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Fanfiction

Getting over his pride - Von Streit und Konflikten

von Chatterbox

Als Sirius um Mitternacht in den Jungenschlafsaal kam, war James noch wach. Er las in einem Fachbuch über Zaubertränke, das ihm gewiss Lily gegeben hatte.
Er sah sofort von seinem Buch auf, als Sirius hereinkam.

„Wo warst du?“, fragte James, während er das Buch auf seinen Nachttisch legte.

Anscheinend war er nur wach geblieben um auf ihn zu warten.

„Wirst das ein Verhör?“, erwiderte Sirius patzig. Es tat ihm sofort leid, dass er so patzig reagiert hatte, aber antworten tat er ihm trotzdem nicht.

James ignorierend ging er zu seinem Bett und zog sich bis auf die Boxershorts aus bevor er unter die warme Decke kroch.

„Was ist los?“

Am Liebsten hätte Sirius ihm für diese Frage ein Kissen ins Gesicht geworfen.
Es war erbärmlich, dass James nicht wusste, welche Sorgen seinen besten Freund plagten, wo sie doch so offensichtlich waren.
Er wusste, es war verdammt kindisch, aber er drehte James einfach den RĂĽcken zu.
NatĂĽrlich lieĂź Krone sich das nicht gefallen.
Mit einem gezielten Wurf bekam Sirius ein Kissen gegen den Hinterkopf geworfen.

„Was ist?“, fragte Tatze gereizt, setzte sich im Bett auf und funkelte seinen besten Freund wütend an. „Ich will schlafen!“

„Wieso ignorierst du mich, Tatze?“, fragte James und es nervte Sirius, dass er im Gegensatz zu ihm vollkommen gelassen blieb.

Aber er nahm den verletzten Ausdruck in seinen Augen wahr.
Normalerweise hätte ihn dieser Blick dazu bewegt sein gesamtes Herz auszuschütten, aber er war zu sauer auf ihn.

„Tue ich doch gar nicht!“, wehrte er somit ab, obwohl es offensichtlich war, dass er log.

Er wusste, er verhielt sich absolut kindisch und Lily hätte ihn für dieses Verhalten gewiss ausgelacht, aber er konnte einfach nicht anders.

„Es ist wegen Lily, stimmt’s?“

James fuhr sich seufzend durch die Haare.

„Es tut mir leid, dass ich in letzter Zeit kaum für dich da bin, aber bald sind die Prüfungen und ich muss viel lernen. Du weißt doch, dass ich unbedingt Auror werden möchte und dafür müssen die Zensuren ausgezeichnet sein.“

Sirius konnte gar nicht anders als zu schnaufen und demonstrativ den Kopf wegzudrehen.

„Du hörst dich an wie Evans.“, erwiderte er gereizt.

Sirius wusste, James konnte es nicht leiden wenn man seine Lily beim Nachnamen nannte – dabei hatte er es früher selbst immer getan.

„Tatze, sei nicht so kindisch!“

Jetzt verlor auch James Potter die Geduld, wenn auch nur ein wenig. WĂĽtend funkelte Sirius ihn an.

„Ich kann so kindisch sein wie ich will, Krone!“, erwiderte er schon wieder kindisch.

„Schön!“, keifte Krone, „dann wundere dich aber nicht, wenn ich lieber mit Lily rede als mit dir!“

Autsch. Das war ein Stich ins Herz und zwar ein gewaltiger.
James legte sich mit dem RĂĽcken zu Sirius schlafen und schaltete das Licht aus.
WĂĽtend starrte Sirius in die Dunkelheit.

„Immer Lily hier, Lily da! Lily kann dies besser, Lily kann jenes besser! Ich kann es nicht mehr hören!“, grummelte Sirius, bevor auch er das Licht ausschaltete und James ebenfalls den Rücken kehrte.

„Finde dich endlich damit ab, dass Lily und ich ein Paar sind, Tatze! Es nervt!“, hörte es Krone noch sagen, aber er ignorierte seine Worte erneut, während in ihm das Feuer brodelte.

Er würde diese Nacht gewiss erneut von Lily und James träumen, wie sie ihn alleine stehen ließen, weil sie zusammen so glücklich waren, dass sie niemanden sonst mehr brauchten – selbst ihn, Sirius Black, nicht.

Am nächsten Morgen ignorierten James und Sirius sich konsequent. Wenn sie einander ansahen, so tauschten sie lediglich böse Blicke aus.
Sirius bemerkte trocken, dass es sein erster Streit mit James war. Das besserte seine Laune keineswegs.
Am Frühstückstisch schaufelte er sich schweigend das Essen in den Mund, während James sich angeregt mit Lily unterhielt und ihn ignorierte.
Sirius aß nicht nur viel, sondern auch schnell und heute übertraf er sich selbst. Ihm war sogar schon schlecht vom vielen Essen, aber auch das war kein Grund aufzuhören.
Remus sah ihn misstrauisch an, besaĂź jedoch genug Anstand ihn nicht vor James nach seinem Kummer zu fragen.
Er war ein schlauer Junge, genau genommen der schlauste von den Rumtreibern, auch wenn Sirius das nicht gerne zu gab.
Nun gut, dafür hatte er andere Qualitäten, von denen Remus nur träumen konnte.

„Sirius! Du wirst dir noch den Magen verderben!“, riss ihn die tadelnde Stimme von Lily aus den Gedanken.

Sie meinte es ganz bestimmt nur gut, aber Sirius war noch immer zu wĂĽtend um vernĂĽnftig auf ihre Mahnung zu reagieren.

„Lass mich in Ruhe, Evans!“, fauchte er sie also unfreundlich an und warf ihr einen wütenden Blick zu.

Lily zuckte daraufhin merklich zusammen – kein Wunder, seine Blicke waren dafür bekannt tödlich zu sein.

„Sirius, lass Lily in Ruhe!“, mischte sich nun James ein und funkelte Sirius wütend an, der daraufhin laut schnaufte.

„Gerne, James! Dafür müsste sie mich aber auch in Ruhe lassen!“, keifte er seinen besten Freund an.

Sie funkelten einander eine Weile böse an bis sie sich wieder ihrem Essen zuwandten und einander ignorierten.
Obwohl Remus bekannt dafĂĽr war Streit zu schlichten, hielt er sich aus diesem raus.
Sirius war sich sicher, dass er nur darauf wartete einen von ihnen alleine zu erwischen um diesen dann ausführlich auszufragen und mit guten Ratschlägen zu bombardieren.
Er hoffte fĂĽr seinen Freund, dass er nicht derjenige sein wĂĽrde, denn momentan hatte er sich nicht unter Kontrolle.
Schließlich wurde Sirius die unangenehme Gesellschaft leid – er beschloss, sich zur nächsten Mahlzeit zu einem hübschen Mädchen zu setzen um sich abzulenken und James zu entkommen – und stand auf um zum Unterricht zu gehen.
Normalerweise kam er immer zu spät und es behagte ihm nicht heute einmal rechtzeitig zu kommen – sogar überpünktlich, wenn man es genau nahm.

Als er den langen Gryffindortisch entlang ging um aus dem großen Saal zu gelangen, bemerkte er Maries enttäuschten Blick und er entdeckte das Mädchen von gestern mit den rehbraunen Augen, das anstatt zu essen in einem Buch las.
Diese Tatsache lieĂź sie an Lily Evans erinnern, und das behagte ihm ganz und gar nicht, wenn man bedachte, dass er auf die momentan nicht gut zu sprechen war.
Ihn wunderte es ehrlich gesagt, dass das Mädchen eine Gryffindor war.
Er hätte eher gedacht, sie wäre eine Ravenclaw. Sie wirkte weder mutig noch abenteuerlustig, und das waren Eigenschaften, die den Gryffindors zugeschrieben wurden. Mit dem Buch in der Hand wirkte sie ganz und gar wie eine Ravenclaw, deren Stärke das Wissen war.
Es gefiel ihn jedoch, dass sie eine Gryffindor war.
Sie erweckte immer mehr sein Interesse.

Da es ihm zu sehr missfiel zu frĂĽh oder auch rechtzeitig zum Unterricht zu erscheinen, drehte er noch eine Runde durch das Schloss.
Wie es sich für einen Rumtreiber gehörte kannte er es in und auswendig – jeder Winkel war im vertraut, sowie natürlich jeder geheime Gang. Er war sich sicher, dass selbst die Lehrer viele dieser Gänge nicht kannten.
Nun, es war auch ein ganzes StĂĽck Arbeit gewesen die Karte der Rumtreiber anzufertigen, aber sie war mit Abstand die beste Erfindung, die die Welt jemals gesehen hatte.
Er holte sie aus seiner Hosentasche, hielt seinen Zauberstab auf das scheinbar unbeschriftete Pergament und murmelte leise: „Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut.“
Daraufhin entblößte die Karte ihren wahren Inhalt und Sirius konnte beobachten, wie die letzten Schüler in die Unterrichtsräume eilten.
Er konnte James bereits im Unterricht erkennen. Er saĂź wie immer neben Lily.

Als er auf den Namen seines besten Freundes blickte füllte sich sein Herz mit Wehmut und Kummer, aber auch Wut durchzuckte seinen Körper.
Manchmal kam es ihm wie Verrat vor, dass er Lily sein Herz geschenkt hatte, war ihr Freundschaft doch so innig, dass eine Liebe eigentlich nicht neben ihr bestehen konnte.
Das konnte sie anscheinend auch nicht – aber James unternahm natürlich nichts dagegen. Er liebte Lily dafür zu sehr.
Es passte Sirius nicht, auf einmal nur zweite Wahl fĂĽr James zu sein.

Um ehrlich zu sein, hatte es ihn tief im Herzen getroffen – und da konnte ihn normalerweise niemand treffen.
James war wohl der einzige Menschen auf Erden, der das vermochte.

Er hatte heute absolut keine Lust den Unterricht zu besuchen und ĂĽberlegte, ob er sich nicht einfach wieder zurĂĽck in sein Bett legen und schlafen wollte.
Aber auch wenn man von ihm dachte, er wäre der unverantwortlichste Mensch auf der Erde, so wusste er, dass selbst er es sich kurz vor den Prüfungen nicht leisten konnte ständig im Unterricht zu fehlen.
Das tat er bei Merlin schon oft genug.
Mit Hilfe eines Geheimganges gelangte er in nur wenigen Sekunden zum Unterrichtsraum und betrat diesen ohne zu Klopfen.
Als er den Raum betrat, huschten die Blicke der anderen SchĂĽler nur kurz zu ihm.
Manche Mädchen lächelten ihn an, aber er war nicht in der Stimmung es zu erwidern.
Die Lehrerin, alt und senil, die gerade irgendeine Aufgabe an die Tafel schrieb, wand sich nicht einmal zu ihm um.
Sie war es wie jeder andere Lehrer gewohnt, dass Sirius Black kam und ging, wann es ihm passte, und hatte es schon längst aufgegeben ihn für zu spätes Erscheinen oder zu frühes Gehen eine Standpauke zu erteilen, brachte es bei ihm doch ohnehin nichts.

Lässig schlenderte er auf seinen Stuhl neben James, würdigte diesen jedoch keines Blickes, als er sich gemütlich hinsetzte.
Auch James ignorierte ihn und redete viel lieber mit seiner Lily, die zur anderen Seite neben James saĂź.
Sirius holte seine Feder und Pergament hervor und folgte dem Unterricht ungewohnt konsequent.
Das lag aber nur daran, dass er sich so am Besten ablenken konnte – normalerweise war das natürlich nicht die Art von Sirius Black.
Ganz gewiss nicht, immerhin war er ein Rebell.

Als er einmal seinen Blick durch den Raum schweifen ließ, begegnete er den Blick von dem Mädchen mit den rehbraunen Augen.
Sie sah sofort wieder auf ihr Pergament, als sie bemerkte, dass er ihr Starren bemerkt hatte, und lief leicht rot an.
Verwirrt zog Sirius Black seine Stirn kraus. Das war doch kein Grund um rot zu werden.
Er war es gewohnt, angestarrt zu werden – das war wirklich kein Grund sich zu schämen.
Sie saĂź so ziemlich am anderen Ende des Raumes.
Er fragte sich ehrlich, warum er sie noch nie zuvor bemerkt hatte.
Gut, sie war anscheinend schüchtern und still, aber alleine ihrer Schönheit wegen hätte er sie bemerken müssen.

Das Mädchen schien zu bemerken, dass er sie noch immer ansah, denn nach einiger Zeit erwiderte sie seinen Blick und schenkte ihm ein schüchternes, kleines Lächeln, ehe sie sich wieder ihrem Pergament zu wand und ihr hübsches Gesicht hinter ihren Haaren versteckte.
Sirius entlockte dieses schĂĽchterne Verhalten ein amĂĽsiertes Grinsen.
Ihm gefiel dieses Mädchen irgendwie.
Sie war anders als die anderen, die seinen Blick mit einer immensen Intensivität erwidert hätten, anstatt sich bereits für einen kleinen, scheuen Blick zu schämen.

Nach dem Unterricht verließ Sirius wie immer als erster den Raum – vor allem um einer Konservation mit James aus dem Weg zu gehen.
Er musste zugeben, dass es ohne seinen besten Freund sehr einsam war, und beschloss sich aus diesem Grund eine Freundin zu nehmen.
Natürlich konnte ihm kein Mädchen James ersetzen, aber immerhin würde es ihm die Einsamkeit und die Langeweile vertreiben.
Außerdem widersprach es seinem Stolz von James abhängig zu sein.
Er kam auch sehr gut ohne ihn zurecht – zu mindestens sollte er das denken und reumütig zu ihm zurückkehren.
Allerdings musste er sich die Wahl seiner Freundin sehr genau ĂĽberlegen.
Sie durfte nicht zu nervig und anhänglich sein. Natürlich musste sie hübsch sein und ihn aufrichtig lieben.
Auch, wenn er sie nicht lieben würde, denn zu solchen Gefühlen war Sirius Black nicht fähig.

In der nächsten Unterrichtsstunde – Verwandlung – betrachtete er seine Auswahl sehr genau.
Er achtete darauf, wer seinen Blick erwiderte und wer ihn mied, wer den Unterricht folgte oder lieber mit seiner Nachbarin redete, wer sich die Fingernägel lackierte und Schminke benutzte und wer nicht, doch am Ende der Stunde war er noch nicht viel weiter gekommen.
Es war schwerer als gedacht die perfekte Freundin fĂĽr sich zu finden, denn er hatte an jeder etwas zu meckern.

Auf dem Weg zum Mittagessen war sein Enthusiasmus bereits wieder verflogen und seine schlechte Laune war zurĂĽck.
Mürrisch schlenderte er durch die Gänge und achtete nicht auf sein Umfeld.
Er überlegte eindringlich, wie er die perfekte Freundin für sich finden würde, kam aber zu keiner Lösung seines Problems.
Er könnte heute Nachmittag in die Bibliothek gehen – auch wenn er sie normalerweise mied, so fand man dort durchaus hübsche und zugleich gebildete Mädchen und genau so eins suchte er.

Seine Gedankengänge wurden von einem Gerangel unterbrochen, das seine Aufmerksamkeit auf sich zog.

„Sally, du feiger Löwe, lass uns doch einmal deine schöne Stimme hören!“

Dieser Kosename lenkte sofort Sirius Aufmerksamkeit auf das Geschehen. Einen Gryffindor wĂĽrde er, Sirius Black, niemals im Stich lassen. Es war eine Pflicht, seinen BrĂĽdern und Schwestern zu helfen.
Als er sah, wer dort von Slytherins – noch ein Grund mehr, sich einzumischen! Es gab nichts Besseres als Slytherins zu verhexen gegen Frustration – umringt war, war er kurz verwundert, verstand dann jedoch schnell den Kosenamen.

„Lasst sie in Ruhe, ihr miesen Schlangen!“, knurrte er die Slytherins an, schupste einige von ihnen beiseite um in den Kreis zu gelangen und stellte sich vor dem Mädchen mit den braunen Augen, dessen Namen er nun kannte: Sally.

Sie saß auf dem Boden – einer der Slytherins hatte sie bestimmt geschubst – und starrte mit großen Augen zu ihm herauf.

„Was mischt du dich ein, Sirius? Das geht dich überhaupt nichts an!“

WĂĽtend sah Sirius seinen Bruder Regulus Black an, der einen bedrohlichen Schritt auf ihn zuging.

„Und ob mich das etwas angeht, Regulus!“

Auch er ging einen Schritt auf seinen Bruder zu und spuckte ihn die nächsten Worten regelrecht ins Gesicht: „Wir Gryffindors halten nämlich zueinander im Gegensatz zu euch Schlangen!“

Er konnte den Zauberstab seines Bruders schmerzhaft an seiner Brust spĂĽren, doch auch Sirius hatte seinen Zauberstab gegen seinen Bruder gerichtet und war bereit jeden Moment einen Zauberspruch auf ihn zu jagen.

„Es ist nicht ratsam, sein eigenes Leben für andere zu opfern, Sirius. Manchmal ist es das einzig Richtige egoistisch zu sein und sich nur um sich selbst zu kümmern. Das wirst auch du noch lernen, Verräter.“

Ihm machten die Worte seines jüngeren Bruders keine Angst. Er war bei weitem stärker als er und im Gegensatz zu ihm hatte er Freunde, die für ihn sterben würden. Selbst wenn er momentan mit diesen Freunden im Streit lag.

„Große Töne, Regulus, aber das glaube ich eher weniger.“

Sirius war es Leid zu reden, selbst wenn es bei der zahlenmäßigen Überzahl des Slytherins eventuell schlauer gewesen wäre aufs reden zu plädieren und eine friedliche Lösung zu finden.

Aber Sirius war wie schon gesagt nicht der Mensch, der seine Angelegenheiten mit Worten regelte, sondern lieber mit der Faust.

So schlug er also seinen Bruder mit seinen schnellen Reflexen ins Gesicht, bevor dieser ihm einen Fluch auf den Hals hetzen konnte.
Er wusste, dass Slytherins immer zu ihren Zauberstäben griffen und dummerweise nicht damit rechneten, dass andere es vorzogen die Angelegenheit mit Fäusten zu klären.

Durch die Wucht seines Schlages taumelte sein Bruder nach hinten, fiel und schlug mit dem Kopf hart gegen den Boden, sodass er fĂĽrs erste auĂźer Gefecht gesetzt war.

So etwas wie brĂĽderliche Zuneigung verband Sirius schon seit Jahren nicht mehr mit Regulus, weshalb es ihn nicht kĂĽmmerte, dass er in diesen Moment auĂźerordentliche Schmerzen hatte.
Er lieĂź sich nicht lange von seinem Bruder aufhalten und wand sich blitzschnell den anderen Slytherins zu, denn er wusste, dass diese nicht davor zurĂĽckschrecken wĂĽrden, ihn hinterrĂĽcks zu verhexen.
Slytherins war es gleich, dass so etwas unfair und gegen den eigenen Stolz verstieß, während Gryffindors immer die Auseinandersetzung im Angesicht zu Angesicht wählten.

Es gelang ihm, gerade noch einen Fluch auszuweichen, dennoch streifte er ihn leicht am Arm und der Stoff seines Hemdes wurde zerfetzt. Auch seine Haut streifte der Fluch, doch es handelte sich hierbei nur um einen nicht nennenswerten Kratzer, wie sie Sirius in seinem Leben schon häufig hatte.

„Stupor!“

Sirius Fluch traf den Slytherin, der ihn versucht hatte zu verfluchen, aber in dem Moment traf ihn der Cruciatus-Fluch eines anderen Slytherin. Der unverzeihliche Fluch tat seine Wirkung sofort und Sirius zuckte unter höllischen Schmerzen.

Er spürte den Schmerz in jeder Faser seines Körpers. Noch nie hatte er in seinem Leben solche Schmerzen gehabt. Aber er zwang sich nicht einen Laut über seine Lippen kommen zu lassen – diesen Triumph würde er den Slytherins nicht gönnen.

„Imperius!“

Allen Anschein war es ihnen wohl nicht genug, dass er sich vor Schmerzen wand.
Nun sollte er also auch noch die Kontrolle über seinen eigenen Körper verlieren.
Sein Körper stand auf, obwohl er es nicht wollte. Das war noch viel schlimmer als die Schmerzen.

Sirius Black war kein Mensch, der sich gerne kontrollieren lieĂź.
Nein, er verabscheute es ihn jeder Weise und dass er nun wie eine Puppe sich nach dem Kommando der Slytherins bewegte, war die größte Schande seines Lebens.

„Sirius!“, hörte er auf einmal die Stimme seines besten Freundes.

James und Lily verstanden die Situation sofort und zögerten nicht lange.
Selbst Lily, die die Sanftheit in Person war, griff zu ihrem Zauberstab und feuerte Flüche – die jedoch ihren Gegner lediglich entwaffneten – auf die Slytherins.
Zum GlĂĽck traf James zuerst den Slytherin, der ihm den Imperius-Fluch aufgehalst hatte, sodass dieser von ihm ablieĂź und er wieder die Kontrolle ĂĽber sich selbst bekam.
Auch die Schmerzen ließen kurze Zeit später nach, nachdem Lily den Slytherin entwaffnet hatte.
Nun, da die Slytherins nicht mehr in der Ăśberzahl waren, zogen sie es vor abzuhauen und obwohl James ihnen noch FlĂĽche hinterherschickte und Lily sich eifrig die Gesichter merkte, hinderte sie niemand daran.

„Sirius!“ Sein bester Freund trat an seine Seite und sah ihn besorgt aus haselnussbraunen Augen an.

„Bist du okay?“

Vielleicht wäre das der geeignete Moment gewesen alle Streitigkeiten zu vergessen und sich mit ihm zu versöhnen, aber Sirius schämte sich dafür, dass er ihn hatte retten müssen.

„Natürlich! Das hätte ich auch alleine hinbekommen!“, verteidigte er sich darum heftig und funkelte James wütend an.

Er würde nie im Leben zugeben, dass er hilflos gewesen war – das verstieß gegen seine Ehre. Es wäre etwas anderes gewesen, hätte er sich nicht mit James gestritten – aber so würde er seine Schwäche selbst vor seinem besten Freund nicht zugeben.

„Das glaube ich kaum, Sirius. Du brauchst dich nicht zu bedanken. Das war selbstverständlich.“, erwiderte James mit fürchterlich ruhiger Stimme.

Wütend biss sich Sirius auf seine Lippen – er verfluchte James dafür, dass er ihn so verdammt gut kannte.
Er hatte schon mit tadelnden Worten von Lily gerechnet, doch sie hielt ausnahmsweise ihren Mund.
Anscheinend wusste sie, dass jede Moralpredigt an dieser Stelle unangebracht war.

„Du weißt, dass ich jederzeit für dich da bin.“, sagte James leise zu ihm, bevor er mit Lily ging und ihn alleine mit Sally alleine ließ.

Widerwillig wand sich Sirius Sally zu, die noch immer wie ein Häufchen Elend auf dem Boden saß und zu ihm herauf sah.
Es passte Sirius nicht, dass er sie in seinem einzigen schwachen Moment in seinem Leben gesehen hatte.
Dafür – auch wenn es nicht ihre Absicht war – hätte er sie am Liebsten einfach sitzen gelassen und wäre gegangen, ohne sie jemals wieder eines Blickes zu würdigen.
Aber er konnte diesem Mädchen nicht den Rücken kehren.

„Geht es dir gut?“, fragte er sie mit heiserer Stimme.

Er spürte noch immer einen leisen Abklang des unerträglichen Schmerzes, der noch vor wenigen Minuten durch seinen Körper geflossen war.
Das Mädchen antwortete nicht, sah ihn nur weiterhin starr an.

„Nun gut“, sagte er und ging auf sie zu, „wenn du nicht reden möchtest. Ich bringe dich besser in den Krankenpflügel. Dein Knie sieht gar nicht gut aus.“

Ihr Blick wanderte langsam zu ihrem Knie, das aufgeschlagen und blutig war. Sofort sah sie weg und kniff ihre Augen zusammen.

„Uhh“, entfuhr es ihr.

„Kannst du etwa kein Blut sehen?“

Ein amüsiertes Lächeln stahl sich auf seinen Lippen.
Er hob sie mit den Armen hoch.
Erschrocken keuchte das Mädchen auf und klammerte sich im nächsten Moment an ihn, als hätte sie Angst, er könnte sie nicht halten.
Dabei war sie ein Federgewicht. Selbst wenn er sehr angeschlagen war, bereitete es ihm keine Schwierigkeiten sie zu tragen.

Während er Sally trug, breitete sich ein seltsames, aber gutes Gefühl in seiner Magengegend aus.
Er verspĂĽrte das BedĂĽrfnis, sie fĂĽr immer so zu halten.
Unsinn! Das lag bestimmt daran, dass er das Mittagessen verpasst hatte und sein Magen nach Essen verlangte.
Ja, das war die einzige logische Erklärung.

„Danke“, vernahm er plötzlich die zarte Stimme von Sally.

Schüchtern sah sie zu ihm herauf und wieder einmal musste er zugeben, dass seine Augen die schönsten waren, die er je gesehen hatte.

„Immer wieder gerne“, erwiderte Sirius grinsend, woraufhin das Mädchen peinlich berührt sein Hemd genauestens betrachtete, anstatt ihm in die Augen zu sehen.

Als er sie ansah, fand er auf einmal alles, was er kurz zuvor noch im Klassenzimmer gesucht hatte.
Ein hübsches Mädchen, das in jeder Hinsicht perfekt schien.
Nun, abgesehen von ihrer Oberweite, aber das störte ihn merkwürdigerweise kein bisschen.


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