Großes Special im "Empire Magazine"

Scan 1:
[…]
Steve Kloves, Drehbuchautor
Die Schwierigkeit für mich am Anfang war, dass ich statt zweieinhalb Stunden (für die Adaption des letzten Buches) nun fünf Stunden hatte. Anfangs dachte ich: "Das wird toll werden" - aber sei vorsichtig, was du dir wünschst, denn du merkst, dass die einfachen Schnitte nicht mehr da sind. Als du einen zweieinhalb-Stunden-Film hattest, wusstest du, dass manche Dinge sofort herausfallen würden, aber das passierte hier nicht. Ich brauchte eine kleine Weile, um in Gang zu kommen.

Stuart Craig, Produktionsdesigner
[…]Es war nicht wirklich eine Arena, ein Schlachtfeld da. Den Hof, der den Haupteingang umgibt, gibt es überhaupt erst seit dem vierten Film. Aber er war hoffnungslos ungeeignet für die Schlacht, also bestand die Herausforderung darin, die Landschaft rund um den Hauptangriffspunkt der Attacke für die Todesser neu zu erfinden.
[…]

Kloves
Die Schlacht als solche war für mich von keinem besonderen Interesse. Ich wusste, dass (Regisseur) David Yates und sein Team dem Ausmaß und dem Spektakel gerecht werden würden, aber David und ich sprachen an einem Punkt miteinander und kamen überein, dass wir die Charaktere und die Emotionen an alles, was passierte, anbinden wollten. Also es war nicht einfach nur: "Oh, schau mal, wie das in die Luft gejagt wird!" Wir wollten Neville dabei haben, oder Seamus. Das war die schwierigste Sache. Ich brauchte buchstäblich drei Monate für die Schlachtszenen – mit David Yates vor- und zurückzugehen, Dialoge hinzuzufügen und der Schlacht einen Rhythmus zu geben.

Craig
[…] Wir waren dazu entschlossen, sicherzustellen, dass man weiß, wo sich jeder befindet, also fügten wir einen felsigen Abhang gegenüber des Eingangs der Schule ein, wo Voldemort war, mit dem Hauptangriffspunkt auf den Haupteingang zur Großen Halle. Auch war der Hof, auf dem sich die Verteidiger versammeln, nicht groß genug, also machte ich ihn auf David Yates' Anfrage viel, viel größer.

Greg Powell, Stuntkoordinator
David Yates hatte seine Vision, wie die Schlacht sein sollte und er sprach ziemlich viel mit uns über unsere Gefühle darüber. Wir hatten dutzende von Meetings im Laufe der Zeit. […]

Craig
Wir mussten tatsächlich einige Sets ganz neu kreieren. Im Buch und in Steve Kloves' Skript ist von den Befestigungsanlagen die Rede, also mussten wir entscheiden, was diese sind, wo sie sind und auf was sie herabblicken. Wir fanden einen Platz in der bestehenden Geographie, der den Hof überblickte, und von wo man Dumbledores Turm sehen kann. Dann schufen wir einen riesigen inneren und äußeren Platz, ein Halbgeschoss mit seitlichen Befestigungen. Es diente der Geschichte; es war ein Platz für eine der Konfrontationen zwischen Harry und Voldemort. Sie umklammern sich in diesem Kampf auf Leben und Tod und apparieren zusammen in den Hof, und ihr persönlicher Kampf geht hier weiter. Innen und außen zu sein machte es interessanter, machte mehr Spaß – was oft der Grund für uns war, gewisse Dinge zu machen.

Scan 2
Daniel Radcliffe, Harry Potter
Grundsätzlich ist die Schlacht von Hogwarts der zweite Teil des Films. Die gesammelte Kavallerie von Charakteren aus sieben Filmen kommt zurück. Man sieht alle bekannten Gesichter: Jim Broadbent (Horace Slughorn) ist da und pflegt David Bradley (Argus Filch). Das ist toll aber auch bewegend, denn alle Welt, die man kennengelernt hat, ist an einem Platz.

Matthew Lewis, Neville Longbottom
Das Buch konzentriert sich sehr stark auf Harry Potter, aber der Film kommt immer wieder auf die Schüler und Lehrer zurück. David weigerte sich, davor zurückzuscheuen und es wird gezeigt, wie Leute da draußen sterben. Neville ist der Führer in all dem. Er wollte das ganz ehrlich nicht, aber Harry war nicht da und jemand musste das Kommando übernehmen. Es gibt am Anfang einen kleinen Teil mit leichtem Humor, eine Résistence-Sequenz. [französische Widerstandsbewegung im 2.Weltkrieg, Anm.d.Ü.]. Aber dann geht der Krieg los und die Leute sterben um uns herum.
[…]

Robbie Coltrane, Hagrid
Ich erinnere mich, dass wir 238 Statisten und 45 Make-Up-Leute hatten. Sie hatten einen Greenscreen, der eine halbe Meile lang war und sie brachten einen Zug ans Set. Das ist wie MGM [Metro-Goldwyn-Mayer: US-amerikanische Filmproduktions- und Filmverleihgesellschaft, Anm.d.Ü.] in den 40-er Jahren! Eine echte, 85-Tonnen-Dampflokomotive aus den 30-er Jahren! Sie verlegten die Gleise! Sie wurde unter Dampf gesetzt. Das waren noch Zeiten.

Powell
Die Dreharbeiten für die Schlacht dauerten wahrscheinlich Monate. Wir haben Ewigkeiten dafür geübt und ein Jahr lang darüber gesprochen. Wir machten einige Sachen mit Feuer, setzten einige Todesser in Brand, aber ich weiß nicht, ob sie das drinnen lassen wegen des Ratings.

David Heyman, Produzent
Wir werden das Rating nicht übermäßig nach oben treiben. [Der Film] ist nicht schlimm. Es ist nicht "Reservoir Dogs – Wilde Hunde". [Film von Quentin Tarantino mit FSK 18, Anm. d. Ü.]

David Barron, Produzent
Wir würden gerne bis an die Grenzen gehen, aber nicht allzu sehr.
[…]

Scan 3
Bonnie Wright, Ginny Weasley
Ich erinnere mich, viele frostige Vormittage in dieser Schlacht verbracht zu haben. Und die Spannung, wenn Ralph Fiennes diese lange Rede hält, als er denkt, alles erobert zu haben, lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.

Kloves
Ich spielte mit der Rede Voldemorts, aber die Essenz ist von Jo. Ich schneiderte sie auch in gewisser Weise auf Ralph zu. Die Art, wie Ralph Voldemort spielt, ist so mutig, denn er hat einen Hauch von Stolz an sich und Ralph weiß einfach, wie man diese Töne trifft. Da ist eine Zügellosigkeit, die in vieler Hinsicht sein Untergang ist. Also spielte ich es aus, dass er in diesem Moment einen Tick zuviel schwelgt. Aber Ralph ist nervtötend, denn er trifft Töne, die man nicht erwartet.

Domhnall Gleeson, Bill Weasley
Da waren all diese Kids am Set und er erschreckte sie zu Tode. Das war super.

Oliver Phelps, George Weasley
Ich war selbst da, aber glücklicherweise stand Rupert vor mir, also schubste ich ihn weiter nach vorn.

Tom Felton, Draco Malfoy
[…] Crabbe stirbt, was Malfoy überhaupt nicht berührt, um ehrlich zu sein. Wir kletterten auf Berge von Stühlen und alten Tischen da drinnen [im Raum der Wünsche, Anm.d.Ü.], und versuchten, uns vor dem Inferno zu retten. Es war ziemlich warm da oben – gelinde gesagt. Wir hatten einen Anzug unten drunter, ein Geschirr an und den ganzen schwarzen Anzug von Draco. Ich weiß überhaupt nicht, warum er das alles in der Schlacht anhaben sollte. Es scheint merkwürdig, das im Krieg zu tragen, aber ich vermute, er sieht scharf aus.

Lewis
[…] Es gibt diese Szene – und ich hoffe wirklich, dass sie drinnen bleibt – wo ein Junge getötet wird und Neville ihn zurück in die Große Halle trägt. Es ist dieses winzig kleine Kind; ein Junge kam dazu, um die Leiche zu spielen. Ich habe keine Ahnung, wie das ist. Ich habe noch nie eine Leiche gesehen, geschweige denn, eine in einer Schlachtsituation getragen. Ich hoffe wirklich, dass sie es im Film lassen, denn es zeigt Neville wirklich von seiner besten Seite. Es gibt auch die Kehrseite der Medaille, Sachen, die Spaß machen: ich darf das Schwert von Gryffindor schwingen.

Scan 4:
Rupert Grint, Ron Weasley
Es entwickelte sich ein bisschen zu einem Kriegsfilm. Wir alle formten diese Armee; das Schloss steht in Flammen mit Trümmern und Leichen überall verstreut. Es ist wirklich schockierend und es sind Kinder obendrein.

Evanna Lynch (Luna Lovegood)
Es gab eine Gruppe von Statisten, die herumgingen und "Die toten Kinder" genannt wurden. Einfach Menschen, die zurechtgemacht wurden, um tot auszusehen. Das war echt merkwürdig.

Coltrane
Wenn man so jung und fit ist wie ich, sind die Schlachtszenen natürlich alle an einem Tag. Sagen wir einfach, ich hatte eine Menge vielbeschäftigter Stuntmen.

John Richardson, Special Effects Supervisor
Mein absoluter Lieblingstag war der, als wir den Hof in die Luft jagten.[…] Es waren mindestens drei bis vier Wochen Arbeit für uns, alles vorzubereiten, zu verdrahten und alles für den großen Kampf fertig zu machen.[…]
Es war nur eine Aufnahme. Wir sprengen riesige Löcher in die Wände, die Dächer von den Kreuzgängen und wir haben Feuerbälle. Wir hatten wahrscheinlich eine halbe Tonne Balsaholz, das in die Luft ging. Es ist ein Shot, aber es ist nicht der Druck, der mir Sorgen macht. Es sind Kinder und Leute überall herum – man muss sicher gehen, dass ihnen nichts passiert. Wenn du dich zurücklehnst und entspannst, geht alles daneben.

Emma Watson, Hermine Granger
Sie haben uns Stöpsel in die Ohren gesteckt, um unsere Trommelfelle zu schützen, aber man hört es trotzdem, weil man so nah an den Detonationen ist. Es gibt diese eine Szene, wo sie all diese Bomben gleich neben uns explodieren lassen. Ich hatte absolut und ehrlich Angst.

Julie Walters, Molly Weasley
Die Heiligtümer des Todes – Teil 2 ist Mrs. Weasleys großer Moment.[…] Aber man sieht eine andere Seite von ihr. Es ist dieses Mal eine Rolle mit viel Körpereinsatz. Und sie hat einen der berühmtesten Sätze aus dem Buch. Jeder schrieb mir und sagte: "Ich HOFFE, sie werden DAS NICHT herausstreichen, oder?!"

Scan 5:
Daniel Radcliffe
Ich war immer sehr gegen das Fluchen in diesen Filmen, und ich weiß nicht, warum, weil ich sehr viel mehr im echten Leben fluche, als ich eigentlich sollte. Aber wenn der Satz "Nicht meine Tochter, du Schlampe!" im Buch ist, dann ist das in Ordnung. Ich meine, hallo, Bellatrix will gerade ihre [Anm.: Mollys] Tochter umbringen.

Helena Bonham Carter, Bellatrix Lestrange
Man sollte sich aufwärmen, bevor man mit Zauberstäben gegeneinander kämpft; das haben Julie Walters und ich gemerkt, als wir einander duelliert haben. Nach dieser Szene waren wir nur noch Krüppel. Sich zu duellieren und dabei rückwärts auf einem Tisch zu gehen, ohne herunterzufallen, ist recht schwierig. Und ich bin natürlich runtergefallen! Ich habe gesagt: "Kann da bitte jemand stehen und aufpassen?" Aber überall standen Leute herum und keiner von denen hat mich gewarnt.

Mark Williams, Arthur Weasley
Für den Dreh dieser Szene hätte man Eintrittskarten verkaufen können. Und natürlich kommen [Julie und Helena] super miteinander klar, weswegen es richtig lustig war. Eben unterhalten sie sich noch, und plötzlich reißen sie sich gegenseitig in Stücke. Es war brillant! Ich finde, [die Szene] ist wirklich ein Tribut an Helena, für ihren Mangel an Beherrschung. [...]

Radcliffe
Der Hof hat wirklich etwas, weil da dieser riesige Haufen Schutt liegt und alles ist grau und gothic-mäßig. Wir wollten eigentlich alle nur noch, dass Panzer über diese Geröllhaufen rollen. Es sah aus wie der perfekte Film über den Zweiten Weltkrieg, ein wenig wie "Der Soldat James Ryan".

Williams
Ich habe eine Menge Respekt für die Weasleys. Ich meine, es wird nie darüber diskutiert, dass sie ihre gesamte Sippe in einen Kampf auf Leben und Tod werfen. Und sie bringen das ultimative Opfer dar: sie verlieren eins ihrer Kinder; ein Gedanke, den man als Elternteil nicht zu denken erträgt. Das war recht knifflig für Julie und mich. Wir mussten einige Tage lang die Leiche eines geliebten Menschen beweinen, und das war nicht unbedingt die beste Sache, die man [Anm.: als Schauspieler] darstellen muss.

David Yates, Regisseur
Ich bin wirklich froh darüber, dass wir sehen, was mit Voldemort und was mit Harry und seinen Freunden passiert. Es fühlt sich sehr abgerundet und stimmig an. Und wir haben einen Schlusssatz, was ich toll finde. Daran gibt es etwas sehr bewegendes. Deswegen fühlt es sich, also für mich, wisst ihr, so an, dass alles drin ist... Es gibt Action und ein Spektakel, aber es ist auch sehr bewegend und es ist abgeschlossen. Und daran gibt es etwas sehr befriedigendes.

Heyman
Es ist ein bisschen wie in der Oper, wie David Yates es beschreibt und das Gefühl, das er erreichen wollte. Es ist seltsam, das alles in Ruinen zu sehen. Teile der Schule, die wir kennen und lieben gelernt haben, werden recht brutal behandelt. Es ist läuternd und traumatisch. Eigentlich habe ich Hogwarts aber nie zerstören wollen. Ich empfinde nichts als Zuneigung für diese Gebäude und diese Sets.

Barron
Es ist eine Kombination aus sehr magischer Action und sehr fundiertem, klassischem Geschichtenerzählen. Als wir die Welt von Hogwarts zerstörten, da waren Teile von mir sehr, sehr traurig, aber ich war auch aufgeregt, weil es das Ende war.

Brief von Alan Rickman:

Für das Empire Magazine
26. April 2011


Ich bin gerade aus dem Synchronstudio zurückgekommen, wo ich das allerletzte Mal als Severus Snape in ein Mikrophon gesprochen habe. Auf der Leinwand waren einige Flashbacks von Daniel, Emma und Rupert von vor zehn Jahren zu sehen. Damals waren sie zwölf. Ich bin vor kurzem erst aus New York zurückgekehrt, und als ich dort war, hab ich Daniel (großartig) tanzend und singend am Broadway gesehen. Ein ganzes Leben scheint in Minuten vorübergezogen zu sein.

Drei Kinder sind erwachsen geworden seit ein Telefonat mit Jo Rowling, das ein winziges [entscheidendes; Erg. d. Ü.] Detail enthielt, mich davon überzeugte, dass mehr hinter Snape steckt als nur ein unveränderbares Kostüm, und dass sie die gewaltigste, aber feinfühligste Geschichte in den sichersten Händen hielt, obwohl damals erst drei Bücher erschienen waren.

Es ist ein uraltes Bedürfnis, Geschichten erzählt zu bekommen. Aber die Geschichte braucht auch einen großartigen Geschichtenerzähler. Danke für all das, Jo.

ALAN RICKMAN


Harry Potter in einem Wort:

Evanna Lynch: Sublime. - Sublim.

Timothy Spall: Spiffing. - Grandios.

Tom Felton: 'Life-changing', really, I suppose. Mind you, that's two words, not one. - 'Lebensverändernd', glaube ich, wirklich. Wohlgemerkt, das sind zwei Worte, nicht eins.

David Thewlis: Hysterical. - Hysterisch.

Bonnie Wright: Inspiring. - Inspirierend.

Michael Gambon: Good. - Gut.

Jason Isaacs: Fabulously lucky. That's one word if you say it fast. - Sagenhaft glücklich. Das ist ein Wort, wenn du es schnell sagst.

James Phelps: Great. - Großartig.

Oliver Phelps: Legendary. - Legendär.

Robbie Coltrane: Glue. - Kleber. [in Bezug auf sein Hagrid-Kostüm; Anm. d. Ü.]

Matthew Lewis: It's 'alright'. What? - Es ist 'in Ordung'. Was?

Emma Watson: Well, it's got to be 'magical', hasn't it? - Tja, es muss 'magisch' sein, oder?

Daniel Radcliffe: Unforgettable. - Unvergesslich.

Rupert Grint: Phenomenon. - Phänomen.

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