
von jujube58
Remus hat mir gesagt, ich solle nicht damit „hausieren gehen“. Ja genau, so war’s: „Sirius, geh aber nicht damit hausieren, dass ihre Eltern gestorben sind! Für sie wäre es schon schlimm genug, dass du es weißt und somit natürlich auch James! Das würde ihr die Situation nicht unbedingt leichter machen, also behalt es für dich!“ Und dabei hat er wieder diesen typischen ‚Ich-bin-Vertrauensschüler-also-musst-du-auf-mich-hören’-Blick aufgesetzt, der keinen Widerspruch zulässt.
Das kommt mir gerade wieder in den Sinn, als ich hier neben James stehe, der einen gequälten Gesichtsausdruck der allerfeinsten Art zur Schau stellt.
Es war ja auch mal wieder so eine Situation, in die nur wir kommen konnten! Heute ist Weihnachten und weil ich diese supertolle Kamera bekommen habe, wollten wir einfach nur ein paar Fotos machen, um für die Nachwelt festzuhalten, wie in Hogwarts dieser Feiertag begangen wird. Und um ein gutes Alibi zu haben, wenn nachher die Rüstungen alle gleichzeitig wie betrunken in die Eingangshalle stürmen werden, um dort unter den Mistelzweigen von jedem, der vorbeikommt einen Kuss zu verlangen. Naja, ich fürchte, man wird uns trotz Alibi verdächtigen…
Aber immerhin sind wir losgezogen und haben ein paar Bilder von der geschmückten Halle, dem Gemeinschaftsraum und der Schneeballschlacht zwischen Gryffindors und Slytherins auf den Schlossgründen gemacht. Dann sind wir weitergegangen, um Hagrids Hütte, die meist aussieht wie ein verwunschenes Lebkuchenhaus, und den Riesenkraken im zugefrorenen See zu fotografieren. Auf dem Weg haben wir eine Person gesehen, die Schneeengel auf den Boden gemacht hat und daneben lag. Wir dachten natürlich, dass da jemand einfach nur Spaß hatte, also habe ich auch ein Foto davon gemacht. Doch plötzlich ist James zusammengezuckt, hat mich am Arm gepackt und mich hinter diesen bescheuerten, pieksigen Busch gezogen, wo wir jetzt immer noch hocken.
„Tatze, das ist Lily!“ „Ja, und? Dürfen wir sie nicht fotografieren? Ist doch gut, du kannst es hinterher haben und dir übers Bett hängen, wenn du willst“, versuchte ich zu scherzen. James schüttelte nur den Kopf. „Sie weint, Sirius! Hast du das nicht gesehen? Sie weint!“
Da musste ich natürlich auch noch mal genauer hinschauen. Und tatsächlich! Lily Evans lag im Schnee zusammengerollt, die roten Haare verwuschelt und aus ihren Augen flossen dicke, heiße Tränen. Über ihrem Kopf trafen sich die Flügelspitzen der beiden Schneeengel, wie ein schützendes Dach.
Ich habe Remus jetzt das Foto gezeigt und er hat nur ganz bedrückt geguckt. „Sirius, sie hat ihre Eltern verloren. Und sie glaubt an Schutzengel. Sie hat mir mal erzählt, dass sie früher an Weihnachten immer einen Schutzengel für den Weihnachtsmann in den Schnee gemacht hat. Es sieht so aus, als hätte sie sich dieses Jahr zwei Schutzengel für sich selber gezaubert. Weil ihre Eltern nicht mehr da sind, um sie zu beschützen.“
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