
von Kreacher Potter
Der Morgen war gerade angebrochen, als Harry erwachte. Frische und kühle Luft strömte durch das aufgeklappte Fenster, ein paar Vögel zwitscherten herum und ganz in der Nähe muhten Kühe. Das Letzte in seinem Traum war, dass es heftig ans Fenster geklopft hatte, aber als er aufschrak, war dort natürlich nichts zu sehen.
Eigentlich hätte Harry jetzt genauso ruhig und friedlich sein können, wie seine Umwelt, nachdem gestern Rosie und nicht er verhaftet worden war. Das hieß immerhin, dass er auch nicht mehr des Mordes an dem Schmied Frank Coleman verdächtigt wurde. Außerdem hatte es scheinbar am Freitag einen erneuten Bankraub gegeben, mit dem er nun wirklich nichts zu tun haben konnte.
Aber Harrys Gedanken kreisten seit gestern Abend immer wieder und immer mehr um Rosie. Er machte sich Sorgen um sie, weil er einfach nicht glauben konnte, dass sie wirklich eine Mörderin sein sollte. Seit ihrem Kuss hatte sich die Welt für ihn verändert, er hatte sich für ein paar Minuten leichter und befreiter gefühlt. Nichts konnte ihm mehr etwas anhaben und er würde sein neues Leben, mit Rosies Hilfe, in den Griff bekommen. Er war sich sicher, dass Rosie keine Hexe war, sondern mit beiden Beinen fest im Muggelleben stand.
Deshalb konnte Harry es nicht zulassen, dass sie weiterhin unter Mordverdacht stehen sollte. Sein wieder entfachter Lebensmut gab ihm die Energie zurück, die Hinweise zu den Verbrechen noch einmal zu durchdenken. Er setzte sich trotz der frühen Morgenstunde in seinem Bett auf, angelte nach der Wasserflasche auf seinem Nachttisch und begann alle Fakten, die ihm bekannt waren, noch einmal zu rekapitulieren.
Rosie hatte also dem Schmied am Dienstagabend ein spätes Abendessen bringen wollen. Dort hatte sie den Toten in seinem, von innen verriegelten, Haus, im Flur auf dem Rücken liegend gefunden. Nach Angaben der Polizei, die ihn am Mittwoch verhörte, war er da schon seit mindestens einem Tag tot.
Daraus ergab sich, wenn das Haus tatsächlich verschlossen gewesen war, wie Rosie behauptete, dass Jemand entweder einen Nachschlüssel haben musste, oder aber mit Zauberei heraus gelangt war, oder, dass Rosie gelogen hatte, um von sich abzulenken. Diese Überlegung half ihm leider genauso wenig weiter, wie die Frage nach dem Alibi. Da Rosies Pub am Montag Ruhetag hatte, konnte sie kaum nachweisen, wo sie den ganzen Abend gewesen war.
Es war einfach zu enttäuschend, aber mit den wenigen Informationen, die er hatte, konnte er keine Lösung finden. Ärgerlich wälzte er sich auf den Rücken und grübelte noch über dem Problem und den Fakten, als im Haus wieder Leben aufkam. Anders, als sonst, hörte er mehr, als ein Paar Schuhe durch den Flur laufen, nachdem Schwester Michelle morgens die Tür aufschloss, um ihre Arbeit anzutreten.
Der Doktor kam die Treppe von seiner Wohnung herab. „Guten Morgen, Schwester Michelle, guten Morgen, Jonas. Musst Du heute gar nicht zur Schule.“
„Nein!“ ertönte eine glückliche Jungenstimme. „Wir haben doch seit heute Sommerferien.“
„Aha! Und da möchtest Du heute Deine Ausbildung zum Krankenpfleger beginnen?“
Jonas kicherte. „Nein, dazu bin ich doch noch viel zu klein.“
„Na dann, da kann man wohl nichts machen. Aber wenn Du heute hier bei Deiner Mutti bist, musst Du besonders brav sein, denn wir haben einen Patienten hier.“
„Selbstverständlich, Sir. Ich werde nur Mama helfen.“
„Das ist gut. Und wenn Du artig gewesen bist, gibt es heute Mittag zum Nachtisch ein Eis.“
„Au, prima!“ jubelte der Kleine, wurde aber von seiner Mutter sofort zur Ruhe ermahnt.
Die Schritte entfernten sich, dann wurde die Tür geöffnet und der Doktor kam herein. „Guten Morgen, habe ich mir doch gedacht, dass Sie von dem Radau wach geworden sind.“
„Guten Morgen. Das ist kein Problem!“ antwortete Harry. „Ich war sowieso schon wach.“
Dann begann der Doktor mit den Untersuchungen und seinen Befragungen über Harrys Befinden. Doch kurz bevor er zu den Hausbesuchen aufbrechen wollte, bemerkte er noch: „Es ist Ihnen doch recht, wenn Sie heute zum Mittag bei Sally Bones eingeladen sind? Ich weiß gar nicht, ob ich Ihnen das gestern Abend noch gesagt habe?“
Harry sah die Chance, dem Krankenzimmer zu entfliehen und Mrs. Bones Neuigkeiten über das Dorf und die Verbrechen entlocken zu können. Er lächelte. „Nein, das hatten Sie mir noch nicht gesagt und ja, ich werde sehr gern Mrs Bones besuchen.“
„Das ist gut. Sie sollten am besten gegen zwölf Uhr dort sein. Sind Sie fit genug allein zu gehen?“
„Natürlich, danke!“
Der Doktor verabschiedete sich und wollte gerade die Tür öffnen, da flog diese ihm schon entgegen und herein spazierte ein kleiner Junge mit einem hoch beladenen Frühstückstablett, das ihn fast vollständig verdeckte.
„Guten Morgen! Hier kommt das Frühstück!“
Harry musste grinsen. „ Guten Morgen! Wer bist Du denn?“
„Ich bin Jonas, Sir.“
„Ich bin H..., Hank. Aber Du brauchst mich nicht Sir zu nennen. Einfach nur Hank.“
„Danke, Sir, ich meine Hank. Wo soll ich das Tablett hinstellen?“
„Stell das hier drüben auf das Bett, danke schön.“
„Ich sehe schon, ich kann Sie ganz beruhigt den Händen unseres neuen Pflegers überlassen.“ Der Doktor grinste und schloss die Tür hinter sich.
Mit stolz geschwellter Brust baute sich der kleine Knirps vor Harry auf. „Brauchen Sie sonst noch etwas?“
Harry unterdrückte ein Lachen und täuschte ein Husten vor. „Nein, ich denke es ist alles in Ordnung. Aber ich könnte ein wenig Gesellschaft vertragen. Willst Du mit mir frühstücken?“
Der Kleine errötete vor Freude. „Danke, aber ich habe schon gefrühstückt.“
„Dann setze Dich zu mir und erzähl mir in der Zwischenzeit ein bisschen was von Dir.“
Jonas setzte sich an das untere Ende des Bettes und beobachtete Harry genau, der sich eine Scheibe Toast mit Butter bestrich. „Was soll ich denn erzählen?“
„Was Du möchtest, wo Du wohnst, wie alt Du bist oder wo Du zur Schule gehst.“
Der Kleine wurde etwas nervös und begann an einem schwarzen Band, das um seinen Hals hing, zu spielen. „Also, ich heiße Jonas Jones. Ich bin 10 Jahre alt. Also eigentlich stimmt das nicht, denn ich bin schon fast 11. Ich habe nämlich morgen Geburtstag.“
Harrys Aussprache wurde etwas undeutlich, als er beim Sprechen auf einem Stück Toast herumkaute. „Das wird bestimmt ein mächtig toller Geburtstag!“ Es wurde ihm etwas wehmütig ums Herz, als er an seinen elften Geburtstag denken musste, der eigentlich so furchtbar war, aber auch so viel für ihn verändert hatte.
„Ja, klar! Und Mami hat Morgen auch frei. Da machen wir bestimmt irgend etwas Tolles. Letztes Jahr hat sie sich das Auto vom Doktor geliehen und dann sind wir in die Stadt gefahren und haben uns den Zoo angesehen. Das war ganz toll! Aber was wir diesmal machen, weiß ich noch nicht.“
Harry bemerkte aus den Augenwinkeln, dass Jonas in der Aufregung das Band aus dem T-Shirt heraus gerutscht war. Daran hing ein großer, dunkel angelaufener Anhänger, der schwer hin und her pendelte. Immer wieder strichen Jonas Hände über den Anhänger und spielten mit ihm, wobei Harry das merkwürdige Gefühl beschlich, dass sich der Anhänger dem Jungen zu entziehen versuchte. Er schüttelte innerlich den Kopf über diesen geradezu paranoiden Gedanken und goss sich eine Tasse Tee ein.
„Vielleicht fahren wir dieses Jahr aber auch an den See. Weil es so heiß ist. Wollen Sie mitkommen?“ Etwas zeitversetzt drangen die Worte des Jungen an Harrys Ohren.
„Ich glaube nicht, dass Deine Mama mich dabei haben will.“ Harry freute sich über soviel kindlichen Ungestüm und fragte sich unwillkürlich, ob er damals genauso gewesen war. „Schließlich gehöre ich nicht zu Familie.“
„Das macht gar nichts. Mami hat schon gesagt, dass sie Sie ganz gern hat. Finden Sie sie denn auch nett?“
´Sieh an!´, dachte Harry, `daher weht der Wind. Das erklärte auch ihr Verhalten gegenüber Rosie.´ Harry wusste nicht, wie er das Jonas höflich beibringen sollte, also versuchte er ihn abzulenken. „Was hast Du da für einen tollen Anhänger?“
„Och, den habe ich schon lange. Ich habe ihn früher mal im Wald gefunden. Hinten, bei dem großen Haus am See.“
Harry horchte auf, mit dem Jungen hatte er endlich jemanden gefunden, der von dem Herrenhaus nicht als eine Hütte, oder Bruchbude sprach. „Das ist ein riesiges Haus, nicht wahr?“
Der Junge sah ihn verwundert an. „Finden Sie das auch? Meine Mami sagt immer, dass es eigentlich verboten sein müsste, dass jemand in einer solchen Ruine hausen muss, komisch nicht?“
„Doch, das finde ich auch! Hast Du auch die große Scheune und das Pförtnerhaus gesehen?“
Jetzt ließ Jonas seinen Anhänger los, der wild hin und her baumelte und riss erstaunt die Augen auf. „Ja, klar! Da würde ich gerne wohnen wollen. Aber wir haben nur so eine kleine Wohnung über dem Laden von Mrs. Figgs.“
Harry beschlich mehr und mehr das Gefühl, dass hier in der Muggelwelt nicht Alles mit rechten Dingen zuging. „Was sagt Deine Mutter zu dem Anhänger?“
„Sie findet ihn hässlich, aber ich darf damit spielen, wenn ich will. Wollen Sie ihn mal sehen? Es sind ganz merkwürdige Zeichen darauf und es kribbelt ein bisschen in den Fingern, wenn ich ihn anfasse.“ Er hielt Harry den Anhänger entgegen.
Ohne Nachzudenken griff Harry nach dem Anhänger, den Jonas ihm hinhielt. Im selben Moment, als Harry den Anhänger berührte, passierten mehrere Dinge gleichzeitig. Die Zeit schien stehen zu bleiben, der Sekundenzeiger der Wanduhr hörte auf zu ticken, Stille breitete sich aus, dann spürten sie einen gewaltigen Energiestoß, der von dem Anhänger in beide Richtungen ausging. Sowohl Jonas, als auch Harry, starrten einander an und in beiden ging eine dramatische Veränderung vor. Harrys Gedanken waren auf einmal so klar wie noch nie und darüber hinaus fühlte er eine tiefe Verbundenheit mit dem Jungen. Ja, er konnte Erinnerungsbilder sehen, die nur aus dem Kopf des Jungen stammen konnten, als würde er mit Legilimentik in die Gedanken von Jonas eindringen. Jonas Augen weiteten sich vor Erstaunen, denn nun schwebte er ein kleines Stückchen über der Bettdecke. Beide waren über den Anhänger miteinander verbunden und nicht in der Lage ihn wieder loszulassen.
In Harrys Kopf formulierte sich eine Frage, die nur von Jonas stammen konnte: „Was passiert hier?“ Aber die Frage klang keineswegs ängstlich, sondern nur ungläubig. Und gleich kam die nächste Frage hinterher: „Warum nennst du dich Hank, wenn Du Harry heißt?“ Harry konnte also nicht nur Jonas Gedanken lesen, sondern umgekehrt war es offensichtlich genauso möglich.
„Ich nenne mich hier Hank, weil ich mich verstecken möchte. Wirst du mich verraten?“
Jonas schüttelte heftig den Kopf. „Was passiert hier gerade? Ist das Zauberei?“
„Ja, das ist Zauberei! Und ich bin ein Zauberer, Jonas.“
Jonas legte den Kopf schief und dachte angestrengt nach. „Ja, ich weiß.“
Von dem Anhänger ging jetzt ein goldenes Leuchten aus, das sich allmählich nach beiden Seiten ausbreitete. Erst wurden die Hände, dann die Arme und Köpfe, schließlich die kompletten Körper der Beiden von dem goldenen Schimmer umschlossen. Jonas riss vor Staunen die Augen noch weiter auf, brachte aber immer noch keinen hörbaren Ton hervor. Harry konnte ihn auf einmal in seinem Kopf nicht mehr hören. Vielmehr ordneten sich seine Gedanken und Erinnerungen mit erstaunlicher Klarheit neu und er konnte mit großem inneren Abstand auf seine Erlebnisse, Erinnerungen und Gefühle blicken.
Mit einem lauten Tick, der Harry aufzeigte, wie still es geworden war, sprang der Sekundenzeiger der Wanduhr einen Schritt weiter.
Er sprang zurück in seinen Erinnerungen und konnte seine Wanderung jetzt als die Flucht erkennen, die sie wirklich gewesen war und gleichzeitig sehen, dass der Auslöser der Flucht und seiner Panikattacken der Zusammenbruch in Hogwarts gewesen sein mußte. Er hatte nach den jahrelangen Auseinandersetzungen mit seinen Mitschülern und den vielen Kämpfen gegen Voldemort und seine Schergen nie das Geschehene verarbeiten können. Gestützt von seinen Freunden und Dumbledore, hatte er einfach immer nur weitergemacht, aber jede Hilfe abgelehnt. Dann kam das entbehrungsreiche letzte Jahre, das ihm so viel abverlangt hatte, und schließlich die letzte, tödliche Auseinandersetzung mit Voldemort, in der Harry sich geopfert hatte, weil das Schicksal ihn an einen Punkt gebracht hatte, an dem er nicht mehr zurück konnte. Doch jetzt begriff er plötzlich, was für ein Geschenk und welche Kraft ihm das Schicksal in diesem Moment gegeben hatte, wie er in diesem Moment über sich hinausgewachsen war.
Das nächste Tick! hatte die Lautstärke einer zuschlagenden Tür.
Er konnte plötzlich erkennen, dass seine selbst gewählte Einsamkeit und die Flucht vor der Öffentlichkeit in der Zaubererwelt ihm alles genommen hatte, was er im Leben wirklich brauchte. Seine Freunde mit Hermine und Ron, vor allen Anderen, waren in den letzten Jahren seine Familie gewesen. Indem er vor ihnen floh, verleugnete er alles, was sie ihm bedeuteten und was sie zusammen erreicht hatten. Jetzt war er sich sicher, dass sie ihm auch helfen würden, wenn er zurückkehrte und beginnen würde, sich ein eigenes Leben aufzubauen.
Tick! Harry zuckte bei der Lautstärke zusammen. Wie auch schon nach dem letzten Tick, verstärkte sich das Leuchten um die Beiden unmerklich, doch jetzt konnte Harry spüren, wie seine magischen Kräfte wuchsen.
Und auch Ginny würde ihm helfen, vielleicht sogar eine gemeinsame Zukunft mit ihm aufbauen. Und wieder kam dieser klare Moment, als ihn die Gewissheit durchdrang, dass ihre beiden Schicksale zusammengehörten. Nacheinander fielen ihm alle Situationen in der letzten Woche wieder ein, in denen er nicht nur plötzlich an Ginny denken musste, sondern ihr Bild ihm so direkt vor den Augen stand, als wäre sie bei ihm. Jedes Mal hatte er unbewusst oder zufällig das Zopfband berührt, das jetzt seine Haare zusammenhielt und vorher ihr gehört haben musste. Da war eine direkte gedankliche Verbindung, die über bloße Erinnerung hinausging und nur durch ihre gemeinsamen Gefühle entstanden sein konnte.
Das nächste Tick! dröhnte durch das ganze Haus. Das Leuchten hatte sich jetzt soweit verstärkt, dass Harry seine Umgebung nur noch undeutlich wahrnehmen konnte. Lediglich Jonas, der jetzt wieder, mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen, vor ihm auf der Bettdecke saß, war klar zu sehen. Aber noch immer konnte er den Anhänger nicht loslassen, es musste noch etwas geben, das war ihm völlig klar, das er noch nicht verstanden hatte. Doch obwohl ihn dieses Gefühl von Klarheit durchströmte, bekam er den Gedanken nicht zu fassen. Jetzt spürte Harry sogar dasselbe Kribbeln in den Fingern, das Jonas beschrieben hatte und das Harry immer wahrnahm, wenn er besonders mächtige Magie wirkte. Konnte es sein, dass der Anhänger seine Magie im gleichen Maße verstärkte, wie er auch seine Gedanken schärfte? Doch wozu sollte er seine Magie jetzt noch brauchen?
Ein Tick!, als ob das Haus zerbersten würde.
Wenn er nicht seine magischen Kräfte hier vor Ort noch brauchen würde! Er musste sich erst hier, aus seinem jetzigen Leben, lösen, um wieder in seine gewohnte Welt zurückkehren zu können. Und wieder rutschten ein paar Erinnerungen, fast hörbar, an die richtige Stelle und rasteten ein. Er steckte mitten in einer Inszenierung für die Muggel, die nur dazu angelegt war, von den wirklichen Umständen der Verbrechen und ihren Tätern abzulenken. Doch es hatte Fehler in der Inszenierung gegeben, die nur er bemerken konnte, weil er ein Zauberer war. Da war die Schokofroschkarte, die er aus der Sofaritze gepult hatte und die er, ohne sie weiter zu beachten, einfach auf den Tisch geworfen hatte. Außerdem war es ganz bestimmt nicht normal, dass in Muggeldörfern goldene Galleonen aus der Zaubererwelt auf der Straße herumlagen. Hier musste er ansetzen, wenn er die unschuldige Rosie aus dem Gefängnis, in das sie der tumbe Sergeant bestimmt gesteckt hatte, befreien wollte.
Ein Tick!, wie ein Erdbeben. Harry spürte, wie das Kribbeln in den Fingern seiner rechten Hand langsam nachließ und sich die Verbindung zu dem Anhänger löste. Er sank mit dem Gefühl tief empfundener Harmonie und einer seltsamen Leichtigkeit in den Gedankenverbindungen in die Kissen zurück. Jonas wirkte genauso entspannt, machte aber einen entrückten Eindruck, als ob ihm völlig neue Erkenntnisse zuteil geworden waren. Er hielt noch immer den Anhänger in der Hand und Reste der goldenen Aura umwaberten ihn, wie lange, gespenstergleiche Finger.
Das regelmäßige Ticken der Uhr setzte wieder ein und auch die anderen Geräusche der Umgebung wurden wieder hörbar. Fast im selben Moment, als Harry feststellen musste, dass die Teekanne auf dem Frühstückstablett umgefallen war, erklangen vor der Tür die näher kommenden Schritte von Schwester Michelle. Er wollte gerade nach einer Serviette greifen, um die schlimmste Überschwemmung zu verhüten, als Jonas den Anhänger wieder unter sein T-Shirt steckte, mit einem Wink seiner rechten Hand den Tee wieder in die Kanne beförderte und diese aufstellte.
„Ich glaube, ich kann jetzt auch zaubern!“
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