
von CathyWheeler
„Willst du mir damit etwa unterstellen, ich könnte auf der anderen Seite stehen?“, fragte sie hitzig.
„Wenn keine Gegenargumente dazwischen stehen?“
„Ich werde es dir, wenn wir mal alleine sind, beweisen. Jetzt lass mich in Ruhe!“
Den Teufel werde ich tun! Ich muss mir dringend irgendwas Glaubhaftes ausdenken...
Severus zischte noch: „Nach der Versammlung-“, und erhob sich dann, um seinen Bericht vorzutragen, der mit zahlreichen Beleidigungen für Sirius gespickt war.
Nach der Versammlung?! Großer Merlin, hilf mir!
Es muss mir doch gelingen, ihn irgendwie zu täuschen. Aber dafür benötige ich noch Zeit, wie soll ich denn sonst jemanden überlisten, der es schafft, den dunklen Lord-
„Was wollte denn Snape von dir?“, murmelte Tonks mir zu.
Das hat mir gerade noch gefehlt!
„Hat sich beschwert, dass ich ihn in Parodie der Lehrer so schlecht getroffen habe.“
„So ein Quatsch, du hast ihn bis ins kleinste Detail imitiert“, sie grinste, in Erinnerungen schwelgend.
„...daneben sind seine Hauptziele unverändert geblieben. Mehr konnte ich, immer nur einen Zentimeter vom Tod entfernt, nicht in Erfahrung bringen.“
„Danke, Severus. Irgendwelche Anmerkungen dazu? Keine? Dann beende ich hiermit die Versammlung.“
Stühle wurden gerückt und Abschiedsfloskeln hin und her geworfen.
„Komm!“ Severus deutete zum Ausgang, an dem sich die Leute drängelten.
Tara folgte ihm mit weichen Knien und stopfte ihren rasant pochenden Anhänger unter ihren Umhang. Ob ich einen vorgetäuschten Ohnmachtsanfall riskieren sollte?
Snape blieb ohne Vorwarnung plötzlich stehen.
„Was-?“, rief sie stolpernd.
„VON DEN EIGENEN SÖHNEN BELAUSCHT, WAS FÄLLT EUCH EIGENTLICH EIN? GEBT DIE TEILE HER, SOFORT!
ACCIO! ACCIO! ACCIO!
DAS WIRD NOCH EIN NACHSPIEL HABEN!“ Mollys zornerfüllte Stimme durchbrach die Aufbruchsstimmung.
Tara stellte sich auf Zehenspitzen und erhaschte einen Blick auf das Szenario: Molly sammelte fleischfarbene Ohren mit langen Schnüren ein; die Zwillinge machten enttäuschte Gesichter und versuchten krampfhaft, ein paar der Bespitzelungswerkzeuge zu retten.
Schließlich löste sich das Knäuel an der Küchentür und sie und Severus betraten die Eingangshalle. Als sie schon in Richtung Haustür liefen, kam Sirius auf die beiden zu.
„Wohin willst du denn noch, Tara?“ Er beäugte Severus, der Tara vorwärts zog, misstrauisch.
„Äh - hab noch was in der Wohnung vergessen-“, stammelte sie.
Severus schubste Tara in die Dunkelheit hinaus.
„Kann länger dauern-“, rief sie noch hastig über Snapes Schulter hinweg. Dann waren sie draußen.
„Seit-an-Seit-Apparieren“, raunte er Tara zu.
Sie ergriff seinen dargebotenen rechten Arm.
In was habe ich mich da bloß hineinmanövriert?
Plopp
Sie kamen an.
Tara rümpfte die Nase und ihre Füße verfingen sich in einer Plastiktüte. Das schmutzige Wasser in der Nähe beleidigte ihre Nase. Snape lief voraus.
Was sollen wir hier?
Ihre Unkenntnis in der Umgebung spornte sie zur Fortbewegung an und langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Schwärze des Abends.
Ungläubig musterte Tara den unheilvollen Fabrikschornstein und die verwahrlosten Häuserfronten.
Er wird doch nicht etwa hier leben?
Es war nicht weit zum letzten Backsteingebäude, an dem nun Severus die Tür öffnete und innen die Lampe ohne Worte anzündete.
„Darf ich bitten?“ Sein Lächeln war spöttisch.
Nach kurzem Zaudern trat sie ein und setzte sich auf ein verschlissenes Sofa. Ihr Blick verweilte einen Moment an dem wackligen Tisch vor ihr, blieb aber schließlich an den beeindruckenden Bücherwänden hängen.
„Ich bringe uns etwas zu trinken.“
Sie nickte ihm in Gedanken versunken zu.
Die Wahrheit zu leugnen wäre bei ihm sinnlos. Wenn es doch nur nicht Severus wäre...
Na, wenigstens Mitleid wird mir wohl erspart bleiben.
Snape stellte ein Tablett mit zwei Gläsern und einer Karaffe Wein auf die einzige Abstellgelegenheit im Raum.
„Wie war es auf Arbeit?“ Seelenruhig schenkte er ein und ließ sich in den Sessel gegenüber von ihr fallen.
Er verlangt allen Ernstes nach Smalltalk?
Aber, möglicherweise... kann ich dadurch den Austausch über meine Gründe aufschieben, bis mir was einfällt. Falls mir was einfällt.
„Ich habe einen Plan, wie ich da weg komme.“
„Ich habe einen Plan? Willst du Scrimgeour den Imperio aufhalsen?“ Er feixte.
„Was soll ich in der Aurorenzentrale? Wenn alles klappt, bin ich bald deine Kollegin!“, erwiderte sie schnippisch.
„Du kommst zu spät“ Er machte eine säuerliche Miene. „Fudge wird seine Untersekretärin nach Hogwarts schleusen-“
„Nicht für Verteidigung gegen die dunklen Künste; ich mache eine ganz andere Stelle für mich frei...“, mit großen Gestiken erzählte Tara ihm begeistert ihr Binns-Unterfangen.
Severus blieb davon unbeeindruckt: „Wir werden sehen...“
Tara nippte an ihrem Glas und zuckte nervös mit ihrem Fuß.
Über was soll ich noch sprechen?
„Darf ich mir deine faszinierende Bibliothek näher anschauen?“
„Nein, wieso?“ Snape grinste süffisant.
Seltene Flüche würden mich interessieren, am besten solche, die breite schwarze Striemen hinterlassen. Würdest du so ein Buch mir bitte reichen?
DA KANN ICH AUCH GLEICH ALLES ERZÄHLEN!
Ob er etwas ahnt?
„Vielleicht steht bei dir etwas Sinnvolles über Dauerklebeflüche, dieses Portrait von Sirius' Mutter ist die reinste Plage!“
Das war knapp!
Auf seinem Gesicht spiegelte sich ein wissender Ausdruck.
„Willst du tatsächlich Blacks einzigste Freizeitbeschäftigung zerstören? Und apropos Black…was willst du von dem?“
„Nichts“, sagte sie bemüht arglos.
Sein Blick veriet nichts.
„Was macht eigentlich dein Anhänger?“
Sie hob die Kette hoch und zeigte ihm den baumelnden Saphir.
„Mein Grund, weshalb ich im Phönixorden bin...“
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