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Fanfiction

Das philosophische Café - Über das Glück

von CathyWheeler

Über das Glück

In der folgenden Woche dachte ich immer wieder über die Rätselhafte nach.

In meinen Kopf wuselten schon die wahnsinnigsten und lächerlichsten Ideen durcheinander, wie ich sie denn ansprechen könnte.

Fast hätte ich sogar schon Dad in die Sache eingeweiht und ihn um Rat gefragt, aber mir schien die Angelegenheit dann doch noch nicht so ernst und er war ja auch schwer beschäftigt.

Am Freitag war ich dann schon so hibbelig, dass ich abends gar nicht mehr zum Akten Sortieren kam. Stattdessen saß ich in meinem Lehnstuhl, den Blick zum prasselnden Kaminfeuer gerichtet und dachte mir irgendwelche Spitznamen für sie aus.
Leider fiel mir nichts Passendes ein. Meine Einfälle waren auch wirklich verrückt, von „die Lockige“ bis „Pergamentröllchen“ war alles dabei.
Ich war über diese kläglichen Versuche aber nicht unglücklich, eher schmunzelte ich in mich hinein.
Und das nach der Arbeit!
Das passiert sonst selten. Nicht, dass ich nur meine Arbeit liebe! Aber ich bin schließlich leidenschaftlicher Abteilungsleiter und so gehe ich voll und ganz in meiner Stellung im Ministerium auf.

Der entgegengefieberte Samstagnachmittag war nach einer gefühlten Ewigkeit endlich angebrochen und mit einem nervösen Lächeln auf den Lippen nahm ich meinen üblichen Milchkaffee und meinen Tagespropheten entgegen.

Als ich bei meinem Lieblingsplatz war und es mir gemütlich machte, schaute ich immer mal wieder nach ein paar Zeilen zur Eingangstür. Eine halbe Stunde verging.

Soweit ich mich erinnern konnte, müsste sie eigentlich jetzt schon da sein. Ich holte mir zur Ablenkung einen neuen Milchkaffee.

Dann öffnete sich die Eingangstür und ich versteckte mich hastig hinter meine Zeitung.
Nach einer Weile war ich dann aber so neugierig, dass ich doch kurz verstohlen über die Papiere rüberblinzelte.
Sie war da! Mit einer Tasse in der rechten Hand bewegte sie sich in meine Richtung, sah mir ins Gesicht, tatsächlich strahlte sie mich an!

Mein Herz machte einen Hüpfer und ich schob meinen Vorsatz sie anzusprechen ganz weit weg. Hatte ich mir das tatsächlich vorgenommen?
Im Moment war mein Kopf so leer und ich fühlte mich so unsicher, dass das doch völlig undenkbar war.

Während sie sich um die anderen Tische im Raum herumschlängelte, griff ich zu meinen schon zweiten Milchkaffee.
Sie war nur noch wenige Meter von mir entfernt, als ich einen großen Schluck nahm.

So wie sie mich dann erschrocken anguckte, musste ich ihr wohl ein höchst gequältes Gesicht gezeigt haben. Kein Wunder aber auch, wer schluckt auch schon frisch gebrühten und dadurch natürlich verdammt heißen Kaffee?
Auf meiner tauben Zungenspitze spürte ich die Brandbläschen.
Wahrscheinlich muss ich wie der größte Trottel aussehen, das schloss ich jedenfalls aus ihrem mitleidigen Blick.

Mit zaghafter Stimme wisperte sie mir zu: „Ich darf mich doch zu Ihnen setzen?“

Ich zuckte nur mit den Schultern, nach Sprechen war mir gerade überhaupt nicht zumute.

Die junge Hexe verstand wohl meine Gestik als Aufforderung, sie setzte sich, stellte ihre Tasse ab und schaute mich dann erwartungsvoll an, anstatt ihr Schreibzeug herauszuholen.

Ich krächzte schließlich stumpfsinnigerweise: „Der Milchkaffee schmeckt hier besonders köstlich!“

Sie lachte glockenhell auf und ihre Locken hüpften dabei auf und ab.

Ich konnte nur mit einstimmen, da ihr herzliches Lachen ansteckend war.

„Das Café ist wirklich zauberhaft, hier vergeht die Zeit wie im Nu und der Früchtetee ist auch nicht zu verachten.“, sagte sie sanft und hatte dabei immer noch Lachfältchen in ihren Augenwinkeln.

Da ich damit beschäftigt war mir ihre gebogenen Wimpern und ihre beim Sprechen bewegende Lippen anzuschauen, hatte ich nicht auf ihre Worte gehört, doch es war irgendetwas mit „Zeit“ gewesen.
„Ja, welch ein Glück, dass wir hier so ein nettes Plätzchen gefunden haben, wo wir uns die Zeit mit Lesen bzw. Schreiben versüßen können.“
Ich zwinkerte ihr zu und sie lächelte mit ihren blitzenden weißen Zähnen.

„Wo Sie gerade von Glück sprechen, ich schreibe im Moment über Glück. Ihr Gesicht glühte vor Begeisterung.

Ich stutzte. „Sie schreiben... über Glück?“, fragte ich sie mit ratloser Stimme.

Voller Stolz antwortete mein Gegenüber: „Ja, ich bin Philosophin, so zum Spaß.“
Sie grinste.

Ich runzelte die Stirn, denn so viel konnte ich damit nicht anfangen.
„Das ist ein Titel?“, mutmaßte ich.

Sie erwiderte mit schwärmerischer Stimme: „Philosophen sind Menschen, die sich die Welt von innen erklären!“

„Ach ja?“ Damit konnte ich absolut nichts anfangen.
Ich schaute ihr dabei zu, wie sie eine Locke um ihren Finger wickelte.

Sie schmunzelte, wohl über meinen verständnislosen Blick und fing an zu erklären: „Von innen meint, dass man nicht vorgefasste Meinungen von anderen übernimmt, sondern mithilfe seines Verstandes versucht, selbst Lösungen zu finden.
Finden Sie nicht, dass die Welt ein Rätsel ist? Oder können Sie mir hundertprozentig genau erklären, was Liebe, Gerechtigkeit oder... Glück ist?“

Ich muss zugeben, dass mich meine Unkenntnis schwer traf. Da hatte ich sonst wie viele UTZe, war Abteilungsleiter und konnte trotzdem die Begriffe nicht genau definieren, hatte nur so ein vages Gefühl für diese Worte.
Ich konzentrierte mich und fing langsam an zu begreifen.
„Sie untersuchen also moralische Werte?“

Ihr Lächeln wurde breiter: „Ja, die Definition kann ich gelten lassen, obwohl allgemein alle Dinge über die man sich wundern kann zum Inhalt der Philosophie gehören.
Ich philosophiere um bewusster zu werden.“

„Sie meinen selbstbewusster zu werden?“ Nötig hatte sie es, wenn sie über das Philosophieren sprach, jedenfalls nicht. Sie wirkte tatsächlich jetzt viel lockerer.

Sie kicherte leise. „Das vielleicht als netten Nebeneffekt, aber eigentlich möchte ich so herausfinden, wer ich wirklich bin.“

Ich lachte sie an. „Aber Sie wissen doch ganz bestimmt wie Sie heißen?“

Sie gluckste. „Natürlich, aber Namen sind doch nur Schall und Rauch! Wenn Sie jetzt auf einmal Curt Willow hießen, blieben Sie doch derselbe, oder?“

„Selbstverständlich“, sagte ich im Brustton vollster Überzeugung.
Ich genehmigte mir einen Schluck von meinen nun nicht mehr ganz so heißen Milchkaffee.

Sie beobachtete mich dabei und das was sie sah, konfrontierte sie wohl mit der Realität, denn sie sprach in einem ruhigeren und entschuldigenden Ton: „Tut mir leid, dass ich Sie damit belästige, Sie wollen sicher lieber ihre Zeitung weiterlesen?“

Ich wedelte ab. „Der Tagesprophet kann warten, er ist bestimmt nicht halb so interessant wie Sie.“

Die Angesprochene errötete und ich fühlte mich gut.
So spannend ist es nun wieder auch nicht...“, murmelte sie beschämt und schaute auf die Tassen.

„Ich würde mich freuen, wenn Sie weiter erzählen würden, ich habe Zeit. Aber ich fürchte, dass vielleicht ihre Pergamentrollen Sie bald beanspruchen werden?“ Ich schaute sie fragend an.

Sie schüttelte den Kopf, dass die Haare flogen. „Wenn ich Ihr Interesse geweckt habe, wäre es doch nur eine Verschwendung sich nicht mit Ihnen zu unterhalten. Außerdem werde ich dann bestimmt auch sicherer in meinen Ansichten und vielleicht sehen Sie ja auch Fehler in meiner Argumentation.“

Ob sie gerade mich oder sich selbst überzeugte?
Jetzt war ich es, der sie erwartungsvoll anschaute.

Sie überlegte kurz und sagte dann: „Wahrscheinlich wird die ganze Sache einleuchtend, wenn wir einfach mal anfangen zu philosophieren. Ich denke, Glück ist ein nettes Einstiegsthema.“

Ich grinste sie schief an. „Jetzt werfen Sie mich aber ins kalte Wasser.“

Ihre Lippen formten ein Lächeln. „Es gibt kein richtig oder falsch, versuchen Sie es einfach mal.“

„Glück ist einfach alles was mir durch Zufall einen Vorteil verschafft, z.B. wenn ein Ziegelstein meinen Kopf nur knapp verfehlt, haben meine Haare Glück gehabt.“ Ich fuhr mir durch meine feuerroten Haare.

Wir lachten leise, um die anderen Gäste nicht zu stören.
Seit wann habe ich Humor?

Sie stimmte mir zu und blickte meine Haare mit einem Gesichtsausdruck an, den ich nicht einordnen konnte.

Schließlich schaute sie wieder in meine Augen. „Meiner Meinung nach ist das ein Aspekt. Grob kann man Glück in zwei Bereiche unterteilen, zum einen das zufällige Glück, wie schon von Ihnen beschrieben, und dann noch das Glücklichsein.

Ich nickte zustimmend. Dieses elende Siezen störte mich ungemein, deshalb sammelte ich all meinen verfügbaren Mut und sagte: „Ich verstehe dich, aber bin ich nicht auch glücklich, wenn ich knapp den Ziegelstein verpasse?
Ob sie es bemerkt hatte?

Ihre Augen glitzerten.
„Würdest du jetzt eine Woche lang im Dreieck hüpfen, weil ein Ziegelstein dich nicht getroffen hat?“

„Wohl kaum“, sagte ich ungläubig.
Mein Herz pochte schneller. Wie kann ein kleines du das nur ausrichten?

„Glücklich zu sein ist für mich eine längere Zeitspanne, in der ich mich sehr zufrieden fühle, aber für dich kann es natürlich ganz anders sein.“

„Ein angenehmes Gespräch in einem Café ist jedenfalls für mich schon ein guter Anfang.“

Sie schaute mich verträumt an und wurde rot. „Ich... muss jetzt aber auch anfangen zu schreiben.“

Ja, natürlich war ich enttäuscht. Da hatten wir gerade angefangen und nun das. Aber, was soll man machen? War ich vielleicht auch zu weit gegangen?

„Oh, natürlich, Entschuldigung, dass ich dich aufgehalten habe, danke für den interessanten Einblick.“

„Habe ich doch gern gemacht“, antwortete sie und holte ihre Schreibuntensilien aus ihrer Tasche.

Dann war im Café, in der Ecke ganz hinten, nur das Kratzen einer Feder, das Knistern einer Zeitung und das leise Atmen von zwei Personen zu hören.










Ja, ich hoffe natürlich, dass euch dieses Kapitel gefallen hat.
Danke, für eure lieben Reviews! Ich denke, aus Percy kann man viel rausholen, schließlich hat auch er sich im Laufe der Buchreihe ziemlich gewandelt. Er ist es wert, dass man ihm auch eine ziemlich kitschige Fanfiction zuteilt.

Es wäre ganz lieb, wenn ihr mir sagen würdet, über was die beiden noch so alles philosophieren sollen. Das nächste Thema steht schon fest, aber über die anderen bin ich mir noch nicht sicher (die Story an sich ist aber schon festgelegt).
Vorschläge wären von mir: Sinn des Lebens, Leben nach dem Tod, Ruhm, Schönheit, ewiges Leben.
Aber vielleicht interessiert euch etwas ganz anderes?
Oder ihr habt Fragen zum Kapitel?
Schreibt mir einfach eure Meinung!

Ganz liebe Grüße

Eure CathyWheeler


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Es gibt einen Grund dafür, warum alle großen Fantasy- und Science-Fiction-Filme im Gedächtnis der Leute geblieben sind. Sie haben eine große Tiefe und nicht nur eine oberflächliche Handlung. Und deswegen werden wir in 50 oder 100 Jahren auch immer noch die Harry-Potter-Bücher lesen und hoffentlich die Filme anschauen.
Michael Goldenberg