
von -Roxanne-
Lautes Gerumpel war hinter der Wohnungstür zu hören. „Geh wieder ins Wohnzimmer!“, hörte man Katie rufen, „Oliver jetzt mach doch mal was.“
Ein weiterer Knall und lautes Lachen folgten. „Selber Schuld Kat.“
„Halt die Klappe und hilf mir hoch du Idiot.“
„Ist ja gut.“
Überrascht sah George sie an. „Lee? Seit wann ist der denn da?“
Doch bevor sie antworten konnte, riss Lee auch schon die Tür auf, neben ihm eine zerzauste Katie und auf dem Boden die kläglichen Überreste ihrer Kommode.
„Georgeilein!“, strahlte Lee ihnen entgegen, „Hey Lina.“
Ehe sie sich versah befanden sie sich in einer festen Umarmung, die jeden Atemzug verhinderte. „Lee Luft!“, zwang sie zwischen ihren Lippen hervor und sofort ließ er sie beide los. „Sorry.“, grinste Lee und zog sie mit in die Wohnung.
Angelina zwang sich an ihm vorbei und drückte Katie mit einem kurzen „Hallo.“, bevor sie sich wieder fragend an Lee wand. „Wo ist denn der Grund dafür, dass du schon ans Auswandern denkst?“
„Sharin? Im Hotel geblieben. Wollte nicht stören und meine Schwestern schienen ihr auch den Rest gegeben zu haben. Herje, als ich die beiden das letzte Mal gesehen hab waren sie noch ganz klein und süß. Aber jetzt?“ Etwas zweifelnd sah er sie an.
„Die beiden sind gerade mal 6 und Luzi ist auch nicht wirklich deine Schwester. Warte erst mal die nächsten ab.“ Dann wand sie sich wieder an Katie, mit der sie sich schon mal auf den Weg in die Wohnküche machte. „Noch was im Kühlschrank oder hat er schon alles leer gefressen?“
„Hey!“
„Du warst nicht gemeint Jordan.“, rief Katie nun, „Nein, bis jetzt noch nicht, aber seine Freundin hat er schon hier angeschleppt. Willst du was?“
„Später. Wo ist er überhaupt? Ich dachte du hast ihn noch zwei Monate?“
„Marys Babysitter passt mit auf Daron auf. Wenn du verstehst was ich meine.“, erklärte Katie die Abwesenheit ihres Cousins auf den sie aufpasste oder mehr mit durchfütterte, solange ihre Tante durch Amerika tourte.
„Na dann wollen wir mal hoffen, dass die beiden nicht zu beschäftigt sind und Olivers Prinzessin nicht vernachlässigen.“, lachte Angelina, bevor sie in die Hörweite von Alicia und Oliver kamen. Lächelnd begrüßte sie die beiden.
Es war irgendwie immer noch seltsam die beiden so wirklich zusammen zu sehen und nicht nur, weil sie Marys Eltern waren.
„Wie geht’s?“
„Wie hast du dich gefühlt, als der erste Knopf nicht mehr zu ging und alles irgendwie nicht mehr so richtig sitzt?“, entgegnete sie auf Alicias Frage.
„Wessen Knopf geht nicht mehr zu?“, fragte Lee nun neugierig. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass er und George ihnen inzwischen gefolgt waren.
„Deiner tut es noch, also kann der Rest dir doch egal sein.“, fuhr Angelina ihn mit einem giftigen Blick an. Es war im ersten Moment wirklich kein schönes oder gar berauschendes Gefühl, auch wenn ihr klar war, dass es normal war und dazu gehörte.
Etwas verdutzt sah Lee sie an, zuckte dann jedoch ganz ungeniert zwischen Oliver und Alicia aufs Sofa. „Also ihr zwei.“ Mit einem breiten Grinsen legte Lee sowohl Alicia, als auch Oliver einen Arm um die Schulter. „Ihr seit also über euer 'Wir wohnen zusammen, erziehen unsere Tochter zusammen und haben bei jeder Gelegenheit Sex, weigern uns aber zu sagen, wir sind ein Paar'-Dingsbums drüber?“
George Lachen kitzelte an ihrem Ohr, als er sie zu sich auf den Sessel zog.
Das Gesicht der beiden war auch zu komisch. Doch Alicia faste sich als erstes wieder, während Oliver immer noch verblüfft und schockiert dreinblickte. „Ähm. Ja, wenn du jetzt darauf hinaus willst, dass wir zusammen sind.“
Grinsend hörte Angelina zu, wie Lee die beiden durch die Mangel nahm. Irgendwie war sie froh, dass er noch nicht wusste, dass sie schwanger war. Auch wenn sie sich fragte, warum George es ihm noch nicht gesagt hatte Beziehungsweise geschrieben.
Sie lehnte sich zurück und legte sowohl ihre, als auch George Hände auf ihren Bauch. „Wann willst du es ihm sagen?“, fragte sie leise.
„Weiß nicht. Irgendwann. Heute vielleicht oder Morgen. Wenn ich weiß wie.“, gab er eben so leise zurück. Leicht strichen seine Finger über ihren Bauch.
„Was soll daran so schwer sein?“
„Bei deinem Vater hast du dich auch ziemlich angestellt, Lina.“
„Das ist aber auch ein Unterschied.“
„Auch wieder wahr.“, murmelte er und drückte ihr mit einem Grinsen einen Kuss auf die Wange.
„Was flüstert ihr da?“ Anscheinend hatte Lee sein Verhör beendet und jetzt waren sie an der Reihe.
„Ja, was flüstern wir zwei hier?“ Grinsend sah sie George an. Jetzt hatte er eine Möglichkeit es Lee zu sagen.
„Ich weiß nicht? Sag du es mir.“
Leicht verärgert sah Lee sie beide an. Das er immer noch diesen Blick hatte, wie ein trotziges Kind, wenn ihm etwas verschwiegen wurde.
„Tut mir Leid, da kann ich dir nicht helfen.“, spielte sie das Spielchen mit. Leicht zog sie am Saum des Pullis und streichelte demonstrativ über die leichte Rundung ihres Bauches.
Doch Lee schien darauf nicht zu achten, er sah verwirrt zu Katie, die kichernd auf einen Stuhl neben ihm saß.
Auch Alicia und Oliver mussten sich ein Grinsen verkneifen. War ja schon gemein, dass Lee der einzige war, der nicht wusste was los war.
„Was ist hier los? Ihr wisst doch alle irgendwas!“, rief er aufgebracht. Fast schon wie ein trotziges Kind verschränkte er die Arme vor der Brust.
„Armes Baby.“, lachte Angelina und wollte sich nach vorne beugte, um ihm den Kopf zu tätscheln, doch George hielt sie fest und zog sie zurück.
„Hey! Sei nicht so gemein.“, lachte sie. Ihre schlechte Laune von vorhin war verflogen. Zum Glück.
„Ich bin doch nicht gemein. Kann ich doch gar nicht zu eu... ähm dir sein.“, erwiderte George grinsend. Also würde er so lange Andeutungen machen, bis Lee von selbst darauf kommt. Ein Spiel, das sie nur zu gerne mitspielte.
„Dann ist ja gut. Wäre auch besser, sonst sind wir... ich meine sonst bin ich weg.“
Lee's verwirrter Gesichtsausdruck war zu herrlich.
Lächelnd fasste sie wieder Georges Hände und löste sie von ihrem Bauch, um aufzustehen zu können. „Bin gleich wieder da. Und Katie“, wand sie sich an ihre Freundin, „Ich wäre dir sehr dankbar, wenn du irgendwo Schokolade oder so auftreiben könntest. Wobei, eigentlich egal was, Hauptsache Essen.“
„Pass bloß auf.“, meinte Alicia, „Ich hab Monate gebraucht, um das wieder loszuwerden“
„Darüber mach ich mir Gedanken, wenn es soweit ist und bis dahin hab ich ja noch ein paar Monate.“
„Das hab ich auch gesagt.“, rief Alicia ihr nach und auch Katie konnte sie noch sprechen hören, bevor sie die Tür zum Bad zu zog. „Wie gut, dass ich mie das nicht antun werde.“
Leicht grinsend schüttelte Angelina den Kopf. Als ob das stimmen würde.
Katie hatte tatsächlich was zu Essen auf den Tisch gezaubert. Nicht gerade viel – drei Brötchenhälften, die vierte verschwand gerade in Lees Mund – aber besser als nichts. Freudig griff sie nach einem, das dick mit Schokocreme beschmiert war. Ohne Umschweife biss sie hinein, wobei sie mit der Nase fast in der Schokocreme landete. Nicht perfekt, aber immer noch herrlich.
„Man sollte meinen ich lass dich verhungern.“, grinste George, als er sie wieder auf seinen Schoß zog.
„Tust du auch. Ich muss mir immer selbst was machen und weil ich nett bin, bekommst du auch immer etwas ab.“, mümmelte sie in ihr Brötchen hinein.
Irgendetwas fehlte da einfach. Sie schaute auf den Tisch, wo sich noch zwei einsame Brötchenhälften befanden.
Leicht neigte sie den Kopf. Käse oder Tomate?
Kurz wunderte sie such, dass sie diese Kombination keineswegs abstoßend fand. „Hier, halt mal.“ Sie drückte George das angebissene Brötchen in die Hand und beugte sich nach vorn um sowohl Käse als auch Tomate von den anderen Hälften zu pflücken. Lee's seltsamer Blick entging ihr nicht, auch dass Katie, George und Oliver nicht gerade begeistert schauten, ließ sie grinsen. Nur Alicia grinste ebenfalls, als sie die Beilagen auf die Schokocreme legte.
„Iiieh! Das willst du doch nicht wirklich essen oder?“, fragte Lee nun wirklich angeekelt.
„Warum sollte ich nicht?“, entgegnete sie erstaunt und biss hinein. Etwas ungewöhnlich, aber wirklich nicht schlecht. „Auch?“ fragend sah sie Lee an und lachte.
„Du bist doch verrückt. Vollkommen durchgeknallt.“
„Nicht wirklich.“, warf Oliver nun ein, „Was war's bei dir noch immer? Müsli mit Tonnen von Pfeffer und Banane?“ Fragend sah er Alicia an. Die nun breit grinste. „Genau. Und Abends gab's dann immer Nudeln mit... mit...“ Sie überlegte. Ja, Alicia hatte Nudeln mit so einigem gegessen.
„Einmal gab's sie mit Erdbeerjoghurtsoße. War gar nicht mal so übel.“, lachte Katie.
Die anderen grübelten weiter über die Skurrilitäten, die Alicia während ihrer Schwangerschaft gegessen hatte. Angelina dagegen und knabberte weiter an ihrem Brötchen und ließ Lee nicht einen Augenblick aus den Augen. Gespannt wartete sie darauf, dass ihm endlich ein Licht aufging.
Und gerade waren sie bei Zimteis mit Krübissaftsoße angekommen, da weiteten sich seine Augen. Fragend, überrascht, verblüfft und schockiert starrte er von dem letzten Bissen in ihrer Hand zu ihrem Bauch, auf dem wieder Georges Hände lagen und immer mal wieder darüber streichelten.
Breit grinste sie ihn an, als er versuchte seine Mimik unter Kontrolle zu bekommen und dann er wild zu gestikulieren. „Du... Er... Ihr... Ihr seit schwanger?“
„Nein, nicht wir. Nur ich.“, lachte sie, während Lee sich ins Sofa zurückfallen ließ. Es war einer der seltenen Momente, wo er wirklich sprachlos war.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel