
von -Roxanne-
Lange hatten Jay und ich drauĂźen gestanden. Ich wusste nicht was mit ihr los war. Sie wollte es mir nicht sagen.
Aber ich war mir sicher, dass Baker damit zu tun hatte, was sollte sie sonst schon so aus der Bahn geworfen haben?
MĂĽde streckte ich meine Beine aus und lehnte meinen Kopf gegen die Couch auf der Jay lag und die Decke anstarrte. Sie hatte kein Wort gesagt. Die ganze Zeit ĂĽber nicht und ich zweifelte auch daran, dass sie heute noch viel sagen wĂĽrde, wenn ĂĽberhaupt.
„Kommst du mit runter? Oder soll ich dir was zu Essen mitbringen?“ Es hätte mich auch gewundert, wenn sie geantwortet hätte. Seufzend stand ich auf, so wirklich Hunger hatte ich ja nicht. „Bin gleich wieder da.“
Hoffentlich legte sich das bald wieder. Ich konnte sie so einfach nicht sehen, es zeriss mich fast.
„Wie geht’s ihr?“ Fragend sah Tamina mich an. Sie war nicht sauer gewesen, dass ich vom Training abgehauen bin. Sie verstand es, besser wohl als sonst irgendjemand.
„Naja, weiß ich auch nicht so genau. Sie spricht nicht. Liegt nur da wie eine lebende Tote. Ehrlich gesagt macht mir das echt Angst, vielleicht sollten wir...“ Ich stoppte mitten im Satz, denn alle um uns herum starrten uns neugierig an. Wie schnell sich so etwas in diesen Mauern doch verbreitete, wenn nur die richtigen oder eher die falschen Leute im Raum waren.
Ich nahm den mit Essen bepackten Teller und stand auf. „Wir müssen uns noch was wegen ihrem Geburtstag überlegen, den Ball will ich ihr nicht antun. Und du doch bestimmt auch nicht oder?“ Fast schon flehend sah sie mich an und ich war mir sicher, dass sie es nicht nur für Jay wollte, sondern auch für sich. Ich warf einen kurzen Blick zu Luke, der nur ein paar Plätze weiter saß. „Ich rede morgen mit Launter, Tamina. Aber jetzt...“
„Schon klar. Hau ab.“, grinste Tamina mich an.
„Danke.“ Matt lächelte ich ihr zu, bevor ich zurück zu Jay ging.
Tamina konnte einem wirklich Leid tun, nicht nur die Sache mit Jay hatte sie zu verkraften, sie hatte auch noch ihr eigenes kleines Drama.
Jay lag immer noch regungslos auf der Couch. Den Teller stellte ich auf den Tisch und setzte ich wieder vor die Couch. Dieses mal jedoch so, dass ich sie ansehen konnte.
So wie sie da lag erinnerte sĂe mich an an eins der Muggel-Märchen, die Tante Mine uns frĂĽher erzählt hat.
100 Jahre Schlaf. Regungslos und mit ihr der ganze Hof.
„Kleines Dornröschen.“, murmelte ich und legte meinen Kopf zu ihrem. Ihr Mundwinkel zuckte leicht, der erste Ansatz, dass es ihr besser ging.
Grinsend sah ich sie an. „Also eigentlich musst du 100 Jahre schlafen oder warten bis du wach geküsst wirst.“
Jay zog eine Hand unter ihrem Kopf hervor und schlug mir damit leicht auf den Kopf.
„Au! Und das ist der Dank dafür, dass ich dir was zu Essen mitbringe.“
Schwach grinsend drehte sie den Kopf zu mir. Das war ihre einzige Antwort.
In den Ferien war es so viel leichter gewesen. Da war nichts passiert. Sie war einfach Jay. Es war so leicht zu vergessen gewesen, was vor den Ferien passiert war. Ganz natĂĽrlich nicht, aber fast.
Und jetzt? Jetzt war es so schwer.
Fragend sah Jay mich an.
„Es ist nichts.“ Ein schwacher Versuch sie zu überzeugen. Sie konnte doch sowieso die meisten meiner Gedanken lesen wie ein offenes Buch.
„Du Lügst. Da ist mehr als nur nichts. Warum sagst du's mir nicht?“
Jetzt wäre es mir lieber gewesen, sie würde immer noch schweigen, auch wenn es unerträglich war. „Später, okay?“
„Versprochen?“
Ich nickte leicht. Ein Versprechen, das ich nicht halten konnte. Nicht halten durfte.
ReKommis vom letzten Mal
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