von Jolie Black
Kapitel 3
Kapitel 3
Als sie wieder unten in der Halle ankamen, war zwar Moodys Bowler noch da, aber Mundungus und der Hauself waren verschwunden.
„Der alte Gauner“, grollte Moody. „Brauchbar manchmal, aber sonst so unzuverlässig wie eine Bande Wichtel für den Frühjahrsputz.“
„Vielleicht ist er den Hund suchen gegangen“, schlug Lupin vor. „Er kann nicht weit sein.“
Irgendwo unter ihren Füßen erschallte ein lautes Krachen, so wie von Kisten, die zu Boden polterten, und dann das Geräusch von gedämpftem Fluchen. Moody suchte den Steinfußboden mit seinem magischen Auge ab.
„Er ist in der Küche“, berichtete er.
„Hier lang.“ Sirius zeigte auf die Tür am Ende der Halle, die offen stand.
„Moody“, fragte Lupin auf dem Weg nach unten in den Keller, „hast du wirklich schon einmal eine Bande Wichtel zum Frühjahrsputz angeheuert?“
“Natürlich nicht”, sagte Moody empört. „Das war die alte Mrs Jones. Sie haben ihr Haus völlig auseinandergenommen, und wir wurden hingerufen, weil sie behauptete, sie sei von einem Trupp Todesser überfallen worden. Erst später fanden wir heraus, dass sie sich das nur ausgedacht hatte, weil ihr die Wahrheit zu peinlich war. Als sie uns das nächste Mal mit der gleichen Geschichte rief, hatten wir es natürlich nicht mehr sehr eilig zu kommen. Schade nur, dass sie diesmal Recht hatte. Da wären wir.“
Sie waren in der Küche des Grimmauldplatzes Nummer zwölf angekommen. Sie war niedrig, aber sehr geräumig, und füllte den größten Teil des Kellers aus. Auch hier fanden sich deutliche Spuren des Verfalls, aber ein prasselndes Feuer im Kamin ließ diesen Raum deutlich weniger düster erscheinen. Die rauen Steinwände glühten in einem fast goldenen Licht.
Mundungus Fletcher trat aus einer Tür zu ihrer Rechten, die in die Vorratskammer führte. Er war ziemlich rot im Gesicht.
„Ich sollte doch den Elf im Auge behalten“, erklärte er. „Also bin ich ihm hinterher hier runter. Er lebt wohl in ´nem Verschlag da drüben.“ Er nickte in Richtung einer schmalen Tür, die der Vorratskammer gegenüber lag. „Rannte rein und knallte die Tür zu. Ich hab mich mal ´n bisschen umgeseh'n, aber es is' nix mehr zu gebrauchen. Das ganze Butterbier is' sauer gewor'n.“
Moody musterte ihn mit missbilligendem Blick. „Hör zu. Dumbledore sagt, wir können gehen, also brechen wir gleich auf. Ihr zwei“, er wandte sich zu Lupin und Sirius, „ihr rührt besser nichts an, was irgendwie verdächtig aussieht. Versucht nicht - “
„Wir haben gehört, was Phineas gesagt hat, Alastor“, erinnerte ihn Lupin.
„Na gut. Behaltet den Elf im Auge, und fasst bloß nichts an, wenn er euch was zu essen oder zu trinken anbietet.“
„Warum befördere ich ihn nicht einfach an die Wand neben seine werten Vorfahren?“ knurrte Sirius. „Da gehört er nämlich hin, und sonst nirgends.“
„Warten wir ab, was Dumbledore dazu zu sagen hat, Sirius“, schlug Lupin vor. „Vielleicht kann er sich nützlich machen. Er könnte uns das Kochen und Saubermachen abnehmen.“
„Schau dich doch um, Remus. Meinst Du, dieser Witz von einem Hauselfen hat in den letzten zehn Jahren auch nur einmal einen Besen oder einen Kochlöffel in die Hand genommen?“
„Dann gibt es doch andere Wege, ihn loszuwerden“, antwortete Lupin geduldig. „Hauselfen wechseln manchmal ihre Stellung.“
„Ach, ich laufe also morgen früh schnurstracks zum Amt für Neuzuteilung von Hauselfen im Ministerium, hallo, Sirius Black mein Name, ich teile mein geheimes Versteck wirklich nur ungern mit diesem kleinen Biest, könnten Sie so freundlich sein und ihm einen neuen Arbeitgeber suchen, den er nach Herzenslust beleidigen kann?“ Sirius' Stimme war so laut geworden, dass sie von den kahlen Wänden widerhallte.
„Lass uns das alles auf morgen vertagen“, sagte Lupin, der plötzlich sehr müde aussah. „Auf einen Tag mehr oder weniger kommt es doch nicht an.“
„Also dann.“ Moody setzte seinen Bowler wieder auf, so dass er das magische Auge verdeckte. „Man sieht sich. Gute Nacht. An eurer Stelle würde ich allerdings nicht schlafen. Man weiß ja nie. In diesem Haus könnte jede Decke und jedes Laken ein Letifold sein.“
„Es gibt keine Letifolds auf den Britischen Inseln, Moody“, sagte Lupin und gähnte.
„Das hat der alte Obadiah Mimbleton auch immer behauptet“, erwiderte Moody schroff. „Aber seine Leiche haben sie trotzdem nie gefunden. Ich habe euch gewarnt. Gehen wir, Mundungus.“
* * *
Sie lauschten den sich entfernenden Schritten oben in der Halle, Mundungus Fletcher aus langjähriger Übung fast unhörbar, Moody mit dem charakteristischen Klonk seines Holzbeins bei jedem zweiten Schritt. Einen Augenblick später fiel die Haustür ins Schloss.
Sirius ließ sich auf einen Stuhl am Kamin fallen, stützte den Ellenbogen auf den langen Küchentisch und den Kopf in die Hand. Schweigend starrte er ins Feuer.
„Du hast auch noch nie von Obadiah Mimbleton gehört, oder?“ fragte Lupin unbekümmert, zog seinen Mantel aus und hängte ihn über eine Stuhllehne. „Na gut“, fuhr er fort, als sein Freund nicht antwortete. „Dann machen wir es uns mal gemütlich. Ich schaue mich nach etwas zu essen um, ja?“
„Lieber was zu trinken“, sagte Sirius, ohne aufzusehen. „Und was Stärkeres als Butterbier bitte, wenn's geht.“
Lupin verschwand in der Vorratskammer und rumorte eine Weile darin herum. Schließlich kam er mit einer Flasche zurück, die bis oben hin mit flüssigem Gold und Kupfer gefüllt schien.
„Nichts Essbares“, berichtete er. „Aber ich habe das hier gefunden. Kann natürlich auch Möbelpolitur sein, aber es sieht nicht so aus, als ob hier im Haus irgendein Möbelstück regelmäßig poliert würde.“
„Mir ist ganz egal, was es ist“, sagte Sirius gleichgültig.
Lupin fand auf einer verstaubten Anrichte zwei Gläser, entkorkte die Flasche, schnupperte daran und nickte anerkennend. „Höchst erstaunlich, wie Mundungus das übersehen konnte.“ Er füllte ein Glas für Sirius und ein zweites für sich selbst und ließ sich auf seinem Stuhl nieder. „Worauf trinken wir? Auf die alten Zeiten?“
„Die alten Zeiten sind schon lange vorbei und vergessen“, sagte Sirius düster, ohne den Blick vom Feuer abzuwenden.
Lupin stellte sein Glas wieder ab und setzte an zu protestieren. Aber Sirius zuckte nur mit den Schultern, streckte die Hand nach seinem eigenen Glas aus und leerte es in einem Zug.
„Hör mal“, sagte Lupin nach einer kurzen Pause. „Ich verstehe gut, wie hart es für dich ist, wieder hier zu sein, nach allem, was passiert ist. Aber das wusstest du. Du wusstest, dass es nicht einfach werden würde. Du selbst hast schließlich Dumbledore das Haus als Hauptquartier angeboten. Es war deine eigene Idee.“
„Ja, war es. Dumbledore soll mit dem Haus machen, was er will. Von mir aus kann er die ganze Bude abbrennen, wenn es ihm Spaß macht. Aber was ich bestimmt nicht wollte, war für den Rest meines Lebens hier festzusitzen. Ausgerechnet hier.“
„Jetzt redest du Unsinn. Du wirst nicht für den Rest deines Lebens hier festsitzen. Wir haben doch gerade erst angefangen. Warte nur, bis das Hauptquartier eingerichtet ist, und dann kannst du - “ Lupin hielt inne.
„Dann kann ich was?“ fragte Sirius bissig und sah Lupin zum ersten Mal, seit sie allein waren, in die Augen. „Du hast doch Phineas Nigellus gehört. ?Sirius darf das Haus auf keinen Fall verlassen'“, äffte er den oberlehrerhaften Ton des früheren Schulleiters nach. „Das hat doch nichts mit dem Haus zu tun!“ Eine Stille trat ein, aber Sirius' Ärger hallte in ihr wider. „Na gut, vielleicht hält das wenigstens die Leute in Zukunft davon ab, mir den Kopf zu tätscheln”, schloss er trocken.
„Das hat Moody doch nur freundlich gemeint.“.
„Macht es nicht besser.“
Lupin nahm einen Schluck Feuerwhisky. Sirius starrte wieder ins Feuer. Das flackernde Licht warf tiefe Schatten über sein düsteres, einst schönes Gesicht.
„Ich bin die ganze Zeit im Kreis gelaufen, Remus“, sagte er nach einer Weile. „Und jetzt stehe ich wieder am Anfang, wie damals mit fünfzehn. Als ob in der Zwischenzeit nichts passiert wäre, überhaupt nichts. Verlorene, verschwendete, gestohlene Jahre.“ Er griff nach der Flasche und füllte sein Glas bis zum Rand.
„Das ist nicht wahr“, sagte Lupin mit fester Stimme. „Und das weißt du ganz genau.“
„Oh, stimmt, da war schon was zwischendurch, jetzt wo du es erwähnst“, sagte Sirius sarkastisch und hob sein Glas. „Auf James und Lily dann, und darauf, dass sie es geschafft haben und wir nicht - gehen, wenn es am schönsten ist.“ Er leerte auch das zweite Glas in einem Zug.
Lupin setzte sein Glas mit einer ruckartigen Bewegung ab, ohne es angerührt zu haben. „Sag so etwas nicht“, sagte er laut. Seine Stimme zitterte plötzlich.
„Warum nicht? Es ist doch wahr.“
„Es ist nicht wahr, Sirius. Das ist nicht der Grund, warum sie gestorben sind. Sie haben an etwas geglaubt - wie wir alle. Und sie haben ihr Leben gegeben, damit wir weitermachen konnten, damit wir unsere Aufgabe zu Ende bringen konnten. Sie sind doch nicht gestorben, nur weil sie keine Lust mehr zum Leben hatten.“
Sirius sah verärgert auf. „Ach, dann beleidige ich gerade ihr Andenken, meinst du das?“
„Das meine ich nicht“, sagte Lupin entschieden. „Ich meine nur, dass es bei dir liegt, ob am Ende all die Jahre wirklich gestohlen und verloren waren. Denk doch an das, was noch vor uns liegt, Sirius. Denk an Harry. Harry braucht dich.“
Für einen Augenblick hellte sich Sirius' Gesicht auf. Lupin sah es und lächelte, während Sirius langsam nickte. „Ja, Harry“, sagte er leise. „Harry.“ Dann schwieg er, aber seine Augen leuchteten noch immer.
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