Umbrella Company - Chap 2
von Chuck
Info Die Zitate am Anfang beziehen sich immer auf eine Person im Kapitel, meistens nicht auf die, die man denkt… Außerdem: Darf ich noch mal meiner Beta Leserin Eo-Lahallia für ihr commi und Unterstützung danken ;)
Kapitel 2
›Natürlich zu sein ist die schwierigste Pose, die man einnehmen kann.‹
Oscar Wilde
Langsam die Gabel zwischen Daumen und Zeigefinger drehend, folgte Albus den sich ohne Pause öffnend und schließenden Lippen von Stacy, stoisch nickend und lächelnd, wenn sie stumm nach Zustimmung bittend in ihrer Erzählung stoppte. Wie meist beim Abendessen galt sein letzter Rest Interesse jedoch dem Juckreiz in seinen Fingern, dem Drang, sie in seine tiefen, inzwischen wohl sogar schon heimatlichen Umhangtaschen gleiten zu lassen und einen der um getrocknete Blätter gewickelten dünnen Papierstreifen zu ertasten. Doch es wurde noch ein wenig an Geduld von ihm gefordert, wie jeden Tag, bevor er sich an einen ruhigen Ort verkriechen und seinen trüben Gedanken nachhängen konnte, während er seine Sucht mit dem erbärmlichen und trügerischen Gefühl des Friedens befriedigte.
Sein Blick glitt über den Tisch, über die roten und blauen Krawatten und er befand, dass die Mischung aus Blau und Grün, obgleich sie in getrennten Gruppen an dem gegenüberliegenden Tisch getragen wurden und sich deshalb nicht so fröhlich mischten, ein um Besenlängen besseres Bild abgab. Die Hufflepuffs hatten den Tisch der Ravenclaws in Beschlag genommen, welche sich nun ihrerseits neue Sitzplätze bei den zahlenmäßig unterlegenen und unterbesetzten Tischen der Gryffindors oder Slytherins suchen mussten.
Das Schaben zahlreicher Stuhlbeine über den Steinboden übertönte einige Augenblicke den Lärm zahlreicher, ununterbrochen plappernder Schüler, aber das, was Albus eher unsanft aus seinen Gedanken riss, war eine kalte Hand auf seiner Wange. "Wir sehen uns dann morgen, ja?"
"Klar", lächelte er und beugte sich nach unten, um ihr einen schnellen Kuss aufzudrücken, wurde jedoch an der Schulter zurückgerissen und unter einem Arm festgeklemmt, bevor seine Haare von einer Hand durch gewirbelt wurden. "Lass los James", keuchte er und versuchte sich aus der Umklammerung seines Bruders boxen, der jedoch nur laut lachte, bevor er ihn losließ. Stacy strahlte aufgrund dieses Bildes der Bruderliebe und stellte sich auf die Zehen, um einige seiner dunklen Strähnen in eine weniger chaotische Haltung zu schieben.
"Bruderherz, ich verstehe nicht wie du diese Frau betrügen kannst." Ein Schüler schmachtete Stacy von der Seite an und Albus befreite sich aus ihrer nervigen Fürsorge, indem er besitzergreifend einen Arm um sie legte und von seinem Bruder fortzog, der inzwischen viel zu nahe an sie gerückt war.
"Gibt es nicht andere Verwandte, die du nerven kannst?", fragte er und beobachtete, wie die dunklen Augen von James suchend durch die Menge glitten und er eine Schülerin am Arm zu sich riss. Ihr Blick wirkte abwesend und genervt, als James sie fest an der Schulter packte und vor das Paar schob.
"Ist sie das nicht? Violet, oder?" Während Stacy erstaunt ihre Gegenüber musterte, legte James seinen Kopf auf deren Schulter und blinzelte seinen Bruder fragend an. "Von ihr sollen wir die Finger lassen."
"Das kann doch nicht dein Ernst sein?" Bestürzt wich Albus einen Schritt zurück. "So etwas habe ich nie gesagt." Innerlich ohrfeigte er sich für seinen Egoismus, da ihm klar wurde, dass er in diesem Moment das gesellschaftliche Todesurteil der neuen Schülerin unterschrieben hatte.
James Blick sprach Bände, als er Violet losließ und sie ihn verwirrt ansah, als er sie anlächelte. In diesem Moment hatte er etwas Gefährliches, Raubtierhaftes an sich und Albus schauderte, weil er das Gefühl, als Beute betrachtet zu werden, nur allzu gut von früheren Zeiten kannte.
Abrupt endete die Szene, als James gerufen wurde und er sich grinsend umdrehte und mit einigen Gryffindors die Halle verließ.
"Gute Nacht, dann…", sagte Stacy sanft und schlang unerwartet ihre Arme um ihn. "Sehen wir uns gegen Mittag am Tor?"
"Ah. Klar", erwiderte Albus perplex und löste sich aus der Umklammerung. "Bis morgen." Stumm beobachtete er Stacy, die anmutig zu ihren wartenden Freundinnen ging, dort dann langsam eine Pirouette drehte, um ihm einen Luftkuss zu schicken und einen nervösen Blick auf Violet zu werfen, bevor sie sich alle zu ihrem Gemeinschaftsraum davon machten.
Reglos stand Albus weiterhin neben seiner Klassenkameradin und wartete auf einen Geistesblitz. "Und… hast du morgen schon was vor?", fragte er zögerlich. Sie schüttelte ihren Kopf und am liebsten hätte er sie so lange geschüttelt, bis sie wenigstens einen leisen Protestlaut von sich gegeben hätte. "Dann zeige ich dir morgen Hogsmeade. Nimm Geld mit. Es gibt dort alles, was man als Schüler braucht. Gegen Mittag ist okay? Wir sehen uns im Gemeinschaftsraum."
Fluchtartig verließ er die Große Halle, vom schlechten Gewissen angetrieben die Treppen nach oben hetzend, bis er sich vor dem Portrait des Bekloppten wieder fand und seinen Wunsch äußerte. Doch erst als er durch den dahinter erscheinenden Flur bis zu einer Mauer gefolgt war, fühlte er sich wieder imstande ruhiger zu atmen. Als er mit dem Zauberstab auf die Ziegel tippte, erschien vor ihm der flache Fenstersims und trittsicher schwang er sich auf das recht flache Dach des Turmes, der höchste und seiner Meinung nach schönste Ort von ganz Hogwarts. Die rauen Ziegel unter seinen kühlen Händen waren noch warm von der knallenden Nachmittagssonne, die inzwischen nur mehr als ein schmaler roter Streifen am Horizont zu erkennen war.
Mit zwei Fingern zog Albus das Päckchen Cigadies aus seiner Tasche und zupfte mit seinen Lippen eine Zigarette heraus, die er mit einem genuschelten "Incendio" und dem Tippen vom Zauberstab aufs Ende anzündete. Gelassen streckte er seine Beine aus und lehnte sich auf seine Ellbogen zurück um die wenigen ruhigen Momente zu genießen, bevor er sich wieder ins Chaos stürzte.
Entspannt den Rauch gen Himmel blasend, beobachtete er die sich schnell auflösende Figur in Form von Flederhund Barny, dem Maskottchen seiner Lieblingsmannschaft. Seit einigen Jahren nun sponserte die magische Zigarettenmarke für jeweils vier Jahre die Gewinnermannschaft der Quidditch-Weltmeisterschaft und war inzwischen weltberühmt- und beliebt. Da der Tabakgenuss in Europa nur für Volljährige stattgegeben worden war und sein Bruder alles dafür gab ihm das Leben schwer zu machen, versuchte Albus ihm möglichst aus dem Weg zu gehen und private Sachen geheim zu halten.
James… Albus fragte sich manchmal, ob er als Baby seinen Bruder aus der Wiege gestoßen, ihm den Schnuller und alle Aufmerksamkeit entrissen hatte, sodass er jetzt so einer Sonderbehandlung würdig war.
Seine Gedanken drifteten in einen kurzen Glücksrausch ab und als er sich wieder aufrichtete, wurde ihm klar, dass es Zeit war zurück zu gehen.
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