
von Chigoo
Nur noch 18 Stunden und dann kann ich endlich den Rest meiner Ferien genießen. Die offizielle Version für meine Familie lautet: Ich geh die letzte Ferienwoche zu Onkel Mauritius.
Die Wahrheit wiederum lautet: Ich geh zu James Potter, einen meiner besten Freunde, bei ihm sind auch schon Sirius Black, Remus Lupin und Peter Pettigrew, ebenfalls meine besten Freunde. Wir 5 zusammen sind die Rumtreiber, die Hogwarts mit ihren Streichen das Fürchten lehren.
Mein Name ist Marocia Aurum, bin 168cm groß, habe hüftlanges blondes Haar (obwohl meine Jungs behaupten, mein Haar sei eher Golden als blond…), dunkelgrüne Augen (ich weiß dunkelgrün), dicke Schmolllippen und eine kleine Nase.
Alles in einem ein sehr hübscher Anblick aber eben leider nicht das was ich will. Ich hätte gerne rabenschwarzes Haar, blutrote Lippen, genau wie das Schneewittchen aus diesem Muggelmärchen, naja man kann eben nicht alles haben, wenigstens die weiße Porzellanhaut habe ich mit ihr gemeinsam, und das auch nur weil ich nie braun werde. Meine Figur ist schmal und ehrlich gesagt schaue ich leider etwas gebrechlich aus, und doch kann ich mit Stolz behaupten dass dieser Eindruck täuscht.
Wenn Sirius mich ärgern will, nennt er mich „unser kleines Elfchen“. Pff dass ich nicht lache von wegen Elfe und so, nur weil er eben Muskeln und ein hysterischer Fanclub bestehend aus lauter Trampeltieren mit Higheels hat, heißt das nicht dass darf mich so nennen.
Meistens hexe ich ihm irgendwas Gemeines an, so dass er sich lautstark entschuldigt und mich auf Füßen anfleht den Fluch von ihm zu nehmen. James hingegen ärgert mich lieber indem er mich über die Schultern wirft und mich, unter lautstarken Protest, von A nach B schleppt.
Beides absolute Machos, Angeber und die besten Freunde die es gibt. Remus ist der Ruhige, er nimmt mich zwar auch ab und an auf den Arm aber er hilft mir wenigstens mit den Hausaufgaben (also er macht sie, ich schreibe ab), er tut zwar immer so als würde er kein Wässerchen trügen, und doch wechselt auch er wöchentlich die Freundin. Warum er nicht als Macho gilt?
Weil er schweigt und genießt, nicht wie Sirius und James, die glauben dass sie uns jedes Detail ihrer heißen Nacht genauestens schildern müssen. Bleibt also nur noch Peter.
Pete ist klein, sieht aus wie eine Ratte und himmelt die Jungs regelrecht an, manchmal habe ich das Gefühl er ist nur bei ums, um die Idiotenarbeiten zu erledigen. Böse ich weiß, aber so ist es nun mal.
Aber jetzt zurück zum Thema. Meine Eltern denken wieder einmal ich geh zu Onkel Mauritius um bei Tante Dellana zu lernen wie ich eine perfekte reinblütige Ehefrau, Hausfrau und Mutter werde. Weit gefehlt liebe Erzeuger, denn Onkel Mauritius ist nicht wie ihr von diesem Reinblutwahn ergriffen und hilft mir eurer Hölle zu entkommen.
Meine Eltern sind der Meinung dass ich diesen „Spezialunterricht“ benötige, da ich von Grund auf verdorben bin. Ich lege keinen Wert auf den Blutstatus eines Zauberers, bin eine Gryffindor, mit Blutsverrätern befreundet und so legen sie ihre letzte Hoffnung in Onkel Mauritius und Tante Dellas Hände und dass jeden Sommer seit ich in Hogwarts bin.
Mutters Gejammer von wegen „ sie sei in meinem Alter schon verlobt gewesen“ und „ wenn wir uns nicht beeilen sie unter die Haube zu bringen, verliert sie vielleicht noch ihre Unschuld, das einzige was sie für eine Ehe unter Reinblütern noch wertvoll macht…“, ist die reinste Hölle.
Ja ich bin noch Jungfrau, unglaublich bei diesen Freunden ich weiß, und doch ich bin die Reinheit in Person. Aber nicht weil ich wertvoll für irgendeinen Typen sein will, nein weil ich einfach nur Schiss vor dem männlichem Geschlecht habe. Ich habe 3 beste Freunde, allesamt Sexgötter, von ihnen lasse ich mich berühren, ich schlafe auch mit ihnen in einem Bett (immer abwechselnd, einmal bei James, einmal bei Sirius und dann wieder bei Remus).
Ich habe sie schon unzählige Male nackt gesehen, auch sie mich, doch sobald ein anderer Junge mich anspricht, bin ich zickig und manchmal auch ganz gemein. Ich weiß nicht warum das so ist, aber ich kann mit dem leben schließlich bin ich nicht eine von diesen Schlampen aus meinem Schlafsaal die schon halb Hogwarts über sich gehabt haben!
Auch mein 5 Minuten älterer Bruder Sergius lag schon auf diesen Biestern. Gerade ertönt seine liebliche Stimme die Treppe rauf in mein Zimmer:„ Marocia du nichtsnutziges Miststück, beweg deinen Blutsverräterarsch nach unten! Vater will mit dir reden!“. Oje wenn mein Vater mit mir reden will, bedeutet dass meist nichts Gutes! Was rede ich da?
Es bedeuten NIE was Gutes wenn der Herr im Haus höchstpersönlich um seine Tochter kümmert, die er sonst gekonnt ignoriert und so tut als ob sie nicht existiert. Meine Knie fangen an ungehemmt zu schlottern, denn ich kann mich noch lebhaft an das letzte Mal erinnern als sich Vater zu mir herabgelassen hat, die feine Narbe an meinen Rücken wird immer ein Erinnerungsstück an meine liebe Familie sein.
Ich hätte es wie Sirius machen sollen, der hat wie ich eine schrecklich nette Familie und ist einfach Hals über Kopf zu James gezogen. Papperlapapp, dieses letzte Mal werde ich es überstehen und dann bin ich volljährig mit dem Schulabschluss in der Tasche und kann tun und lassen was ich will.
Ich stolziere aus meinem Zimmer und laufe die Treppen runter, ja sie können mich beschimpfen und meinen Körper schlagen aber ich werde bestimmt nicht um Gnade winselnd angekrochen kommen, mit diesem Gedanken betrete ich den düsteren Arbeitsplatz meines Vaters mit erhobenem Haupt.
Nur noch wenige Stunden und ich werde wieder mit meinen Jungs vereint sein und diese RockyHorrorShow hat endlich ein Ende! mit einem Anflug grimmigem Stolzes grinse ich meinem verblödetem Zwilling der sich vor lauter Angst vor seinem eigenem Vater, in der Ecke verkrochen hat. Vater schien mein unerhörtes (so hätte es Mutter genannt) Grinsen nicht bemerkt haben, denn er betrachtete mich seelenruhig von seinem Schreibtisch, der in der Mitte des Raumes stand.
In dem Moment in dem unsere Blicke sich trafen loderte eine Flamme voller Wut und Hass in mir auf und schien mir die Luft abzuschnüren. „Setz dich, meine Tochter“, dieses Schnarren in der Stimme machte mich nur noch wütender, unter größter Anstrengung krächzte ich ein „ Ja, Vater“ heraus und bewegte mich langsam auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch zu.
An meinem Ziel angekommen, lies ich mich elegant in auf das rote Satinkissen sinken und musterte meinen Erzeuger trotzig. Er sah gut aus, sein markantes Gesicht, sein leicht angegrautes Haar und nicht zuletzt sein guter Umhang aus bestem Stoff ließen den Reichtum unserer Familie erahnen und daraus konnte man schließen dass der Herr aus einem guten Hause kam.
Dieser Eindruck wurde jedoch von seinem Blick zunichte gemacht. Mutter die direkt hinter ihm stand und ihre Hand auf seinen Schultern ruhen ließ. Ihren Händen sah man das Alter an, das sie im Gesicht mit Tonnen von Schminke zu vertuschen versuchte. Ich konnte nicht verhindern dass sich ein hämisches Grinsen auf meinem Gesicht breit machte was dann wahrscheinlich auch der Auslöser für Mutters Schreianfall war.
„WAS FÄLLT DIR EIGENTLICH EIN, UNS SO HERABLASSEND ANZUSEHEN? ICH WEISS NICHT WAS ICH MIT DIR FALSCH GEMACHT HABE, SERGIUS IST SO EIN GUTER JUNGE UND DU?“
Beruhigend legte Vater seine Hand auf ihre, die sich mittlerweile in seiner Schulter verkrampft hatte. „Mutter vielleicht solltest du die Definition von Gut in einem Wörterbuch nachschlagen oder dir das von jemandem erklären lassen, wenn ich nicht so müde wäre, würde ich es dir liebend gern erklären. Und soweit ich mich erinnern kann wollte Vater mich sprechen. Nun, hier bin ich!“ Gegen Ende hin war meine Stimme zwar auch etwas lauter geworden, doch ich würde niemals so die Beherrschung verlieren wie meine Mutter.
„ Ganz recht, meine Tochter, ich habe dich rufen lassen weil ich mich gerne mit dir über etwas unterhalten wollte.“ Dass du mich nicht runter bestellt hast um mir Schokofrösche zu schenken, ist mir auch klar! dachte ich sauer.
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