von Saoirse
Die nächste Besprechung des Ordens war schon zwei Tage, nachdem Tonks, Remus und Sirius ihren Ausflug beschlossen hatten. Es ging in dieser Besprechung darum, Hermine und Harry zum Grimmauldplace zu bringen. Hermine stellte dabei ein geringeres Problem da. Sie wurde mit einem Brief von den Weasleys nach London beordert und sollte dann am Tropfenden Kessel von Hagrid abgeholt werden, der sie dann zum Grimmauldplace führte. Harry war das eigentliche Problem… Seine Tante und sein Onkel würden ihn nie nach London bringen. Da half nur noch eine Befreiungsaktion. Remus, Mad-Eye Moody, Tonks und einige anderen meldeten sich sofort freiwillig. Diese Befreiungsaktion sollte allerdings erst im August zum Tragen kommen… Während der Besprechung mied Tonks Remus Blicke. Es hatte sich eine seltsame Spannung aufgebaut. Tonks war sich nicht sicher, ob sie die Einzige war, die diese Spannung wahrnahm. Sie freute sich, dass sie den Auftrag, Harry nach London zu bringen, gemeinsam mit Remus und einigen anderen Ordensmitgliedern ausführen durfte.
Als die Sitzung beendet war, suchte Tonks das Gespräch mit Minerva McGonagall. Sie achtete besonders darauf, dass sie leise sprach, sodass Remus nichts von ihrem Plan, den Wolfsbanntrank selbst zu brauchen, mitbekam.
„Prof... Minerva“, sagte Tonks. Für sie war es ungewohnt, ihre frühere Lehrerin mit Vornamen anzusprechen, „könnte ich kurz mal mit dir sprechen?“
Professor McGonagall lächelte Tonks an. „Natürlich. Was ist, Tonks?“ Tonks wusste es sehr zu schätzen, dass McGonagall ihren Nachnamen benutzte.
Tonks sah Minerva lange an, dann senkte sie die Stimme, sodass das Gespräch nur unter den beiden Frauen blieb. „Ich… ich wollte dich um einen persönlichen Gefallen bitten… Remus geht es seit einiger Zeit nicht besonders. Er bekommt ja seit einiger Zeit nicht mehr seinen Trank…“
„Ja, das mit dem Wolfsbanntrank ist wirklich tragisch. Aber leider lässt sich da relativ wenig machen… Die Zutaten sind nicht gerade günstig und es ist sehr schwierig, den Trank zu zubereiten…“
Tonks holte tief Luft. „Ich wollte fragen, ob ich in der Hogwarts-Bibliothek mal nach dem Rezept für den Trank Ausschau halten könnte und Remus im Zuge dessen mit nach Hogwarts kommen könnte.“ Es hatte sie sehr viel Überwindung gekostet, diese Frage zu stellen. Nun war sie raus.
McGonagall sah Tonks scharf über ihre Brillengläser hinweg an. Sie musterte Tonks so stark, dass es ihr unangenehm war. „Tonks… Du… und Remus…?“ Es schien plötzlich so, als hätte Minerva eins und eins zusammengezählt. Tonks nickte verlegen. Sie konnte nicht einordnen, ob Minerva nun entsetzt war, oder ob sie sich für Remus und Tonks freute.
„Ich kann das im Moment nicht entscheiden, Tonks. Ich muss zuerst Rücksprache mit Albus darüber halten“, sagte sie würdevoll. Es war so, als ob die Schrecksekunde vorüber war und McGonagall sich bemühte, ihre Fassung wiederzuerlangen. „Kann ich dir die nächsten Tage deswegen Bescheid geben? Albus hat im Moment viele Probleme mit dem Ministerium. Ich weiß nicht, ob es so eine gute Idee ist, wenn Remus in der Nähe des Schlosses auftaucht.“ Das stimmte. Das Ministerium verfolgte zurzeit eine Null-Toleranz-Politik Werwölfen gegenüber. Deswegen fiel es Remus auch so schwer, einen Job zu finden.
Tonks nickte. „Aber ich will die Zutaten noch besorgen und den Trank auch noch brauen. Und das, wenn möglich vor dem nächsten Vollmond“, dann fügte sie leise hinzu, „und Remus darf nichts davon erfahren. Er soll einfach nur mitkommen, um ein bisschen auf andere Gedanken zu kommen…“
McGonagall senkte die Stimme. „Nymphadora Tonks, du wärst in Gryffindor unheimlich gut aufgehoben gewesen“, stellte sie bewundernd fest. Plötzlich kam Minerva ein Gedanke, „Wieso fragst du nicht Severus? Er wird dir das Rezept bestimmt aushändigen.“
„Na ja, ich war nicht ohne Grund ein Hufflepuff“, sagte Tonks schüchtern und lächelte verlegen, „ich trau mich nicht so richtig.“
Minerva sah sie überrascht an. Dann lächelte sie verständnisvoll und sammelte ihre Unterlagen ein.
Einen Tag später erhielt Tonks eine Eule aus Hogwarts. Es waren vier Seiten Pergament. Dumbledores saubere und ordentliche Handschrift war darauf zu erkennen. Vier Seiten! Was hatte sie da schon wieder angerichtet? Sie hatte verraten, dass sich zwischen Remus und ihr eine Liebesbeziehung entwickelt hatte. Jetzt musste sie dafür wohl auch gerade stehen… Sie hoffte nur, dass es wirklich mit Diskretion behandelt wurde… Sie wollte nicht, dass sich Remus schon wieder von ihr distanzierte. Nicht auszudenken, wenn es rückwirkend Konsequenzen gab für das Jahr, in dem sie in Hogwarts zusammen waren. Sie setzte sich auf ihr Sofa und las sich durch, was Dumbledore geschrieben hatte.
Liebe Nymphadora,
Minerva hat mir von eurem Problem berichtet. Du kannst natürlich in der Bibliothek nach dem Rezept suchen. Aber du kannst auch die nächstfolgenden Seiten dieses Briefes lesen. Ich habe dir das Rezept für den Wolfsbanntrank bereits rausgesucht.
Freundliche Grüße sendet euch
Albus Dumbledore
Sie musste fast über Dumbledores Formulierung lachen… „Euer Problem“. Sie sah sich das Schreiben noch einmal ganz genau an. Dann fiel ihr noch etwas auf… Dumbledore schien die Beziehung zu akzeptieren und auch McGonagall schien Verständnis für die Beziehung zu haben. Es machte sie in diesem Moment unglaublich glücklich… Sie war auch erleichtert, dass Dumbledore ihr das Rezept direkt mitgeschickt hatte. Damit hätte sich der Ausflug nach Hogwarts für sie, Sirius und Remus erledigt. Umso besser. Dann würde sie Sirius doch nicht der Gefahr aussetzen, entdeckt zu werden und Remus würde auch keine Probleme mit dem Ministerium bekommen. Sie besah die Zutatenliste. Manche dieser Sachen würde sie nicht in der normalen Apotheke bekommen. Sie schluckte. Sie musste dafür zu Borgin und Burkes in die Nockturngasse. In diesem Moment wusste sie, dass sie auf sich alleine gestellt war. Sie hätte gerne jemanden an ihrer Seite gehabt, der ihr hätte helfen können, diese Zutaten zu besorgen. Jemanden, der einfach nur da war und ihr den Rücken stärkte. Neben Remus hätte sie sich am ehesten Sirius vorstellen können. Eine Sekunde spielte sie mit dem Gedanken, Sirius zu bitten, in seiner Animagus-Gestalt mitzukommen. Aber sie wollte nicht, dass Remus dahinter kam. Er würde ihr nur wieder Vorwürfe machen. Zum ersten Mal seit langem, musste sie wieder an Justin denken. Er hätte ihr geholfen… Er wäre mitgekommen. Aber auch von ihm konnte sie nicht erwarten, dass er sie unterstützte. Zumal er bald Vater werden würde und mit Elisabeth in Irland lebte… Die Aussichtslosigkeit dieser Situation trieb Tonks die Tränen in die Augen. Plötzlich fasste sie neuen Mut. Sie würde Sirius Bescheid geben, wo sie sich aufhielt. Und dann würde sie die Zutaten alleine besorgen. Sie wusste, wie sie sich zur Wehr setzen konnte. Sie war nicht hilflos. Im Gegenteil… Sie hatte so viele Kniffe in ihrer Ausbildung gelernt, dass sie gegen die Gestalten, die sich normalerweise bei Borgin und Burkes herumtrieben, sogar überlegen gewesen wäre. Sie biss sich auf die Lippe. Sie hatte heute Nachtschicht. Die ständigen Schichtwechsel waren etwas, was sie an ihrer Arbeit hasste. Aber heute hatte ihr Schichtdienst den Vorteil, dass sie noch bei Tageslicht die Zutaten kaufen könnte. Sie dachte einen Moment nach… Dann suchte sie sich zwei Seiten leeres Pergament und eine Feder. Auf die eine Seite schrieb sie die Zutaten, die sie legal in der Winkelgasse kaufen konnte, auf die zweite Seite kamen die Sachen, die sie bei Borgin und Burkes kaufen musste. Falls ihr jemand die Zutatenliste in der Nockturngasse abnehmen würde, hätte sie immer noch ein Original zu Hause. Das bedeutete, sie würde in diesem Fall nicht wieder bei Null anfangen müssen. Als sie mit der Aufteilung fertig war, beschloss sie, zum Grimmauldplace zu apparieren und Sirius von ihrem Vorhaben zu unterrichten.
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