bewaffneten Kobolde, die fast sofort neben ihm aus dem Boden gewachsen waren, hatten seine Erinnerung schnell wieder aufgefrischt. Der Gryffindor hatte sich mehr als unwohl gefühlt, als diese vier Kobolde ihn zu seinem Verließ begleiteten und ihn dabei nicht eine Sekunde aus den Augen ließen. Er hoffte nur, dass sie heute Teddy keine Angst machen würden, denn er glaubte nicht, dass sie ihm schon verziehen hatten.

Harry sollte recht behalten und es war wohl nur Teddys Anwesenheit zu verdanken, dass die Kobolde, die ihn unter die Erde begleiteten, diesmal die Speere weg ließen. Ihr Verhalten ihm gegenüber hatte sich jedoch nicht um einen Deut verändert und Harry konnte es ihnen, wenn er ehrlich war, wirklich nicht übel nehmen. Er erledigte seine Geschäfte in der Bank so schnell es nur ging, wobei er auch einen Goldbetrag in ein Nebenverließ zu seinem eigenen umlegen ließ, welches Kreacher für den Haushalt zur Verfügung stand.
Der alte Elf hatte sich nach dem Kampf auf Hogwarts noch mehr gewandelt, als Harry es je für möglich gehalten hätte. War der Elf schon überaus freundlich gewesen, nachdem Harry ihm Regulus` Medaillon geschenkt hatte, war er ihm nun völlig ergeben und hatte, zusammen mit Harry, unermüdlich daran gearbeitet den Grimmauldplatz wieder zu dem Schmuckstück zu machen, das er einst gewesen war. Er hatte sogar das kleine Wunder fertig gebracht, dass die alte Mrs Black nicht mehr fortwährend Obszönitäten in die Eingangshalle schrie, sondern sich manchmal, wenn ihr der Sinn danach stand, mit Harry unterhielt. Es war unnötig zu sagen, dass diese Unterhaltungen meist in wüste Diskussionen ausarteten, doch Harry war zum Glück jemand, der auch ein gutes Streitgespräch ab und an zu schätzen wusste.

Während er nun mit Teddy durch die Winkelgasse schlenderte, erklärte er dem Jungen die verschiedenen Geschäfte, an denen sie vorbei kamen. Natürlich war ihm völlig klar, dass Teddy noch überhaupt nicht vestand, was er ihm da eigentlich erzählte, doch er machte es dennoch, einfach aus dem Grund, weil er es unglaublich genoss, Zeit mit seinem Patensohn verbringen zu können. Immerhin hatte er ihn, seitdem die Schule wieder begonnen hatte, nicht mehr gesehen und war deswegen umso erfreuter, dass Professor McGonagall die Ferien, die sonst immer zwei Tage vor Weihnachten begonnen hatten, um fast eine Woche vorgezogen hatte, um den Familien, die sich immer noch von den Folgen des Krieges erholten, die Möglichkeit zu geben, beieinander zu sein.

Harry hatte die Gelegenheit ergriffen, um Teddy zu sich zu holen, auch um Andromeda, die sich sonst um den Jungen kümmerte, eine Pause zu verschaffen. Genau aus diesem Grund war er nun mit einem Tragegeschirr unterwegs, um seine Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Er hatte eine ellenlange Liste von Freunden, denen er zumindest eine Kleinigkeit schenken wollte und er freute sich schon darauf, für jeden einzelnen etwas auszusuchen. Er war gerade auf dem Weg zu Flourish & Blotts, wo er für Hermine etwas zu finden hoffte, als im nächsten Geschäft, der Apotheke, die Tür so heftig aufgerissen wurde, dass das Glockenspiel, welches über der Tür angebracht war, vor Schreck einen Hüpfer machte.

„Lass dich hier bloß nicht mehr blicken! Ich verkaufe nur an anständige Leute! Solch ein Gesindel wie dich will ich hier nicht sehen, hast du verstanden? Verschwinde!“ Harry hatte den Besitzer der Apotheke, der ihm sonst immer sehr ruhig vorgekommen war, noch nie dermaßen brüllen hören und war noch erstaunter, als er einen Kunden, den er am Kragen seines Umhangs gepackt hatte, praktisch auf die Strasse stieß.

Stirnrunzelnd sah Harry zu, wie die Person mühsam versuchte sich aufzurappeln, jedoch auf dem fest eingetretenen Schnee ausrutschte. Die Passanten würdigten diese Szene keines Blickes, oder kicherten verstohlen, während sie vorbei liefen. Harry warf den Leuten einen angeekelten Blick zu und lief schnell zu der Person, die die Hände im Schnee zu Fäusten geballt hatte und sich sichtlich zusammenreißen musste. Harry packte den, wie er vermutete Mann, unter der Achsel und versuchte ihn hochzuhieven, was, wegen Teddy, nicht ganz einfach war.
„Kommen Sie, ich helfe Ihnen. Sie sollten aufstehen, bevor sie sich verkühlen. Sie haben ja nicht mal Handschuhe an“, sagte Harry leise und richtete sich mit dem Mann wieder auf, der sich nun den Schnee von seinem schwarzen Umhang klopfte und dabei den Kopf gesenkt hielt. „Geht es Ihnen gut?“, fragte Harry noch, da der Mann keinen Ton sagte. „Sie haben sich nicht weh getan, oder?“
„Nein, ich... danke, aber ich sollte jetzt gehen“, hörte Harry eine leise, etwas schleppende Stimme, die in ihm sämtliche Alarmglocken zum schrillen brachte.

Der Mann wandte sich schon ab, um zu gehen, als Harrys Arm hervor schoss und ihn am Ellbogen festhielt. „Malfoy? Bist du das?“, fragte er, obwohl er die Antwort eigentlich schon kannte. Er beobachtete, wie sich die ganze Gestalt anspannte und die Schultern dann sichtbar herab sackten, bevor er sich langsam zu ihm drehte.
„Die erste Begegnung seit Mai und ich lieg dir zu Füßen“, sagte Draco leise und hob die Kapuze, die er sich tief ins Gesicht gezogen hatte ein wenig, um Harry ansehen zu können. „Hallo, Potter“, sagte er dann und Harry konnte deutlich die Resignation aus seiner Stimme hören.

Harry sah erstaunt in das Gesicht, welches er das letzte Mal in der Großen Halle nach der Schlacht gesehen hatte, wie er zwischen seinen Eltern saß. Er hatte zwar irgendwann Mitte Juni bei Malfoys Prozess ausgesagt, doch dabei war dieser bei den Zeugenaussagen nicht zugegen gewesen und Harry hatte das Ende des Prozesses nicht abgewartet. Er hatte einige Tage später von Hermine erfahren, dass Narzissa Malfoy und ihr Sohn mit Bewährungsauflagen davongekommen waren, während Lucius seine ursprüngliche Strafe verbüßen musste.
„Naja... du wurdest mir praktisch vor die Füße geschmissen. Das find ich weniger witzig, als wenn du dich mir freiwillig vor die Füße werfen würdest“, gab Harry mit einem kleinen Grinsen zurück, wurde jedoch gleich wieder ernst. „Was war eigentlich los? Wieso ist Mr Bobbin so ausgeflippt?“

Malfoy schnaubte auf, jedoch bemerkte Harry, dass der übliche Biss dahinter, an den er sich so sehr gewöhnt hatte, völlig fehlte.
„Nichts weiter. Ich hätte eigentlich damit rechnen müssen. So werden eben meinesgleichen heutzutage behandelt“, antwortete Malfoy schließlich und verwirrte Harry damit nur noch mehr.
„Deinesgleichen?“
„Todesser, Potter. Was dachtest du denn? Für jemanden wie mich ist es beinahe unmöglich in der Winkelgasse etwas zu kaufen. Und da wundern sich die Leute, wenn wir uns bevorzugt in der Nokturngasse aufhalten“, gab der Blonde, der seinen Haarschopf sorgfältig verborgen hielt, ein wenig unwirsch zurück.
Harry starrte ihn einen Moment nur ungläubig an. Wenn er nicht gerade gesehen hätte, wie Mr Bobbin ihn behandelte, hätte er wirkliche Schwierigkeiten damit gehabt, es zu glauben. „Sorry, ich... ich hatte keine Ahnung davon. Ich bin seit Ende August nicht mehr hier gewesen.“
„Tja, ich hatte schon öfter das Vergnügen. Dir wischen sie vermutlich mit Freuden den Hintern, nur damit du bei ihnen einkaufst.“

Gequält verzog Harry das Gesicht zu einer Grimasse und seufzte. „Du solltest wissen, dass mir das völlig egal ist. Wenn es nach mir ginge, könnten sich all diese Leute ihre Aufmerksamkeit mir gegenüber sonst wohin stecken. Ich bin ein ganz normaler Kerl wie jeder andere und erwarte sicher keine Sonderbehandlung. Glaub mir, das wurde mir schon sehr früh ausgetrieben“, schoss Harry leicht gereizt zurück, atmete dann jedoch tief durch, um sich wieder zu beruhigen. Immerhin konnte Malfoy nichts dafür, dass die Leute sich förmlich überschlugen, wenn er irgendwo auftauchte.
„Wow... wunder Punkt, was?“, sagte Draco erstaunt und sah Harry ein wenig zweifelnd, wenn auch neugierig an.
„Ja, sorry... du wusstest schon immer welche Knöpfe du drücken musst, ob jetzt beabsichtigt oder nicht“, antwortete Harry und grinste etwas schief.
Draco unterdrückte schnaubend ein Auflachen. „Was soll ich sagen? Es ist eine Gabe...“

„Gabe? Ja, so kann man's wohl auch nennen“, warf Harry ein und nickte dann mit dem Kopf zur Apotheke. „Was wolltest du denn da drin?“
„Was? Ach... nur ein paar Zutaten für Schmerztränke besorgen, die in Apotheke in der Nokturngasse nicht mehr vorrätig waren. Ich dachte, ich versuche mein Glück... nicht dass ich viel davon hätte“, sagte Malfoy nach kurzer Verwirrung und stopfte die Hände in die Taschen seines Umhangs.
„Schmerztränke? Ähm... bei euch ist alles klar, oder? Deine Mutter ist nicht krank, oder so?“, erkundigte sich Harry, denn er fand es ein wenig eigenartig, dass Malfoy die Tränke selbst brauen wollte. Die meisten Hexen und Zauberer kauften die fertigen Tränke, die es seit einiger Zeit in einem neuen Laden der Winkelgasse gab und sich schnell einen guten Namen gemacht hatte. Es gab dort vorwiegend Tränke, Salben und Elixiere für den täglichen Hausgebrauch; keine komplizierten oder ungewöhnliche Tränke, die irgendwelchen Verdacht erregen könnten. Was Harry an dem Laden besonders gut fand war, dass er einmal im Monat für einen sehr günstigen Preis den Wolfsbanntrank verkaufte, was, wie er gehört hatte, auch großen Anklang fand.

„Meiner Mutter geht’s gut, danke der Nachfrage. Wir haben nur unsere Tränke schon immer selbst gebraut und die Schmerztränke, die meine Mutter braucht, wenn sie Migräne hat, sind ausgegangen, also wollte ich neue brauen. Jetzt werd ich wohl bis nächste Woche warten müssen, bis sie bei Selwyns and Sons die Zutaten wieder haben“, erklärte Malfoy und Harry nickte verstehend, bevor er die Stirn runzelte.
„Warum gehst du nicht einfach zu Astro's? Die Tränke dort sind gut... ich hol da auch alles“, fragte Harry und beobachtete dabei seinen alten Schulfeind, dem ein merkwürdiger Ausdruck über die blassen Gesichtszüge huschte.
„Ich hab's dir eben gesagt, Potter... ich hab Glück wenn ich bei Tom ein Butterbier beko-“
„Ja, schon gut... hab's kapiert“, unterbrach Harry ihn und fing nebenher Teddys Hände ein, der sich die Fäustlinge abgezogen hatte, um sie ihm wieder anzuziehen. „Hey Zwerg, lass die Handschuhe an... ich schwör dir, irgendwann kleb ich sie an, damit du sie nicht immer wieder ausziehen kannst“, rügte er, was den kleinen Jungen jedoch nur dazu brachte, den Kopf zu ihm zu drehen und ihm ein Grinsen zu schenken, bei dem zwei Zähnchen hervor blitzten.

Harry konnte regelrecht spüren, wie sich Malfoys Blick in ihn bohrte, während er mit Teddy sprach und wand sich innerlich dabei. Er fühlte sich, wie schon so oft in seinem Leben, völlig entblößt und wünschte sich mal wieder, dass er seine Gefühlsregungen besser verstecken könnte.
„Ist... ist das Nymphadoras Sohn?“, hörte Harry den Blonden schließlich ein wenig zögernd fragen und sah überrascht auf.
„Ähm... ja, das ist Teddy“, antwortete der Schwarzhaarige, der es nun geschafft hatte seinem Patensohn die Handschuhe wieder anzuziehen. „Sag 'Hallo' zu Draco, Teddy.“
„Da“, quietschte Teddy wieder und fuchtelte mit dem rechten Arm in Malfoys Richtung.
„Tja... mehr bekommst du noch nicht zu hören, fürchte ich“, grinste Harry, denn bei Teddy war im Augenblick einfach alles 'Da'.

Amüsiert beobachtete Harry, wie Malfoy Teddy seine Hand entgegenstreckte, der sofort fröhlich darauf patschte. Er musste vor sich selbst zugeben, dass er es auf eine völlig verdrehte Weise angenehm fand, hier mit Malfoy zu stehen und sich zum ersten Mal, seit sie sich kannten, normal zu unterhalten. Während die Aufmerksamkeit des Blonden auf den kleinen Jungen gerichtet war, ging Harry durch den Kopf, was er eben erfahren hatte. Er wusste wirklich nichts davon, wie es im Moment für die Todesser war, die nicht in Askaban gelandet waren, doch was er eben gehört hatte, stieß ihm sauer auf. Er konnte es bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, dass die Leute auf die Todesser nicht gut zu sprechen waren, doch im Grunde fand er, dass sie sich nicht besser verhielten, als die Todesser zu Voldemorts Zeiten. Egal ob Krieg oder Frieden, es gab wohl immer eine Gruppe, die aus der Gesellschaft ausgegrenzt wurde und eigentlich hatte er angenommen, dass sein Kampf auch dazu beitrug, dass alle friedlich miteinander lebten und nicht wieder alles von Vorne begann. Nachdenklich sah er zu Malfoy, der scheinbar interessiert Teddys Gebrabbel lauschte.

Nach einigen Minuten schreckte Harry aus seinen Überlegungen auf und packte Malfoy erneut am Ellbogen. „Los, komm mit!“, sagte er knapp und ging los zur Apotheke.
„Was? Potter, lass mich los, was soll das?“, rief Malfoy leise zischend, konnte seinen Arm jedoch Harrys festem Griff nicht entziehen und wurde dadurch unzeremoniell in die Apotheke geschleift, in der, wie üblich, ein etwas seltsamer Geruch herrschte, bei dem Teddy die Nase verzog.
Harry sagte nichts, sondern schleppte Malfoy zur Theke, wo er sich neben ihn stellte und schließlich den Mund aufmachte. „Kauf ein, was du brauchst“, sagte er und musste beinahe bei Malfoys Gesichtsausdruck lachen, der ihn ansah, als hätte er nicht mehr alle Funken am Zauberstab.

„Potter, hast du nicht zugehört? Mir wird hier nichts verkauft und eigentlich ist mein Bedarf an Freiflügen für heute gedeckt“, zischte Draco leise und beugte sich näher zu Harry, damit die anderen Kunden ihn nicht hören konnten.
Harry zeigte sich jedoch von diesem Ausbruch völlig unbeeindruckt und zerrte Malfoy zu allem Überfluss auch noch die Kapuze vom Platinblonden Haupt und musste fast grinsen, als Dracos Augen immer größer wurden und er sich, ein wenig panisch umblickte. „Lächle, Malfoy! Wir werden beobachtet“, sagte Harry leise und man konnte eindeutig hören, dass er sich köstlich amüsierte, während Draco aussah, als wolle er ihm am liebsten an die Kehle gehen. Harry überlegte ernsthaft, dass das wohl durchaus im Bereich des Möglichen liegen würde, wenn er Teddy nicht vor sich her tragen würde. In Gedanken versprach er seinem Patensohn, ihm nachher ein extra Plätzchen zu zu stecken, an dem er mit seinen wenigen Zähnchen knabbern konnte.

Draco setzte gerade zu einem weiteren Ausbruch an, als Mr Bobbin mit einem, in braunes Packpapier eingewickeltem Päckchen aus dem Hinterzimmer kam und es dem Kunden, der vor ihnen stand, überreichte und kassierte. Der Kunde verschwand und Mr Bobbin wischte sich die Hände, an seiner Schürze ab, die mit nicht sehr appetitlichen Flecken versehen war und sah sich nach seinem nächstem Kunden um. Sein Gesicht leuchtete strahlend auf, als er Harry entdeckte und Draco völlig übersah.
„Mr Potter!“, rief er lauthals, damit ihn auch jeder, der im Geschäft anwesend war, hörte. „Was kann ich an diesem schönen Tag für Sie tun?“

Der Schwarzhaarige sah ihn einen Moment lang an, ohne auch nur die Miene zu verziehen, obwohl er wegen diesem Verhalten am liebsten mit den Augen gerollt hätte. Dann hob er die Augenbrauen und sah den Apotheker verwundert an. „Tut mir Leid, Mr Bobbin, aber ich glaube Mr Malfoy war vor mir an der Reihe“, sagte er fast genauso laut und nickte bedeutsam mit dem Kopf in Dracos Richtung, der mit zusammengepresstem Kiefer neben ihm stand.
„Oh, aber bitte, Mr Potter...“, fing Mr Bobbin an, der Harrys Nicken wohl mit Absicht völlig falsch verstanden hatte. „Ich habe ihm vor ein paar Minuten schon gesagt, dass wir hier nichts an solche Leute verkaufen. Wie kann ich Ihnen also helfen?“
Harry jedoch ließ sich nicht beirren. „Wie ich schon sagte, Mr Malfoy ist vor mir an der Reihe. Wenn Sie aufhören würden zu diskutieren und ihn einfach bedienen, halten wir nicht die ganze Kundschaft auf“, sagte Harry und sein Ton ließ deutlich hören, dass er über das Verhalten des Apothekers ganz und gar nicht erfreut war.

Die drei Kunden, die im Laden die verschiedenen Zutaten begutachteten, hatten ihre Aufmerksamkeit schon längst zur Theke gewandt, um das Schauspiel, das sich dort entfaltete, ja nicht zu verpassen. Der Name Potter war schon immer guter Gesprächsstoff; wenn dann allerdings noch der Name Malfoy hinzu kam, konnte man sich sicher sein, dass man eine astreine Klatsch- und Tratschgeschichte serviert bekam.

Mr Bobbins Augen huschten zwischen den beiden jungen Männern hin und her und wurde dabei sichtlich nervöser und wusste nicht, was er tun sollte.
Harry seufzte lautlos, rümpfte dann in seiner besten Malfoy-Imitation die Nase und wandte sich dann an Draco. „Die Kundenfreundlichkeit hier war auch schon mal besser, findest du nicht auch, Draco? Wie ist das in der Nokturngasse? Ich überlege gerade, ob ich nicht in Zukunft bei Selwyns and Sons einkaufen gehe.“
Draco starrte Harry an, als hätte er nun endgültig den Verstand verloren, fing sich jedoch und spielte mit, auch wenn er keine Ahnung hatte, was das alles sollte. „Oh, Mr Selwyn ist immer sehr zuvorkommend zu seinen Kunden. Dort bekommt man sogar ein heißes Butterbier, wenn man warten muss, weil er die Froschleber frisch ausnimmt“, antwortete Draco ernsthaft, obwohl das natürlich ausgemachter Blödsinn war. Doch keiner der Anwesenden konnte das wissen, da noch niemals einer davon bei Selwyns gewesen war.
„Wirklich?“, sagte Harry und klang angemessen beeindruckt. „Hm, wie es aussieht, wäre es wirklich eine Überlegung wert, wenn ich dort mal vorbei sehen würde.“

Aus dem Augenwinkel konnte Harry beobachten, wie Mr Bobbin immer blasser wurde und er wusste auch, was der Grund dafür war. Auch wenn er es noch so hasste, doch würde bekannt werden, dass er, Harry Potter, nicht mehr in Bobbins Apotheke einkaufte, weil sich dieser Kunden gegenüber unhöflich verhalten hatte, würden auch keine anderen Leute mehr dort einkaufen. Er konnte sehen, wie der Apotheker mehrmals hintereinander schluckte und sich dann mit einem gezwungenen Lächeln an Draco wandte.
„Mr Malfoy... könnte ich noch mal Ihre Liste sehen? Ich denke, ich habe mich vorhin geirrt und sehe noch mal im Lager nach, ob ich das, was Sie benötigen nicht doch da habe“, presste er höflich hervor und streckte Draco auffordernd die Hand entgegen.

Draco sah ihn überrascht an, steckte jedoch die Hand in eine Tasche seines Umhang und gab Mr Bobbin ein zusammen gefaltetes Pergament.
Mr Bobbin überflog kurz die Liste und sah dann wieder zu den beiden jungen Männern hoch. „Das wird einen Moment dauern, meine Herren. Kann... kann ich Ihnen so lange Sie warten einen Eierpunsch anbieten? Meine Frau hat heute frischen gemacht“, stotterte er dann noch hervor.
„Das wäre nett, Mr Bobbin. Dankeschön“, antwortete Harry mit einem triumphierenden Lächeln. „Wir setzen uns da drüben hin, bis sie fertig sind“, sagte er und deutete zu zwei Stühlen, die eindeutig schon bessere Tage gesehen hatten und einem Tischchen, auf dem die neuesten Ausgaben von 'Zaubertränke Aktuell' auslagen.

Mr Bobbin nickte eifrig und wedelte nervös mit dem Zauberstab in Richtung des Tisches, auf dem sofort zwei Gläser mit einer hellgelben cremigen Flüssigkeit erschienen und verschwand dann, leise vor sich hin murmelnd, im Hinterzimmer, um Dracos Wünsche zu erfüllen.
Der ging ein wenig verwirrt hinter Harry her, ließ sich schwer auf einen der Stühle sinken und griff beinahe schon abwesend nach dem Punschglas, das er in einem Zug leerte, bevor er Harry ansah, der zu ihm herüber grinste.
„Was zur Hölle war das, Potter?“, brachte er heraus und sah sein Gegenüber fragend an.
Harry zuckte nur ein wenig verlegen mit den Schultern. „Du brauchst deine Zutaten, also dachte ich, kann ich dir helfen, dass du sie auch bekommst. Dann ist mein Name wenigstens mal für etwas vernünftiges nützlich. Und wenn es nur dafür ist, dass deine Mum keine Migräne bekommt“, antwortete Harry und zog Teddy in dem ein wenig überheizten Geschäft die Mütze vom Kopf, damit er nicht anfing zu schwitzen. Hervor kam ein recht beeindruckender Haarschopf der nun gerade von einem knalligen Türkis zum selben Platinblond wurde, das Dracos Haupt zierte. Harry zog verblüfft die Augenbrauen hoch, sah von Teddys zu Dracos Haaren und blieb dann an Dracos fassungslosem Gesicht hängen. „Hm... ich glaube, du hast 'nen neuen Fan. Das macht er nämlich nicht bei jedem.“

Draco blinzelte, als er aus der Betrachtung von Teddys Haaren aufschreckte und wieder zu dem Gryffindor sah. „Oh, ähm... das hat er von seiner Mutter, oder?“, fragte er dann und kam sich dabei reichlich dämlich vor, denn eigentlich sollte er das, da Nymphadora seine Cousine gewesen war, selbst beantworten können.
Harry warf ihm einen etwas merkwürdigen Blick zu, antwortete aber dennoch. „Ja, stimmt. Sie war ein Metamorphmagus und hat das an Teddy vererbt. Hast du sie überhaupt mal kennen gelernt?“, fragte er dann und sprach weiter, als Draco zögernd den Kopf schüttelte. „Tut mir Leid für dich. Du hast was verpasst. Sie war eine tolle Frau.“ Harry konnte sehen, dass Malfoy das Thema unangenehm war, doch er hielt nichts davon, alle unangenehmen Themen auszuklammern. Das führte nur zu Missverständnissen und davon hatte er in seinem Leben schon genügend gehabt.

Draco wusste darauf nichts zu sagen und sah auf den ein wenig staubigen Boden. Er wusste wirklich nichts über diesen Teil seiner Familie, denn obwohl er seine Mutter in den letzten Monaten mehrere Male dabei erwischt hatte, wie sie über alten Alben der Black-Schwestern saß und dabei wehmütig die Bilder anstarrte, redete sie nie über ihre noch lebende Schwester. Zumindest vermutete Draco, dass sie Andromedas Bilder ansah, denn er glaubte nicht, dass sie Sehnsucht nach Bellatrix hatte. Narzissa Malfoy hatte schon vor Jahren gesagt, dass ihre Schwester schon vor Askaban verrückt gewesen war, was von dem jahrelangen Gefängnisaufenhalt nur noch verschlimmert worden war. Er wusste nicht genau, was in der Familie vorgefallen war, als die älteste Black-Schwester den Muggelgeborenen geheiratet hatte; er wusste nur, dass seine Tante danach nie wieder erwähnt wurde. Draco war neugierig, ob seine Tante es genauso vermied, von ihrer Schwester zu sprechen, wie seine Mutter es tat, doch er wusste nicht, ob er Potter darauf ansprechen konnte oder nicht.

Draco sah wieder auf und begegnete zögernd Harrys fragendem Blick, der Teddy nun ein Fläschchen mit Tee vor die Nase hielt, aus dem der Junge gierig trank.
„Was?“, fragte Harry mit leichter Neugier in der Stimme, der den zögerlichen Blick Dracos bemerkt hatte.
„Hat... also... hat Tante Andromeda mal nach uns... oder eher nach meiner Mutter gefragt?“, wollte Draco schließlich wissen und erwartete nicht wirklich eine positive Antwort.
Überrascht von dieser Frage hob Harry die Augenbrauen, bevor er nachdenklich die Stirn runzelte, bevor er dem Blonden antwortete. „Naja, sie hat mal erwähnt, dass sie und deine Mum unzertrennlich gewesen wären, als sie noch klein waren und dass sie es schade fand, dass sie dich nie kennen lernen konnte, aber ansonsten... sie redet nicht wirklich darüber und wenn, dann muss man es ihr fast aus der Nase ziehen. Warum fragst du?“
Langsam nickte Draco und nahm noch einen Schluck von dem Eierpunsch, bevor er das Glas auf dem wackeligen Tisch abstellte.
„Ich war nur neugierig“, fing er an, schüttelte dann jedoch den Kopf und beschloss einfach ehrlich zu sein. „Shit... vergiss das. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, meine Mutter vermisst sie. Sie sagt zwar nichts, aber... ich hab sie ein paar Mal erwischt, wie sie sich die alten Fotos angesehen hat. Du weißt schon, aus ihrer Kindheit...“

Harry hörte aufmerksam zu und biss sich auf die Unterlippe. Er selbst konnte es sich nicht vorstellen, mit Familienmitgliedern keinerlei Kontakt zu haben. Selbst bei den Dursleys war er nach dem Krieg noch einmal gewesen und hatte bei diesem Besuch seiner Tante Petunia versprechen müssen, dass er ab und zu mal etwas von sich hören ließ, damit sie wusste, dass es ihm gut ging. Er hatte sie angestarrt, als hätte sie verkündet Hagrid heiraten zu wollen, dann jedoch zugestimmt, immer mal wieder zu schreiben so lange sie darauf achtete, dass Onkel Vernon seine neue Eule Diabolo, der ganz im Gegensatz zu seiner treuen Hedwig, pechschwarz war, nicht zu einer Mahlzeit verarbeitete, wenn er einen Brief brachte.
Seufzend sah Harry zu Malfoy, der nun wieder die Staubflocken auf dem Boden zu zählen schien und dachte darüber nach, ob man Andromeda und Narzissa nicht irgendwie zusammen bringen konnte.
„Hast du heute Abend schon was vor?“, fragte Harry schließlich völlig zusammenhanglos und sah zu, wie Dracos Kopf erstaunt nach oben ruckte.
„Was? Äh... nein, warum?“
„Vielleicht... okay, das hört sich jetzt vielleicht völlig bescheuert an, wenn man bedenkt, das wir beide nie miteinander klar gekommen sind, aber... willst du heute Abend bei mir vorbei kommen? Wir könnten... keine Ahnung, was essen, quatschen und so“, sagte Harry langsam und war selbst überrascht von seinem Vorschlag.

Draco sah den Schwarzhaarigen perplex an und blinzelte immer wieder, sich völlig sicher, dass mit seinem Gehör etwas nicht in Ordnung war.
„Du lädst mich zu dir nach Hause ein. Einfach so? Zum quatschen?“, sagte Draco mit zögernder, ungläubiger Stimme. Egal, was er heute bei seinem Besuch der Winkelgasse erwartet hatte – das war es ganz sicher nicht gewesen.
„Ja, warum nicht?“, sagte Harry leichthin und hob unsicher die Schultern, während er Teddy das nun leere Teefläschchen abnahm und es in seiner Schultertasche verstaute. „Hör zu, Malfoy... wir sind keine Kinder mehr, schon lange nicht mehr. Diese ganzen Streitereien mit dir waren lustig... okay, nicht immer, aber manchmal. Aber vielleicht... vielleicht können wir einfach noch mal von vorne anfangen.“
„Von vorne anfangen“, wiederholte Draco und fühlte sich völlig überfahren. Er wusste wirklich nicht, was er dazu sagen sollte und sah seinem Gegenüber forschend ins Gesicht. „Wieso?“, platzte er dann unvermutet hervor. „Ich meine... du hast mich gehasst, vom ersten Moment an. Wieso willst du jetzt von vorne anfangen?“
Seufzend fuhr sich Harry mit einer Hand durch die Haare und brachte sie nur noch mehr durcheinander. „Ich hab dich nicht gehasst“, fing er zurückhaltend an, korrigierte sich dann jedoch. „Na gut, vielleicht hab ich dich zeitenweise gehasst. Du hast in unserer Schulzeit ein paar richtig miese Dinger abgezogen, für die ich dir mehr als einmal am liebsten eine reingehauen hätte. Aber... du bist kein schlechter Mensch, Malfoy, auch wenn ich das eine Weile lang gedacht habe. Vielleicht will ich einfach wissen, was ich verpasst hab, als ich damals deine Freundschaft ausgeschlagen habe.“

Draco schnaubte ungläubig und sah Harry zweifelnd an. „Aha... gibt’s etwa Ärger im Wieselparadies? Ist das der Grund? Schau, Potter... ich weiß nicht, was du dir über mich zusammen fantasierst, aber ich bin kein netter Mensch. Okay, vielleicht bin ich kein Mörder, da hast du Recht, aber das bedeutet nicht, dass ich plötzlich lieb und nett bin.“
„Die Beleidigung überhör ich jetzt einfach. Was das angeht, werden wir nie einer Meinung sein. Und was den Rest angeht... ich hab nie erwartet, dass du plötzlich lieb und nett bist, Malfoy, aber ich glaube auch nicht, dass du so ein eiskalter Bastard bist, wie du immer getan hast. So oberflächlich bist du nicht. Wenn du in der Schule aufgetaucht wärst, wäre ich wahrscheinlich schon früher auf dich zugegangen, aber du bist ja nicht zurückgekommen... wieso eigentlich nicht?“, fragte der Schwarzhaarige und stellte damit die Frage, die ihn schon seit Beginn des Schuljahres beschäftigte. Hogwarts war ohne seinen Rivalen aus Slytherin einfach nicht dasselbe, auch wenn es viel ruhiger war.

Draco zog eine Augenbraue hoch und seufzte. „Sag jetzt nicht, das hast du auch nicht mitbekommen. Was hast du seit Kriegsende gemacht? Den Kopf in den Sand gesteckt? Ich wäre zurückgekommen, wenn auch nur meiner Mutter zuliebe... aber ich darf nicht. Ich darf Hogwarts nie wieder betreten“, sagte Draco leise und ein Hauch Traurigkeit zog über das Gesicht des Blonden. „Ich mach mein siebtes Jahr – aber in Durmstrang. Meiner Mutter wäre zwar Beauxbatons lieber gewesen, wenn schon Hogwarts nicht ging, aber die haben einen Heuler als Ablehnung geschickt. Du kannst dir vorstellen, wie beliebt ich dort bin.“
„Du bist in Durmstrang?“, fragte Harry ehrlich bestürzt und erinnerte sich unversehens daran, was Viktor Krum während des Trimagischen Turniers über die Schule erzählt hatte.
„Ja... eigentlich ironisch, wenn man bedenkt dass mein Vater seinen Willen doch noch bekommen hat“, schnaubte Draco abfällig und man konnte hören, was genau er davon hielt.
„Tut mir Leid“, murmelte Harry und löste Teddys kleine Finger vom Kragen seines Umhangs, an dem der Junge fröhlich zerrte und seinen Paten damit beinahe erstickte.
„Muss es dir nicht“, sagte Draco. „Ich habe es mit selbst zuzuschreiben, dann sollte ich auch mit den Konsequenzen leben.“
Harry hörte den distanzierten Ton und verzog missmutig das Gesicht. „Merlin, du redest dir doch wohl nicht ein, dass du Schuld daran wärst, oder? Sogar ich weiß, dass du keine andere Wahl hattest. Was erwarten die denn? Dass du deine eigene Mutter hättest sterben lassen sollen?“, zischte Harry sauer und warf stellvertretend für die gesamte Zaubererschaft den anderen Kunden im Laden einen bösen Blick zu.
„Tja, leider wurde die Wichtigkeit Dumbledores vom Zaubergamot höher eingestuft als die meiner Mutter“, wisperte Draco bitter und ein gequälter Ausdruck huschte über sein Gesicht.
„Ach ja? Dann sitzen im ganzen Zaubergamot Idioten. Dumbledore wäre ohnehin gestorben. Ob mit oder ohne Todesser in Hogwarts“, fauchte Harry. Er hatte es eine lange Zeit nicht verstanden, doch mittlerweile wusste er, was geschehen war und hatte sich damit abgefunden. „Wenn deine Mum nicht gewesen wäre... damals im Verbotenen Wald... dann hätte Voldemort gewonnen. Also ich weiß, wer mir von diesem Standpunkt aus gesehen wichtiger ist.“

Verblüfft hob Draco den Kopf, als er den Ausdruck tiefster Überzeugung aus Harrys Mund hörte.
„Du meinst das wirklich ernst, oder?“, hauchte er kaum hörbar und schluckte schwer, während er in Harrys ernste Augen blickte.
„Ja, natürlich. Denkst du, ich würde sowas leichtfertig sagen? Dumbledore hat mir eine Menge bedeutet, auch wenn ich mit seinen Methoden nicht immer einverstanden war. Doch im Gegensatz dazu war er nie da, wenn ich ihn wirklich gebraucht hätte. Ich stand Voldemort immer vollkommen allein gegenüber. Bis auf dieses letzte Mal. Deine Mutter hätte für diese Lüge sterben können, aber das war ihr egal. Sie hatte nur einen Gedanken; den, ob du noch lebst und ob es dir gut geht. Sie war in dem Moment keine Anhängerin Voldemorts mehr. Sie war einfach nur noch eine verzweifelte Mutter, die ihr Kind retten wollte. Genau so eine Mutter wie Molly Weasley, die Bellatrix Lestrange tötete, um ihre Tochter zu schützen; genau wie meine Mutter, die nicht zur Seite treten wollte, damit Voldemort mich töten konnte“, erklärte Harry leise und man konnte den tiefen Respekt in seiner Stimme hören, die er für Mütter hatte, die ihre Kinder gegen alle Widrigkeiten und Gefahren schützen wollten. Kurz schüttelte er den Kopf, als ob er ihn klären wollte und sah dann wieder von Teddys Haarschopf, auf den er gestarrt hatte, hoch. „Aber wir sind vom Thema abgekommen. Also, wie sieht es aus? Kommst du heute Abend?“

Nachdenklich sah Draco in das Gesicht, welches ihn aufmerksam beobachtete. Was hatte er zu verlieren? Nichts, absolut gar nichts und vielleicht, nur vielleicht, bestand die Möglichkeit, dass er einen Freund gewann. Einen Freund, den er sich schon mit elf Jahren verzweifelt gewünscht hatte. Vielleicht hatte Potter Recht. Vielleicht lag er gar nicht so falsch damit, herausfinden zu wollen, was sie verpasst hatten. Es gab nicht einen rationalen Grund, warum er diese zweite Chance ausschlagen sollte, nur um ihm zu zeigen wie es war abgewiesen zu werden. Noch vor ein paar Jahren hätte er genau das wohl getan. Das Angebot ausgeschlagen und Potter ins Gesicht gelacht. Doch der Krieg hatte ihn verändert. Der Krieg hatte alles verändert und er sah wirklich keinen Sinn darin, eine lächerliche Schulrivalität aufrecht zu erhalten. Ein kleines Lächeln schlich sich schließlich auf Dracos Züge, als er nickte. „Ja. Ja, ich denke, ich komme heute Abend. Sofern du mir sagst, wohin ich kommen soll.“

Harry konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, doch bevor er dem Blonden antworten konnte, tauchte Mr Bobbin mit einem relativ großen Paket hinter der Theke auf und winkte Draco ungeduldig zu sicher herüber. Harry beschäftigte sich damit Teddy wieder wettergerecht anzuziehen, während Draco seine Rechnung bezahlte und der Apotheker sich dann schließlich ihm zuwandte.
„Also, Mr Potter... womit kann ich Ihnen heute helfen?“, fragte er und sah erwartungsvoll zu dem Schwarzhaarigen, der ihn jedoch nur erstaunt ansah.
„Mir? Tut mir Leid, Mr Bobbin, aber ich bin nur hier, um sicherzugehen, dass mein Freund das bekommt, was er braucht“, sagte Harry ernst und sah den Apotheker stechend an. „Vielleicht ein anderes mal.“ Damit drehte Harry sich um, bedeutete Draco, ihn zu begleiten und schritt entschlossen zum Ausgang, während ihm das Geflüster und Gewisper der anderen Kunden auf dem Fuße folgte.

Nach der Wärme der Apotheke schien es in der Winkelgasse doppelt so kalt zu sein, als zuvor und Harry unterdrückte ein Schaudern, während er Teddy fester an sich drückte. Dann sah er zu Malfoy, der etwas verloren aussah und offensichtlich nicht wusste, was er sagen sollte. Die Atmosphäre in der Apotheke war beinahe privat gewesen, doch nun standen sie mitten in der Winkelgasse, mitten in der Öffentlichkeit, wo jeder Zauberer und jede Hexe sie sehen konnte. Harry konnte verstehen, dass Malfoy sich im Augenblick wirklich nicht besonders wohl fühlte.
„Brauchst du sonst noch was, Malfoy?“, fragte Harry schließlich, bevor sich die unangenehme Stille, die sich plötzlich breit gemacht hatte, zu vertreiben.
„Ich könnte mein Pergament in der Nokturngasse aufstocken, allerdings hat die Filiale von Schreiberlings bessere Qualität, also-“, sagte der Blonde zögernd und hatte sichtlich Schwierigkeiten damit zu fragen, ob Harry ihn begleiten würde.
„Ist okay. Auf dem Weg dahin kann ich schnell bei Astro's vorbei. Hab keinen Traumlosschlaftrank mehr“, sagte Harry leichthin und lief los, als wäre es völlig natürlich, dass er mit Draco Malfoy einkaufen ging.

„Okay“, meinte Draco leise und schloss schnell zu Harry auf, der ein Stück die Gasse hinauf lief, um zu dem neuen Zaubertränkegeschäft zu kommen. „Du nimmst den hoffentlich nicht zu oft, du weißt, dass der Traumlostrank süchtig machen kann, oder?“, fragte Draco schließlich und man konnte einen Hauch Sorge aus seiner Stimme heraus hören.
Harry sah ihn überrascht an, antwortete ihm jedoch. „Nein, ich nehm ihn nur ab und zu. Ich schätze mal, du träumst auch einen Haufen Scheiße, aber wenn du dieselben Sachen in deinem Kopf hättest, wie ich, würdest du auch einmal in der Woche ohne schlechte Träume schlafen wollen.“
Verstehend blickte Draco den Schwarzhaarigen von der Seite her an und nickte. „Ja, das kann ich mir vorstellen.“

Die Unterhaltung endete, als die beiden jungen Männer schließlich in den neuen Laden eintraten, der im Verkaufsraum so gar nicht den Eindruck eines Zauberergeschäftes machte; ganz im Gegenteil. Harry dachte jedes Mal, wenn er hier herein kam, dass er so etwas eher in einer Muggel-Drogerie finden würde. In ordentlich eingeräumten Regalen standen unzählige Fläschchen, Phiolen, Tiegel und Beutel mit allem, was der Kessel hergab. Es gab verschiedene Heiltränke, aber auch Dinge wie Salben oder Tinkturen gegen Hautunreinheiten, aber auch Lotionen, die in den Kosmetikbereich fielen, wie zum Beispiel Shampoo und Massageöle. Harry fragte sich immer wieder, warum nicht schon früher auf so eine Idee gekommen war, denn der Laden schien gut zu laufen, besonders bei den Kunden, wie Harry selbst, die in der Zaubertränkeherstellung, nicht gerade ein Genie waren.

Ein dunkelblonder junger Mann mit verwuschelter Frisur flitzte vor den Reaglen umher und schien neue Ware einzuräumen, bis er Harry und Draco entdeckte. „Hey! Schaut euch um, ich hab gleich Zeit“, rief er herüber und sah zu Harry.
Der Schwarzhaarige beobachtete Draco, der wieder den Kopf gesenkt hielt und anscheinend keine Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte. Harry beugte sich zu ihm hinüber. „Ich glaube nicht, dass du hier auch raus geschmissen wirst. Ich war schon ein paar Mal hier und Lucas, der Verkäufer, ist ein ganz lockerer Typ. Außerdem ist er nicht von hier. Das Geschäft hat seinem Onkel gehört und er hat es verpachtet und arbeitet jetzt hier. Er hat allerdings bis vor kurzem in Amerika gelebt“, murmelte er dem Blonden zu, der auf seiner Lippe herum kaute.
„So, jetzt hab ich Zeit für euch“, ertönte die Stimme wieder, als der junge Verkäufer zu ihnen herüber kam und Harry und Draco sich zu ihm wandten. Überraschung flog über das Gesicht de Dunkelblonden. „Bo- äh... Boisenbeeren... Boisenbeerentee ist heute im Angebot“, sagte er plötzlich zusammenhanglos und etwas verwirrt.
Harry zog die Augenbrauen zusammen, denn das Verhalten war etwas merkwürdig für den jungen Mann, mit dem er bisher immer gut ausgekommen war. Er fände es schade, wenn auch er Vorurteile gegen Draco hätte.

„Ähm... nein, aber danke“, sagte Harry schließlich und zog Draco ein Stück nach vorne. „Ich möchte dir einen ehemaligen Klassenkameraden vorstellen. Lucas, das ist Draco Malfoy. Malfoy, das ist Lucas Keegan.“
Lucas grinste breit, streckte jedoch die Hand aus und reichte sie Draco. „Ja, freut mich, dich kennen zu lernen“, sagte er.
Der Blonde schmunzelte, ergriff die Hand und nickte. „Freut mich auch außerordentlich“, erwiderte Draco mit zuckenden Mundwinkeln.
Harry sah sich diese Interaktion argwöhnisch an und kniff die Augen zusammen. „Sagt mal, hab ich was verpasst oder so?“

Plötzlich kam aus dem hinteren Teil des Geschäfts ein lautes Scheppern und man konnte das Klirren von Glas und ein ebenso lautes Plumpsen hören.
„Oh, nicht schon wieder“, murmelte Lucas, als auch schon ein rabenschwarzer Schopf hinter der Theke erschien. „Nichts passiert! Alles klar, nichts kaputt gegangen, Baby. Alles noch so, wie es sein soll... Oh, Kundschaft... ich bin schon wieder- Potter?“
Erstaunt starrte Harry auf Blaise Zabini, der wie der sprichwörtliche Springteufel aus dem Hinterzimmer geschossen war und nun mitten in der Bewegung inne hielt. „Äh jaah, hey Zabini... arbeitest du hier?“
„Arbeiten würde ich das nicht nennen“, murrte Lucas und drehte sich um die eigene Achse, um den Zauberer mit dem südländischen Aussehen ins Visier zu nehmen. „Ich hoffe wirklich, dass noch alle Phiolen ganz sind. Ich weiß wirklich nicht, wie du den Zaubertränkeunterricht überlebt hast.“

Ein Schnauben ertönte neben Harry und er sah, wie Draco sich die Hand vor den Mund schlug, um nicht zu lachen.
„Ich schätze mal, den hat er nur Dank dir überlebt, oder?“, sagte Harry schließlich trocken und sah zwischen Draco und Blaise hin und her, worauf diesem erst auffiel, dass da noch jemand stand.
„Hey Dray, hab dich gar nicht geseh- Seid ihr beiden zusammen hier?“, platzte es mitten im Satz aus Blaise heraus und riss die Augen auf.
Draco lächelte seinem ehemaligen Hauskameraden zu, der wie immer, wo immer er auch war, ein mittleres Chaos verbreitete. „Ja, es scheint so. Potter hat mir eben... ein wenig ausgeholfen“, gab Draco zu, während Blaise` Augenbraue sich selbstständig machte und belustigt nach oben zuckte.
„Okaaay“, kam es langgezogen von Blaise. „Öfter mal was neues, aber gut... äh... du wolltest nichts kaufen, Dray, oder?“, fragte er dann verwirrt nach und versuchte Lucas` Hand abzuwehren, der ihm wiederholt hinter dem Rücken der beiden anderen, in den Hintern kniff. „Hörst du jetzt mal auf? Wenn du so weitermachst, ist mein Arsch heute Abend grün und blau!“, motzte er dann doch los und trat einen Schritt beiseite, bevor er erneut fragend zu Draco blickte.
„Nein, nein... ich kann meine Tränke schon selbst machen, weißt du doch“, antwortete Draco schließlich und nickte mit dem Kopf zu Harry. „Potter braucht Traumlostrank“, setzte er dann noch nach, was Lucas dazu brachte in Aktion zu treten, der Harry hinter sich her zur Theke schleppte, da der Traumlostrank nicht im öffentlichen Verkaufsraum aufbewahrt wurde.

Während Lucas nach hinten verschwand, beobachtete Harry die beiden Slytherins, die im vorderen Teil des Geschäftes beieinander standen und leise miteinander sprachen. Erfreut sah er dabei zu, wie Draco in Blaise` Gesellschaft aus sich herauskam und lebhaft mit den Händen gestikulierte, während er ihm etwas erzählte, worauf der Schwarzhaarige zu lachen anfing. Man konnte ohne Probleme erkennen, dass da zwei junge Männer standen, die eine jahrelange Freundschaft verband, auch wenn Harry das nicht erwartet hätte, da Blaise sich in den vorangegangenen Hogwartsjahren sehr im Hintergrund gehalten hatte. Zumindest war der Gryffindor in der ganzen Zeit nie mit diesem ganz bestimmten Slytherin aneinander geraten, was doch einiges aussagte. Es dauerte nur einige Minuten bis Lucas wieder auftauchte und ein kleines Holzkästchen in den Händen trug, in dem 24 kleine Phiolen mit dem hellblauen Traumlostrank aufrecht standen.

„Hier, ich hab dir deine wöchentliche Ration abgefüllt. Sollte für ein halbes Jahr reichen. Nimm bitte nicht mehr davon, okay? Davon süchtig zu werden ist nicht schön, Harry, auch wenn ich verstehen kann, warum du das Zeug brauchst“, sagte Lucas, als er das Kästchen bruchsicher verpackte und es Harry reichte, der es in seiner Tasche verstaute und dem Dunkelblonden ein kleines Geldsäckchen reichte.
„Schon klar, Lucas. Ist nicht so, dass ich es nicht weiß. Madam Pomfrey hat mir einen gefühlten vierstündigen Vortrag über die Gefahren von anhaltendem Gebrauch des Traumlostranks gehalten. Und es ist ja nicht so, dass der Trank meine Sofortlösung ist. Nur geh ich nach zwei Wochen ohne erholsamen Schlaf auf dem Zahnfleisch und das kann ich mir im Moment einfach nicht leisten. Nicht im UTZ-Jahr, wenn ich einen halbwegs anständigen Schulabschluss schaffen will“, gab Harry zurück.
„Okay... ich will nur nicht, dass du wegen diesem Zeug wirklich noch süchtig wirst. Ich hab Leute gesehen, die sind völlig abgerutscht. War kein schöner Anblick. Aber ich glaube, du hast viel zu viele Leute, die sich um dich sorgen und dir deshalb auf die Finger schauen“, grinste Lucas dann und verstaute das Ledersäckchen mit den Münzen bei den Einnahmen des heutigen Tages, bevor er wieder um den Tresen herum kam und mit Harry zu den beiden anderen Jungen trat, die in ihrer Unterhaltung verstrickt waren, dass sie die beiden zuerst gar nicht bemerkten.

„Wieso nicht, Dray? Das wär doch eine klasse Idee! Mit Scherztränken könntest du eine Menge Kohle machen!“, jammerte Blaise gerade und Harry kniff verwirrt die Augen zusammen. Worüber redeten die beiden da?
„Nein, Blaise. Ich hab es dir schon mal erklärt und ich werde meine Meinung nicht ändern. Scherztränke gehören nicht in mein Sortiment. Klar hätte ich kein Problem damit, sowas zu brauen und darum geht es auch gar nicht. Es gibt einen Scherzartikelladen, der sowas verkauft. Ende der Geschichte“, gab Draco ungeduldig zurück und man konnte hören, dass er diese Diskussion nicht zum ersten Mal führte.
„Aber der hat schon seit dem Krieg geschlossen! Wer weiß, ob der noch mal aufmacht“, rief Blaise und warf die Hände in die Luft. „Wie kommt es, dass du dir so eine Möglichkeit durch die Lappen gehen lässt?“
„Weil der Laden nicht ewig geschlossen bleiben wird, Blaise, deshalb. Weasley mag den Boden unter den Füßen verloren haben, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich wieder fangen wird und Weasleys Zauberhafte Zauberscherze dann auch wieder öffnet. Und ich werde nicht mit ihm in einen sinnlosen Konkurrenzkampf treten. Und wenn ich mich noch mal mit dir darüber unterhalten muss, werd ich einen Scherztrank brauen und dir deine Haare damit Hufflepuff-Gelb färben, klar?“, schnauzte Draco und bemerkte nicht, wie Harry mit offenem Mund dastand, zu dem Blonden sah, sich dann im Laden umblickte und dann wieder auf Draco starrte.

„Astro's gehört dir?“, brachte er dann fassungslos hervor, worauf Draco erschrocken herumwirbelte, den Mund öffnete, ihn wieder schloss und ganz klar nicht wusste, was er sagen sollte. Harry sah von einem jungen Mann zum anderen, die drei völlig verschiedene Reaktionen zeigten. Blaise machte einen eindeutig schuldbewussten Eindruck, während Lucas breit grinste und sich das Lachen verkniff, während Dracos Mund sich immer wieder öffnete und schloss und dann resigniert nickte und die Schultern sinken ließ.
„Ja, der Laden gehört mir und wenn du willst, kannst du mich jetzt verpfeifen gehen“, sagte Draco schließlich leise und sah niedergeschlagen zu Boden, da er in Gedanken schon sah, wie Potter schnurstracks zum Ministerium marschierte und ihn wegen Verletzung seiner Bewährungsauflagen anzeigte.
Harry jedoch sah ihn perplex an. „Was? Wieso sollte sich sowas tun?, fragte er verdutzt und konnte nicht ganz nachvollziehen, was der Blonde mit dieser Aussage meinte.

„Wisst ihr was, Kinder?“, warf Lucas plötzlich ein. „Es ist beinahe Mittagszeit. Was haltet ihr davon, wenn wir im Bistro nebenan eine Kleinigkeit essen gehen und dort über die Sache reden.“
Die drei angesprochenen Männer tauschten nachdenkliche Blicke und stimmte schließlich zu, da es sich im Sitzen und bei einem guten Essen doch viel besser reden ließ, als wenn sie mitten im Geschäft stehen blieben, wo jeden Augenblick Kundschaft reinplatzen konnte...


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Susanne Gaschke, Die Zeit