
von -Roxanne-
Doch etwas erstaunt besah sich George die Einkaufstüten unten vor der Treppe. Wann war Angelina denn nach Hause gekommen? Sonst sagte sie doch immer Bescheid, dass sie da war.
Leicht runzelte er die Stirn, nahm jedoch die Tüten mit nach oben. Vielleicht war sie auch einfach zu beschäftigt. „Lina?“, rief er fragend, als er die Einkäufe auf den Küchentisch stellte. Doch er bekam keine Antwort. Was war denn jetzt los?
Besorgt machte er sich auf die Suche nach ihr. Doch weder im Wohnzimmer, noch im Schlafzimmer war sie. Fast die ganze Wohnung stellte er auf den Kopf, doch sie war nicht zu finden. Auch kein Zettel mit einer Nachricht oder ähnliches, wo sie war, hatte sie dagelassen.
Besorgnis machte sich in ihm breit, aber auch ein klein wenig Enttäuschung, dass sie nichts gesagt hatte. Kurz überlegte er, wo sie sie sein könnte und apperierte dann als erstes zu Alicia und Oliver, wo jedoch auch nach mehrmaligem Klopfen und Klingel keiner die Tür öffnete. Leise seufzte er, wobei er den Kopf gleich hängen ließ.
Als nächstes war Katie an der Reihe, die ihm jedoch schon auf dem Hausflur erstaunt entgegen kam. „Hey George, was machst du denn hier? Und wo ist Angelina?“
„Genau das wollte ich dich fragen oder mehr ob sie bei dir ist, aber das hat sich dann ja auch erledigt.“, meinte er mit einem nicht recht überzeugenden Grinsen.
„Vielleicht ist sie ja bei Licia.“
Er schüttelte den Kopf. „Nein, da war ich schon, aber ich schau noch mal bei Mum nach, vielleicht musste sie die ja mal wieder von irgendwelchen Spinnereien abhalten.“
„Bestimmt.“, lächelte Katie zuversichtlich, „Du, ich muss jetzt wirklich los. Du findest sie schon noch.“ Und dann war Katie auch schon weg. Für einen Moment stand George etwas verloren im Hausflur, bevor er zum Fuchsbau apperierte. Doch auch dort war Angelina nicht. Nur seine Mutter die ihn tatsächlich eine geschlagene Stunde dabehielt.
Eigentlich hatte er noch zu Angelinas Eltern gewollt, doch sicher war sie jetzt schon zu Hause. Und genau dahin apperierte er. Doch die Wohnung sah sich genau so aus, wie er sie verlassen hatte. Ungläubig schüttelte er den Kopf. Das konnte doch nicht wahr sein!
Er war drauf und dran, doch noch zu ihren Eltern zu gehen, als er im Bad etwas hörte. Seine Stirn legte sich in Falten. War sie etwas doch da? Vielleicht schon die ganze Zeit?
„Angelina?“, Den leichten, scharfen Unterton in seiner Stimme konnte er nicht unterdrücken. Er wollte es auch gar nicht. Immerhin hatte er auch über eine Stunde nach ihr gesucht.
„Im Bad. Wo warst du so lange?“, rief sie zurück, ganz so als sei nichts.
Sein Kiefer spannte sich leicht an. Bravo. Anscheinend war er ganz umsonst durch die Gegend gerannt. „Bei Mum.“, antwortete er knapp.
„Also hast du schon gegessen.“ Es war eine Feststellung, keine Frage. Und das schien ihr gar nicht zu gefallen. Die Bestätigung bekam er auch gleich, als sie in ein Handtuch gewickelt aus dem Bad kam und die Tür lautstark hinter sich zu fallen ließ. Ebenso wie ihren kurzen, giftigen Blick, den sie ihm zu warf, bevor sie ins Schlafzimmer ging.
Mit einem leisem Seufzen folgte er ihr. Was sollte er auch sonst machen? Die Arme vor der Brust verschränkt, lehnte er sich an den Türrahmen.
Immer noch war sie in das Handtuch gewickelt, während sie missmutig in den Schrank starrte und schlussendlich eins ihrer alten, weiten T-Shirts herausholte, bevor sie zum Bett ging und nach ihrer Schlafhose griff. Kurz sah sie zu ihm, sagte jedoch nichts. Stattdessen drehte sie sich von ihm weg und begann sich umzuziehen.
„Ich hab noch nichts gegessen.“, meinte George dann, „Wenn du willst, kann ich uns was machen.“
„Damit ich die Pfannkuchen dann wieder von der Decke kratzen kann, oder wie?“, erwiderte Angelina spitz und zog sich mit einem Ruck das T-Shirt über den Kopf, „Ich hab bei weitem besseres zu tun, als dir noch mehr als sonst schon hinterherzurennen und deinen Dreck wegzuräumen!“
Georges Zähne bissen fest auf einander, sein Kiefer spannte sich weiter an und Wut machte sich in ihm breit. Wut und Enttäuschung. Es war immer das Gleiche. Wieder ließ sie seinen Frust an ihm aus. Wieder regte sie sich über Dinge auf, die sie sonst, Jahre lang, nicht gestört hatten. „Was soll das denn jetzt heißen?“
„Ganz einfach! Du bist ein CHAOTISCHER KINDSKOPF! Der es nicht EINMAL schafft seine SOCKEN IN DIE WÄSCHE ZU SCHMEIßEN!“ Demonstrativ schmiss sie ihm eine seiner alten Socken entgegen und rauschte an ihm vorbei in die Küche.
Geschockt und vor allem sauer sah er ihr nach. Das war doch jetzt nicht ihr Ernst?! „Und wo warst du?“, rief er ihr aufgebracht nach, bevor er ihr nachsetzte und die Tür vor der Nase zugeschlagen bekam.
„Einkaufen. Hab ich dir doch gesagt!“ Wieder knallte eine Tür, dieses Mal eine der Schranktüren, dann eine der Schubladen und auch die Töpfe landeten lautstark auf dem Herd.
Eigentlich, das wusste George nur zu gut, sollte er sie jetzt besser in Ruhe lassen bis sie sich wieder abreagiert hatte. Doch ehrlich gesagt hatte er keine Lust, dass sie ihren Sturkopf jetzt durchsetzte. Nicht nachdem er sich anscheinend ganz umsonst Sorgen um sie gemacht und dann auch noch gesucht hatte. So öffnete er die Tür wieder und lehnte sich, genauso wie beim Schlafzimmer, mit verschränkten Armen gegen den Türrahmen. „Ach, wirklich? Seltsam das die Einkäufe unten vor der Treppe standen und du nicht da warst. Geschweige denn Bescheid gesagt hast, dass du wieder da bist oder wieder gehst.“, erwiderte George erstaunlich kühl, denn in ihm brodelte es gerade zu.
„Ich hab was vergessen okay? Ich hab's geholt,hat keine fünf Minuten gedauert und dann hat mich Mrs. Cooper aufgehalten.“, entgegnete Angelina gereizt und begann in rasantem Tempo das Gemüse klein zu schneiden, „Da kann ich ja wohl kaum was für, wenn sie mich über zwanzig Minuten mit ihrem dämlichen Enkel zu quatscht! Ist ja nicht so, dass ich besseres zu tun habe! Die Wohnung ist ein einziger Saustall, deine Mutter reizt es immer wieder aus! Was soll ich denn bitte mit einer zehnstöckigen Hochzeitstorte?“ Zischend landete das Gemüse in einem der Töpfe, leicht spritzte das heiße Öl hoch. „Oder mit 200 Menschen, die ich alle nicht kenne und danach auch sicher nicht wiedersehen werde?!
Und außerdem, WAS INTERESSIERT ES DICH ÜBERHAUPT? DU WARST DOCH SELBST NICHT DA!“
„Weil ich mir vielleicht Sorgen gemacht habe? Und dich gesucht habe? Weiß ich denn, ob dir nicht SONST WAS PASSIERT IST?“, brach es nun aus ihm heraus und mit jedem Wort wurde er lauter. Dabei bemerkte er weder, dass Angelina leicht zusammenzuckte, noch ihren leicht überraschten Blick, den sie aber sofort wieder abwandte. „Sonst hast du dich auch nicht so angestellt!“
„Sonst warst du auch nicht im fünften Monat schwanger!“ Wütend funkelte er sie an, doch ihr Blick war weitaus finsterer und ihre Stimme nahm einen scharfen, sarkastischen Unterton an. „Ach wirklich? Das hätte ich jetzt nicht gedacht! Ich dachte, ich werde einfach nur Fett! Und die Rückenschmerzen kommen auch daher, dass ich so alt und abgenutzt bin! VERDAMMT GERORE! Ich weiß, dass ich schwanger bin. Und das nicht erst im fünften sondern im sechsten Monat. Aber danke, dass es dich so sehr interessiert!“ Damit pfefferte sie das Messer, samt Schneidbrett treffsicher in die Spüle. „ABER ICH BIN EBEN NUR SCHWANGER UND NICHT TOTKRANK!!“
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