
von Saoirse
Zaubereigeschichte war wie schon die ganzen sechs Jahre zuvor sterbenslangweilig. Aber Tonks versuchte trotzdem aufmerksam auszusehen. Sie wollte die Zettelchen nicht bemerken, die Justin ihr immer schrieb und heimlich zusteckte.
Tonks, ich liebe dich. HieĂ es auf dem einen.
Tonks, ich brauche dich. Stand auf dem anderen.
Tonks runzelte die Stirn. Sie hatte einen schweren Fehler begannen. Wieso hatte sie das nur gemacht? Sie hatte ihrem besten Freund Hoffnungen gemacht! Hoffnung, die fĂŒr ihn nie bestanden hatte. Der arme Kerl hatte bei ihr nie eine reelle Chance gehabt und wĂŒrde wahrscheinlich auch nie eine haben.
Sie nahm die RĂŒckseite eines Zettelchens und schrieb etwas darauf: Will unbedingt mir dir unter vier Augen reden!!!
Das dĂŒrfte deutlich genug seinâŠ
Justin sah sie an. Er nickte, als er ihr ernstes Gesicht sah. Sie musste es ihm einfach sagenâŠ
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Percy Weasley, der in diesem Jahr Schulsprecher war, hatte ziemlich viele SiebtklÀssler um sich gescharrt.
âLass uns sehen, was da los istâ, sagte Tonks aufgeregt und gesellte sich zu der Menge. Percy begann gerade mit seinen AusfĂŒhrungen.
â...Professor Dumbledore will, dass die SiebtklĂ€ssler an Halloween beim Dekorieren helfenâ, erklĂ€rte er den SiebtklĂ€sslern hochgesteckt. Er betonte das Wort Professor besonders dabei, um sich etwas wichitg zu machen, âLeider ist an diesem Tag auch der nĂ€chste Ausflug nach Hogsmeade angesetzt.â Percy war das genaue Gegenteil der Weasley- Zwillinge, die mit ihren Streichen schon so manchen Lehrer zur WeiĂglut gebracht hatten. Er war unglaublich pflichtbewusst und nahm seinen Job als Schulsprecher sehr ernst. âAber ihr werdet trotzdem noch auf eure Kosten kommen. Es gibt einen Termin, an dem der Ausflug nach Hogsmeade nachgeholt oder viel mehr vorgeholt wirdâ, er rĂ€usperte sich, âund dieser Termin ist morgen.â
âLass uns da zusammen hingehenâ, sagte Justin freudig und ergriff Tonksâ Hand. Tonks nickte. Sie wusste nicht so recht, ob sie ihre Hand in Justins ruhen lassen sollte oder sich von ihm befreien sollte.
âEs gibt gleich Mittagessenâ, sagte Tonks tonlos. Sie fĂŒhlte sich gerade unglaublich hinterhĂ€ltig und falsch. Sie wusste aber auch nicht, was und wie sie es ihm beibringen konnte, dass der Mann, den sie tatsĂ€chlich liebte doppelt so alt und auch noch ein Lehrer war.
Sie konnte es nicht. Er sah sie plötzlich mit strahlend Augen an.
âIch schulde dir ja auch noch ein Butterbietâ, sagte Justin.
Tonks schluckte und nickte. Sie konnte es einfach nicht. Sie konnte es ihm einfach nicht erzÀhlen.
Auf dem Weg zur GroĂen Halle lief Lupin den beiden Hufflepuffs entgegen. So schnell sie konnte, befreite sie sich von Justins warmen, groĂen Hand und tat so, als ob sie niesen mĂŒsste um sich die Hand vor ihren Mund zu legen.
âHa- ha- hatschi!â machte sie. Aber sie wusste nicht, ob das wirklich glaubhaft war.
âGesundheit, Schatziâ, sagte Justin.
Verdammt. Er hatte es gerade in dem Moment gesagt, als Lupin ihn hörweite war.
âDankeâ, sagte Tonks.
âUnd? Wie siehtâs aus? Gehen wir zusammen nach Hogsmeade?â fragte Justin.
âKönnen wir machenâ, sagte Tonks. Aber sie klang dabei nicht so freudig, wie es Justin tat.
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Tonks, Justin und Elisabeth machten sich auf den Weg nach Hogsmeade. Elisabeth hatte mit Oliver Wood ein Date. Sie stand schon lange auf den KapitÀn der Quidditchmannschaft aus Gryffindor.
So konnten Justin und Tonks ungestört sein. Man konnte fast denken, dass Oliver Woods Religion Quidditch war. Er redete von besonders brillanten SpielzĂŒgen und bezog sich sogar auf Spiele, von denen Tonks noch nicht einmal etwas gehört hatte, weil sie zu dieser Zeit noch nicht einmal geboren war. Tonks war zwar auch ziemlich in den Zauberersport vernarrt, aber bei Wood war es schon Besessenheit.
âTonks und ich mĂŒssen gerade etwas bereden. Wenn ihr uns mal kurz entschuldigt?â sagte Justin, um sich von Elisabeth und Oliver distanzieren zu können. Elisabeth warf den beiden einen vernichtenden Blick zu. Sie interessierte sich eigentlich nicht sonderlich fĂŒr Quidditch und fĂŒr sie war dieses Date eine einzige Tortur. Aber Oliver nickte nur. Sie verdrehte die Augen und hörte mit halbem Ohr wieder Wood zu, der gerade angefangen hatte, ĂŒber einen gewissen Vadis- Pass zu fachsimpeln.
Elisabeth seufzte leise und sah ihren Freunden sehnsĂŒchtig hinterher.
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Tonks und Justin saĂen gemeinsam in den Drei Besen. In der Nacht zuvor hatte es wieder ziemlich stark geregnet und es hatte sich stark abgekĂŒhlt. Man merkte klar, dass es langsam Herbst wurde. Die BlĂ€tter hielt mittlerweile nichts mehr an den BĂ€umen und den SchĂŒlern aus Hogwarts wurde schmerzlich bewusst, dass der Sommer schon fast vorbei war.
Die Drei Besen wurden heute nur von SiebtklÀsslern besetzt. Tonks und Justin suchten sich einen Platz, an dem sie ungestört waren.
âZwei Butterbierâ, bestellte Justin bei Madam Rosmerta
âKommt sofortâ, sagte die hĂŒbsche Wirtin und verschwand hinter den Tresen.
âJus, ich muss mit dir redenâŠâ begann Tonks.
âIch muss auch mit dir reden. Nymph, du bist das wunderbarste und schönste MĂ€dchen, das ich kenne. Ich habe mich in der vierten Klasse total in dich verliebt. Ich kann auch nicht sagen, wieso. Es ist deine ganze Art. Du bist so ehrlich und aufrichtigâŠâ Er kam ihr immer nĂ€her. Er beugte sich ĂŒber den Tisch und langsam nĂ€herten sich seine Lippen den ihrigen. Er kĂŒsste sie, doch sie spĂŒrte nichts. Ăberhaupt nichts. Sein Kuss löste ĂŒberhaupt nichts bei ihr aus.
Sie konnte nicht mehr. Tonks stand von ihrem Platz auf. Sie hatte TrĂ€nen in den Augen. Sie wusste genau, dass sie fĂŒr Justin nie mehr als Freundschaft empfinden wĂŒrde.
âJustin. Bitte hör auf damit. Ich bin nicht ehrlich und am wenigsten zu dir. Tut mir Leid, Justin, aber ich liebe dich nichtâ, Justin sah sie an und schluckte. Tonks hatte ihm gerade das Herz gebrochen.
âEs tut mir Leidâ, entschuldigte sie sich fĂŒr das, was geschehen war.
Sie wollte nur noch eins: ZurĂŒck ins Schloss. Sie konnte Justin nicht lĂ€nger in die Augen sehen. Sie wollte es auch nicht mehr. Sie hatte sich noch nie in ihrem ganzen Leben so schĂ€big und gemein gefĂŒhlt.
Schnell ging sie nach oben zum Schloss. Sie verlor jegliches ZeitgefĂŒhl. Sie konnte nicht mit Sicherheit sagen, wie lang sie nach Hogwarts unterwegs war. Aber es kam ihr so vor, als ob sie gerade einmal fĂŒnf Minuten zum Schloss und zwei Minuten zum Gemeinschaftsraum brĂ€uchte. âChimĂ€ra!â rief sie und Xanthippe gewĂ€hrte ihr Einlass. Im Gemeinschaftsraum lies sich Tonks in einen der Sessel fallen. Sie hatte einen ihrer besten Freunde belogen und ihn schamlos ausgenutzt. Wieso hatte sie das nur getan? Sie hatte ihn so sehr verletzt⊠Tonks kam sich so hinterhĂ€ltig und gemein vor. Sie hatte ihrem besten Freund vor den Kopf gestoĂen. Und das fĂŒr jemanden, der ihre Liebe sowieso nicht erwidern wĂŒrde. FĂŒr Professor Lupin.
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