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Fanfiction

Das philosophische Café - Über den Sinn des Lebens

von CathyWheeler

Über den Sinn des Lebens


Ich lag vollständig angezogen in einem weichen Federbett und machte die Augen nicht auf, erlaubte es mir nicht, um diesen Augenblick zu genießen. Von draußen hörte ich Hühnergegacker. Die Sonne schien auf meine Nase.
Ich brauchte die Augen nicht zu öffnen, um zu wissen wo ich war.
Doch ich fühlte mich nicht nur geborgen, sondern auch seltsam frei und leicht, als ob eine schwere Last von mir abgefallen war.
Die Erinnerungen hatten sich nicht relativiert, nur konnte ich sie jetzt mit mehr Fassung bewerten.
Das Alles hatte ich nur einer Hexe zu verdanken. Wie viele Zentner Muffins ich wohl bräuchte, um mich gebührend zu bedanken?

Ein Geräusch aus dem Nebenzimmer, wie wenn ein schwerer Koffer vom Besen fällt, unterbrach mein Nachsinnen.
Philosopha?
Ich rieb mir die Augen, schnappte mir meine Brille, zog mir die Schuhe an und mit einem letzten Blick auf meinem vertrauten klapprigen Schreibtisch verließ ich eilig mein altes Zimmer.

Vor Charlies alter Zimmertür blieb ich stehen und erinnerte mich an meine guten Manieren. Ich klopfte dreimal und fragte: „Ist alles in Ordnung? Soll ich hereinkommen?“

Ich lauschte, konnte aber nur ein Ächzen vernehmen.

Vorsichtig drückte ich die Klinke herunter und linste in den Raum. Das was ich sah, gefiel mir überhaupt nicht und ich ging mit großen Schritten zu der Hexe am Boden von Charlies Bett.
Ich kniete mich zu der merkwürdig verrenkten Philosopha, deren Augen in Richtung Decke blinzelten.
Sie war aus dem Bett gefallen?
„Warte, ich helfe dir hoch!“

„Percy?“, sagte sie schlaftrunken. Als ich sie wieder auf die Beine brachte, musste ich mir ein Grinsen verkneifen, denn ihre braunen Locken standen in alle Richtungen zu Berge und zwischen ihnen waren Daunenfedern versteckt. Es sah aus, als hätte sie ein Nest auf dem Kopf.

Schläfrig murmelte Philosopha: „Ich habe solche Angst um dich gehabt.“ Sie schaute mich müde an und hielt sich an mir fest, um nicht umzufallen.

„Mir geht's schon viel besser. Leg dich mal wieder hin.“

Philosopha gähnte. „Keine zehn Hippogreife bringen mich wieder in dieses Bett. Ich bin vor Schreck fast gestorben, als ich nach oben guckte.“

Ich schaute zur Decke. Charlies Lieblingsdrache, der ungarische Hornschwanz, blinzelte mich an und bewegte seinen stachelbewehrten Schwanz. Natürlich war es nur ein Bild, was Charlie über Jahre hinweg gemalt hatte, aber trotzdem stockte mir kurz der Atem.

„Komm mit, du kannst in mein altes Zimmer gehen.“
Ich nahm sie an die Hand und führte sie sicher aus der Höhle des Drachens heraus und brachte sie in mein Bett.
Sie protestierte nicht, aber wahrscheinlich war sie auch zu müde dazu, denn kaum, dass ich sie mit meiner grün-blau karierten Decke zugedeckt hatte, schlief sie auch schon ein.

Es war so... irreal, wie sie so da lag, in meinem alten Bett und ich neben ihr stand und ihr leises Atmen hörte. Was wird sie wohl von mir denken, nach gestern?

Ich unterdrückte den Wunsch sie auf die Wange zu küssen und schlich mich auf Zehenspitzen aus dem Zimmer.

Unten, in der Küche, frühstückten Mum und Dad schon.
Als Mum mich sah, ließ sie ihr Messer klappernd fallen. Die Augen zu Schlitzen verengt, funkelte sie mich wütend an. „Percy, kannst du uns mal erklären, was du dir dabei gedacht hast?“

„Molly-Liebling, er war übermüdet, einfach nur überarbeitet...“ Dad versuchte auf Mum einzureden, doch die beachtete ihn nicht.

„Deine Freundin kommt hier an, tränenüberströmt, mit dir, ohnmächtig!“, schrie sie wie eine Furie und fuchtelte wild mit ihren Händen.

Ich starrte sie an, sprachlos. Seit wie vielen Jahren, hatte ich keine Standpauke mehr von ihr bekommen?

„Dem armen Ding musste ich erst stundenlang gut zureden, bis sie sich einigermaßen beruhigt hatte. Bist du noch ganz bei Trost?“

Schuldgefühle überrannten mich, hatte Philosopha sich solche Sorgen gemacht? Um mich?

Dad gab aber nicht auf. „Molly-Schatz, er hatte zu viele Überstunden...“

„Habt ihr euch gestritten?“, fauchte Mum mich an und übertönte ihren Mann.

Ich schüttelte meinen roten Kopf und setzte mich erst mal.

„Molly, er ist umgekippt, was würdest du tun, wenn ich ohnmächtig wäre?“

Sie drehte ihren Kopf zu Dad. „Ich? Ich würde gar keinen Freund haben wollen, der sich zu Tode überarbeitet und mehr Zeit mit dem Ministerium verbringt, als mit mir!“
„Und leugne nichts!“ Mum funkelte mich zornig an. „Sie hat mir doch tatsächlich erzählt, dass ihr euch nur einmal pro Woche seht! Bist du denn von allen guten Geistern verlassen?“

Ich wurde noch röter und beschämt schaute ich auf meinen leeren Teller. Philosopha, meine Freundin? Das war zu schön, um wahr zu sein.

Jetzt mischte sich Dad noch ein wenig in die Predigt ein. „Nur ein Treffen pro Woche, das ist tatsächlich ein bisschen wenig für eine feste Beziehung. Vielleicht solltest du deine Karriere mal Karriere sein lassen?“

Ich schaute ihn verständnislos an. Weniger arbeiten?

„Dein Vater hat ganz recht, du weißt ja, zu was diese Machthungrigkeit führen kann, nicht wahr, Percy Weasley?“ Ihre Stimme wurde bedrohlich.

Ganz langsam nickte ich.

„Hast du verstanden? Du triffst dich ab sofort häufiger mit ihr! Mach ihr Geschenke, Komplimente! Arbeite weniger und hilf ihr, wenn sie Probleme hat.“ Mum trommelte unruhig mit ihren Fingern auf den Tisch.

„Wir haben sie übrigens zu deinem Geburtstag in zwei Wochen eingeladen.“, merkte Dad an und massierte sich seine Schläfen.

„Ja, Percy wann hättest du ihr das eigentlich gesagt? Einen Tag davor, wo sie sich dann dein Geschenk aus dem Nichts herzaubern soll?“ Sie rollte mit ihren Augen.

„Ich hatte das völlig aus den Augen verloren...“

Mum lachte spöttisch auf, doch Dad gab mir dann ein Brötchen auf den Teller und das Frühstück wurde wieder aufgenommen.



Ich war schon fast fertig, als Philosopha die Küche betrat. Gemustert von drei Personen, fühlte sie sich sichtlich unwohl und quälte sich ein höfliches: „Guten Morgen!“ heraus. Mit Erleichterung sah ich, dass sie sich ihre Haare ordentlich zu einem dicken, geflochtenen Zopf gebunden hatte.

„Liebes, setz dich doch neben Percy und iss mit uns“, säuselte Mum, bevor ich ihr irgendwie helfen konnte.

„I-Ich kann nicht, es tut mir leid. Meine Mutter erwartet mich, wir müssen noch so viel planen für die Hochzeit...“ Betreten schaute sie nach unten.

Mum schaute abwechselnd mich und Philosopha geschockt an und ich betete, dass das hier nicht zum Desaster werden würde.

Wir schwiegen.

„Das verstehe ich jetzt nicht ganz...“, unterbrach Dad die unheimliche Stille. Er blickte mich prüfend über seine Brille hinweg an und fragte mich stirnrunzelnd: „bist du nun umgekippt, weil sie deinen Heiratsantrag angenommen oder abgelehnt hat?“

Mit bleichem Gesicht wandte ich mich zu Philosopha, die, völlig rot, sich schwächelnd neben mir auf den Stuhl setzte.

Mums Mund klappte auf, deshalb sprach ich hastig: „Das ist alles ein einziges Missverständnis!“

„Denn meine Eltern heiraten und nicht ich und... Percy.“ Sie sagte es so leise, dass ich schon die Ohren spitzen musste, um es zu verstehen.

„Also, keine Hochzeit?“
Ich und Philosopha schüttelten unsere Köpfe.

Dad fragte verwirrt: „Aber... Percy, für wen habe ich dann den Wieselkopf dekoriert?“

„Äh, für...“
Um ehrlich zu sein, keine Ahnung.

„Für mich. Percy wollte mir zeigen, wie... äh... wo man einen Heiratsantrag am besten äh... hält, damit ich meinen Vater Tipps geben kann. Percy wusste bis gestern ja noch nicht, dass sich die Angelegenheit schon erledigt hat...“ Philosopha lächelte mich nervös an.

Ja, wieder ein Argument, warum ich diese Frau liebe. Hilft mir uneigennützig aus dem Schlamassel. Ich schaute sie dankbar an.

„Tja, wenn man sich nur einmal die Woche trifft, ist man schlecht informiert...“, spottete Mum leise.

„Es sah wirklich traumhaft aus! Aber ich muss jetzt wirklich los!“ Philosopha schüttelte Mum und Dad die Hände und stand auf.

„Ich begleite dich nach draußen und verschwinde gleich mit!“ Ich erhob mich ebenfalls und ging ihr hinterher.

Völlig überrumpelt fragte Mum: „Percy, du kommst doch heute Abend?“

„Nein, viel zu tun, bis nächste Woche Mum, bis Montag... Dad.“ Dabei schritt ich auch schon über die Türschwelle.

Aus den Augenwinkeln sah ich noch, wie meine Eltern sich anschauten und dann anfingen zu tuscheln.


Draußen im Garten liefen wir schweigend nebeneinander, immer darauf bedacht keinen Gnom zu erwischen oder auf Hühnermist zu treten.

„Ich... es tut mir leid-“ Philosopha schaute zu mir auf, ich sah, wie sie sich auf die Lippen biss.
“ich hätte nie sagen dürfen, dass ich deine Freundin bin. Jetzt bist du, dank mir, in solch... unangenehme Gespräche verwickelt.“

„Du bist wirklich... unglaublich, dir die Schuld zu geben. Durch wen bist du schließlich hier?
Es tut mir leid, dass... mit gestern.
Und überhaupt, was bist du, meine Kellnerin?“

Sie lächelte leicht. „Sehen wir uns Samstag?“

„Ja, bis Samstag.“ Ich beugte mich zu ihr runter und bevor ich ihre weiche Wange berührte, flüsterte ich ihr ins Ohr: „Vielen Dank, ohne dich wäre alles viel schlimmer gekommen.“

Philosopha blieb einen Moment mit geschlossenen Lidern stehen.
Dann öffnete sie die Augen. „Dazu sind Freunde schließlich da.“ Sie winkte noch einmal und verschwand.

Ich apparierte nach Hause. Dort setzte ich mich erst mal in meinen Sessel und sammelte mich.
Die Sache mit der Hochzeit ist geklärt, jedenfalls für meine Eltern.

Philosopha hatte für mich gelogen. Sie hatte verheimlicht, warum ich ohnmächtig war.
Und anscheinend hatte sie immer noch verschwiegen, wie sie nun hieß.
Aber beim nächsten Treffen, beim nächsten...

Unruhig stand ich auf und lief vom Wohnzimmer zum Schlafzimmer wieder zurück zum Korridor.

Beim nächsten Treffen, würde ich ihren Namen, ihren Beruf erfahren und würde endlich über meinen Schatten springen.
Ich würde sie zu mir einladen.
Ich schaute mich um. Überall lagen Bücher, Ordner und Federn verstreut in den Ecken, auf dem Boden, sogar im Bett. Klemmbretter und schmutzige Ministeriumsumhänge im Badezimmer inklusive.
Während ich das Chaos mit meinem Zauberstab beseitigte, überlegte ich, welchen Beruf sie wohl ausübte.
Manches konnte ich ja wenigstens schon mal ausschließen. Quidditchspielerin zum Beispiel, oder Ministeriumsangestellte.
Vielleicht arbeitete sie im St. Mungo?
Oder... ja, bestimmt schreibt sie für eine Zeitung, das passt. Nicht so eine bekannte wie den Tagespropheten, aber auch nicht für so eine sinnfreie, wie die Hexenwoche.

Fertig mit Wegräumen schaute ich mich um. Jetzt war zwar alles akkurat an seinem Platz, aber dafür strahlten die Räume eine gewisse Kühle aus. Alle Wände waren weiß, die Fenster waren ohne Gardinen, der Teppich war grau. Alles war verstaut in Regalen, Kommoden und Schränken.
Ich hatte für mich nicht den Anspruch, dass meine Wohnung behaglich aussah, denn überall wo meine Bücher waren, fühlte ich mich wohl, aber was würde Philosopha von meinem Zuhause sagen?

Dann müsste ich sie eben mit etwas anderem beeindrucken. Backen kann ich nicht, aber ein wenig kochen.
Der Tag verging mit Gedanken über das Menü und endete über Ministeriumsberichte. Doch die gelbe Schleife auf meinem Schreibtisch gab mir die Motivation durchzuarbeiten.




Wie konnte es auch anders sein, war ich nach einer unruhigen Woche, in der ich mehr als einmal mit George geredet hatte, sehr nervös.
Bevor ich mich in der halben Stunde, bis sie kam, wieder bekleckern würde oder Schlimmeres, entschied ich mich lieber für einen kleinen Schaufensterbummel in der Winkelgasse.
In der Magischen Menagerie waren Kröten im Ausverkauf und in dem Scherzladen Freud und Leid drängten sich, wie ich gutgelaunt bemerkte, viel weniger Hexen und Zauberer als in Weasleys Zauberhafte Zauberscherze.

Ich wechselte die Straßenseite, als ich zurück zum Café wollte. Auf dem Weg dorthin kam ich an einem Laden vorbei, mit dem ich schlechte Erinnerungen verband. Auf dem schäbigen Blechschild stand:


Kesselwechsel
Zweite Ware für wenige Knuts!


Wie lange war es her, als ich hier meine Sachen für Hogwarts erstehen musste?
Angewidert schaute ich durch das staubige Fenster. Eine schiefe Waage stand in der Auslage und weiter hinten im Raum konnte ich altmodische, fast schon antike Umhänge erkennen. Wie froh ich war, hier nie wieder rein zu müssen.
Mit gerümpfter Nase wollte ich schon weitergehen, als ich erstarrte. Bei den Umhängen war jetzt eine Hexe mit Locken.
Von der Größe her und den Haaren...
Aber was sollte Philosopha hier?
Vielleicht brauchte sie eine Kleinigkeit für ihre Mutter?

Mit Widerwillen trat ich nach Jahren wieder über die Schwelle. Der modrige Gestank nach vermotteten Kleidern nahm mir den Atem. Falls es wirklich Philosopha war, würde ich sie zügig aus diesem Kramgeschäft rauslotsen.

„Percy, was machst du denn hier?“ In ihrer Frage konnte ich einen Anflug von Entsetzen raushören. Philosopha kam zu mir mit geweiteten Augen.

„Dich rausholen aus diesem dunklen Loch.“ Ich küsste sie auf die Wange.

„Percy...“, sagte sie schwach und ließ ihre Schultern fallen.

Von weiter hinten brummte eine tiefe, ältere Männerstimme, als ich Philosopha gerade die Tür aufhielt: „Miss Wellesley, ich wünsche Ihnen einen schönen Feierabend, aber ich fürchte, die Viertelstunde muss ich von Ihrem Lohn abziehen.“

Philosopha antwortete knapp in seine Richtung: „Kein Problem, bis Montag, Mr Carter!“

Draußen atmete ich erst einmal frische Luft ein und fragte sie dann irritiert: „Hilfst du da aus?“

„Ich... ich arbeite da“, piepste sie.

Ich hob meine linke Augenbraue. „Als Zusatzjob?“

„Nein, Festanstellung“, sagte sie gequält.

Meine Züge entgleisten mir und ich fragte sie streng: „Du willst mir jetzt nicht wirklich weismachen, dass du in diesem... in diesem heruntergekommenen Ramschladen deine Galleonen verdienst?“

Mit schreckensweiten Augen schnappte Philosopha nur nach Luft.

„Das kann doch nicht der Wahrheit entsprechen...
Du dort... da besteht doch keinerlei Zusammenhang.“
Ich schüttelte verständnislos meinen Kopf.

„Es ist eine Tatsache“, hauchte sie.

Ungläubig sagte ich: „Aber, dass kann doch nur ein mieser Scherz sein. Ich meine, diese... Arbeit ist ja nur ein bisschen mehr als nichts!“

„Ja, ich bin für nichts Besseres geeignet, ich bin weniger als ein nichts.“

Langsam wurde ich wütend. „Das ist nicht witzig, sag mir die Wahrheit!“

Anstelle einer Antwort, drehte sie sich um und lief in die entgegengesetzte Richtung weiter.

„Hey!“ Ich griff ihr Handgelenk und zog sie wieder zu mir.
In mir verkrampfte sich alles, als ich sah, dass sie weinte.
Tränen in ihrem schönen Gesicht. Mein Herz war nicht mehr auf dem korrekten Platz und ich fühlte, wie ich den Boden unter meinen Füßen verlor.

Mit tränenerstickter Stimme schluchzte Philosopha: „Lass mich los, was willst du von einer Verkäuferin... eines abgewrackten Kramladens.“

Keine tröstenden Worte fielen mir ein, deshalb schloss ich sie einfach in meine Arme.
Mitten auf der belebten Winkelgasse spürte ich, wie mein Umhang immer nasser wurde, wie ihre Haare sich anfühlten und wie sie duftete.

Als ihre Schultern weniger zuckten, flüsterte ich in ihre weichen Locken: „Verzeih mir bitte, ich bin nur überrascht.“ Sie hickste.
„Du bist eine so warmherzige, intelligente und wundervolle Hexe, deine Arbeitsstelle ist doch unter deiner Würde.“

„Du kennst mich nicht, Percy“, hörte ich sie gedämpft, denn ihr Gesicht war immer noch auf meinem Umhang gedrückt.

„Ich werde dir eine Stelle im Ministerium organisieren“, versicherte ich ihr.

„Mal abgesehen davon, dass du das nicht schaffst, wäre das Vetternwirtschaft.“

„Nur ein kleiner Bekanntenbonus, außerdem zweifle nicht so an mir, auch wenn es kompliziert sein sollte, für dich werde ich das schon bewerkstelligen.“

Sie schwieg, kuschelte sich noch einmal in meinem Umhang und löste sich dann von mir.
„Du kannst so froh sein, dass ich nicht nachtragend bin.“ Lächelnd wischte Sie sich die letzten Tränen mit ihrem Handrücken ab.

„Siehst du, noch eine tolle Eigenschaft!“

Philosopha lachte beschämt auf. „Ich habe dich total nass gemacht.“

Ich lachte. „Ein erfrischendes Nass im heißen August ist doch nur willkommen zu heißen.“

Sie schmunzelte und dann gingen wir das letzte Stück zum Café.


Wie immer saßen wir uns gegenüber und doch war es anders als sonst. Auf eine gewisse Art vertrauter.

„Darf ich dich fragen, warum du da arbeitest?“

Sie seufzte. „Ich bin nicht doof, aber meine ZAGs und UTZe sind nicht gerade herausragend, weil ich unter panischer Prüfungsangst leide. Das heißt, dass ich in Prüfungen anfange zu zittern und ich, egal wie gut ich den Stoff eigentlich kann, nur Black-outs habe.“

„Das ist ja grauenvoll...“

„Ja, und nicht mal Beruhigungstränke helfen. Und bei Bewerbungsgesprächen sieht es genauso aus...“, beklagte sie.

„Aber, das kann man doch üben. Übung macht den Meister! Hast du Lust morgen zu mir zu kommen und solche Gespräche zu üben? Warte, ich gebe dir meine Adresse und dann kannst du per Flohpulver zu mir kommen, wie wäre es um fünf?“
Ich reichte ihr meinen, schon extra präparierten, Zettel herüber.

„Ich glaube, in deiner Planung war keine Absage von mir eingeplant, da muss ich wohl kommen.“ Sie lachte und packte das Pergamentstück in ihre Tasche.

Ich spürte, wie meine Ohren rot wurden.

„Du bist ganz schön ehrgeizig in deiner Karriere, oder?“, fragte sie neugierig.

„Nicht nur, aber wo sollte ich anderweitig ehrgeizig sein, wenn mir das doch Spaß macht?“

Philosopha runzelte die Stirn. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Sinn des Lebens darin besteht, einen guten Job zu besitzen.“

Ich verschränkte die Arme. „Warum nicht? Die einen haben ihre Familie, die anderen ihre Karriere, ist doch alles wunderbar.“

„Ja, aber wo ist dann der Sinn dahinter? Wen interessiert im größeren Kontext schon, ob ich Auror war oder Sicherheitstrolle ausgebildet habe?“

Ich zuckte mit meinen Schultern. „Warum sollte das Leben überhaupt einen Sinn haben?“

„Sie dich um, es gibt die Welt, das Universum, dich, das ist doch unglaublich! So viel Aufwand für nichts? Ich bitte dich. Es ist außerdem unmöglich, dass das Leben zufällig entstanden ist. Das wäre so, als ob ich tausend nummerierte Pergamentblätter, die ungeordnet sind, in die Luft werfen würde und sie unten fein säuberlich auf einem Stapel landen würden, sortiert von 1-1000. Das Ganze natürlich ohne Magie.“

„Klingt unrealistisch. Aber ich brauche kein abgehobenes Ziel, um nicht vor Langeweile zu sterben.
Aber lass mich raten, der Sinn des Lebens ist für dich bewusst zu werden?“

Sie lachte „Treffer! Stell dir mal vor, du wärest verhext und könntest dich für einen Moment nicht bewegen, nicht hören, nicht sehen, nicht tasten, nicht riechen und nicht schmecken, was würde dir bleiben?“

„Nichts?!“

„Doch, die kleine Stimme in deinem Kopf, die sagt: Ich bin.“

„Du meinst, die ist das Wichtige?“

„Ja, warte, ich erkläre dir das noch näher.“
Sie stand auf, nahm ihren Stuhl und stellte ihn neben meinem. Wir saßen so eng nebeneinander, dass unsere Schultern sich berührten.

„Schau dir deine Tasse an.“

Ich rückte meine Brille zurecht und wartete auf eine abstruse Geschichte.

„Stell dir vor, es gibt keine Welt, kein Universum, nur Tasse.“

Ich lachte. „Ok, es gibt nur noch Tasse.“

„Tasse ist überall und weil sie ja alles ist, weiß Tasse auch alles, denn es gibt ja niemanden anderen, der etwas anderes wissen könnte, denn es gibt ja nur... Tasse.“

„So weit kann ich dir folgen.“ Ich nahm einen Schluck aus der beschriebenen Tasse.

„Tasse weiß zwar alles, aber nicht, was es bedeutet alles zu sein. Tasse kann sich nicht im Spiegel angucken, weil es ja nur Tasse gibt. Tasse fragt sich, ob es gut ist, alles zu sein. Ist alles zu sein schön? Tasse will nicht länger nur wissen, sie will sich selbst erfahren und entdecken. Und um das zu erleben, erschafft Tasse das Nichts, das was nicht Tasse ist.“

„Hm, fantastisch, aber was hat Tasse damit erreicht?“

„Zum ersten Mal gibt es zwei Orte, das Alles und das Nichts, es gibt nun das Hier und das Dort, also entstand der Raum. Und wenn etwas von hier nach dort geht, gibt es jetzt auch eine Distanz, um vom einem zum anderem zu kommen, also die Zeit, wie lange man dafür braucht.“

„Genial, Tasse hat Zeit und Raum erfunden!“ Ich lachte amüsiert über die Geschichte.

„Und nicht nur das, Tasse hat auch die Dualität erfunden, plötzlich war nicht mehr alles Eins, sondern getrennt, sie konnte nun genau erkennen, dass es schwarz und weiß gibt, laut und leise, Liebe und Angst.“

„Dann war Tasse doch fertig und glücklich?“
Ich schaute sie von der Seite an und sie machte mich ganz nervös, wie sie da nur ein paar Zentimeter von mir entfernt saß.

„Du vergisst, dass es die Unendlichkeit gibt. Es gibt unendliche viele Arten von Liebe und Angst, es gibt kein Ende im Entdeckungsprozess.“
Sie zwinkerte mir zu.

„Und wir sind jetzt auf der Welt um Tasse beim Entdecken zu helfen?“
Ich spürte ihre Locken an meinem Hals.

„Wir sind Tasse, nur wissen wir das nicht, sonst würden wir uns ja nicht ohne Beeinflussung entdecken können. Denke daran, es gibt nichts anderes außer Tasse.“
Sie hob den Finger, um ihre Aussage zu unterstreichen.

„So ganz kann ich da nicht mitgehen, wir alle sind... Eins? Wozu braucht man dann so viele Menschen?“

„Beziehungen sind doch wunderbar, um sich selbst zu entdecken, du sagst, z.B. dass Rot deine Lieblingsfarbe ist und erst da wird mir klar, dass für mich Gelb aber die schönste Farbe ist.“
Sie nippte aus ihrer Tasse.

„Die Geschichte ist vollkommen... ungewöhnlich, aber interessant.
Du baust alles darauf auf, dass es etwas gibt, was alles ist, aber woher willst du das wissen?“
Sie war mir so nah, dass ich jeden ihrer kleinen Leberflecke auf ihrem Hals sehen konnte.

„Ich sag ja auch nicht, dass es wahr ist, es ist einfach eine Idee, ein Erklärungsansatz!“ Philosopha lachte mich an.
So dicht sie lachen zu sehen, war wunderschön.
Ihre Lippen, so voll und rot und bestimmt warm und weich...

Dann bemerkte sie endlich, endlich meinen Blick, drehte sich zu mir um und schloss die Augen. Und wartete...
Mein Herz pochte, ich war froh, dass wir ganz hinten saßen und ich lehnte mich noch näher zu ihr.
Ich schmeckte süßen Früchtetee. Ich vergaß alles, was sie mir gerade erzählt hatte, wir in einem Café waren, komplett alles. Da war nur noch dieser Augenblick, in dem ich innerlich jubilierte, als ich merkte, dass sie mich zurückküsste.
Ich küsste sie, wie ich alles tat: präzise und gut.

Zitternd lösten wir uns voneinander und als ich ihre geröteten Wangen und glänzenden Augen sah, kam ich erst gar nicht auf die Idee, zu fragen, ob sie es wiederholen möchte. Ich tat es einfach.


Heute las ich meine Zeitung nicht im Café.










Ja, nach dem dramatischen letzten Kapitel, liebe Leser, hat sich doch wieder der Kitsch gemeldet. Ich hoffe, es gefällt euch und ihr denkt nicht, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe.^^
Es ist übrigens schon Halbzeit. Wie die Kapitel vergehen...

@Rose_Weasley: Ich hoffe, meine Sinn des Lebens Diskussion war dir nicht zu... komisch. *lach*

@LilyLunaMalfoy: Ich hoffe, dass die „dunklen Geheimnisse der Philosopha“ dir gefallen haben. ^^

Dieses Kapitel zu schreiben, hat mir unglaublich Spaß gemacht. Und es wäre vielleicht noch besser geworden, wenn mir das Heft, in dem ich es geschrieben habe, mir nicht in die Badewanne gefallen wäre.^^

Liebe Grüße

Eure CathyWheeler


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