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Fanfiction

Balance Akt am Abgrund - Alte Orte, neue Rollen

von Kraehenfeder

Hallo ihr Lieben!
Da ich ab Montag wieder Schule habe und mein Leben mich gerade mal wieder, Stress mäßig, mit voller Wucht an die Wand klatscht, werde ich vielleicht in den nächsten Tagen nicht so oft Zeit haben, aber ich gebe mir Mühe.
Erstmal vielen Dank für eure tollen Kommis! Freue mich wie immer!
Aber... ich möchte jetzt nochmal kurz und ganz dezent Werbung für mich selbst machen, falls das erlaubt ist ;)
Ich habe vor ein paar Tagen einen kleinen (recht sinnlosen) Oneshot ongestellt. "Exceptionally Avenged" (http://www.harrypotter-xperts.de/fanfiction?story=7989)
Vielleicht hat ja jemand mal Lust, vorbei zu schauen!

Und jetzt lasst uns Hermine die Chance geben, zu ihren Wurzeln zurückzukehren ;)

Alte Orte, neue Rollen

Hermines Magen schien sich innerhalb einer halben Stunde in Eis verwandelt zu haben. Ihr einziger Koffer stand gepackt neben ihr, die Wohnung war abgemeldet. Dumbledore hatte geschrieben, ihre neuen Gemächer seien bereits hergerichtet worden. Erst war sie erfreut gewesen, schon am Samstag anreisen zu können, um genug Zeit zu haben. Aber jetzt, wo sie hier stand und nur noch nach Hogsmeade apparieren musste, schlug die Nervosität in vollen Bahnen zu. „Sei kein Feigling, Hermine“, machte sie einen kläglichen Versuch, sich selbst Mut zu machen. Lediglich ihre dünne Stimme klang durch den leeren Raum.
“Also gut“, fügte sie hinzu, seufzte leise auf und apparierte dann. Der Ort, an dem sie wieder erschien, ließ freien Blick auf das Straßenende, an dem ihr Schicksal scheinbar wieder eine grundlegende Kehrtwendung hingelegt hatte.

Es war schon irgendwie mystisch. Zwei Jahre zogen ins Land, in denen es in ihrem Leben rapide bergab ging. Dann traf sie Severus. Ein paar zerplatzte Träume und Hoffnungen später, zählte sie wieder 24 Monate, die jedoch immerhin nichts schlimmer machten – wenn auch nichts besser. Dann stolperte sie, dieses mal wörtlich, wieder über Severus. Eine erneute, einschlagende Veränderung war die Folge. Sie ließ ihre Koffer sich in die Luft erheben und steuerte den Weg zum Schloss an. Mit jedem Schritt pochte ihr Herz schneller und kurz vor den Toren blieb sie stehen. „Wer sind Sie?“ Eine kratzige aber unvergessliche Stimme ließ sie den Kopf drehen.
Filch, der Hausmeister, schlurfte auf sie zu. Miss Noris schlich hinter ihm her über die Schlossgründe und musterte Hermine aus verwaschenen Katzenaugen. „Hermine Granger. Professor Dumbledore erwartet mich“, erwiderte sie knapp. Sie hatte zeitlebens all ihre Lehrer respektiert, mochten sie noch so exzentrisch gewesen sein – aber Filch war und blieb ein schleimiger Haufen Dreck.

„So, so. Freundin vom großen Potter, hmh? Weiß noch, wie oft ich euch erwischt habe.“ Die Wahrheit war, dass Filch in achtzig Prozent aller Fälle zu unfähig gewesen war, sie zu erwischen. Aber das sprach die junge Frau nicht aus, schließlich war der Hausmeister gerade dabei ihr das Tor zu öffnen. Sie wollte keinesfalls Gefahr laufen, wieder ausgesperrt zu werden. Es strömten gerade einige Schüler durch die Eingangshalle, als sie eintrat. Ein paar verwunderte Blicke trafen sie, doch die Jungen und Mädchen schienen sich sonst keine großen Gedanken darum zu machen, was sie hier wollte. Außerdem zog kurz darauf Dumbledore ihre Aufmerksamkeit auf sich, der ihr entgegen geeilt kam. „Hermine“, rief er strahlend. „Ich freue mich sehr Sie zu sehen.“ Der Direktor breitete die Arme aus und ehe sie sich versah, fand sie sich in seiner Umarmung wieder. „Verzeihen Sie einem alten Mann seine Sentimentalitäten“, meinte er zwinkernd und führte sie auf die Treppe seines Büros zu. Dabei machte er einen kurzen Zauberstabschlenker, und Hermines Koffer wurden nicht mehr von ihrem sondern von seinem Zauber getragen.

„Professor?“, fragte sie zaghaft, als sie in seinem Büro angekommen waren. „Albus, Hermine. Albus. Wir sind nun so was wie Kollegen, wissen Sie?“ Vergnügt stellte er ihre Koffer an der Wand ab, drehte sich zu ihr herum und unterzog sie einer eingehenden Musterung. Der Blick aus seinen Augen war so durchdringend, dass sie der Versuchung widerstehen musste, sich zu winden. „Albus“, begann sie erneut. „Ich weiß gar nicht… Ich weiß wirklich nicht wie ich Ihnen danken soll.“ Er hob abwehrend eine Hand. „Sie haben ihrem Dank schon in ihrer Eule überschwänglich Ausdruck verliehen.“ „Ich werde Ihnen nie…“
Abermals wurde sie unterbrochen, diesmal etwas bestimmter. „Hermine. Wir hätten das hier schon längst tun sollen. Irgendwie sind Sie in den Nachkriegsjahren verloren gegangen. Wir haben alle unser Leben aufgebaut, sie sollten langsam auch beginnen das zu tun.“ Die junge Frau öffnete den Mund und schloss ihn wieder. „Wie meinen?“, fragte sie schließlich.

Der Direktor hob eine Augenbraue. „Severus hat mir von ihrer Notlage berichtet.“ Ihre blasse Gesichtsfarbe wandelte sich in ein helles Rot. „Pflichtgefühl.“ Unwillkürlich fragte sie sich aber auch, ob Severus so weit gehen könnte, seinem langjährigen Freund von ihrer ersten Begegnung vor zwei Jahren zu berichten. Nun schien ihr Gegenüber etwas unwillig zu werden. „Nicht Pflichtgefühl! Natürlich fühle ich mich etwas schuldig, dass kein Mensch an sie gedacht hat.“ Er schien selbst zu bemerken, was eine niederschmetternde Wahrheit das war, doch Hermine wich seinem Blick aus. „Auf jedenfall“, fuhr er fort, „tue ich das hier aber, weil sie intelligent sind. Sie haben die Chance verdient, eine fabelhafte Ausbildung abzuschließen. Sie arbeiten hart dafür und langsam sollte die Zeit gekommen sein, in der man sie dafür belohnt, dass sie sich durchs Leben gekämpft haben.“

„Danke“ – Dieses eine, heute schon oft gesagte, Wort, war alles was sie über die Lippen brachte. „Es reicht jetzt wirklich, Hermine“, sagte Dumbledore streng, auch wenn es in seinen Augen schalkhaft funkelte. Er hatte ihre Kapitulation gesehen. „Wenn ich mich nicht irre, brauchen Sie noch die notwendigen Roben?“ Bevor sie in die Verlegenheit kam, erwähnen zu müssen, dass sie sich das momentan nicht leisten konnte, hatte er hinzugesetzt: „Dafür ist ein Vorschuss üblich hier auf Hogwarts. Sie werden heute Nachmittag ausgiebig einkaufen gehen können.“ Irgendwie bezweifelte die junge Frau, dass das auf Hogwarts wirklich üblich war, aber sie schwieg. Sie vermied es auch sich erneut zu bedanken. Dumbledore nickte gedankenverloren. „Madame Pomfrey wird Sie gleich hier abholen, Ihnen ihre Gemächer zeigen. Morgen wird Poppy Sie dann einweisen.“ „Ich freue mich sehr, wieder hier zu sein.“ „Eine ganze Menge Leute, freuen sich darüber auch“, erklärte er zwinkernd. „Sie werden um einige ausführliche Gespräche mit ihrer ehemaligen Hauslehrerin nicht herum kommen. Und einige andere Menschen warten auch noch auf sie, aber das werden wir sehen.“

Hermine hob eine Augenbraue und wollte schon nachfragen, aber in diesem Moment öffnete sich die Tür. Madame Pomfrey betrat den Raum. Die Medihexe war für Hermine schon immer eine freundliche aber fremde Autorität gewesen. Natürlich hatte sie Harry, Ron und Hermine unnatürlich oft zusammen flicken dürfen, aber mehr wusste sie auch nicht von Poppy Pomfrey. Sie war meist freundlich, verteidigte ihr Revier aber wie eine Löwin. Und ihre Patienten wurden mit Fürsorge überschwemmt. „Mein Gott, Sie sehen ja furchtbar aus, Kind“ – Die ersten Worte, die sie sprach, waren an Hermine gerichtet. Diese verzog die Mundwinkel leicht. „In diesem Zustand kommen Sie mir aber nicht zur Arbeit. Schlaf ist eine Grundvorraussetzung… -“ „Poppy“, unterbrach Albus sie. „Hermine studiert deinen Beruf. Sie weiß das auch. Sie hat es nur in den letzten Monaten“, er warf ihr einen Blick zu, „nicht ganz einfach gehabt. Warte eine Woche ab und dank Hogwarts sieht sie wieder aus wie das blühende Leben.“
Hermine war etwas unwohl dabei, dass die beiden über sie redeten, als sei sie gar nicht anwesend, aber sie erhob das Wort nicht, ehe Poppy sie hinaus auf den Gang führte.

Die Medihexe verwickelte sie sofort munter in ein Gespräch über ihr Studium und Hermine stellte erleichtert fest, dass man sich mit dieser Frau angemessen unterhalten konnte. Sie gab ihr immerhin nicht das Gefühl, völlig unwissend zu sein. Vor den Räumen angekommen, die man ihr zugewiesen hatte, verabschiedete sich Madame Pomfrey wieder. „Wir sehen uns beim Mittagessen.“ Hermine nickte und wand sich dann dem unscheinbaren Portrait eines kleinen Zauberers zu. Dieser erinnerte sie ein bisschen an Professor Flitwick, doch ehe sie diese Ähnlichkeit ergründen konnte, räusperte sich hinter ihr jemand. Beinahe wären die Koffer ihrem Schwebezauber entglitten.

Severus Snape stand in seiner ganzen Größe und Existenz hinter hier, unwillkürlich hielt sie die Luft an. „Du bist also angekommen.“ „Scheint fast so“, erwiderte Hermine. Sie hob eine Augenbraue und beobachtete wie er sich ein Lächeln verkneifen musste. „Ich glaube, das hast du dir bei mir abgeguckt. Kannst du nicht mal deinen eigenen Stil entwickeln?“ „Eher nicht. Hat mir schon immer so gut an dir Gefallen. – Metamorph-Medaillen.“ „Interessantes Passwort“, bemerkte er ironisch, als sich der Durchgang auftat. „Sicher“, antwortete sie. Und ich habe es dich mit voller Absicht hören lassen, fügte sie gedanklich hinzu und verschwand dann in ihren Räumen. „Oh Merlin“, flüsterte sie mit geschlossenen Augen. Ein Himmelbett in Gryffindor-Farben. Weiche Teppiche. Ein großer Schreibtisch. Eine Tür, die wohl zum Bad führte und eine Couch mit zwei Sesseln vor dem Kamin. Ziemlich genial, wenn man bedachte, dass ihr Zimmer zu Zeiten als Vertrauensschüler sehr ähnlich ausgesehen hatte. Es fiel der jungen Frau nicht schwer, sich hier sofort mit ihren wenigen Habseligkeiten einzurichten. Im Vergleich zu dem Loch in dem sie die letzten Monate gehaust hatte, erschien ihr das Zimmer himmlisch. Dumbledore hatte schon seine Besorgnis darüber geäußert, dass es nicht besonders groß sei, aber Hermine war voll auf zufrieden. Und das war ein Gefühl, das sie schon sehr lange nicht mehr gespürt hatte. Aufrichtige Zufriedenheit. Wenn auch mit einem kleinen (vielleicht auch eher größeren) Wermutstropfen.

Als die Zeit für das Mittagessen nahte, drehte sie etwas nervös an ihren Haaren herum. Ihr war klar, dass sie dort aufzutauchen hatte – doch trotz des Wochenendes würden an einem Samstagmittag mit Sicherheit alle Schüler in der großen Halle versammelt sein. Einschließlich des Kollegiums, dem sie noch vorgestellt werden sollte. Nervös schob Hermine die große Flügeltür auf und hatte augenblicklich das Gefühl, dass sich alle Blicke auf sie richteten. Ob dem wirklich so war, konnte sie durch ihre gesenkte Kopfhaltung nicht sagen, aber das ein paar Leute sie beim Eintreten erkannt hatten, war nicht zu überhören. Denn ihr Name ging auf absurde Weise als Flüstern durch den Raum. Dumbledore winkte sie jedoch freundlich zu sich und bedeutete ihr Platz zu nehmen, auf dem einzig freien Stuhl – dem von Severus Snape. Dieser beachtete sie jedoch gar nicht sondern stierte nur konzentriert auf seinen Teller. Dann begann Dumbledores scheinbar heiß ersehnte Vorstellungsrunde.

Viele von den Professoren kannte sie noch aus ihrer eigenen Schulzeit, aber es gab Änderung. Hagrid war nicht mehr hier – Wie sollte er auch, wo er doch sein Leben gelassen hatte im Kampf gegen Voldemort? Der große, starke Hagrid. Immer fröhlich, etwas grobschlächtig, der keiner Fliege etwas zu leide tun konnte. Der steinharte Plätzchen gebacken hatte und in dessen Hütte sie so viel Zeit verbracht hatten, als sie noch Kinder waren. Weitestgehend unschuldig. Heute ersetzte eine gewisse Professorin Vance seinen Platz. Von Professor Trewlaney, dem mutierten Insekt auf ihrem Turm, wusste man nichts. Ihr Verbleib war und blieb unbekannt. Firenze, der Zentaur, war nun noch immer mit der Aufgabe betraut, Wahrsagen zu unterrichten. Den meisten Mädchen war das wohl nur recht. Nicht zu vergessen war natürlich der neue Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste – jener, der nun schon seit vier Jahren im Amt war. Seit Voldemorts Fall. Die Rekordleistung seit dem Fluch, den Tom Riddle auf diese Stelle legte. Wenn es denn einer gewesen war.

Remus Lupin. Hermine hielt mitten in der Bewegung inne und blinzelte angestrengt. Sie hätte ihn beinahe nicht erkannt. Er sah… gut aus. Seine Klamotten waren nicht mehr so voller Flicken, wie sie es damals gewesen waren. Seine Züge waren weniger verhärmt, seine Augen von weniger Traurigkeit erfüllt. Natürlich war er noch immer nicht das blühende Leben, das würde ein Werwolf nie sein, aber es war etwas ganz anderes als noch vor ein paar Jahren. Vor allem unterrichtete er. „Professor Lupin“, stieß Hermine in diesem Moment hervor. Der braunäugige Werwolf lächelte sanft. „Remus, Hermine. Es ist langsam an der Zeit.“ Sie nickte stumm, noch immer überrascht. Dumbledore schien dies zu bemerken. „Sehen Sie, meine Liebe. Eine gute Veränderung unserer Zeit. Remus unterrichtet nun schon seit vier Jahren wieder und keine der Eltern hatten jemals Grund zu Beschwerde. Durch Severus Bemühungen werden die Fehltage immer weniger und wenn doch, übernimmt Severus sie eben.“

Ohne nachzudenken wand sich Hermine an ihren Tischnachbarn: „Du unterrichtest jetzt manchmal Verteidigung gegen die dunklen Künste? Manche Dinge werden eben doch noch wahr.“
Severus hob in seiner typisch-abweisenden Art eine Augenbraue. „Welch eine Feststellung“, meinte er abweisend, ehe er sich wieder voll und ganz seinem Essen widmete. Das restliche Kollegium quittierte es mit einem Stirnrunzeln, dass der unnahbare Zaubertrankprofessor und die junge Medihexe sich scheinbar gut zu kennen schienen, doch keiner ging darauf ein.
Nur Lupin meinte: „Nicht so griesgrämig, Severus. Hermine sollte einen schönen Start in ein neues Leben haben.“ Dabei warf er ihr einen Blick zu, der ihr schon alles sagte. Es war dieses typische „Wir-unterhalten-uns-später-noch-darüber-warum-du-nichts-davon-gesagt-hast“-Gestarre aus Remus’ Haselnuss Augen. Sie musste dem Drang widerstehen, leise aufzustöhnen. Remus war immer einer ihrer besten Freunde aus dem Orden gewesen. Sie erinnerte sich noch sehr genau an den Tag in ihrem dritten Schuljahr, als sie das Rätsel um Sirius Black aufgedeckt hatten. Eine schicksalhafte Begegnung in der heulenden Hütte später war der damals verurteilte Massenmörder – Harrys Pate – dank ihrer Hilfe wieder auf freiem Fuß. Und schließlich hatte der Vollmond ihren Verdacht bestätigt: Remus Lupin war ein Werwolf.

„Hermine?“ Der Mann, der schon als kleines Kind vom berüchtigten Fenrir Greyback gebissen worden war, holte sie aus ihren Überlegungen. „Hmh?“, fragte sie aus dem Konzept gebracht. „Hättest du Lust mich auf einen kleinen Spaziergang zu begleiten?“ „Ich wollte eigentlich heute noch nach Hogsmeade...“ ... und möchte ein Gespräch mit dir möglichst lang herauszögern. In diesem Moment schaltete sich jedoch der Schulleiter ein: „Ich denke, es ist eine gute Idee, wenn Remus dich ins Dorf begleitet.“ „Ich brauche keinen Babysitter“, erwiderte sie etwas schärfer als beabsichtigt.
„Das ist mir klar“, lautete Dumbledores freundliche Antwort. Sie murmelte etwas Unverständliches. „Hast du einen Umhang dabei?“ Das war wieder Remus. „Sicher“, seufzte sie.

Die Beiden gingen nebeneinander aus der großen Halle, wobei Hermine Severus' brennenden Blick im Rücken spürte. „Ich weiß jetzt, wie du dich damals gefühlt hast“, meinte sie mit einem schwachen Lächeln. „Wie meinst du das?“ Die frische Luft dieses Spätwintertages umfing sie, als sie auf die Schlossgründe traten. „Guck mich an. Ziemlich kläglich, oder?“ Remus maß ihre schlampige Kleidung mit scheuen Blicken. „Das werden wir ja jetzt gleich ändern, oder?“ „Ich glaube nicht, dass mein Geld für Klamotten reicht. Selbst mit Vorschuss.“ „Es... tut mir Leid, Hermine.“

Abrupt blieb die Angesprochene stehen. „Du kannst nichts dafür.“ „Natürlich. Keiner von uns hat sich um dich gekümmert, als du uns mehr denn je gebraucht hast.“ „Vergiss es, Remus. Es ist Vergangenheit.“ „Ist es nicht. Du hast diesen Krieg mitgekämpft, stärker als die meisten anderen. Und dann lassen wir dich links liegen. Selbst Harry und Ron – es wäre ihre Verantwortung gewesen...“ „Lass das“, fauchte sie. „Ich habe es satt, dass sich jeder aus Pflichtgefühl meine Anwesenheit aufzwingt. Harry kümmert es nicht wie es mir geht. Er hat sich diese Abgeschiedenheit verdient. Ron ist ein Kind, aber das kann ich nicht ändern. Die ganze Familie Weasly hasst mich. Der Orden kennt mich wahrscheinlich nicht einmal. Ihr habt mich vier Jahre lang nicht vermisst, warum tut ihr jetzt so, als würde es euch etwas bedeuten, wie es mir geht?“ Hermine hatte sich in Rage geredet und schien gar nicht mehr aufhören zu können.

Remus hingegen blickte sie nur traurig an. Es tat ihm leid, sie so zu sehen. Auch wenn er es nicht zugeben wollte, sie erinnerte ihn stark an ihn, zu der Zeit als er noch unter elenden Lebensbedingungen sein Dasein fristen musste. Sie sah müde und abgespannt aus, irgendwie vollkommen ausgebrannt. „War es sehr schwer für dich dein Studium zu finanzieren?“ Er hatte mit einer aufgebrachten Antwort gerechnet, ihre Entgegnung jedoch ließ ihn bleich werden. „Meine kurze Zeit als Hure war die lukrativste Beschäftigung, die ich in den letzten Jahren hatte.“ „Was?“, würgte er hervor. „Ja, das überrascht dich, nicht wahr? Aber irgendwas muss man ja tun, wenn alle Leute, auf die man gebaut hat, plötzlich besseres zu tun haben.“ Sie spürte wie starke Hände sie packten, dann zog Remus sie in seine Arme. „Kannst du mir verzeihen, dass ich nicht für dich da war?“

Einen Moment spielte Hermine mit dem Gedanken sich zu wehren, aber das Gefühl einer freundschaftlichen Umarmung voller Geborgenheit, hatte sie schon zu lange vermisst. Keiner von Beiden sah den dunklen Schatten weiter oben am Hang verschwinden. „Ich habe es nie verstanden. Warum mich nie jemand gekannt hat. Warum nie jemand nach mir gefragt hat und nicht nach den Hausaufgaben, die man selbst nicht machen wollte. Ich war immer nur Hermine. Großzügig, gutherzig, hilfsbereit. Aber leider potthässlich und eben nur ich.“ Er räusperte sich. „Severus... Severus hat Albus und mir das mit deinen Eltern erzählt.“ Ihre Züge verhärteten sich. „Wann?“ „Gestern Abend.“ „Das war nicht für andere Ohren bestimmt.“ „Was war zwischen dir und ihm?“ „Das, Remus, geht dich nichts an.“ „Du verzeihst mir nicht, oder?“ Aufrichtiges Bedauern klang in seiner Stimme mit. „Da gibt es nichts zu verzeihen, Remus. Es war nie deine Aufgabe für mich zu sorgen. Ich habe gelernt auf mich selbst aufzupassen. Aber ich habe keine Lust noch mal enttäuscht zu werden.“

Damit wand sie sich ruckartig um und steuerte den Weg ins Dorf an. Mit dem Geld das Dumbledore ihr gegeben hatte, kam sie gerade so für die Umhänge und die benötigten Materialien auf. Ihr Blick hing jedoch sehnsüchtig an einem Bücherladen.
„Wollen wir reingehen?“ Sie hatten in einen Plauderton gewechselt, der den Umgang miteinander deutlich vereinfachte. Belanglose Themen, belanglose Gespräche.
Doch Hermine verneinte. „Das würde mich nur neidisch machen.“ „Ich kauf dir welche. Geburtstagsgeschenke der letzten Jahre aufholen, in denen du vom Kind, das ich einst kannte, zu diese bewundernswerten Frau geworden bist.“ „Auf keinen Fall.“ Alles in ihr verlangte danach, in diesem Bücherladen zu stöbern und endlich mal wieder ein paar Bücher in den Händen zu halten, mit dem Wissen, sie kaufen zu können. Aber ihr Stolz ließ nicht zu, dass Remus das tat. Er seufzte. Damit hatte er schließlich schon gerechnet. „Wollen wir zurückgehen? Du siehst müde aus. Womöglich solltest du die Gelegenheit nutzen, dich auszuschlafen. Wir brauchen ja alle noch deine Heilkünste.“ Hermine ging zwar nicht au seine Worte ein, betrachtete ihn aber nachdenklich. „Wie sieht es eigentlich mit deinen Verwandlungen aus, momentan?“ „Es ist noch immer nicht viel angenehmer als früher. Aber seit Voldemorts Fall, kann ich besser damit leben. Tonks hilft mir dabei.“ „Oh“, stieß Hermine verwundert aus. „Ihr habt endlich zusammen gefunden?“ „Ja“, meinte er und brachte es fertig, dabei auch noch ein wenig verlegen auszusehen. Diesmal jedoch war es die angehende Medihexe, die ihm um den Hals fiel. „Wie wunderbar. Ihr habt lange genug auf euer Glück gewartet. Ihr habt es euch redlich verdient.“ „Danke“, erwiderte Remus lächelnd.

„Wir haben hier fast alle unser Glück gefunden.“ „Ich weiß, was du mir damit sagen willst. Aber ich möchte nicht mehr darüber reden. Ich bin froh wieder auf Hogwarts zu sein, aber ich muss mich dieses Jahr darauf konzentrieren, mein Studium abzuschließen. Ich würde mir nur wehtun, wenn ich versuchen würde, alte Wunden wieder aufzureißen.“ „Wie du meinst, Hermine. Aber ich möchte, dass du weißt, dass ich trotz allem immer für dich da bin. Wir werden das alles wieder hinkriegen. Irgendwie behalten wir dich hier.“ Sie seufzt auf. „Remus, ich sagte doch: Lassen wir das Thema fallen.“ Es tat ihr weh über all das nachzudenken, was sie verloren hatte. Damals, in ihrer Schulzeit, war sie überzeugt gewesen in Harry und Ron die besten Freunde die man haben konnte gefunden zu haben. Sie vertraute jedem einzelnen Lehrer und dem Orden. Was hatte es ihr gebracht? Nur Kummer. Doch sie verbat sich jegliche Reflektion der Geschehnisse von damals. Sie hatte lange genug Alpträume gehabt.


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Hermine hängt die Tweed-Röcke und Strickpullis von Oma in den Schrank und - darf ich es überhaupt aussprechen - trägt Jeans!
Emma Watson