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Fanfiction

blackout. - Ein Weg ohne Ziel

von SaphiraMalfoy

Und willkommen zu einer weiteren Episode von: Intermittierende VerstĂ€rkung fĂŒhrt zu besonders löschungsresistentem Verhalten.
Bah, ich hasse Behaviorismus, Junge, aber es erklÀrt so manches.

______________________________________


Haven't you heard? I don't have a heart. Everyone knows that.
Lady Mary Crawley. Downton Abbey


Am nĂ€chsten Morgen huscht ihr Blick beim FrĂŒhstĂŒck in der großen Halle unablĂ€ssig am Tisch auf und ab. Das laute Geschnatter ihrer MitschĂŒler und das Klirren und Klappern der Teller und Tassen nimmt sie kaum wahr, wĂ€hrend ihre Augen stumm hoffend den Raum abtasten, nach einem Anzeichen von Regulus suchen.
Ist es wirklich passiert, oder handelte es sich bloß um einen Ă€ußerst lebhaften Traum?, fragt sie sich, als ein leises Raunen an ihrem Ohr sie aus dem Strudel ihrer Gedanken zurĂŒck in die RealitĂ€t befördert.

„Seit ĂŒber einem Jahr schuldest du mir einen Kaffee.“ Mit diesen Worten legt Regulus die Dankesnotiz vor ihr auf den Tisch, welche sie ihm in der vierten Klasse fĂŒr die nicht-abgeschriebenen Hausaufgaben hat zukommen lassen. Erschrocken wendet Cecilia den Kopf, blickt direkt in seine Augen, die heute voller Leben sind, sein Gesicht dem ihren so nahe, dass es sie merklich nervös macht.
„Es wird langsam Zeit, dein Versprechen in die Tat umzusetzen, findest du nicht?“, grinst er sĂŒffisant.
„Soweit ich weiß, wird es vor Weihnachten kein Hogsmeade-Wochenende mehr geben“, erklĂ€rt Cecilia mit einer Spur des Bedauerns in der Stimme, lĂ€chelt jedoch. Es war keine Imagination, nein; gestern Nacht war real, und wider Erwarten scheint er ihr noch immer zugetan, ist seine Laune noch nicht umgeschlagen, gibt er sich ihr gegenĂŒber so charmant, wie sie es ewig schon ersehnt.
„Daran soll es nicht scheitern“, meint Regulus so gut gelaunt, wie sie ihn selten erlebt hat - in direktem Kontakt mit ihr noch nie, um genau zu sein. Mit seinen langen, schlanken Fingern greift er nach zwei Tassen und befĂŒllt diese mit Kaffee aus einer weißen Porzellankanne. Schließlich tippt er mit dem Zauberstab gegen die hohen Becher, sodass ein durchsichtiger, magisch isolierender Film ĂŒber das heiße, wohlig duftende GetrĂ€nk gelegt wird.
„Wollen wir uns ein ruhigeres PlĂ€tzchen suchen?“, fragt er und Cecilia nickt nur, gleichsam hoch erfreut ĂŒber sein jĂ€h aufkeimendes Interesse an ihr, wie verĂ€ngstigt, er könne jeden Moment eine unerwartete Wandlung vollziehen.


„Warum hast du den Zettel noch?“, will sie wissen, als sie in einer Erkernische des Nordturms sitzen und Cecilia ob der eisigen KĂ€lte MĂŒhe hat, die Tasse in ihren zitternden HĂ€nden ruhig zu halten und sich nicht die Finger zu verbrĂŒhen. Durch ein glasloses Fenster wehen die ersten Flocken pulvrigen Schnees fĂŒr diesen Winter in das alte GemĂ€uer, und wĂ€hrend Regulus zu einer Antwort ansetzt, schweift sein Blick hinaus auf die LĂ€ndereien, verliert sich in den unendlichen Weiten und auch seine Stimme klingt erneut, als wĂ€re er geistig meilenweit von ihr entfernt.
„Ich habe ihn als Lesezeichen im Zauberkunstbuch verwendet. Ich will nicht behaupten, deine Nachricht hĂ€tte mir etwas bedeutet; es war schlichtweg nichts anderes zur Hand. Damals. Um ehrlich zu sein hielt ich deine Einladung auch eher fĂŒr eine nicht ganz ernst gemeinte Geste der Höflichkeit.“
„Ich habe es ernst gemeint“, sagt Cecilia leise und nippt vorsichtig an ihrem Kaffee, weiß nicht, ob sie zu viel gesagt hat, als Regulus langsam nickt, sich zu ihr umdreht und sie nachdenklich ansieht.

„VerrĂ€tst du mir etwas?“, fragt Regulus und umkreist mit den Fingern bedĂ€chtig den Rand seiner Tasse, die er vor sich auf den nackten, kalten Steinboden gestellt hat. Er hat schöne HĂ€nde, befindet Cecilia und beißt sich auf die Unterlippe, um dies nicht laut auszusprechen.
„Mochtest du mich damals schon?“ Indes er seine Frage formuliert, lĂ€sst er sie keinen Moment aus den Augen, scheint jede noch so kleine Bewegung an ihr wahrzunehmen.
„Möglicherweise“, gesteht Cecilia halb und ĂŒberspielt ihre Verlegenheit mit einem unverbindlichen LĂ€cheln, denkt daran, wie ihre Mutter ihr eingeblĂ€ut hat, stets zu wissen, welches LĂ€cheln wann angebracht ist, wie man seine Mimik zu kontrollieren hat, nie zu viel von den wahren GefĂŒhlen preiszugeben, einen potentiellen AnwĂ€rter um ihre Hand jedoch nicht durch zu sehr praktizierte Verschlossenheit abzuschrecken.
Finde das richtige Maß.
Ob ihr dies gelingt, weiß Cecilia nicht zu sagen, doch ist ein kindischer Leugnungsversuch ihrer Zuneigung zu ihm ohnehin zwecklos, denn Regulus scheint in ihr zu lesen wie in einem offenen Buch, durchschaut sie offenbar mĂŒhelos. Noch ist die junge Steel nicht schlĂŒssig, ob sie diesen Umstand angenehm oder bedrohlich empfinden soll, doch irgendwie gefĂ€llt es ihr.

„Warum hast du nichts gesagt?“, will Regulus wissen und berĂŒhrt mit den Fingern sacht ihren HandrĂŒcken, streicht kurz ĂŒber die ausgekĂŒhlte Haut, ehe er sich wieder zurĂŒckzieht.
„Du hast doch kaum registriert, dass ich existiere“, gibt Cecilia kĂŒhl zurĂŒck und spitzt die Lippen. Wie falsch sie damit liegt, kann sie nicht ahnen, doch fasst ihre Aussage sein Verhalten ihr gegenĂŒber definitiv treffend zusammen.
„Du machst es einem nicht leicht, deine Existenz zu bemerken“, stellt er fest und fĂ€hrt sich mit nachdenklichem Ausdruck durch das rabenschwarze Haar.

„Cilia?“, fragt er nach einer Weile mit angenehm ruhiger Stimme, die nicht im Mindesten so sehr zittert wie die ihre, da ihm die KĂ€lte weniger auszumachen scheint. „Tust du mir einen Gefallen?“
Zögernd zuckt die Blonde die Schultern, will keine voreiligen Versprechungen machen, ehe sie erfahren hat, was er von ihr verlangt.
„Mach die Spange raus“, fordert Regulus sie auf und deutet auf den festen Haarknoten an ihrem Hinterkopf. Mit gerunzelter Stirn tut Cecilia, wie ihr geheißen, und Sekunden spĂ€ter wallen ihre hĂŒftlangen goldblonden Haare ĂŒber ihre Schultern. Mit angespannter Miene hebt sie die Hand, um sich die StrĂ€hnen aus dem Gesicht zu streichen, doch Regulus hĂ€lt sie davon ab, greift nach ihren Unterarmen und schließt sanft seine Finger darum.
„Ich habe gewusst, dass du noch hĂŒbscher sein kannst“, lĂ€sst er in charmantem Ton und ohne die Spur eines LĂ€chelns verlauten, dennoch wispert Cecilia unbehaglich:
„Mach dich nicht lustig ĂŒber mich.“
„Mach ich nicht“, beteuert Regulus und mustert sie eine Weile eingehend, ehe er hörbar ausatmet und von ihr ablĂ€sst.

„Ich muss noch Hausaufgaben fĂŒr Montag erledigen“, bringt er plötzlich zusammenhanglos hervor und erhebt sich, vergrĂ€bt die HĂ€nde in den Taschen und sieht unschlĂŒssig, fast ein wenig unbeholfen aus.
„In Ordnung?“, entgegnet Cecilia verwirrt und frustriert zugleich. Was ist nur los mit diesem Jungen? Gestern noch hĂ€tte er sie fast gekĂŒsst, heute ist ihm diese seichte AnnĂ€herung, die eindeutig von ihm selbst ausging, offenbar zu viel.

Schon erweckt es den Anschein, als wolle er ohne ein weiteres Wort verschwinden, als er sich wieder zu ihr umdreht und wissen will:
„Bist du in den Winterferien in Lyme?“
„Wo?“, entgegnet Cecilia mit verwundert hochgezogenen Augenbrauen und fragt sich, weshalb er Winter- und nicht Weihnachtsferien sagt.
„Lyme Regis, dort befindet sich das Anwesen der Lestranges. Zissy hilft bei den Hochzeitsvorbereitungen fĂŒr Bellatrix. Ich dachte, du wurdest vielleicht ebenfalls dazu verdonnert“, erlĂ€utert er in sachlichem Ton. Durchaus hatte man Cecilia gebeten, dies zu tun, doch war sie bislang nicht sonderlich erpicht darauf gewesen, eine Woche mit Zissy TischkĂ€rtchen zu schreiben, Probedinner zu veranstalten und Serviettenringe auszusuchen.
„Sofern ich mich dazu durchringen kann“, antwortet sie ausweichend und ergĂ€nzt hoffnungsvoll: „Wieso fragst du?“
„Nun, Rabastan meint, er dreht durch, wenn er diesen Kitsch alleine ertragen muss, und hat mich eingeladen, ihm Gesellschaft zu leisten. Ich wĂŒrde mich freuen, dich dort zu treffen“, fĂŒhrt Regulus rasch aus, ehe er - ohne eine Antwort Cecilias abzuwarten - die steinerne Wendeltreppe hinabeilt und sie verwirrter denn je zurĂŒcklĂ€sst.

+

In den folgenden Wochen lÀsst Regulus sich höchstens auf ein paar unverfÀngliche und kurze Wortwechsel vor oder nach ihren gemeinsamen Kursen ein, sitzt im Unterricht zwar neben ihr, wirkt jedoch in sich gekehrt und verschlossen.

Cecilia weiß nicht, was sie fĂŒhlen soll, doch die Entscheidungsgewalt darĂŒber obliegt ohnehin nicht ihrem freien Willen. So sehr sie sich auch bemĂŒht, die PuzzlestĂŒcke zusammen zu setzen, die widersprĂŒchlichen Emotionen in ihr lassen sich nicht einordnen, kaum zu einem einheitlichen GefĂŒhl zusammenfĂŒgen. Es ist, als habe dieser Mensch gar zwei Gesichter, zeigt so widersinnige und inkonsistente CharakterzĂŒge und Verhaltensweisen, dass sie nicht entscheiden kann, welches Bild sie von ihm haben soll. (Fernab des Sollens und Wollens, DĂŒrfens und MĂŒssens macht sie sich keine Illusionen, belĂŒgt sich nicht ĂŒber den Umstand, ihm vollkommen erlegen zu sein, weiß, dass sie weich unter seinen Fingern wird, ihr Herz ganz und gar ihm gehört.)

Sein Ă€ußerlich scheinbar ruhiges GemĂŒt war ihr schon immer angenehm, der perfekt erzogene ReinblĂŒter, hinter dessen Augen jedoch ein unverkennbares Feuer brennt, das zu sehen sie lange Zeit gereizt hat. Lodernde, entfesselte, ungezĂŒgelte Wut war der erste Hinweis auf die Richtigkeit ihrer Hypothese, welcher sich ihr offenbart hat. Besorgniserregend, ohne Frage, doch hat sie fast Mitleid mit dem zornigen Wesen, das wieder und wieder aus ihm hervorbricht wie ein Kind, unfĂ€hig, seine Emotionen zu kontrollieren.
Seine gefĂŒhlskalte Art, das abweisende Gebaren, hinter dem er mit den Jahren immer hĂ€ufiger verschwindet, verabscheut sie hingegen zutiefst und hofft, dies möge bloß Fassade sein, welche er ihr gegenĂŒber ablegen wird, sobald sie sich wahrhaftig nĂ€her gekommen sind. Dass es viel mehr ist als das, kein rein willentlich aufgesetztes und steuerbares Verhalten, soll Cecilia noch zu spĂŒren bekommen.
Doch was sie hĂ€lt, ihr Herz erwĂ€rmt, ist sein sanftes Wesen, die jungenhafte, fast unschuldige Art, welche er so selten durchscheinen lĂ€sst; seine charmanten, wohlgewĂ€hlten Worte an der richtigen Stelle, derart rar gesĂ€t, dass ihr jedes einzelne davon im GedĂ€chtnis haftet, sie nach mehr gelĂŒsten lĂ€sst, sĂŒchtig macht …

Doch kann sie nicht ahnen, dass ihr das Schlimmste noch bevorsteht, sie bislang nur lĂ€cherlich winzige BruchstĂŒcke, lachhaft kurze Einblicke in seine DĂŒsternis erhaschen konnte. Recht bald soll sie das Schicksal auf eine harte Probe stellen. Wie viel kann sie ertragen? Was ist sie bereit in Kauf zu nehmen, wenn die hĂ€ssliche Wahrheit ĂŒber seine zerbrochene Seele sich ihr offenbart?

+

Zwei Wochen vor Beginn der Weihnachtsferien sitzt Cecilia widerwillig zusammen mit Genevieve Davis, Aubrey Fawley und Narzissa Black im Gemeinschaftsraum der Slytherins und hebt verĂ€rgert den Blick von ihrem Lehrbuch der ZaubersprĂŒche Band fĂŒnf, als die drei anderen mal wieder das Thema wechseln, anstatt einfach konsequent bei ihrer vermaledeiten Gruppenarbeit zu bleiben, sodass diese Farce ein schnelles Ende finden möge.

„Kennst du den Mann denn?“, erkundigt sich Genevieve mit vor Mitleid nur so triefender Stimme bei Aubrey, welche mit der morgendlichen Post die Hiobsbotschaft erhalten hat, dass ihre Eltern sich fĂŒr den von ihr am meisten verabscheuten Kandidaten als ihren zukĂŒnftigen Ehemann entschieden haben. Noch in diesen Ferien soll die Verlobung offiziell bekannt gegeben werden, worĂŒber Aubrey in einem fort jammert.
„Nur ein wenig. Er ist fast vierzig, kannst du dir das vorstellen? Vierzig! Und er arbeitet im Ministerium, hat ziemlich oft Bereitschaftsdienst, sodass er unter der Woche in London bleibt. Ich soll das Anwesen in Edinburgh verwalten, dort die Kinder aufziehen, damit er seine Ruhe davor hat. Es ist schrecklich. Alles haben sie bereits ĂŒber meinen Kopf hinweg entschieden, als wĂ€re ich eine dreckige Hauselfe - weniger als das, mĂŒssen meine Eltern doch eine betrĂ€chtliche Mitgift bezahlen, um mich loszuwerden.“
Als Aubrey geendet hat, verdreht Cecilia die Augen und mischt sich zum ersten Mal in das GesprĂ€ch ihrer ungeliebten MitschĂŒlerinnen ein, sagt mit empathieloser, gereizter Stimme:
„Ganz alleine in einer Villa in Edinburgh mit einem Haufen Gold, fĂŒnf Tage die Woche auf dich alleine gestellt, frei alles zu tun und zu lassen, was immer dir beliebt? Ich kann mir nun wahrhaftig keine angenehmere Ehe vorstellen.“
„Du bist herzlos“, stößt Narzissa entsetzt aus und fĂ€hrt fort, Aubrey zu bedauern, doch Cecilia hört ihr nicht mehr zu.

Ihr Blick trifft den Regulus`, dessen Anwesenheit sie gar nicht registriert hat, und sie erstarrt in der Bewegung. Dieser dumme, belanglose Spruch war nicht fĂŒr seine Ohren bestimmt gewesen, sollte doch nur Aubreys Wehklagen zum Schweigen bringen, entsprach nur dem, was jedes wohlerzogene, reinblĂŒtige MĂ€dchen eingetrichtert bekommen hatte.
Seine Augen sind kalt, doch seine Mimik lĂ€sst Missbilligung (und EnttĂ€uschung?) erkennen, ehe er sich auf dem Absatz umdreht und weitergeht. Weshalb ist er ĂŒberhaupt zu ihnen gekommen? Wollte er mit ihr sprechen?
„Reg“, hört sie ihre eigene verzweifelte Stimme leise ausrufen und kann sich nicht erinnern, aufgesprungen zu sein. Aber Regulus dreht sich nicht zu ihr um und Cecilia lĂ€uft ihm nicht nach, will sich nicht zum Gespött der Umstehenden machen. Tief durchatmend nimmt sie wieder Platz und zuckt betont lĂ€ssig die Schultern.
„Können wir nun endlich fortfahren?“, verlangt sie von den anderen MĂ€dchen zu erfahren, setzt eine hochmĂŒtige Miene auf und langt nach dem Lehrbuch auf dem Tisch.
Einen Moment sieht Narzissa sie merkwĂŒrdig an, mustert die junge Steel von Kopf bis Fuß, als sĂ€he sie die MitschĂŒlerin zum ersten Mal klar und deutlich vor sich. Nach einem giftigen Blick Cecilias verkneift sie sich jedoch jedweden weiteren Kommentar und wendet sich ebenfalls den Aufgaben zu.

+

In den folgenden Tagen verhĂ€lt Regulus sich ihr gegenĂŒber kĂ€lter und ĂŒberheblicher denn je, neigt nicht einmal den Kopf zum Gruß und wechselt kein einziges Wort mit ihr. Es tut weh zu wissen, dass sie diejenige ist, die diesmal einen Fehler begangen, womöglich alles ruiniert hat. Gleichsam jedoch ist der Gedanke fast tröstlich, dass es einen Grund geben muss, weshalb Regulus ihre Aussage fĂŒr derart abstoßend befunden hat …

Ob es das ist, was Barty erneut auf den Plan ruft, oder dieser seine ganz eigenen Motive hat, vermag Cecilia nicht auszumachen, doch so oder so ist ihr die Lust an zwischenmenschlichem GeplĂ€nkel gehörig vergangen. Welch ein Energieaufwand, was fĂŒr ein belastendes Drama. Und wozu all diese anstrengenden, mental und emotional zermĂŒrbenden Stunden? Um letzten Endes doch wieder alleine zu sein. Die Angelegenheit zwischen Bartemius Crouch jr. und ihr war von Anfang an ein Weg ohne Ziel. Sie zweifelt nicht daran, dass er sie nötigenfalls sogar zur Frau nĂ€hme, wenn sich ihm keine bessere Wahl mehr böte, doch hegen weder er noch sie romantische GefĂŒhle fĂŒr den jeweils anderen und es ist schließlich nicht so, als wĂ€ren ihre Eltern nicht in der Lage, ihr schlimmstenfalls einen bereits gesellschaftlich höher etablierten, erfolgreichen ReinblĂŒter aufzutreiben, sollte dies erforderlich sein. Genug der seichten Komplimente und schleimig sĂŒßlichen LĂŒgen; Cecilia braucht Zeit fĂŒr sich, Zeit zum Nachdenken, ĂŒber die Zukunft, ĂŒber Bellatrix, ĂŒber Regulus und den seltsamen Schmerz, der sie zermĂŒrbt, sie des Nachts um den Schlaf beraubt und erschöpft und mĂŒde durch den anstrengenden Alltag des ZAG-Jahres wandeln lĂ€sst.

So weist sie Barty diesmal endgĂŒltig ab, erklĂ€rt ihm, es sei vorbei. FĂŒr immer.
„Weshalb so wĂ€hlerisch, Cecilia?“, ertönt da eine spöttische Stimme zu ihrer Rechten und die Blonde muss nicht einmal den Kopf wenden, um zu wissen, wer dort steht und was fĂŒr ein Gesicht er zieht.
„Der gute Barty erfĂŒllt doch alle Kriterien, die dein perfekter Ehemann haben sollte, nicht wahr? Warum zierst du dich so? Nimm ihn lieber, ehe du ĂŒberhaupt keinen mehr abbekommst.“
„KĂŒmmere dich um deine eigenen Angelegenheiten und lass mich zufrieden, Reg“, zischt Cecilia ohne ihn anzusehen und eilt hinauf in das Badezimmer der MĂ€dchen, schafft es gerade noch, die TĂŒre hinter sich mit einem lauten Krachen ins Schloss fallen zu lassen, ehe die heißen TrĂ€nen ihre Wangen hinabströmen. Bei Salazar, wann hat sie das letzte Mal geweint? Jahre muss es her sein, denn sie entsinnt sich nicht daran. Rasch dreht sie das Wasser auf, um ihr leises Schluchzen zu ĂŒbertönen, schmeckt das Salz auf ihren Lippen und wundert sich einen zynischen Augenblick lang, weshalb man in Romanen immer nur von einem gebrochenen Herzen liest, wĂ€hrend sie den peinigenden Schmerz in jede Faser ihres Körpers ausstrahlen spĂŒrt.

+

Erst als sie abends im Bett liegt kommt ihr der Gedanke, die Eifersucht habe aus Regulus gesprochen. Vielleicht ist nicht alles verloren, vielleicht findet sie einen Weg, es wieder gerade zu biegen, sofern es sich bei dieser Idee nicht bloß um einen weiteren optimistischen Fehlschluss handelt …

Doch als sei all dies nicht weitaus mehr als genug der Spielerei mit ihren GefĂŒhlen gewesen, schafft es Regulus am Tag vor ihrer Abreise tatsĂ€chlich noch, sie beinahe um den Verstand zu bringen.

„Schlechte Neuigkeiten, Cecilia. Ich, ehm … Ich bin in den Ferien beschĂ€ftigt. Meine Freunde und ich … wir haben ein paar Angelegenheiten zu erledigen“, lĂ€sst Regulus mit schief gelegtem Kopf und so offensichtlich gespieltem Bedauern verlauten, dass Cecilia nur abschĂ€tzig eine Augenbraue hebt und sich die MĂŒhe einer Antwort spart. Glaubt er wirklich, sie hielte noch an ihrer Verabredung fest?
„Bist du froh, mich nicht zu sehen?“, fragt er provokant und seine Lippen krĂ€useln sich zu einem zynischen LĂ€cheln, das Cecilias Nackenhaare zu Berge stehen lĂ€sst und ihr einen eisigen Schauder den RĂŒcken hinab jagt.
„Nein“, entgegnet sie dennoch in neutralem Tonfall und weicht einen großzĂŒgigen Schritt vor ihm zurĂŒck, doch Regulus gibt ihr den Raum nicht, ĂŒberschreitet rĂŒcksichtslos die unsichtbare Grenze, hinter welcher sie ihn zu halten versucht, und umschließt ihr Kinn mit kalten Fingern.
„Du lĂŒgst“, raunt er und beugt sich so nahe zu ihr heran, dass sie seinen Atem auf ihrem Gesicht spĂŒrt. „Ich weiß, dass du lĂŒgst.“
„Wirst du auf Bellas Hochzeit sein?“, will sie ausweichend erfahren und hĂ€lt seinem bohrenden Blick unter größter Anstrengung stand. Aller Vernunft zum Trotz und obwohl die Erinnerungen ihr eine schreckliche Wahrheit zu offenbaren versuchen, weigert sich etwas in ihr, Angst vor ihm zu empfinden, ihre Faszination fĂŒr seine DĂŒsternis abzulegen.
„Wer kann das wissen …“, murmelt er gedankenverloren und streicht ihr sacht ĂŒber die Wange. „Ich nehme an, du brauchst eine Begleitung, willst dich dort nicht alleine blicken lassen“, mutmaßt er bösartig den Mund verziehend und endlich bricht Cecilia den Blickkontakt zu ihm ab, stößt seine Hand fort und dreht sich mit geringschĂ€tziger Miene um.

„Cilia“, hört sie ihn leise sagen, wĂ€hrend sie sich raschen Schrittes von ihm entfernt. Seine Stimme klingt verĂ€ndert, weicher, fast reumĂŒtig.
Doch ist es diesmal sie, die Regulus keine Gelegenheit gibt, sich zu erklÀren, ihrem Verstand folgt und ihn stehen lÀsst.

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Kapitelvorschau: Mit Ă€ngstlich geweiteten Augen sieht sie zu ihm auf, verspĂŒrt zum ersten Mal in seiner NĂ€he echte Besorgnis um ihr eigenes körperliches Wohlergehen, schluckt schwer, ehe sie leise sagt:
„Reg, bitte lass mich los.“


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Es war wirklich schwierig, niemandem erzĂ€hlen zu dĂŒrfen, dass ich die Rolle der Cho Chang bekommen hatte, wo es doch so verlockend war! Ich hatte meinen Freunden erzĂ€hlt, dass ich zum Vorsprechen gehen wĂŒrde, also haben sie immer wieder gefragt, ob ich sie nun bekommen hĂ€tte. Ich musste dann immer sagen, dass ich nich glauben wĂŒrde, dass ich sie bekommen hĂ€tte und nach einer Weile hören sie auf, mich danach zu fragen. Als ich es ihnen zu guter letzt erzĂ€hlt habe, haben sie einfach nur geschrien. Meine Freunde haben mich wirklich unterstĂŒtzt.
Katie Leung