
von -Roxanne-
So langsam wusste er wirklich nicht mehr was er machen sollte. Er hatte das Gefühl, egal was er tat, es war falsch. Und selbst bei Kleinigkeiten, über die sie sonst hinweg gesehen hatte, regte Angelina sich viel zu sehr auf. Und seit sie nun gar nicht mehr arbeiten ging, war es noch schlimmer. Es kam ihm fast so vor, als tat sie das alles nur um Beschäftigung zu haben. Selbst, dass sie jetzt seine Mutter im Zaum hielt, schien immer noch nicht genug zu sein. Und dann war da noch gestern Abend gewesen. So sehr hatten sie sich schon lange nicht mehr gestritten. Das er auf dem Sofa hatte schlafen müssen, war ihm schon seit dem Moment klar gewesen, wo er die Küchentür wieder geöffnet hatte, anstatt sie einfach in Ruhe zu lassen.
Aber wenigstens war Angelina heute Abend mit Alicia und Katie unterwegs. Irgendeiner ihrer Mädelsabende, an denen sie mit Freuden versuchten Katie zu verkuppeln.
Also hatte George beschlossen einfach mal wieder bei Bill vorbei zu schauen. Vielleicht konnte der ihm ja ein wenig helfen oder zu mindestens begreiflich machen, was mit Angelina gerade los war.
Kurz klopfte er an der Tür, als kindliches Gekicher zu hören war, das nicht nur seiner kleinen Nichte gehörte. Doch diese war es, die die Tür aufriss. „Onkel George?? Was machs't du denn 'ier?“
„Hey Kleine. So wie es aussieht deine Party sprengen. Ist dein Dad auch da?“, fragte er und sah über die Köpfe von fünf Mädchen, alle etwa so alt wie Vic, hinweg und mitten zwischen ihnen saß Teddy mit rosa Haarschopf.
Victoire nickte. „Jap. Mummy und Daddy und Tante Andra sin' in der Küche. Was willst du von Daddy?“ Damit schnappte sie sich seine Hand und zog ihn mit sich.
„Brüderlichen Beistand.“, grinste er leicht gequält, musste dann aber doch lachen, als er Vics verwirrten Gesichtsausdruck sah. „Das verstehst du noch früh genug.“
Auch wenn sie nickte, sah er, dass sie weder mit der Antwort zufrieden war, noch dass sie es wirklich verstanden hatte.
„Daddy!“, rief sie auch gleich, als sie die Küchentür aufriss, „Onkel George ist will was von dia. Bruderatigen Bestand oder so.“
„Und woher...“, setzte Bill an, doch da standen sie schon in der Küche. Ein Blick reichte und Bill verstand. „Ach, alles klar. Darum.“
„'allo George, was machst du denn 'ier? Und wo ist Angeline I'r 'attet doch nicht etwa Streit?“ Besorgt kam Fleur auf ihn zu, um ihn beherzt in den Arm zu nehmen.
„Nein. Doch. Gestern.“ Heute Morgen war Angelina zwar noch etwas miesepetrig gewesen, aber irgendwie ging es doch wieder. Zu mindestens hatte sie nichts weiter gesagt. „Sie ist mit Alicia Katie verkuppeln. Mal wieder.“
„Aha.“, kam es knapp von Fleur, bevor sie sich ihre Tochter schnappte und zurück zu ihren Freundinnen brachte. Auch Andromeda stand auf. „Ich glaube, ich geh dann auch mal, Teddy hol ich dann morgen Nachmittag ab.“
Bill nickte und wartete bis auch Andromeda zurück im Wohnzimmer war, bevor er sich George zu wandte. „Also was hast du angestellt? Oder hat sie sich doch nur wieder mit Mum angelegt? Oder Nächtlich Heißhungeranfälle?“
„Ich hab gar nichts angestellt. Glaub ich zu mindestens.“ Er schob die Hände in die Hosentaschen und lehnte sich gegen die Küchenzeile, wobei er missmutig seine Fußspitzen anstarrte. „Es ist nur... Ach keine Ahnung was es ist. Ständig ist sie mies drauf und lässt ihren ganzen Frust an mir aus. Langsam hab ich das Gefühl, dass es ihr richtig Spaß macht mich grundlos anzumeckern. Und Gestern... Gestern ist mir das halt zu viel geworden. Ich kann ja verstehen, wenn es sie nervt, dass sie nicht mehr arbeiten geht und die ganze Sache mit Mum und der Hochzeit auch... Aber, ich mein... Warum lässt sie das Ganze an mir aus?“ Erst jetzt sah er Bill an, in der Hoffnung, dass er eine Antwort hatte oder mehr eine Lösung für das alles.
„Überleg doch mal Brüderchen. Warum kann sie nicht mehr arbeiten gehen?“
Verwirrt sah George Bill an. Er wusste nicht worauf sein Bruder hinaus wollte. „Weil sie schwanger ist.“
„Damit kommen wir der Antwort schon mal näher. Und wer ist Schuld, dass sie schwanger ist und nicht mehr arbeiten gehen kann und dazu noch bei ihr gerade alles andere als normal ist?“
„Ähhm...“ Jetzt verstand George wirklich nur noch Bahnhof. „Ich?“
„Bravo. Damit hat der Kandidat hundert Punkte und hat jetzt die Wahl: Versteht er was mit seiner schwangeren Freundin los ist oder tut er es nicht?“
Es war wohl eher Letzteres der Fall. George verstand partout nicht auf was Bill hinaus wollte. Gut, ja. Angelina war schwanger und das von ihm, soweit kam er ja noch mit. Aber was hatte das damit zu tun, dass Angelina ihn als Sündenbock für einfach alles benutzte?
Bill schüttelte seufzend den Kopf. „Ich seh schon, du verstehst es nicht.“
„Nein, so gar nicht.“
„Gut, dann eben so, dass du es verstehst. Zur Zeit bist du für sie einfach an allem Schuld. Ganz egal, ob es nun so ist oder nicht.“
„Aber warum?“
„Weil sie schwanger ist, darum. Ich weiß ja nicht ob es die aufgefallen ist – wobei das es ja so langsam mal müsste, sonst wärst du nicht nur blind, sondern auch ziemlich blöd – aber bei ihr ändert sie gerade einiges. Was für Angelina wohl am schlimmsten ist, dass sie einfach keinen körperlichen Ausgleich zu all dem hat. Sonst hat sie doch immer mehrere Stunden am Tag auf dem Besen gesessen. Sie hat nichts woran sie ihren Frust rauslassen kann.
Dazu kommt dann noch, dass sie zu nimmt. Was wirklich nichts schlimmes ist, doch mit jedem Zentimeter den ihr Bauch wächst und mit jedem Kilo das sie zunimmt fühlt sie sich, auch wenn sie es niemals zugeben würde, unattraktiver.“
„Aber das ist doch Blödsinn!“, warf George ein. Dann nahm Angelina eben zu, dann wurde ihr Bauch eben größer, das änderte doch nichts an der Tatsache, dass sie hübsch war und schon gar nicht unattraktiv.
„Mag sein, dass es das ist. Aber es ist eben eine Ausnahmesituation, George. Oder würdest du damit klar kommen, wenn bei dir auf einmal die Hormone verrückt spielen und du selbst nicht so genau weißt was da in dir groß wird? Da ist dann eben nicht immer alles logisch oder hat überhaupt irgendeinen Sinn.“ Bill trat auf ihn zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Aufmunternd sah er George an. „Das geht wieder vorbei, glaub mir. Aber eine Frage hab ich da schon noch: Wann hattet ihr das letzte Mal Sex?“
„Ähh... Bitte was? Das ist doch nicht dein Ernst oder? Das fragst du mich jetzt nicht wirklich.“ So langsam begann George doch an Bills Verstand zu zweifeln. Außerdem, was hatte das denn bitte damit zu tun, dass er für die nächsten drei Monate wohl oder über Angelinas persönlichen Boxsack spielen musste?
„Doch, das tu ich. Also wann?“
Leicht kratzte George sich am Hinterkopf und sah an Bill vorbei zur gegenüberliegenden Wand. „Schon ein bisschen her würde ich sagen.“ Ein bisschen war gut. Wenn er genau überlegte, seit ihrer Verlobung nicht mehr.
„Na, da haben wir doch schon die Lösung deines Problems.“, grinste Bill, „Ich weiß klingt komisch. Ist aber wirklich so. Fleur war danach sanft wie ein Stubentiger in Vollnarkose. Und bevor du jetzt mit dem Baby oder sonst was kommst, so lange der Arzt nichts sagt oder ihr das Kamasutra-Buch, das Lee dir geschenkt hat, von oben bis unten durcharbeitet, wüsste ich nichts, was dagegen sprechen sollte.“
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