
von CathyWheeler
-eindringen-auflösen-hoffen-
Sie hob die Kette hoch und zeigte ihm den baumelnden Saphir.
„Mein Grund, weshalb ich im Phönixorden bin...“
Severus schaute interessiert auf den Anhänger.
Wenn ich es ihm erzählen würde, könnte ich bestimmt nicht die Ruhe bewahren. Es gibt aber auch andere Wege. Mir ist jetzt schon mulmig zumute.
„Ich werde aber nicht reden...“, hauchte sie.
Snape blickte auf. „Singen? Tanzen? In Runen schreiben?“, spöttelte er.
Tara lachte bitter, kraftlos auf. „Ich dachte eher an Legilimentik, aber-“
„Legilimentik?“ Snape fixierte sie.
„Lieber kurz als zäh, oder?“ Tara wich seinem Starren aus.
Noch könnte ich verschwinden...aber vielleicht... eventuell... kann er mir helfen? Mit ihm sprechen, der nicht weint oder ruhelos umhergeht ...
Oh, Dad... Mum.
„Wie du meinst, denke an die Erinnerung. Ich zähle bis drei.“
Er zückte seinen Zauberstab und auch Tara wappnete sich mit ihrem.
„Eins“
Stopp, das ist zu schnell!
„Zwei“
Konzentrier dich! Der brüllende Mann, das weinende Kind, Schmerzen und Schwärze-
„Drei- LEGILIMENS!“
Die Erinnerung löschte ihre Sicht, der Schmerz, alles noch mal in jeder Einzelheit zu sehen, war für Tara unerträglich.
Das Flehen. Der blendende Saphir. Die erloschten Augen. Die umhüllende Dunkelheit.
Die nächste Erinnerung.
Mum, heulend, unter Schock, ihr Anhänger unregelmäßig aufleuchtend. Dad, mit bewegungsloser Miene, die grauen Augen starr auf meinen Oberarm gerichtet, sein Saphir erschreckend fieberhaft aufflackernd.
Der klapperdürre Heiler hinter ihm. Mit monotoner Stimme seine endgültigen, unumstößlichen Worte: „Vielleicht hat sie noch ein, zwei Jahre zu leben-“
„Das reicht!“ Sie sprach irgendeinen Fluch aus und hörte es Klirren. Tara kniff angestrengt die Augen zu, um seine Reaktion nicht sehen zu müssen.
„Evanesco!“
Ihr wurde seine Präsenz schrecklich bewusst und sie merkte erschrocken, dass ihre Augen feucht waren und blinzelte fahrig. Dabei erspähte sie Severus, dessen Gesichtsmuskeln den Anschein hatten, vom Petrificus Totalus getroffen worden zu sein. Vor ihr lag die Karaffe, zerbrochen, der Inhalt vom Evanesco getilgt.
Bei allem, was mir lieb und teuer ist, das mache ich nicht noch mal durch.
Wie kann man nur so abgebrüht sein? Ob ich nun vor meinem Badvorleger stehe, oder vor ihm, ist da ein Unterschied?
„Reparo!“ Er reichte ihr wortlos ein dunkelgrünes Taschentuch, welches sie zerstreut nahm.
„Zeig-“, setzte Snape an, wurde aber von Taras Schnauben unterbrochen.
Als sie fertig war und das beschmutzte Tuch in eine der Außentaschen ihres Umhangs steckte, schaute Tara ihn erwartungsvoll an.
„Zeig mir den Fluchschaden!“, befahl er ihr schneidend.
Zitternd schob sie ihren Ärmel hoch.
Der hat es eilig, als ob er davon betroffen wäre.
Mit einer Hand umfasste er Taras Arm, die andere hielt den Zauberstab, der nur wenige Millimeter von den Striemen entfernt auf - und abfuhr.
Bei der Betrachtung von Severus, dessen Hakennase nur einen winzigen Millimeter von ihrer Gänsehaut entfernt war und dessen schwarze, im Kerzenschein fettig glänzenden Haare sie kitzelten, wurde Tara ganz flau im Magen. Auch ihr tränenförmiger Edelstein reagierte.
„Was hat es nun mit dem“, er nickte zum Anhänger, „auf sich?“
Sie holte tief Luft und seufzte.
„Es ist ein altes Familienerbe. Meine Mutter hatte es und ihre Eltern und so weiter. Der Anhänger dupliziert sich bei der wahren, gegenseitigen Liebe. Also meistens bei dem Partner und den Kindern. Sie können nur vom Träger benutzt werden und dienten ursprünglich Heilungsprozessen von sonst unheilbaren körperlichen Krankheiten, aber, nun, nach all den Generationen funktioniert dieser Aspekt nicht mehr hundertprozentig. Vielleicht mit einer Chance von eins zu zwei. Schließlich hatten sich die Familienmitglieder darauf geeinigt, dass es zu gefährlich ist, sie einzusetzen und das Geheimnis wurde wohl gehütet.“
„Anscheinend nicht gut genug“, erwiderte er.
„Vermutlich... wurde geplaudert, oder geprahlt.“
„Und deshalb bist du im Orden? Um uns mit einem fehlerhaften Familienerbstück zu beglücken?“, redete er forsch auf sie ein.
„Kannst du nicht nachvollziehen wie ich mich fühle? Ich habe nur noch ein paar Jahre zu leben, falls überhaupt. Und das Schlimmste, ein unschuldiges Kind auf dem Gewissen zu haben-“ Sie brach ab und wischte sich mit dem Handrücken die Augenwinkel ab. „Ich will noch irgendwas Sinnvolles machen...“
„Dann ist aber dein Plan, nach Hogwarts zu gehen, doch ziemlich unlogisch“, warf er ein.
„Naja, meiner Meinung nach, sind diese ständigen Überwachungen, naja, zwar irgendwie nötig, aber ich hatte mir unter Gutes tun nicht vorgestellt, einen dünnen Teenager beim Rumlungern zu beobachten. In Hogwarts kann ich wenigstens den Schülern das Leben angenehmer machen. Binns wird wohl kaum jemand vermissen, oder?“
Snape sah aus, als ob er sich dazu seinen Teil dachte, aber beließ es dabei.
„Zu der Verletzung, da könnte man oder besser gesagt ich, höchstwahrscheinlich -“, er bewegte die Mundwinkel minimal, „noch was drehen!“
„Wie-?“ Taras Augen wurden größer.
„Deine Lebenserwartung vielleicht auf Normalmaß schrauben“, ergänzte er.
Langsam rieselte die Information in ihr Gehirn und rastete ein.
Severus kann mich retten! Alles wird gut! Alles wird wieder einen Sinn haben!
Freude strömte durch ihren Körper. Aber richtig fassen konnte sie es nicht.
„Wirklich wahrhaft?“, stieß sie hervor, ein seliges Lächeln im Gesicht.
„Ja, ich könnte!“, antwortete er frostig und wischte damit ihr Lächeln aus dem Gesicht.
Irritiert schaute sie ihm in die Augen.
„Du meinst, ich muss erstmal die Stelle bekommen?“ Sie blickte ihn forschend an.
„Ja, das wäre theoretisch eine Vorraussetzung“, schloss er eisig.
Der Tonfall ließ Schlimmes vermuten. Für Taras angespannte Nerven war er der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Normalerweise hätte sie sich mit ihm heftigst gestritten, aber normal lief es für Tara die letzten Monate nicht. Heiße Tränen liefen ihr über die bleichen Wangen.
Severus wandte sich von ihrem Gesicht ab, indem er sich erhob und wie ein dunkles Omen zum Fenster schritt und durch die geschlossene Jalousie spähte.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel