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Fanfiction

Der Sommer des Phönix - Kapitel 36

von Jolie Black

Kapitel 36


Den Rest des Abends verbrachte Sirius in einem Zustand völliger Teilnahmslosigkeit. Es war, als ob der Schock ihm die Fähigkeit zu fühlen geraubt hätte. Er war wie betäubt, sprach und bewegte sich rein mechanisch, spielte mehr oder weniger überzeugend die Rolle von Sirius Black, während er in Wirklichkeit ganz woanders war. Er nickte geistesabwesend, als Arthur Weasleys Kopf ein letztes Mal im Feuer auftauchte, und hörte kaum zu, als dieser erleichtert berichtete, dass wenigstens Harrys sofortiger Rauswurf aus Hogwarts verhindert worden war.

Auf Lupins Drängen hin kritzelte er sogar ein paar Zeilen an Harry auf ein Stück Pergament, aber er reihte Wort an Wort, ohne über ihre Bedeutung nachzudenken. Er schrieb das Einzige, auf das es jetzt ankam: dass Harry das Haus nicht mehr verließ, was immer er sonst tun mochte. Etwas Besseres fiel ihm auch nicht ein. Was sagte man schon zu jemandem, der gerade von Dementoren angegriffen worden war?

Der Brief wurde der geduldigen Eule an den Fuß gebunden, die die letzten Tage in einem Käfig auf einem der Küchenschränke verbracht hatte, für den Fall, dass es Nachrichten von Snape weiterzuleiten gab. Sie verschwand eilig durch den Kamin, glücklich, wieder unterwegs zu sein. Danach blieb Sirius und Lupin nichts anderes mehr übrig, als auf den Morgen und auf Albus Dumbledore zu warten.

Als Lupin vorschlug, dass eine Mütze Schlaf ihnen beiden jetzt nicht schaden würde, nickte Sirius gleichgültig. Er bemerkte nicht einmal, dass Lupin sich auf dem Weg zur Küchentür über etwas beugte, das nahe der Tür zu Kreachers Verschlag reglos auf dem Boden lag, den Zauberstab darauf richtete und „Rennervate“ murmelte.

„Gute Nacht, Tatze”, sagte Lupin leise, als sie im zweiten Stock angekommen waren und Sirius die Tür zur Bibliothek geöffnet hatte. „Ich fürchte, Alastor Moody würde heute darauf bestehen, dass ich dich da einschließe”, fügte er mit einem schwachen Lächeln hinzu.

„Mach nur”, sagte Sirius tonlos. „Gute Nacht.“

Es war alles andere als eine gute Nacht. Sirius schlief, wenn überhaupt, nur sehr wenig. Aber während er wach lag, lichteten sich seine Gedanken, langsam zwar, aber Schritt für Schritt. Das Gefühl der Benommenheit verlor sich, und der Schmerz kehrte zurück. Aber es war ein klarer, harter Schmerz, der seine Sinne schärfte, anstatt sie zu betäuben. Endlich begann ihm wirklich klarzuwerden, was er an diesem Abend gehört hatte, und was es bedeutete. Harry war von Dementoren angegriffen worden. Warum? Jemand musste sie auf ihn angesetzt haben. Wer? Waren sie der Kontrolle des Ministeriums schon entglitten, wie Dumbledore vorausgesagt hatte? Aber wessen Befehlen gehorchten sie dann? Wer hatte ein Interesse daran, dass Harry zum Schweigen gebracht wurde? Was für eine überflüssige Frage. Die Antwort war offensichtlich.

Aber der Plan war fehlgeschlagen, und Harry hatte bewiesen, dass er sehr wohl in der Lage war, auf sich selbst aufzupassen. Und dennoch hatte Minerva McGonagall darauf bestanden, dass Harry das Haus seiner Muggelfamilie verlassen musste. Wir müssen ihn so schnell wie möglich an einen sichereren Ort bringen, hatte sie gesagt. Sirius fühlte, wie bei der Erinnerung an diese Worte eine wohlig warme Woge über ihn hinweg glitt. Welchen sichereren Ort gab es in der Zaubererwelt als den Grimmauldplatz Nummer zwölf? Es gab keine andere Lösung, das war es, was passieren würde, Harry würde hierher zum Grimmauldplatz kommen, und zwar so schnell der Orden ihn nur herbringen konnte.

Plötzlich schien es völlig gleichgültig, ob Harry aus Hogwarts rausgeschmissen würde oder nicht. Es war sogar egal, dass es eine Dementorenattacke gebraucht hatte, um es möglich zu machen: Harry würde endlich hier bei Sirius wohnen, und das war alles, was zählte.

Das war Sirius` letzter Gedanke, bevor er kurz vor dem Morgengrauen endlich in einen erschöpften Schlaf fiel. Und drei Gestalten, ein Hirsch, ein Wolf und ein großer schwarzer Hund, tobten durch seine Träume, tanzten ausgelassen auf einer endlosen grünen Wiese und machten Luftsprünge vor Freude.


* * *


Schon vor dem Frühstück hatte die Nachricht von dem Angriff auf Harry im gesamten Grimmauldplatz Nummer zwölf die Runde gemacht. Die Küche war voll, als Sirius dort ankam, und es lag eine Spannung in der Luft, als ob sie elektrisch aufgeladen wäre. Aber als Sirius den Raum betrat, verstummten wie auf Kommando augenblicklich alle Gespräche. Ihm war sofort klar, dass das ganze Haus nicht nur über den Angriff auf Harry selbst und seine möglichen Folgen Bescheid wusste, sondern auch - egal ob sie dabei gewesen waren oder nicht - über die Szene in der Küche am Abend zuvor.

Mr Weasley begrüßte ihn mit einem geflüsterten „Guten Morgen“ und Mrs Weasley mit einem traurigen Lächeln. Minerva McGonagall und Kingsley Shacklebolt mieden seinen Blick und quittierten seine Ankunft nur mit einem kurzen Nicken. Sie brüteten über einer Landkarte des Südostens von England, die sie auf dem Küchentisch ausgebreitet hatten. Alastor Moody ignorierte ihn völlig, aber dafür war Sirius, wie ihm mit Bitterkeit bewusst wurde, sogar dankbar. Moody mochte eisern schweigen - Sirius` bläulich verfärbter Wangenknochen brachte überdeutlich zum Ausdruck, was der alte Auror von Leuten hielt, die in Krisensituationen ihren Kopf verloren. Die Weasley-Kinder und Hermine, heute auffällig still, warfen von ihrem Tischende aus immer wieder erst Sirius und dann sich gegenseitig betretene Blicke zu. Aber keiner von ihnen wagte, den Mund aufzumachen.

Na, wie ihr wollt, dachte Sirius grimmig, während er sich an den Tisch setzte und Tee einschenkte. Vielleicht kann sich dieser Idiot nicht zusammenreißen, und vielleicht sieht man ihm das auch schon von weitem an, aber er wird nicht auf dieser Tatsache herumreiten, und ihr tut es besser auch nicht. Innerlich drehte Sirius ihnen allen den Rücken zu, um ihre verstohlenen Blicke auf sein Gesicht und ihr peinlich berührtes Schweigen abzuschütteln. Was geschehen war, war geschehen - aber Harry war davongekommen, und Harry würde bald hier sein. Das war alles, was zählte. Lupin hätte das verstanden, aber Lupin war nicht da.

„Schau mal“, sagte Hermine schließlich, als die Stille unerträglich wurde, und schob ihm quer über den Tisch ein kleines Stück Pergament hin. „Das hier kam heute Nacht mit Hedwig. Ron und ich haben genau den gleichen bekommen.“

Sirius hob das Blatt auf. „Ich bin gerade von Dementoren angegriffen worden und werde vielleicht von Hogwarts verwiesen.“ stand dort in Harrys Schrift. „Ich will wissen, was vor sich geht und wann ich hier rauskomme“.

Also war Harry gestern Abend sogar noch in der Lage gewesen, Briefe zu schreiben, und zwar wütende Briefe. Das war ein gutes Zeichen. Wut zu spüren war der beste Beweis, dass man noch am Leben war. Wut war es gewesen, was Sirius zwölf lange Jahre in Askaban am Leben gehalten hatte.

„Aber wir können es ihm immer noch nicht sagen, oder?“ fragte Hermine.

„Nein“, antwortete Sirius und schob ihr Harrys Brief wieder hin. „Können wir nicht.“

„Aber Harry kommt doch jetzt hierher, oder?“

„So ist es“, ließ sich eine tiefe Stimme hinter ihnen vernehmen. Albus Dumbledore war am Grimmauldplatz Nummer zwölf eingetroffen, und er war außer sich vor Zorn. Er kam in die Küche gefegt, einen sehr besorgt aussehenden Remus Lupin und einen sehr kleinlaut wirkenden Mundungus Fletcher im Schlepptau, und scheuchte die jungen Weasleys mit einer einzigen Handbewegung aus dem Raum, ohne ihnen auch nur einen guten Morgen zu wünschen. Auf seinem altehrwürdigen Gesicht war heute keine Spur eines nachsichtigen Lächelns zu sehen, kein gutmütiges Zwinkern hinter seinen halbmondförmigen Brillengläsern. Die Weasleys und Hermine sprangen hastig von ihrem Plätzen auf, wohl wissend, dass dies nicht der Augenblick war, um herumzudiskutieren.

„So.“ Dumbledore ließ sich auf Rons Platz am Tisch nieder. „Was haben wir hier?“ Er nahm Harrys Brief, den Hermine dort liegengelassen hatte, zur Hand und überflog ihn stirnrunzelnd. „Lauter berechtigte Fragen“, sagte er knapp. „Beginnen wir mit der zweiten. Jetzt, nachdem der Orden des Phönix sich als unfähig erwiesen hat, Harrys persönliche Sicherheit am Wohnort seiner Familie zu garantieren - “ Er warf Mundungus Fletcher einen sehr finsteren Blick zu. „ - sehe ich keine andere Möglichkeit, als ihn von dort zu evakuieren und ihn hierher ins Hauptquartier zu bringen.“

Das war alles, was Sirius hatte hören wollen. Er lehnte sich zurück und lauschte schweigend der Debatte, die nun folgte. Über die Notwendigkeit, dass Harry Little Whinging verließ, waren sie sich schnell einig. Aber es dauerte eine ganze Weile, bis über die beste Reiseart entschieden war. Erörtert wurden Flohpulver (“Zu riskant“, befand Moody), Muggel-Verkehrsmittel („Zu langsam“), ungenehmigte Portschlüssel („Seid ihr wahnsinnig?“) und Besen.

„Wie wäre es mit Seidenschnabel?“ schlug Sirius vor. „Er könnte ein bisschen Bewegung gebrauchen.“

„Ausgeschlossen“, widersprach Kingsley Shacklebolt. „Der Hippogreif ist auf Platz zwei der Fahndungsliste des Ministeriums, nur einen Platz hinter dir selbst, Sirius. Die werden nach ihm Ausschau halten.“

„Ich dachte, wir sind in Tibet?“

Mundungus Fletcher schaute interessiert auf. „Was machst'n du in Tibet, Kumpel?“

„Ich meditiere über das Gleichgewicht von Licht und Dunkel“, gab Sirius ernsthaft zur Antwort. „Faszinierend, oder?“

Minerva McGonagall räusperte sich irritiert.

„Ich denke, Besen sind wirklich unsere beste Option“, brachte Lupin das Gespräch zurück aufs Thema. „Harry fliegt wie ein Profi. Und mit einer Eskorte - “

„Ich helfe nicht dabei, irgendwen vom Boden aufzuwischen“, knurrte Moody.

„Hast du eine bessere Idee, Alastor?“ fragte Dumbledore ungeduldig.

„Nein.“

„Und wer soll die Eskorte bilden?“ fragte Minerva McGonagall. „Ich nehme an, wir brauchen mindestens sechs Mann?“

„Ich bin dabei“, bot Lupin sofort an.

„Ich auch“, sagte Kingsley. „Und ich nehme an, Tonks wird uns nicht gerade danken, wenn wir ohne sie losfliegen.“

„Genau das sagte sie schon“, bestätigte Lupin unschuldig, anscheinend ohne die überraschten Blicke zu bemerken, die ihm von allen Seiten zugeworfen wurden.

„Damit sind wir erst vier“, stellte Moody fest.

Eine Stille trat ein, und Sirius merkte, dass sie jetzt alle ihn unbehaglich ansahen.

„Oh, alles klar“, sagte er. „Ihr wartet darauf, dass ich anfange zu bitten und zu betteln, dass ihr mich mitnehmt. Da muss ich euch leider enttäuschen. Ich war seit vierzehn Jahren auf keinem Besen mehr, ich bleibe besser einfach hier und stelle schon mal das Butterbier kalt, bis ihr zurückseid.“

Keiner der Anwesenden mochte sich ein Lächeln abringen. Lupin warf ihm einen sehr bekümmerten Blick zu, und Sirius widerstand dem Drang, ihm eine Grimasse zu schneiden.

„Dann müssen wir noch einige weitere Freiwillige finden“, fasste Dumbledore zusammen. „Wir schicken besser sofort ein paar Eulen los. Das wäre für den Augenblick dann alles.“

„Was ist mit Harrys erster Frage?“ fragte Sirius. „Wissen wir genau, was vor sich geht?“

„Nein“, sagte Dumbledore knapp.

„Aber irgend jemand muss sie nach Little Whinging beordert haben“, brummte Moody.

„Natürlich hat das jemand.“

„Fürchtest du nicht, dass sie schon der Kontrolle des Ministeriums entglitten sind?“

„Was ich fürchte, Alastor, spielt keine Rolle“, erwiderte Dumbledore in überraschend scharfem Ton. „Worauf es ankommt ist, wie es genau geschehen konnte, und das wissen wir schlicht nicht.“

„Was mich am meisten beunruhigt“, sagte Minerva McGonagall, „ist, wie dieser jemand, wer auch immer es war, wissen konnte, dass Harry genau zu dieser Zeit nicht beschützt war.“

„Nicht beschützt?“ fragte Sirius hastig.

„Das ist reine Spekulation, Minerva“, sagte Dumbledore. „Und ich für meinen Teil habe für so etwas zumindest jetzt keine Zeit. Ich muss los.“ Er erhob sich von seinem Stuhl. „Sirius, würdest du bitte kurz - “ Mit einer Handbewegung, die Sirius keine andere Wahl ließ als ihr Folge zu leisten, forderte Dumbledore ihn auf, sich ihm anzuschließen und ihn aus der Küche hinaus zu begleiten.

„Was wollte Minerva sagen mit nicht beschützt?“ fragte Sirius, sobald die Tür sich hinter ihnen geschlossen hatte.

„Dass es dem Orden nicht gelungen ist, den Angriff auf Harry letzte Nacht zu verhindern“, sagte Dumbledore ausweichend. „Hör zu, Sirius, wenn Harry hier ist - wenn er dir von irgend welchen anderen seltsamen Dingen erzählt, die ihm in letzter Zeit wiederfahren sind, dann muss ich davon wissen.“

„Was für seltsame Dinge?“ fragte Sirius, irritiert von Dumbledores vager Ausdrucksweise.

„Träume zum Beispiel. Oder dass seine Narbe schmerzt. Solche Dinge.“

Sirius warf Dumbledore einen schnellen Seitenblick zu. Sie waren in der Eingangshalle angekommen, und Sirius konnte in dem schummrigen Licht sehen, dass Dumbledores altehrwürdige Gesicht von Sorgenfalten zerfurcht war. „Erwartest du etwas in der Richtung?“ fragte er, plötzlich selbst von Unruhe erfasst. „Was würde es denn bedeuten?“

„Das weiß ich noch nicht sicher“, wich Dumbledore erneut aus. „Aber ich weiß, dass es sehr wichtig wäre, dass es es erfahre. Du wirst es mir doch sagen, oder?“

„Warum fragst du Harry nicht selbst danach?“ gab Sirius unwillig zurück. Er mochte den Gedanken nicht, Teil einer Verschwörung zu werden, die Harry möglichst lange im Unklaren darüber lassen wollte, dass etwas Merkwürdiges mit ihm vorgehen könnte.

„Ich werde nicht allzu oft hier sein“, sagte Dumbledore, als ob das die Frage beantwortete. „Und bis zum nächsten Mal, pass gut auf Harry auf, sobald er hier ist.“ Er öffnete die Haustür. „Und pass auch gut auf dich selbst auf.“ Und damit war er verschwunden.

„Du glaubst nicht wirklich, dass ich das kann, oder?“ sagte Sirius verbittert zu der geschlossenen Tür.

„Also ich glaube das schon“, sagte Remus Lupin hinter ihm, der gerade die Küchentreppe hinaufkam. „Und die beste Art, dich um Harry zu kümmern, wäre jetzt, mir dabei zu helfen, ein paar Anfragen an die anderen Ordensmitglieder zu schicken, damit wir seine Eskorte zusammenbekommen. Ich hole gerade nur schnell Federn und Pergament.“ Er wandte sich um, um die Treppe zu seinem Zimmer hinaufzugehen, aber er kam nicht weit. Kaum hatte er den Fuß auf die unterste Stufe gesetzt, kamen die jungen Weasleys und Hermine ihm entgegen gepoltert. Sie mussten auf dem oberen Treppenabsatz gelauert haben.

„Bringt ihr Harry wirklich her?“ fragte Ron, der sie anführte, atemlos.

Lupin blieb stehen, bevor sie ihn über den Haufen rennen konnten. „Ja, natürlich bringen wir ihn her.“ Er lächelte in ihre erwartungsvollen Gesichter, und Sirius musste anerkennen, dass sein Freund sowohl die sichtbaren als auch die unsichtbaren Spuren der Ereignisse des vergangenen Abends mit so viel mehr Würde trug als er selbst.

„Jetzt gleich?“ fragte Hermine ebenso drängend.

„Nein, wir dürfen nichts überstürzen“, erklärte Lupin geduldig. „Wir müssen erst sicherstellen, dass ihm auf der Reise nichts zustoßen kann. Er wird etwa übermorgen hier sein, schätze ich. Und jetzt entschuldigt mich bitte, er wird um so schneller hier sein, je eher ihr uns die Vorbereitungen für seine Reise treffen lasst.“ Er schickte sich an, an ihnen vorbei die Treppe hochzusteigen, und sie traten zur Seite, um ihn durchzulassen, als plötzlich der Klang wüst schimpfender Stimmen aus der Küche zu ihnen empordrang. Durch die geschlossenen Türen konnten sie keine Worte ausmachen, aber es war klar, dass es Mrs Weasley war, die da das ewige Höllenfeuer auf irgend jemands Haupt herab beschwor. Lupin drehte sich zu Sirius um. Ein seltsamer Ausdruck von Schuldgefühlen und Nervosität, den sich Sirius überhaupt nicht erklären konnte, war auf sein Gesicht getreten.

„Hilfe, Hilfe!“ sagte Fred. „Jetzt wollte ich nicht in seiner Haut stecken!“

„In wessen Haut?“ fragte Sirius scharf.

Fred lief rot an, und sein Grinsen erstarb. Auch die anderen schienen sich nicht darum zu reißen, auf Sirius` Frage zu antworten. Aber das Gebrüll aus der Küche wollte nicht verstummen.

„Beantwortet heute irgend jemand überhaupt irgend welche von meinen Fragen?“ fragte Sirius gereizt.

„Du - du weißt es noch nicht?“ fragte Hermine schüchtern zurück.

„Was weiß ich nicht?“

Lupin machte ein paar Schritte zurück in Sirius` Richtung.

„Versprich mir - “

„Was, dass ich nicht wieder heulend zusammenbreche?“ blaffte Sirius ihn an. „Nein. Was weiß ich noch nicht?“

Lupin öffnete den Mund, um zu antworten, aber ein lautes Poltern, das aus der Küche heraufschallte, schnitt ihm das Wort ab. Es folgte ein scheppernder Ton, als ob irgend ein schwerer Gegenstand gegen die Tür unten geschmissen worden und dann zu Boden gefallen war. Dann krachte die Tür auf, und sie konnten Mrs Weasleys Stimme deutlich hören.

„… der unzuverlässigste, verantwortungsloseste, nichtsnutzigste Schuft, der mir je begegnet ist! Einmaliges Geschäft! HA! Wie konnte dich Dumbledore jemals in den Orden lassen! Es ist eine Schande! Eine SCHANDE! Jetzt verschwinde hier, du dreckiger Schurke, raus, RAUS!“

Ein weiteres Poltern, ganz ähnlich wie das erste, diesmal begleitet von lautem Schmerz- und Protestgeheul, dann hörten sie eilige Schritte die Treppe hinauf hasten, und Mundungus Fletcher kam durch die Halle gehetzt, sehr rot im Gesicht, die Hand gegen seine linke Wange gepresst. Er rannte Hals über Kopf an der Treppe vorbei zur Eingangstür, riss sie auf und verließ fluchtartig das Haus, ohne sich noch einmal umzusehen.

Sirius wandte sich mit hochgezogenen Ausgebrauen seinen Gefährten zu. „Was war denn das?“

„Das war Molly Weasleys Kommentar zu der Tatsache, dass Mundungus gestern Abend seinen Wachposten verlassen hat, kurz bevor Harry angegriffen wurde“, sagte Lupin resigniert. „Und jetzt versprich mir, dass du ihm nicht hinterherrennst und ihm den Hals umdrehst.“

Sirius erwog diese Möglichkeit einen Augenblick lang. „Ach, ich glaube, es lohnt die Mühe nicht“, sagte er dann amüsiert. „Ich denke, Molly - oder eine ihrer Bratpfannen - hat Mundungus das schon mit genügend Nachdruck klargemacht. Mir fällt ehrlich gesagt nichts Substanzielleres ein, was ich dem noch hinzufügen könnte.“


* * *


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Das, was Harry so liebenswert macht, sind, glaube ich, seine charakterlichen Stärken, die wir selbst gerne hätten, und es sind auch seine Schwächen, die wir nur allzu gut verstehen.
Rufus Beck